Immer mehr Unternehmen bieten systematisches Onboarding an, damit sich neue Teammitglieder schnell einarbeiten und vor allem auch wohlfĂŒhlen. Verantwortliche aus der Hotellerie berichten ĂŒber ihre Konzepte und Erfahrungen.
Der Einstieg in einen neuen Job ist meist mit Vorfreude, aber auch mit Unsicherheit verbunden. Ein herzliches Willkommen ist da ein guter Anfang. Im Viersterne-Superior-Hotel Ritter Durbach gibt es bereits seit LĂ€ngerem ein umfassendes, standardisiertes Onboarding-Programm, das Teil der ausformulierten Unternehmenskultur ist. So soll neuen Mitarbeitenden ein reibungsloser Start ermöglicht werden. Bereits zwei Wochen vor Aufnahme der BeschĂ€ftigung wird eine wertschĂ€tzende Welcome-Mail verschickt. Darin sind sicherheitshalber noch einmal das Datum und die Uhrzeit des ersten Arbeitstags vermerkt. Falls erforderlich, wird gebeten, fehlende Dokumente mitzubringen. Neues Service- und KĂŒchenpersonal erhĂ€lt mit dieser Mail auch die aktuellen Speise- und GetrĂ€nkekarten, angereichert mit Bildmaterial und ausfĂŒhrlichen ErklĂ€rungen.
Auch intern laufen die Vorbereitungen bei Neueinstellungen auf Hochtouren, berichtet Alexandra Löchte, Leitung Human Resources: âIn Hotelkit â die App nutzen wir fĂŒr die interne Kommunikation â, wird eine Checkliste mit allen Aufgaben erstellt, die von unserer Seite aus noch zu regeln sind, und fĂŒr alle involvierten Abteilungen freigegeben.â
"In Hotelkit wird eine Checkliste mit allen ÂAufgaben erstellt, die von unserer Seite noch zu regeln sind, und fĂŒr alle involvierten Abteilungen freigegeben.â
Alexandra Löchte, Leitung Human Resources, Hotel Ritter Durbach
Beispiele: Die Hausdame wird informiert, dass sie die Dienstkleidung bereitstellt, der technische Leiter, dass er â je nach Erfordernis der Position â eine personalisierte E-Mail-Adresse erstellt und ZugĂ€nge fĂŒr den PC und die Programme anlegt. Die Marketingabteilung wird gebeten, eine E-Mail-Signatur beizusteuern. âAlles, was erledigt wurde, wird in der Checkliste abgehaktâ, so Alexandra Löchte. Nach seinem Einstieg erhĂ€lt auch das neue Teammitglied Zugang zu Hotelkit und kann dort auf HandbĂŒcher, Checklisten und ErklĂ€rvideos zurĂŒckgreifen.
Azubis laden zum Galaabend und der Chef zum Werte-Briefing
Die jeweilige Abteilungsleitung hat im Hotel Ritter den Auftrag, den Einarbeitungsplan zu erstellen und die Teammitglieder zu informieren, die in diesen Prozess eingebunden werden. Darunter der Pate beziehungsweise die Patin, der/die als Ansprechpartner und Bezugsperson fungiert. Am Starttag nehmen Alexandra Löchte oder ihre Assistentin den Newcomer in Empfang. âWir unternehmen eine HausfĂŒhrung und beantworten offene Fragen.â Noch innerhalb der ersten Woche findet eine offizielle BegrĂŒĂung im Rahmen des Abteilungsleitungs-Meetings statt, hier stellt jeder sich und seinen Aufgabenbereich vor. Gastgeber und EigentĂŒmer Dominic MĂŒller ĂŒberreicht ein Handbuch mit den wichtigsten Daten und Fakten zum Hotel, wozu auch die sogenannten GlĂŒcksritter-Werte zĂ€hlen.
GlĂŒcksritter, so werden die rund 160 Teammitglieder hier genannt. âRitterlichâ zu sein, ist Teil der Vision und Mission, wozu Dominic MĂŒller persönlich eine separate SchulungsmaĂnahme als Bestandteil des Onboardings durchfĂŒhrt. Der Einstieg wird darĂŒber hinaus durch eine kleine SchultĂŒte mit Naschereien versĂŒĂt, auch einen Gutschein fĂŒr das hoteleigene Restaurant âMakidanâ sowie einen Kaffee-&-Kuchen-Voucher gibt es, der gemeinsam mit dem Paten genutzt werden kann.
Auszubildende starten im Hotel Ritter zunĂ€chst mit drei intensiven Kick-off-Tagen. Sie unternehmen eine Schatzsuche durch Durbach und eine Wanderung auf das Schloss Staufenberg. âHighlight dieser EinfĂŒhrungstage ist unser Azubi-Galaabend, der von den Auszubildenden im zweiten und dritten Ausbildungsjahr eigenverantwortlich geplant und realisiert wird. An diesem Abend werden die Absolventen geehrt und die NeuzugĂ€nge willkommen geheiĂenâ, erlĂ€utert die HR-Verantwortliche.
Ihre Top-Tipps fĂŒr eine erfolgreiche Einarbeitung: âIch halte eine offene und transparente Kommunikation fĂŒr elementar. Es sollte auf beiden Seiten nichts schöngeredet werden. Die neuen Mitarbeitenden sollten das Ziel kennen, auf das hingearbeitet wird und die Erwartungen, die an sie und ihren Aufgabenbereich gestellt werden. Gleichzeitig wĂŒnschen wir uns, dass man auch uns mitteilt, was noch benötigt wird oder wo es hakt. DafĂŒr finden in den ersten Wochen regelmĂ€Ăige Feedback-GesprĂ€che statt.â
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Digitale Elemente bilden wichtige Basis
Bei den Althoff Hotels mit Hauptsitz in Köln lĂ€uft das Prozedere Ă€hnlich ab. âWir haben mit unserem Onboarding-Prozess sehr gute Erfahrungen gemacht, da wir auf diese Weise sicherstellen, dass sich die neuen Kolleginnen und Kollegen sehr schnell und effektiv in ihr neues Arbeitsumfeld integrieren und produktiv arbeiten könnenâ, resĂŒmiert Katja Fauth, Vice President Human Resources. Digitale Elemente bilden auch bei den AltÂhoff Hotels eine wichtige Basis fĂŒr das funktionierende Zusammenwirken: âAtriumâ heiĂt die interne Kommunikations-Plattform von Workvivo, die hotelintern und standortĂŒbergreifend dem Austausch dient. âLunisâ ist der Name der eigens von den Althoff Hotels entwickelten digitalen Mitarbeiter-Akte, die vom jeweiligen Teammitglied selbst einsehbar ist und unter anderem den Schulungsplan sowie die Dokumentation der Feedback-GesprĂ€che beinhaltet.
In Lunis ist auch der Onboarding-Prozess abgebildet: So erhalten die Abteilungsleiter die notwendigen Unterlagen gleich digital und personalisiert â zu allen relevanten Themen von der Uniformbestellung bis zu den EvaluierungsgesprĂ€chen. Ebenfalls spannend: Teils finden im Rahmen der Einarbeitung Crosstrainings in anderen Abteilungen statt. âFront-Office-Mitarbeiter erhalten zĂŒgig Einblick in die weiteren Rooms-Departments, wie Housekeeping und Reservierungâ, erlĂ€utert Katja Fauth. Das Ergebnis sind Produktkenntnisse und abteilungsĂŒbergreifendes VerstĂ€ndnis.
Teamschulung, Sprachkurse, Hilfe bei Wohnungssuche und BehördengÀngen
Die Integration auslĂ€ndischer Mitarbeitender macht das Onboarding nochmals anspruchsvoller. Das Hotel Ritter und die Althoff Hotels sind hierauf eingestellt. Bei den Leonardo Hotels Central Europe lĂ€uft das diesbezĂŒgliche Integrationsprogramm besonders frĂŒhzeitig und engagiert an: NachwuchskrĂ€fte nehmen mit finanzieller UnterstĂŒtzung der Hotelgruppe noch in ihrer Heimat an einem sechsmonatigen Deutschkurs teil und qualifizieren sich bis Level B2.
Die Sprachausbildung wird durch monatliche Videocalls und Webinare mit deutschen Kolleginnen und Kollegen begleitet. AuĂerdem steht den neuen Mitarbeitenden schon vor ihrer Einreise ein Mentor aus einem deutschen Hotel mit Rat und Tat zur Seite. âWir wollen den Menschen, die zu uns kommen, den Einstieg im fremden Land so angenehm und einfach wie möglich gestaltenâ, betont Anke Rohn-Maas, Human Resources Director Central Europe. Das heiĂt auch: Neuankömmlinge bekommen die Möglichkeit, in den ersten vier Monaten ihres Aufenthalts in dem Hotel, in dem sie arbeiten, zu wohnen. In einigen StĂ€dten verfĂŒgt das Unternehmen ĂŒber Werkswohnungen â ein Konzept, das in Zukunft weiter ausgebaut werden soll.
Wir wollen den Menschen, die zu uns kommen, den Einstieg im fremden Land so angenehm und einfach wie möglich gestalten.â
Anke Rohn-Maas, Personalchefin, Leonardo Hotels Central Europe
Auch Novum Hospitality begleitet neue Mitarbeitende von Anfang an mit umfassenden Onboardings. In Hamburg folgt eine englischsprachige Einarbeitung innerhalb der âNovum Hospitality Schoolâ. âWir geben eigene Sprachkurse, darunter Deutsch als Fremdsprache, stellen UnterkĂŒnfte beziehungsweise leisten UnterstĂŒtzung bei der Wohnungssuche. Zudem begleiten wir bei wichtigen BehördengĂ€ngen, beispielsweise zum Einwohnermeldeamt, oder zur Kontoeröffnung bei einer Bankâ, teilt David Etmenan mit, Chief Executive Officer und Owner.
Im Luitpoldpark Hotel in FĂŒssen bekommen die auslĂ€ndischen Kollegen, wenn möglich, einen gleichsprachigen Paten an die Seite gestellt. Zudem erhalten sie am Ende jedes Tages eine Art Briefing â mit Lob fĂŒr gute Arbeit und Verbesserungstipps. Die deutschen Teammitglieder wiederum werden geschult, wie sie am besten mit den neuen Teammitgliedern umgehen, berichtet Restaurantleiter und Ausbildungskoordinator Nalin Bulathsinhala. âWir arbeiten notfalls mit einer Ăbersetzungs-App, Piktogrammen und kommunizieren mit Hand und FuĂâ, sagt Alexandra Löchte und schmunzelt. FĂŒr das Hotel Ritter stellt sie fest: âDas hat bisher immer gut funktioniert.â Wobei bei Bedarf auch die Kosten fĂŒr Sprachkurse ĂŒbernommen werden.