Innovation Camp • Mit Fotostrecke • Mut, Persönlichkeit und Wertewandel

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Das Innovation Camp mit Maria Mittendorfer von Fair Job Hotels (vorn rechts) fand dieses Jahr zum dritten Mal statt. © Mabo-media/ Marko Bogdanovic

Die persönliche Entwicklung der "Next Generation" im mittleren Management stand im Mittelpunkt des dritten Innovation Camps der Fair Job Hotels in Göttingen. Inspirierende Vorträge, Workshops und der direkte Erfahrungsaustausch untereinander gaben den Young Professionals neue Impulse mit auf den Weg.

Wissenstransfer, Persönlichkeitsentwicklung und Networking: Beim dritten Innovation Camp der Initiative Fair Job Hotels ging es jüngst wieder um den offenen Dialog der Generationen. Rund 90 Teilnehmer aus 35 Partnerhotels trafen sich hierzu nach zwei Jahren pandemiebedingter Pause im Hotel Freigeist Göttingen Nordstadt. Mit dabei waren Auszubildende im zweiten oder dritten Lehrjahr, duale Studierende, Mitarbeitende und Abteilungsleiter. Das Eventformat soll mehr Raum für die persönliche Entwicklung im mittleren Management schaffen. Fair Job Hotels möchte so Potenziale von jungen Menschen in der Branche fördern und diese in ihrer Entwicklung unterstützen.

„Die Partnerhotels lernen und schulen fachspezifisch, doch die Themen Selfcare, Wertewandel und Persönlichkeit werden zusätzlich immer präsenter“, erläuterte Maria Mittendorfer, Geschäftsführerin der Fair Job Hotels, den Hintergrund des Formates. „Wir wollen einen Zugang dafür schaffen und den persönlichen Anliegen Raum geben – ganz nach dem Motto: Jeder nimmt etwas für sich selbst und schlussendlich für den eigenen Betrieb mit.“

Bei der Programmgestaltung achte sie auf eine „gute Mischung“ aus Wissenschaft und Soft Skills, so Mittendorfer weiter. Frische Impulse durch wechselnde Locations, Speaker und Themen aus der Branche seien ihr wichtig. „Im Austausch mit den Menschen kristallisiert sich schnell heraus, welche Themen die Branche derzeit bewegen. Dann greifen wir das beim nächsten Event auf.“

Impulse durch Branchenkenner

Unter den Referenten dabei war Eva Brandt, Unternehmerin und Entwicklerin des Persönlichkeitsmodells „Mind-Kodex“. Sie coacht seit 24 Jahren Führungskräfte und Manager in Deutschland, Österreich und der Schweiz. In ihrem Vortrag ging es um Erkenntnisse der Soziologie, Psychologie und Pädagogik, darum Erlerntes und die Werte der Mitarbeiter zu stärken und ihr „erblich bedingtes“ Potenzial zu entdecken. Brandt teilte dafür die Persönlichkeit in ein Modell mit vier Faktoren ein: Macher, Empathiker, Analytiker und Werte.

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Eva Brandt entwickelte das Persönlichkeitsmodell "Mind Kodex". - © Mabo-media/ Marko Bogdanovic

In Team-Zusammensetzungen bedeutet das: Analytiker geben die Struktur vor, Empathiker halten Teams zusammenhalten und Macher sorgen für Tatkraft und Handlung. Die persönlichen Werte des Einzelnen wiederum steigern ergänzend dazu das Potenzial der Gruppe oder gleichen Risiken aus.

Laut Brandt sollten sich Führungskräfte mehr auf ihre Mitarbeiter und deren individuelle Stärken und Potenziale einlassen und sich damit auseinandersetzten. Um im Team erfolgreich zu sein, riet Brandt zu heterogenen Teams, die sich gegenseitig ergänzen. In diesen könne jeder sein individuelles Potenzial einbringen.

„Wir können nicht glücklich sein, wenn wir nicht leben wer wir sind.“

Eva Brandt

Für die Mind-Kodex-Expertin steht fest: „Wenn die Werte des Unternehmens nicht mit den eigenen Werten übereinstimmen, kann das einen psychischen Konflikt beim Mitarbeiter auslösen." Darum sollte bereits in Recruting-Momenten darauf geachtet werden, ob die Werte des potenziellen Arbeitnehmers mit den Werten des Unternehmens übereinstimmen und ob dieser in das vorhandene Team hineinpasst.

Aus der Komfortzone heraustreten

Jede Möglichkeit zu nutzen, aus der eigenen Komfortzone zu treten, war wiederum der Rat von Frank Simmeth, INLP-Trainer, ECA-Lehrcoach und Autor: „Was wäre alles möglich, wenn wir uns unabhängig machen würden von dem, was andere von uns denken?“ Dieser Denkansatz sowie die Eigenschaft des selbstsicheren Auftretens müsse in der Arbeit trainiert, geübt und erlernt werden. Denn ohne gewisses Maß an Selbstsicherheit könne das Personal kein guter Gastgeber sein. Selbstsicherheit und Mut seien die Basis von Erfolg, so Simmeth in seinem Vortrag „Mut zu sich selbst finden“.

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Frank Simmeth hat ursprünglich eine Ausbildung als Koch absolviert. Zudem hat er einen eigenen Podcast "Talentfinder". - © Mabo-media/ Marko Bogdanovic

Laut Simmeth kämen die Menschen zwar neugierig auf die Welt, doch ginge ihnen diese Eigenschaft im Laufe des Lebens durch eine „Entmutigungs-Gesellschaft“ verloren. Gerade im Arbeitsumfeld rät er Führungskräften daher dazu öfter als „Ermutiger“ aufzutreten. Chefs und Kollegen sollten sich gegenseitig in ihrem Handeln positiv bestärken. Einstellungen wie „das kannst du eh nicht“ oder „das macht besser jemand anders“ sollten laut Simmeth vermieden werden.

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    © Mabo-media/ Marko Bogdanovic
    Das Innovation Camp findet jährlich an wechselnden Locations der Partner-Hotels statt.
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    Über 90 Teilnehmende aus ganz Deutschland zählte das neuartige Format im Hotel Freigeist Göttingen Nordstadt.
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    © Mabo-media/ Marko Bogdanovic
    Am ersten Abend gab es für die Young Professionals im Restaurant "Intuu" im zweiten Haus der Freigeist Hotels in Göttingen ein Flying Buffet.
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    Mit einer Fotobox konnten gemeinsame Erinnerungen festgehalten werden.
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    Die Werte Kommunikation, Wertschätzung, Respekt, Weiterentwicklung und Teamgeist sind für die Teilnehmenden am Wichtigsten.
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    © Mabo-media/ Marko Bogdanovic
    In den jeweiligen Workshops gab es zu unterschiedlichen Themen die Möglichkeit im Team zu arbeiten.
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    © Mabo-media/ Marko Bogdanovic
    Im Workshop "Der Mythos der Generation Z" von Jessica Levers und Maureen Hahn der IST-Hochschule in Düsseldorf, ging es um Vorurteile und Lösungsansätze im Umgang mit der Arbeiternehmer-Generation Z.
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    © Mabo-media/ Marko Bogdanovic
    Nach den "Deep-Dive-Sessions" erläuterten die Teilnehmer in Gruppen ihre Lösungsvorschläge zu Brennpunktthemen der Branche.
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    © Mabo-media/ Marko Bogdanovic
    Bei einem gemeinsamen Lunch, konnten sich die Teilnehmer über die Vorträge austauschen.
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    © Mabo-media/ Marko Bogdanovic
    In der Hotelbar "Weights & Measures" konnte am ein oder anderen Feierabend-Drink genippt werden.

Zudem empfiehlt der Coach Führungskräften und Abteilungsleitern, nicht nur die Personal-Performance zu sehen, sondern das Unternehmen nach den Stärken der Mitarbeiter zu führen. „Wenn Mitarbeiter in ihren Stärken arbeiten, dann leisten sie auch entsprechend und es geht ihnen gut“, so Simmeth. „Wir müssen verstehen, dass Menschen die glücklich sind, auch besser performen.“

„Wie gut kannst du sein, wenn du das machen darfst, was du gern machst. Wir müssen deshalb in Stärken denken.“

Frank Simmeth

Bettina von Massenbach ist selbstständige Beraterin und unterstützt die Branche seit 2012 mit ihrem Unternehmen Oyster Hospitality Management. In ihrem Impulsvortrag sprach sie von persönlicher Leidenschaft, als auch davon, die Branche mit begeisterten Gastgebern zu stärken. Für Massenbach ist es wichtig, im Arbeitsalltag positive Gasterlebnisse zu schaffen und bei den Mitarbeitern Hospitality-Skills wie Empathie, Leidenschaft und Aufmerksamkeit auszubauen: „Jedes Mal steht ein neuer Mensch als Gast vor uns, mit anderen Bedürfnissen und Wünschen, auf die wir individuell eingehen müssen.“

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Bettina von Massenbach hat vor über 20 Jahren ihre Leidenschaft für das Gastgewerbe entdeckt. - © Mabo-media/ Marko Bogdanovic

Auch sie ist der Meinung, dass ein Gast nur positiv nach Hause gehen kann, wenn das Team im Hintergrund funktioniert. Daher seien eine regelmäßige Reflexion und das Trainieren aktiven Zuhörens im Team sehr wichtig. Letztendlich, würden alle Parteien von einer positiven, emotionalen Beziehung der Mitarbeiter profitieren.

„Es gibt nur Gewinner: Mitarbeiter, Geschäftsführung und schlussendlich der Gast.“

Bettina von Massenbach

Unter dem Slogan „Change4Passion“ steht für von Massenbach die Leidenschaft, Freude und die Leichtigkeit im Vordergrund, die die Hotellerie erneut erlernen müsse. „Ich finde, die Branche hat in letzter Zeit immer mehr an Schwere gewonnen und das würde ich gern wieder loswerden. Wenn wir unsere Emotionen mit hineinnehmen und unsere Teams berücksichtigen sowie die neue Generation Z in der Berufswelt wertschätzen lernen, dann kommt auch die Passion wieder.“

Positive Arbeitskultur zählt

Unter dem Titel „Verantwortung braucht Kompetenz“ widmete sich Alexander Scharf den Themen Persönlichkeits- und Unternehmensentwicklung. Er selbst ist gelernter Hotelkaufmann, selbstständiger Unternehmer und coacht seit mehr als 20 Jahren Führungskräfte zu diesen Themen. Scharf plädierte für einen „Mehrwert bei der Arbeit“.

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Alexander Scharf: „Lasst Geld nicht euren Hauptmotivator sein. Lieber im richtigen Job mit Freude arbeiten, dann kommt das Geld von ganz alleine." - © Mabo-media/ Marko Bogdanovic

„Wer führen will muss lernen, sich selbst zu führen“

Alexander Scharf

Mit seinem Projekt „I love Gastro“ möchte er eine positive Arbeitskultur definieren, die sich auf faire Honorierung, Wertschätzung und Weiterentwicklung konzentriert. „Eine qualifizierte Fachkraft muss nicht über das Thema Mindestlohn diskutieren“, so Scharf. Führungskräften rät er zu einem Perspektivwechsel: „Wir müssen uns mit den Menschen auseinandersetzen, nicht über sie hinweg.“ Das bedeute Abstand nehmen von einer puren Leistungsgesellschaft, in der Effektivität und Produktivität im Mittelpunkt stehen, sondern den Fokus eher auf eine Sinngesellschaft legen, in der Werte die Arbeit prägen.

Führung ist wertvoll

Unternehmensseelsorger und Kommunikationsexperte Rainer Schwarz wiederum berät Kunden aus Hotellerie und Tourismus in Sachen PR-Strategie und Glaubwürdigkeit. Dabei begleitet er Menschen in ihre persönlichen Herausforderungen am Arbeitsplatz.

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Rainer Schwarz: Als Unternehmensseelsorger rät er in Mitarbeitergesprächen "genau hinzuhören statt nur zuzuhören". - © Mabo-media/ Marko Bogdanovic

Für den Tübinger ist Führung etwas Wertvolles. Das Team und die Führungskraft selbst sollten gemeinsam daran wachsen. Schwarz riet in seinem Beitrag "Selbstführung in unruhigen Zeiten" andere Menschen bewusst anzunehmen und zu hinterfragen – getreu dem Leitsatz: Gesunde Kritik äußern und miteinander reden statt übereinander.

Drei Tipps für das seelische Wohlbefinden – von Rainer Schwarz:

1. Achte darauf, wen oder was du in dein Leben lässt.

2. Gönne dir immer wieder Zeit mit dir alleine, für deine persönlichen Auszeit-Momente.

3. Schließe jeden Tag mit einer Abendroutine ab, so dass deine Gedanken zur Ruhe kommen.

Fair Job Hotels inzwischen auch in Österreich

Die Wertegemeinschaft wurde 2016 von 15 führenden Hoteliers und Industriepartnern gegründet. Diese teilen die Vision einer positiven Branchenwahrnehmung und wollen durch die Zusicherung fairer Arbeitsbedingungen und Entwicklungsmöglichkeiten in den Partnerhotels besonders für junge Menschen, das Image der Branche nachhaltig verbessern.

Heute gibt es deutschlandweit 95 Hotelpartner und 18 Förderer der Initiative. 2022 wurden die Grenzen nach Österreich und zur Schweiz geöffnet. Mittlerweile gehören auch vier österreichische Hotels zur Initiative.