Modernisierung für 40 Millionen EuroSo sieht das Steigenberger Grandhotel auf dem Petersberg jetzt aus

Im Steigenberger Grandhotel & Spa auf dem Petersberg wurde Geschichte geschrieben. Konrad Adenauer ging dort ein und aus, und nach ihm viele weitere Politiker und Prominente, auch Angela Merkel war zu Gast. Jetzt wurde das Grandhotel und ehemalige Gästehaus des Bundes für rund 40 Millionen Euro fit für die Zukunft gemacht.

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Marmorboden, Messingapplikationen, Kristalllüster: Wer das Steigenberger Hotel auf dem Petersberg betritt, spürt sofort, dass er sich in einem der berühmtesten Grandhotels der Republik befindet. Im Entrée entfaltet sich vor den Augen der Gäste ein opulentes Gesteck aus Gladiolen, zwei schneeweiße Kunstskulpturen des Bonner Bildhauers Rudolf Hürth, beide von beeindruckender Größe, flankieren das Portal, das zur geschichtsträchtigen Rotunde führt. Letzere – 460 Quadratmeter Veranstaltungsfläche, 15 Meter Deckenhöhe – war unter anderem Austragungsort der G8-Außenministerkonferenz 1999 und ist nicht zuletzt deshalb von Interesse für eine Besuchergruppe, die gerade von einer Historikerin durch das Haus geführt wird.

Viele Gäste kennen das mittlerweile 112 Zimmer und Suiten umfassende Hotel mit dem spektakulären Ausblick auf den Rhein und die Stadt Bonn noch als Gästehaus der Bundesregierung. Als solches diente es seit 1954, 1990 wurde es von Steigenberger übernommen (s. Info weiter unten). Heute erstrahlt das prestigeträchtige Gebäude in neuem Glanz. Rund 40 Millionen Euro hat der Eigentümer, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), in den Umbau investiert. Und dieser fand während laufendem Betrieb statt. „Wir haben erst den Nord- und dann den Südflügel gesperrt“, erläutert Direktor Michael Kain, der den Umbau federführend betreute. Zweieinhalb Jahre lang dauerte die gesamte Modernisierungsmaßnahme, in der stets nur 50 Zimmer verfügbar waren. Und auch die
15 Tagungs- und Bankettsäle mussten gesperrt werden. Michael Kain: „Teilweise hatten wir nicht mal mehr eine Lobby, das war schon eine logistische Herausforderung.“

Ende des 19. Jahrhunderts ließ der 4711-Parfümfabrikant Ferdinand Mülhens das ausladende Gebäude im Naturpark Siebengebirge bei Bonn hoch über dem Rhein errichten. Mehrfach umgebaut und erweitert, zwischenzeitlich als Lazarett genutzt und nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst von US-Truppen beschlagnahmt, erlangte das Haus im Herbst 1949 Berühmtheit, als Bundeskanzler Konrad Adenauer (Foto) dort mit der Alliierten Hohen Kommission das Petersberger Abkommen aushandelte. Ab April 1954 mietete die Bundesregierung das Haus für Staatsbesucher. 1973 allerdings schloss der Hotelbetrieb wieder. Fünf Jahre später erwarb die Bundesregierung das Domizil schließlich, ab 1985 wurde es für umgerechnet rund 70 Millionen Euro modernisiert, und seit 1990 gehört es zur Steigenberger-Gruppe. Inhaber ist auch heute noch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima).

Spagat zwischen Historie und Moderne

Noch dazu sei es natürlich eine Herausforderung, ein Grandhotel mit einer solchen Vergangenheit in die Zukunft zu führen – das Haus zu modernisieren, ohne die Historie herauszurenovieren. „Wir haben sehr viel von dem erhalten, was ein Grandhotel ausmacht: die Marmorböden, den unter Denkmalschutz stehenden Kamin im Konrad-Adenauer-Salon, das Messing, die Kristallleuchter“, so Direktor Kain. Für frischen Wind sorgen die in allen Räumen verteilten Kunstwerke. Künftig dürften sich die Gäste an zeitgenössischer Malerei erfreuen, unter anderem vom Künstler Markus Tollmann, der schon in seiner Jugend Zeichenstunden bei Joseph Beuys genommen hat. „Jetzt ist die Atmosphäre wärmer“, stellt der Hoteldirektor fest.
Dazu tragen auch die Möbel bei, die weiterhin der Architektur des Hauses entsprechen: schwere Stoffe, gedeckte Farben, edle Hölzer, Messing – sowohl in den privaten als auch in den öffentlichen Räumen. Michael Kain: „Wir brauchten ein elegantes Interior, das nicht hypermodern ist.“ Allerdings, so betont er: Nicht nur die Einrichtung mache ein Grandhotel aus, sondern vor allem der erstklassige Service.

Und der muss vom Doppelzimmer bis in die Präsidentensuite perfekt sein. In Letzterer gibt es eine separate Küche, in der das Personal Speisen zubereitet und serviert. Auf
230 Quadratmetern (Preise ab 1.500 Euro pro Nacht) vereinen sich in den repräsentativen hellen Räumen moderne Möbel und Antiquitäten. Könnte der Mahagonitisch im Besprechungszimmer reden, er hätte wohl so einiges zu erzählen. Denn an ihm diskutierten hochrangige Politiker aus aller Welt schon vor mehr als 20 Jahren. „Wir wollten auch dieses Element nicht einfach so wegwischen“, erläutert Hannah Meyer-Berhorn, die für die Marketingbelange des Hauses zuständig ist.

Die größte Veränderung sieht die 22-Jährige, die bereits am Petersberg ihre Lehre absolvierte, im Spa-Bereich. Dort wurde nicht nur der Pool neu gefliest. Das Areal wurde auch um ein Hamam sowie eine Beautyfarm erweitert. „Wir hoffen, dass auch dies dazu beiträgt, weiterhin viele Leisure-Gäste ins Haus zu holen“, sagt Direktor Michael Kain, der eine Gesamtauslastung von 60 Prozent anstrebt. Bisher setzte sich die Klientel aus 50 Prozent Freizeit- und
50 Prozent Tagungsgästen zusammen. „Unter der Woche sind wir ein Tagungs- und Businesshotel. Aber am Wochenende sind wir Ferienhotel“, so der Direktor. Die weitläufigen Tagungssäle, darunter solche mit Platz für mehr als 800 Personen, würden vornehmlich von großen Firmen gemietet. In Zukunft wolle man aber auch noch mehr politische  Veranstaltungen durchführen – ein Punkt, der während des Umbaus nicht leicht zu realisieren gewesen sei.

Neue F&B-Konzepte erobern den Petersberg

Die lokale Bevölkerung soll künftig vor allem über die Gastronomie auf den Petersberg geholt werden. Wo zuvor nur ein Restaurant war, befinden sich mittlerweile vier F&B-Outlets. Neben dem großen Biergarten erwartet die Gäste das „Charles Bistro & Café“ sowie „Bill´s Restaurant & Grill“, die „Vinothek Wine & Champagne“ und das Weinrestaurant „Ferdinand Wine & Dine“ mit dem „New-Dining“-Konzept von Sternekoch Anthony Sarpong. Auf der Karte stehen Gerichte mit französischen, afrikanischen und arabischen Einflüssen, die mit außergewöhnlichen, jedoch stets regional angebauten Zutaten zubereitet werden.
Für Direktor Michael Kain ist die Gastronomie die bedeutendste Errungenschaft des Umbaus. „Vorher war der Südflügel nicht bewirtschaftet“, sagt er. „Es waren schöne Räume, die aber leider nicht gelebt haben. Jetzt sind wir endlich in allen Bereichen ein lebendiges Hotel.“ Das stellte das Steigenberger bereits beim Grand Opening mit hochkarätigen Gästen unter Beweis.

Verena Usleber

Michael Kain im Interview: “Wir wollen unsere Strahlkraft als Grandhotel nutzen“

Michael Kain ist Direktor des
Steigenberger Grandhotel
& Spa Petersberg.

Tophotel: Herr Kain, Sie waren zuvor im Steigenberger Parkhotel Düsseldorf auch schon für den Umbau zuständig. Sind Sanierungen Ihre Paradedisziplin?
Michael Kain: Ich baue gern – das weiß auch jeder, der mich kennt. Und ich glaube, dass ich ein gewisses Talent dafür habe. Deshalb werde ich sozusagen von Baustelle zu Baustelle geschickt. Ich bin kein Verwalter, bei mir muss immer was passieren – das ist es, was mir Spaß macht.

Die Modernisierungsarbeiten am Petersberg haben über zwei Jahre gedauert. Was ist jetzt, nach der Fertigstellung, die größte Herausforderung?
Jetzt gilt es, das Haus wieder neu zu positionieren. Wir wollen die Stammgäste, die über die Zeit sicherlich auch vereinzelt verloren gingen, wieder neu überzeugen. Und unsere Strahlkraft als Grandhotel nutzen. Dafür brauchen wir sehr gutes Personal. Das Team sinnvoll neu aufzubauen – darin liegt aktuell die größte Herausforderung.

Im Steigenberger Grandhotel & Spa Petersberg finden immer wieder große politische Veranstaltungen statt. Macht Sie das noch nervös?
Natürlich bleibt jeder Staatsempfang spannend. Man muss sich ja klarmachen, was das alles mit sich bringt. Die Polizei macht vorab schon ihre Rundgänge, die schauen sich die Gebäudepläne an, die Hundestaffel sucht das Haus nach Sprengstoff ab. Sämtliche Mitarbeiter werden gecheckt. Dann kommen die großen Limousinen den Berg heraufgefahren, darüber kreisen Hubschrauber, die die Fahrt sichern, und so geht es auch weiter. Das bleibt immer spannend.

Sie haben schon viele Staatsmänner und Prominente getroffen. Gibt es eine Begegnung, die Sie nie vergessen werden?
Durchaus. Ich hatte während einer politischen Veranstaltung eine Audienz beim Präsidenten des Kongo. Er wohnte mitsamt einer riesigen Delegation bei uns im Haus und bat mich auf seine Suite. Als ich dort ankam, nahm er mich an der Hand und führte mich durch meine eigene Suite, um mir zu zeigen, wie toll alles ist. Es war sehr witzig, weil er mir ja erzählt hat, was ich ihm eigentlich hätte erzählen sollen.

Interview: Verena Usleber

 

 

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