Tagung HDV manifestiert ihre Zukunft

Input und Netzwerken: Zur HDV-Herbsttagung trafen sich 180 Teilnehmer im Le Méridien Stuttgart. © Brit Glocke

Nachhaltigkeit, Mehrwertsteuer, Satzungsänderungen und eine Antidiskriminierungskampagne waren die Themen der Herbsttagung der Hoteldirektorenvereinigung Deutschland (HDV) im Le Méridien Stuttgart. Verliehen wurde zudem der Award „Exzellenter Ausbildungsbetrieb des Jahres 2023“.

Eigentlich standen die Themen Nachhaltigkeit, Verbandsentwicklung und Mehrwertsteuer-Entfristung ganz oben auf der Agenda des HDV-Branchenmeetings vom 10. bis 12. November im Le Méridien Stuttgart. Doch beim ersten Politik-Talk lief zuvorderst ein anderes Thema der aktuellen Diskussion den Rang ab: Die „Hab‘ ich was gegen!“-Aufklärungskampagne für das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) der Antidiskriminierungsstelle des Bundes sorgte für empörte Reaktionen unter den 180 Teilnehmern. Bereits einen Tag vorher hatte IHA-Chef Otto Lindner in einem Blogpost darauf hingewiesen.

Die Kampagne zeigt unter anderem ein Plakatmotiv, das zwei Frauen darstellt, denen als Paar in einem Hotel der Check-in für ein Doppelzimmer verweigert wird. Dazu ist der Slogan zu lesen: „Wenn sie im Hotel sagen: Als Paar können sie hier nicht einchecken.“ „Das ist unterirdisch“, brachte HDV-Vorstandsmitglied und Moderator Oliver Mathée die allgemeine Empörung auf den Punkt. „Wenn es eine Branche gibt, die offen und unkompliziert ist, dann sind wir das.“

Entsprechend forderte Mathée seinen Talk-Gast Stefan Schmidt (Bündnis 90/Die Grünen), Sprecher für Tourismuspolitik und Mitglied des Bundestages, zuallererst zur einer Stellungnahme auf. „Hier fehlt hier ganz klar der Weitblick. Ich verstehe, wenn sie davon verletzt sind“, sagte Schmidt und versprach, sich des Themas anzunehmen und ihm nachzugehen. „Ich möchte nicht, dass sich in den Köpfen das Bild verfestigt, das die Hotellerie-Branche diskriminierend sei.“

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    Diskriminierte Hotellerie?! Stefan Schmidt, Sprecher für Tourismuspolitik und Mitglied des Bundestages (links), bezog im Talk mit Oliver Mathée zur aktuellen Aufklärungskampagne „Hab‘ ich was gegen!" Stellung.
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    Politischer Talk-Gast: Stefan Schmidt, MdB, Tourismuspolitischer Sprecher der Bundesregierung (links), mit Jürgen Gangl, HDV.
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    Aktuelle Stunde mit Markus Luthe vom IHA. Das Thema Booking fehlte natürlich nicht.
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    Verbandsspitzen im Austausch: Jürgen Gangl, 1. Vorsitzender der HDV und General Manager im Park Inn by Radisson Berlin Alexanderplatz (links), und Markus Luthe, Geschäftsführer IHA Deutschland.
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    Neues Logo, neuer Slogan: Die HDV positioniert sich als "Netzwerk der Leader".
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    Festliches Highlight: Die Verleihung des Awards „Exzellenter Ausbildungsbetrieb 2023“ an das Tortue Hamburg, entgegengenommen von Svenja-Nadine Schramm, Director of Human Resources (Mitte).
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    Svenja-Nadine Schramm, Director of Human Resources im Tortue Hamburg, mit Bernhard Patter, Geschäftsführer Trainingsinstitut diavendo, Sponsor des Hauptpreises für den „Exzellenten Ausbildungsbetrieb des Jahres“, ein Führungskräftecoaching im Wert von rund 10.000 Euro.
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    Applaus für das Le Méridien-Team, das die HDV-Tagungsgäste kulinarisch verwöhnte.

Die Forderung aus dem Saal war zugleich eindeutig: „Es reicht nicht nur nachzufragen, was sich die Macher bei der Kampagne gedacht haben, sondern es geht darum, dass diese Plakate zurückgenommen werden“, sagte etwa Deike Eder, Geschäftsführerin vom Hotel Anders Walsrode. Und Katharina Darisse, Geschäftsführerin bei Fair Job Hotels, bot an mit Inhalten und Statistiken zu unterstützen. „Das Thema Diskriminierung einmal auf den Punkt zu bringen, war extrem wichtig“, konstatierte abschließend HDV-Chef Jürgen Gangl.

„Weg von der Klagemauer“

Beim Thema Mehrwertsteuer-Entfristung, kündigte Stefan Schmidt an, dass noch im November eine Entscheidung darüber im Rahmen der Haushaltsberatungen zu erwarten sei. „Ich bedauere sehr, dass im Haushaltsentwurf in Richtung 19 Prozent vorgearbeitet wurde und der Finanzminister dem Haushaltsausschuss des Bundestags nun die Verantwortung übergeben hat, Möglichkeiten zu finden, noch Geld hin und her zu schieben.“ Am Ende des Tages sei es eine sehr schwierige politische Entscheidung. „Ich habe die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben, aber sie schwindet ein Stück weit“, so Schneider.

„Weg von der Klagemauer“, appellierte dagegen Friedhelm Ost mit Blick auf die Mehrwertsteuer-Debatte an die Hotellerie. Im Talk mit Oliver Mathée bezeichnete der ehemalige Regierungssprecher und ehemaliges Mitglied des Bundestags die Hotellerie als „schlafenden Riesen“ und wies darauf, dass die Branche mehr auf die Politik zugehen müsse. „In der Offensive werden die Tore erzielt, seien sie selbstbewusster“, so Ost.

„Diese Aussagen zeigen, dass wir vielleicht unsere Verhaltensstruktur ändern müssen“, resümierte Jürgen Gangl. „Das Thema Klagemauer war sehr bildlich und wir stehen oft genug davor. Wir müssen viel mehr Positives zeigen und auch viel mehr Gesicht gegenüber der Politik. Wir haben nach wie vor nicht das richtige Standing, was auch die aktuelle Kampagne der Antidiskriminierungsstelle der Bundesregierung zeigt, wo die Hotellerie gewaltig selbst diskriminiert wird.“

Nächster Flächenbrand: Bettensteuer

Zur traditionellen „Aktuellen Stunde“ begrüßte die HDV den IHA-Geschäftsführer Markus Luthe, der die jüngsten Branchenentwicklungen vorstellte. „Bei den Übernachtungszahlen in den Beherbergungsbetrieben kommen wir erst ganz langsam wieder auf die Null-Linie von 2019“, so Luthe. „Die realen Umsätze der Branche liegen immer noch unter 2019. Unsere Belegungsrate ist in den ersten neun Monaten dieses Jahres um 8,7 Prozent gesunken. Beim Durchschnittpreis haben wir 16,5 Prozent zugelegt, der europäische Durchschnitt liegt bei 21,7 Prozent.“

Angesichts der Einführung neuer Bettensteuern in Saarbrücken und Potsdam befürchtet der IHA-Geschäftsführer nicht nur neue Zusatzbelastungen, sondern gleich einen „Flächenbrand“. Bei der Abschaffung der Hotelmeldepflicht für Inländer mahnte Luthe zudem fehlende Rechtssicherheit an. Zugleich kritisierte er die nicht vorhandene Weiterentwicklung der Nationalen Tourismusstrategie.

In Sachen Kurzzeitvermietung begrüßte Luthe, dass hier erstmals Zahlen veröffentlicht worden seien. „Das Segment macht erhebliche 9 Prozent Umsatz im Beherbergungsmarkt aus.“ Da inzwischen jedoch politischer Konsens bezüglich einer Regulierung der Kurzzeitvermittlung mittels individueller amtlicher Registrierungsnummern bestehe, gab sich Luthe zugleich zuversichtlich, zumindest dieses Thema bald entschärft zu bekommen. Bei den OTAs dagegen sieht es anders aus: Für die von der IHA unterstützte Sammelklage 2.000 betroffener Betriebe gegen die Buchungsplattform Booking sei in Deutschland keine Verhandlung vor dem nächsten Sommer zu erwarten.

Zugleich machte Luthe auf den neuen Entwurf zum Pauschalreiserecht aufmerksam, den die EU-Kommission am 29. November vorlegen werde. Darin sei unter anderem vorgesehen, Vorauszahlungen zu verbieten, sprich keine Kreditkartenbelastung vor Anreise des Gastes. „Wir werden heftig dagegen stimmen“, so Luthe.

ESG wird immer wichtiger

Weitere Panels der HDV-Herbsttagung legten den Schwerpunkt auf Themen wie Ökologie, Nachhaltigkeit und ESG. Unter anderem diskutieren Ralf Selke, MHP Hotel AG, und Claudia Sunderkamp, Hotour Hotel Consulting, moderiert von HDV-Pressesprecherin Angelika Heyer, über den Umgang mit Nachhaltigkeit aus Eigentümer- und Betreibersicht. „Gerade für Hoteldirektoren ist der Umgang mit Nachhaltigkeit wichtig, ebenso wie für Eigentümer von Immobilien“, so HDV-Chef Jürgen Gangl. „Aber auch wie die Prozesse rund um diese Themen intern und im Nachgang bewältigt werden können. Oder die Rolle, die ESG bei der Rekrutierung von Mitarbeitern spielt, die inzwischen immer mehr Wert auf Nachhaltigkeit legen.“

Martin Schoonbroodt von Provilan, Thomas Hansen von Ecolab und Oliver Mathée vom Day Spa Mediterana präsentierten die Möglichkeit, mit Mikroorganismen zu reinigen und zu desinfizieren, Christian Buer von der Hochschule Heilbronn stellte dazu die Ergebnisse einer HDV-Umfrage zu „Nachhaltigkeitszertifizierungen“ vor. In drei Workshops zu Ökonomie, Ökologie und Soziales wurden die Nachhaltigkeitsthemen vertieft.

HDV intern: Leitbildprozess abgeschlossen

Einen großen Part der Herbsttagung nahm die Mitgliederversammlung ein. „Wir haben heute die Zukunft der HDV 2030 manifestiert“, so Jürgen Gangl mit Blick auf verschiedene getätigte Satzungsänderungen. „Hier wurden Dinge beschlossen, die wir zwei Jahre lang mit der Leitbildentwicklung auf den Weg gebracht haben.“

Darunter fällt auch die eher subtile Neujustierung der Außendarstellung: Neues Logo, neue Farben, neues Wording. Die drei aufstrebenden Balken sind dabei erhalten geblieben, der mittlere Balken ist nun aber größer herausgehoben, „um den Schwerpunkt der HDV auf der Direktorenseite zu betonen“, so Gangl. Neues Gestaltungselement ist ein Netz, das symbolisch für den Austausch und die Zusammenarbeit der HDV-Familie steht. „So soll noch deutlicher werden, dass wir das Netzwerk der Leader sind, das mit einer persönlichen Mitgliedschaft verbunden ist.“

Beim Wording greift ab sofort der Slogan „Hotellerie bewegen“. Gangl dazu: „Wir bewegen Hotellerie, wir sind Hotellerie-Lovers, wir lieben die Hotellerie, wir machen Hospitality und wir sind das Netzwerk der Leader – das sind alles Slogans, die wir jetzt in der Breite kommunizieren werden.“ Der Leitbildprozess und die damit gegründeten Innovationsteams seien zugleich Schritte, die auf einen Generationswechsel in der HDV vorbereiten sollen. „Die Innovationsteam sind dabei weiterhin aktiv und Bestandteil der künftigen Vorstandsarbeit der HDV“, so Gangl.

Neue HDV-Mitglieder:

  • Kay Dubbert, Parkhotel Gütersloh
  • Malte Malessa, Hotel Lahnschleife, Schlosshotel Weilburg
  • Louis März, Riessersee Hotel
  • Martina Sand, Riessersee Hotel
  • Sandra Schmidt, Mercure Hotel Hannover City
  • Olaf Seibicke, Hotel Der Lindenhof

Neue HDV-Partner:

  • Luchs GmbH mit Guido Pauw
  • Medcon mit Markus Karasek
  • Tenbrink Hotelplan mit Burkhard Gößmann

Um die Mitgliederentwicklung klarer zu definieren und die Vorstandsarbeit auf breitere Füße zu stellen, wurden der bisherige „Ältestenrat“ in „HDV-Beirat“ umbenannt. Dieser soll künftig viel näher am Vorstand agieren und diesen auch beraten. Fördernde und ordentliche Mitglieder werden jetzt als Mitglieder, Partner, Medienpartner und Institutionspartner geführt. Darüber hinaus öffnet sich die HDV für Juniormitglieder aus zweiter Führungsebene. Hier war eine Mitgliedschaft bisher nur auf Einladung möglich. Bekanntgegeben wurden zudem die neuen Mitgliedschaften im Jahresverlauf (siehe Kasten).

Exzellenter Ausbildungsbetrieb in Hamburg ausgezeichnet

Ihren Ausklang fand die Tagung bei einem Walking-Dinner in den Tagungsräumlichkeiten des Le Méridien Stuttgart. Finaler Höhepunkt war hier die Verleihung des Awards „Exzellenter Ausbildungsbetrieb 2023“, auditiert von der Dekra. Der Preis ging in diesem Jahr an das Tortue Hotel in Hamburg, das die Komplettpunktzahl erreichte. „Angesichts von 100 Punkten kann man nur sagen: „Erfolgsstory, Top-Ausbildungsbetrieb – die richtigen haben gewonnen“, so HDV-Chef Gangl.

Entgegengenommen wurde der Award von Svenja-Nadine Schramm, Director of Human Resources im Tortue Hamburg. Sie verantwortet damit bereits im zweiten Jahr in Folge den Gewinnerbetrieb der Preisverleihung: 2022 hatte sie, damals noch in der Funktion als HR-Chefin im Budersand Hotel auf Sylt, für dieses Haus den Preis erhalten. „Als exzellenter Ausbildungsbetrieb auszubilden, ist keine One-(Wo)Man-Show, es braucht ein großes Team – und das haben beide Häuser. In Hamburg habe ich einen Pool von 200 Persönlichkeiten, die alle ihre Passion für diesen Beruf im Herzen tragen und täglich leben“, sagte Schramm in einer kurzen Dankesrede. „Für mich ist die Nachwuchsförderung ein ganz wichtiges To-do. Ich nehme diese jungen Menschen mit an Bord, ich begleite sie, bei mir dürfen sie authentisch bleiben. Wenn sie mir dann noch signalisieren, dass sie für unsere Branche brennen, dann sind sie bei uns genau richtig – und mein Team und ich begleiten sie in den Anfängen auf ihrer beruflichen Traumreise.“ Als Preis erhält das Hotelteam nun ein vom Coaching-Anbieter Diavendo gestiftetes Trainingspaket im Wert von knapp 10.000 Euro.

Der Award „Exzellenter Ausbildungsbetrieb“ wurde zum siebten Mal vergeben. Er zählt mit dem Zertifikat „Exzellente Ausbildung“ und dem „Deutschen Hotelnachwuchs-Preis (DHNP)“ zu den Nachwuchsaktivitäten der HDV.

HDV

Die Hoteldirektorenvereinigung Deutschland (HDV) sieht sich als Netzwerk der Leader und umfasst derzeit rund 150 reguläre Mitglieder und 50 Partnermitglieder der Zulieferbranche. Im Fokus stehen Networking, Erfahrungsaustausch und Weiterbildungsangebote für Führungskräfte. Ein besonderer Schwerpunkt gilt der Nachwuchsförderung in der Hotellerie.