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StartAufmacherHDV-Herbsttagung::"Das ‚Wir‘ steht im Vordergrund"

HDV-Herbsttagung"Das ‚Wir‘ steht im Vordergrund"

Die Hoteldirektorenvereinigung Deutschland (HDV) traf sich vom 18. bis 20. November in Braunschweig zur Herbsttagung und diskutierte im Spannungsfeld von Inflation, Innovation und Systemrelevanz. Außerdem wurde der Award „Exzellenter Ausbildungsbetrieb des Jahres 2022“ verliehen.

Von Krise zu Krise – beim Treffen der Hoteldirektoren im Steigenberger Parkhotel Braunschweig ging es diesmal angesichts der angespannten Welt- und Wirtschaftslage vor allem um Planungssicherheit und Perspektiven. „Steigende Kosten und Inflationsängste drücken auf die Stimmung“, so Jürgen Gangl, 1. Vorsitzender der HDV, der zugleich kritisierte das bezüglich des Einwanderungsgesetzes aus Drittstaaten immer noch keine Ergebnisse vorlägen.

Sein Appell an die Mitglieder: „Wir müssen gegenüber der Politik viel ganzheitlicher über die Branche reden, denn wir sind systemrelevant“, sagte Gangl mit Verweis auf die erst kürzlich veröffentlichte Studie „Wirtschaftsfaktor 360° Gastwelt“, die das Fraunhofer IAO im Auftrag der Tourismus-Denkfabrik Union der Wirtschaft (UdW) herausgebracht hat. „Im Grunde müssen wir über die Gastwelt reden, die nach der Automobilindustrie die Top-2-Wirtschaftbranche in Deutschland ist.“

Darauf nimmt auch die HDV-Frühjahrstagung Bezug, die 2023 in neuem Format an den Start geht. Diese soll erstmals als ein Branchen-Verbändetag der Gastwelt im Europa-Park in Rust stattfinden. Mit dabei: das Institute of Culinary Art (ICA), die Union der Wirtschaft, Fair Job Hotels, der Leaders Club Deutschland, das Frauennetzwerk Foodservice, die Selektion Deutscher Luxushotels, der Verband der Köche Deutschlands (VDK) und der Dehoga. „Mit diesem gemeinsamen Auftritt wollen wir gegenüber der Politik ein Zeichen setzen“, so Gangl.

Ein zentraler Punkt der Tagungsagenda war das neue Leitbild der HDV. Es wurde im Rahmen der diesjährigen Frühjahrstagung in Donaueschingen erstmalig präsentiert und im Laufe der vergangenen Monate durch sieben Innovationsteams aktiv weiterentwickelt. Im Fokus standen bei die Themen Außendarstellung, Veranstaltungsformate, HDV-Campus, interne Kommunikation, Regionen, neue Mitglieder, Außenkommunikation und Social Media. Einige der Ergebnisse wurden nun vorgestellt:

  • In den fünf HDV-Regionen sind künftig zweimal pro Jahr sogenannte HDV Camps geplant, die sowohl als hybride Tagesveranstaltungen stattfinden sollen.
  • Der 2021 gestartete HDV Campus mit Schwerpunkt auf der Weiterbildung nimmt weiter Form an. Als erster Anbieter an Bord ist das Beratungsunternehmen Diavendo für Personal- und Unternehmensentwicklung, auf dessen Kursangebot HDV-Mitglieder 20 Prozent Rabatt erhalten. Auch die zweite und dritte Mitarbeiterebene aus HDV-Häusern soll dabei auf das Campus-Angebot zugreifen können.
  • Ein Junior-Mitgliedschaft für Nachwuchskräfte soll ab 2023 für 600 Euro netto im Jahr möglich sein. Diese beinhaltet die Teilnahme an der Frühjahrs- und Herbsttagung, die HDV News + Newsletter sowie den Zugang zum Verbandsintranet. „Wir sehen den Mehrwert der Generationen als Stärke, die wir fördern wollen“, so Silke Spieske, General Manager im Sheraton Berlin Grand Hotel Esplanade. „Das ‚wir‘ steht klar im Vordergrund.“
  • Social-Media-Aktivitäten werden ausgeweitet und eine HDV-Hotelkit-Gruppe will wiederum den Zusammenhalt und Austausch der HDV-Familie befeuern. Erster Umsetzungspunkt: In der HDV sind jetzt alle per Du.
  • Aus Fördermitgliedern werden Industriepartner.

Zur traditionellen „Aktuellen Stunde“ begrüßte die HDV den IHA-Geschäftsführer Markus Luthe, der die Mitglieder in Sachen Konjunktur – „die ausländischen Gäste fehlen weiterhin“ –, Covid-19, Energie, Human Resources, Kurzzeitvermietung, Online-Buchungsportale auf den neuesten Stand brachte.

„30 Jahre verfehlte Energiepolitik fliegen uns um die Ohren“, so Luthe, der in Sachen „Abwehrschirm gegen die Energiekrise“ auf die Komplexität der Materie und den nach wie vor begrenzten Kenntnisstand verwies und die verschiedenen Gaspreisbremse-Szenarien für kleinere und größere Verbraucher skizzierte. Sein Fazit: „Die Hälfte der Energiekosten werde sie bekommen können, der Rest bleibt in der Kostenrechnung in ihren Büchern.“

In Sachen Mitarbeiter konstatierte Luthe zwar eine Rückkehr der Mitarbeiter nach dem pandemiebedingten Einbruch, gleichzeitig sei es um das Branchenimage aber nach wie vor nicht zum Besten bestellt. Mitarbeiterbewertungen seien eine Stellschraube dagegen vorzugehen: „74 Prozent der Mitarbeiter orientieren sich an Arbeitgeberbewertungen“, zitierte Luthe eine Studie des HR-Marktforschungsunternehmen Trendence in Zusammenarbeit mit der Uni Innsbruck. Im Rahmen der im Juni bekanntgegebenen Kooperation des Hotelverbands Deutschland mit der Arbeitgeber-Bewertungsplattform Kununu appellierte der IHA-Chef an die anwesenden Hoteliers, ihre Mitarbeiter regelmäßig dazu aufzufordern, Bewertungen im Internet abzugeben.

In Sachen Kurzzeitvermietung begrüßte Luthe den am 7. November veröffentlichten Vorschlag für eine neue Verordnung der EU-Kommission, um die kurzfristige Vermietung von Unterkünften EU-weit transparenter, effektiver und nachhaltiger zu machen. Bezüglich der OTAs warnte er, dass diese nach krisenbedingten Wachstumseinbrüchen nun dramatisch an Terrain zurückgewinnen werden. Die Branche werde von den OTAs weiterhin „gerührt und geschüttelt“, so Luthe auch mit Blick auf den Wechsels Bookings vom Agency zum Merchant Model, bei dem Reisende den Übernachtungspreis nicht mehr wie bisher direkt ans Hotel, sondern an die Plattform zahlen. „Ein weiterer strategischer Marktvorteil für Booking“, so Luthe.

Von einer Achterbahnfahrt in den nächsten Jahren sprach Prof. Marcel Fratzscher, Leiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, in seiner Keynote zum Thema Inflation. „Wir haben noch anderthalb bis zwei schwierige Jahre vor uns“, so der Ökonom. Für 2023 prognostizierte er ein Wirtschaftswachstum von -0,3 Prozent, insofern es nicht zur Gasknappheit komme. Ansonsten sei mit -6 bis -7 Prozent Wirtschaftswachstum zu rechnen. Fratzscher teilte seine Sorgen bezüglich der Überalterung in der Gesellschaft, der Lohnentwicklung – „steigende Lohnkosten sind für Unternehmen ein Problem“ –, steigender Kreditkosten sowie des stark rückgängigen privaten Konsums. „Die Dienstleistungsbranchen werden es im nächsten Jahr schwerer haben.“ Gleichwohl sieht er die deutsche Wirtschaft von sechs Erfolgsgaranten gestützt: starke Solidarität, starke Institutionen, Zivilgesellschaft, Wertschätzung der Wissenschaft, resiliente Unternehmen sowie Offenheit und Kooperation. „Stark solidarische Gesellschaften bewältigen Krisen besser, als hoch individualisierte Gesellschaften“, so Fratzscher.

Die künftig immense Bedeutung des Einkaufsmanagements betonte Jochen Oehler, Geschäftsführer der progros Einkaufsgesellschaft, in seinem Vortrag. „Allein 31 Prozent der Gesamtkosten eines Hotels machen Einkaufskosten aus“, so Oehler. Angesichts von bleibenden Lieferketten- und Produktionsengpässen, der sich bereits ankündigenden nächsten Preiswelle und einem weiterhin stagnierenden Nachfrageverhalten rät der Einkaufsexperte: „Gehen sie mit dem zwei- bis dreifachen, was sie bis jetzt kalkuliert haben, in die Budgetplanung 2023.“ Sein Fazit: „Die Multi-Krisen-Zeit, in der wir uns befinden, erfordert Multi-Krisen-Strategien.“ Entsprechend postulierte Oehler:

  • „Die Zeit für Convenience war noch nie so reif wie heute.“
  • „Der Wareneinsatz ist ein Auslaufmodell – wir müssen uns die Kosten anschauen!“
  • „Strategien fangen mit Fragen an.“
  • „59 Prozent der Hotels haben keinen Einkaufsmanager – das ist grob fahrlässig.“
  • „Vollautomatisierte Küchen sind im Kommen.“

Aus den Reihen der Politik zur Tagung zugeschaltet wurde Stefan Zierke, Mitglied des Bundestags und tourismuspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, der sich den Fragen von Vorstandsmitglied Oliver Mathée und weiterer Mitglieder stellte. „Die Tourismusbranche ist systemrelevant“, so Zierke. „Sie stoßen nicht auf taube Ohren.“ In Bezug auf ein flexibleres Arbeitszeitgesetz verwies er auf die Fürsorgepflicht des Staates. „Unternehmen sind hier genauso gefordert, Arbeitszeitmodelle anzubieten, die Mitarbeiter ansprechen“, so Zierke, der zugleich darauf verwies, dass hier auch praktikablere Lösungen aus der Branche selbst gefragt seien. In Sachen Einwanderungsfachkräftegesetz machte er Hoffnung, dass es nächstes Jahr in Kraft treten könne. Zierke: „Hier müssen wir zusammenstehen und sie müssen helfen, den Druck, den die Branche ausüben kann, auch auszuüben. Sprechen Sie ihre Bundestagsabgeordneten in ihren Wahlkreisen direkt an.“

Preisträger "Exzellente Ausbildung 2022": Marco Winter (links) und Felix Gabel vom Budersand Hotel Sylt
Preisträger „Exzellente Ausbildung 2022“: Marco Winter (links) und Felix Gabel vom Budersand Hotel Sylt. (Bild: Philipp Ziebart)

 

Zum abschließenden Höhepunkt der HDV-Herbsttagung zählte die Verleihung des Awards „Exzellenter Ausbildungsbetrieb 2022“ an das Budersand Hotel auf Sylt, das mit einem 100-prozentigen Audit-Ergebnisse überzeugte. „Das Hotel weiß, wie es seine Azubis glücklich macht und geht die berühmte Extrameile“, kommentierte Andreas Geiger, Senior Consultant bei Dekra, das Ergebnis. Hoteldirektor Marco Winter und Küchenchef Felix Gabel, die den Preis entgegennahmen, durften sich zugleich über ein von Diavendo gestifteten Trainingspreis im Wert von 9500 Euro für ihr Team freuen. Marco Winter, befragt nach den Puzzleteilen, die zum Erfolg führen: „Immer wieder hinterfragen, nicht aufgeben, fordern und fördern und respektvoll bleiben, selbst im größten Stress.“

Der Award „Exzellenter Ausbildungsbetrieb“ wurde zum sechsten Mal an einen Hotelbetrieb vergeben, der durch eine hervorragende Ausbildungsleistung überzeugt. Der Award zählt mit dem Zertifikat „Exzellente Ausbildung“ und dem „Deutschen Hotelnachwuchs-Preis (DHNP)“ zu den Nachwuchsaktivitäten der HDV.

Brit Glocke


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