Aus dem Lärchenhof wird Aui: 50 Jahre nach der Gründung wagt die nächste Generation einen radikalen Neustart. Community Kitchen, Self-Check-in und ein neues Design sollen den Gästen vor allem eines geben: mehr Unabhängigkeit.
Umi, eini, aussi: Der Südtiroler Dialekt kennt einige Richtungsadverbien. Aui, der neue Hotelname, steht für aufwärts, bergauf. Er passt perfekt zur Lage auf dem sonnigen, 1.414 Meter hoch gelegenen Plateau, bringt Heimatgefühl zum Ausdruck, ist kurz, prägnant, für internationale Gäste aussprechbar und auch sinnbildlich ein schöner Begriff. „All das war uns wichtig“, sagt Katharina Oberhauser.
Sie ist seit zwölf Jahren mit im Betrieb aktiv, den Gerd Oberhofer von seinen Eltern übernommen hat. Mit dem neuen Namen geht ein konzeptioneller Richtungswechsel einher. Intensiv haben die Hoteliers in den vergangenen Jahren beobachtet, wie sich das Reisen verändert, und ihr Resümee daraus gezogen.
Von der Dreiviertelpension zur Community Kitchen
Der Lärchenhof, vor 50 Jahren als Pension gegründet und 25 Jahre später zum Hotel ausgebaut, verkörperte optisch und inhaltlich das traditionelle Südtiroler Urlaubsangebot. „Es gab zuletzt 13 bis 14 ähnliche Viersternehotels in unserer Umgebung, wir waren nur eines von vielen“, erläutert Gerd Oberhofer.
„Jetzt sind wir einzigartig.“ Die Zahl der Zimmereinheiten blieb bei 26, dazu zählen großzügige Suiten und acht Apartments für bis zu acht Personen. Was der Vergangenheit angehört, ist die Dreiviertelpension. Es wird wahlweise nur Übernachtung oder Übernachtung mit Frühstücksbuffet angeboten.
Die Apartments verfügen über vollständig ausgestattete Küchen. Im offenen Erdgeschoss wurde außerdem eine „Community Kitchen“ mit drei kleinen Kochplätzen für die Gäste eingerichtet. Die Community Kitchen, deren Name Programm werden soll, ist von vielfältigen gemütlichen Sitzecken umgeben. Und auch von einem 24/7-Trustshop, in dem Gäste einzelne Zutaten, Snacks, Getränke oder komplette regionale Genusskörbe kaufen können. Im Kräutergarten hinter dem Hotel dürfen sich die Gäste kostenlos bedienen.
Sie entscheiden jeden Tag selbst, ob sie kochen oder auswärts essen möchten – etwa auf der Alm beim Wandern oder in der Skihütte während einer Skitour. Denn Gitschberg Jochtal ist eine beliebte Urlaubsregion zu jeder Jahreszeit. Zweimal pro Woche kochen Katharina Oberhauser und Gerd Oberhofer für ihre Gäste. An diesen Abenden möchten sie das Beisammensein besonders zelebrieren. Ihr Haus soll trotz aller Neuerungen warmherzig, persönlich und nahbar bleiben.
Mehr Effizienz und eine bessere Work-Life-Balance
Alles kann, nichts muss – so lautet das zentrale Leitmotiv. „Zeit wird immer wertvoller. Wir geben unseren Gästen mehr Freiraum“, so die Gastgeber, die das Aui eher als Homebase denn als Hotel betrachten. „Im Lärchenhof haben wir im Rahmen der Dreiviertelpension nachmittags ein Kuchenbuffet angeboten. Viele Gäste wollten nichts verpassen, und es war der Stress bemerkbar, rechtzeitig wieder hier zu sein“, erinnert sich Katharina Oberhauser.
Nun könnten sich die Urlauber entspannt treiben lassen und noch besser erholen. „Wir haben bereits einige Rückmeldungen bekommen: ‚Genau das haben wir gesucht‘“, freuen sich die Hoteliers. Auch sie profitieren von dem neuen Geschäftsmodell: Es ermöglicht ihnen eine bessere Work-Life-Balance und steigert zugleich die Effizienz. Die Küche war ein großer Kosten- und Personalaufwand. „Wir konnten die Zahl der Mitarbeitenden deshalb von 14 auf sieben halbieren.“
Digitale Abläufe und analoges Erlebnis im Einklang
Die neue Freiheit und Effizienz beginnen bereits mit dem smarten Self-Check-in. Gäste können auch nach 18 Uhr oder mitten in der Nacht anreisen, sie sind an keine festen Zeiten gebunden. Über einen Link gelangen sie schon von zu Hause aus zur „Aui-App“, können sich dort mit ihrer Reservierungs-ID einloggen und auf umfassende Informationen zugreifen. Mittels Smartphone haben sie Zugang zum Hotel, vor Ort lassen sich ergänzend Zimmerkarten (Key Cards) programmieren, um nicht immer das Smartphone dabei haben zu müssen. Die Hotelfabrik in Meran hat die passgenaue Software programmiert, die auf dem etablierten Produkt „Orderando“ basiert.
Der Self-Check-in, die Gästeinformation, das Aufbuchen von Einkäufen aus dem Trustshop per QR-Code, die Türöffnung über die Salto-Schließsysteme und die Bezahlung laufen über eine zentrale Lösung. „Uns war es wichtig, dort modernste Technik einzusetzen, wo sie Abläufe erleichtert, aber gleichzeitig ein hohes Maß an analogem Erlebnis zu bieten“, unterstreicht Katharina Oberhauser.
Ein warmes Ambiente prägt die Gestaltung. Von der Dachspitze bis zum Keller wurde innerhalb von vier Monaten umgebaut – ressourcenschonend unter Beibehaltung des Bestands. Dachformen, Grundrisse und Gebäudetechnik blieben weitgehend erhalten. Nach Plänen des Architekturbüros Gottfried Gruber aus Bozen wurde dem Gebäude, das rückwärtig in ein drei Hektar großes Wald- und Wiesengrundstück eingebettet ist, eine neue Lärchenholzfassade im Farbton Tannengrün vorgesetzt.
Die Balkone – jede Zimmereinheit ist mit Balkon ausgestattet – wurden vergrößert und bodentiefe Fenster eingesetzt. Wohnen wie im Waldchalet lautet das Motto, jeder Balkon erhielt die Dachform eines Chalets und damit eine heimelige Rückzugsatmosphäre. Das Designmotiv des Chalet-Dachs zieht sich durch, ob in der „Sitzhütte“ im Erdgeschoss oder den Pendants auf den Terrassen vor und hinter dem Gebäude.
Steckbrief Aui
- Eröffnung: 11. Juli 2026
- Inhaber/Bauherr: Gerd Oberhofer
- Betriebstyp: Designhotel
- Zimmerzahl: 26
- Mitarbeitende: 7
- Zimmerpreise: ab 95 Euro (nur Übernachtung)
- Planungszeit: 1,5 Jahre
- Baubeginn: März 2026
- Architekt: Gottfried Gruber, Bozen
- Innenarchitekt: Interior Design Lains, Bozen
- Beratung: Thomas Steiner, Brixen
- Projektmanagement: Achammer und Breitenberger, Lana
- Beleuchtung: Led-Tech, Eppan
- Logo, Branding, Homepage: Studio Puls, San Martino in Badia
- Ausstatter: u.a. Blanco (Spülen und Küchenarmaturen), Geberit (Sanitärprodukte), Herokal (Pool), Hotelfabrik (Software), Rauch Garden and Home (Gartenmöbel), Salto (Türschließsysteme), Sanikal (Bäder), Tip Top (Fenster)
Timing und Budget blieben im Rahmen
Ein weiteres wiederkehrendes Designelement ist das Aui-A, das beispielsweise schwungvoll in Holzoberflächen eingefräst ist. Für dieses Branding, aber auch für Logo und Homepage, zeichnete Studio Puls aus San Martino in Badia verantwortlich. Gerd Oberhofer lobt das enge Zusammenwirken aller Partner, die fast ausnahmslos regional ansässig sind. Die Projektmanager von Achammer + Breitenberger kontrollierten die Bauarbeiten wöchentlich, „Timing und Budget blieben im Rahmen“, zeigt sich der Bauherr zufrieden.
Im Interior Design spielt naturbelassenes heimisches Fichtenholz eine zentrale Rolle, im Zusammenspiel mit Grün- und Naturtönen sowie der Akzentfarbe Orange. Zahlreiche Kissen machen die Sitzbereiche innen wie außen kuschelig. Im Aufenthaltsbereich des Erdgeschosses fackelt ein virtueller Kamin. Pannonia Grün, ein Naturstein aus Österreich, prägt Küchenplatten und Waschtische in den Bädern. In den Zimmern liegen den Gästen Eichenböden zu Füßen. Aufgrund der vielfältigen Grundrisse hat beinahe jedes Zimmer einen eigenen Namen, vorab gekennzeichnet mit R wie Room, S wie Suite oder A wie Apartment.
Das „A Sky Loft“ beispielsweise ist 35 Quadratmeter groß und ausgestattet mit Doppelbett, Daybed, Küche – inklusive Induktionsfeld, Kühlschrank mit Gefrierfach, Mikrowelle mit Backfunktion, Spülmaschine, Kaffeemaschine, Wasserkocher –, Esstisch, 42-Zoll-TV, modernem Bad samt ebenerdiger Regenwalddusche, Safe und Balkon „mit crazy Bergblick“, so die Beschreibung der Hoteliers. Kinderbett, Wickeltisch und Hochstuhl sind auf Wunsch verfügbar, die Zimmerreinigung erfolgt im zweitägigen Rhythmus.
Die Preise werden wie zuvor mit Rateboard per Revenue Management pro Person und Tag kalkuliert. Neu ist: Die Dreiviertelpension ist nicht mehr enthalten. „Als wir vor 25 Jahren von der Pension zum Hotel wechselten, war es ein langer Weg hin zu wirtschaftlichen Preisen. Damals haben wir großen Wert darauf gelegt, unsere Stammgäste mitzunehmen“, sagt Gerd Oberhofer. Aus dieser Erfahrung habe er gelernt: „Heute sind die Preise von Anfang an wirtschaftlich. Gleichzeitig punkten wir mit der Besonderheit des Hauses, der kompletten Renovierung und dem neuen Infinity-Außenpool als weiterem Highlight.“
Wellnesshotel mit Angebot für Firmenfeiern
Der Pool vom Schwimmbeckenbauer Herokal aus Bozen ist beheizt und von innen zugänglich. Der Innenpool wurde dafür aufgegeben. Der dadurch entstandene Raum kam großzügigen Ruhebereichen mit Liegen und Daybeds zugute. Geblieben sind eine finnische Sauna, ein Dampfbad und ein Heubett. Zu den weiteren Annehmlichkeiten zählen ein Skiraum mit privatem Spind pro Zimmer, ein Bikeraum mit Lademöglichkeit sowie der kostenlose Verleih von Yogamatten, Hanteln, Therabändern, Wanderstöcken, Schneeschuhen und Grödeln. Vielfältigen Aktivitäten steht also nichts im Weg. Ein Billardzimmer kann flexibel zum Meetingraum gewandelt werden. Denn das Aui will sich auch für Firmenevents, Geburtstags- und Hochzeitsfeiern offen zeigen.
>> Der Beitrag ist in der Tophotel Ausgabe 9/2026 erschienen.
