Hotelreportage Naturhotel Belser: Vier Häuser, eine Vision

Das Naturhotel Belser setzt auf Nachhaltigkeit und regionale Verwurzelung.
Das Naturhotel Belser setzt auf Nachhaltigkeit und regionale Verwurzelung. © Frederik Dulay

Jahrelang war das Areal am Nürtinger Neckarufer Gegenstand hitziger Debatten. Heute prägt dort ein Ensemble aus vier Holzgebäuden das Stadtbild.

Christer Belser geht in die Hocke und streicht mit der Hand über den frisch eingelassenen Terrazzoboden in der Lobby. „Sieht schick aus. Aber ich würde es nie wieder machen“, sagt der Hotelier und lacht. Wochenlang wurde geschliffen, nachgebessert und diskutiert. Heute ist der Boden eines der auffälligsten Elemente des neuen Hotels am Nürtinger Neckar. Gleichzeitig steht er für ein Projekt, bei dem vieles komplizierter wurde als gedacht.

Vom Gastronomen zum Hotelbesitzer

Das Naturhotel Belser liegt zwischen Neckarstraße und Neckarufer und umfasst 60 Zimmer und Suiten, das Restaurant „Melchior“, die Skybar „1816“ sowie einen Sauna- und Ruhebereich. Dass heute überhaupt ein Hotel auf diesem Grundstück steht, war lange keineswegs sicher.

Ein früheres Großprojekt hatte Bürgerinitiative und Gemeinderat gespalten. Investor Hans-Joachim Neveling plante ein Fortuna-Hotel mit 230 Zimmern. Doch vielen Nürtingern erschien der Bau zu dominant. Der Widerstand wurde so groß, dass Neveling das Grundstück schließlich zurückgab. Die Stadt setzte danach auf ein deutlich kleineres Konzept – und auf einen Betreiber aus der Region: den Gastronomen Christer Belser, der seit mehr als zehn Jahren in Nürtingen das Restaurant Belser führt.

Neckarufer wird neu belebt

Der gelernte Koch arbeitete einst bei Spitzenköchen wie Léa Linster und Cliff Hämmerle sowie im Bayerischen Hof in München. Später war er Privatkoch von Medienunternehmer Rupert Murdoch. Doch der Traum von einem eigenen Hotel begleitete ihn schon lange. Belser stammt aus einer Familie, die in der Region fest verwurzelt ist. Ein Onkel führt das Einrichtungshaus Behr in Wendlingen, ein anderer ist Architekt. Genau diese Kombination spielte Belser auf dem Weg zum eigenen Hotel in die Karten. Nach dem Eklat mit der Bürgerinitiative beauftragte die Stadt Gunter Single, den Onkel von Christer Belser, mit einer Alternativplanung zum gescheiterten Großprojekt.

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    Die vier Gebäudepunkte sind über Stege miteinander verbunden. Diese sollen mittels Kletterpflanzen nach und nach zuwachsen.
    © Belsers Hotel
    Die vier Gebäudepunkte sind über Stege miteinander verbunden. Diese sollen mittels Kletterpflanzen nach und nach zuwachsen.
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    In den Zimmern trifft Sichbeton auf helles Holz. Die Abtrennung mit den Holzlamellen mutet japanisch an.
    © Frederik Dulay
    In den Zimmern trifft Sichbeton auf helles Holz. Die Abtrennung mit den Holzlamellen mutet japanisch an.
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    Die dunkelgrünen Fliesen im Bad setzen einen gelungenen Kontrast.
    © Frederik Dulay
    Die dunkelgrünen Fliesen im Bad setzen einen gelungenen Kontrast.
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    Die vier Gebäude erhielten eine Fassade aus dunklem Lärchenholz, das mit einem Vorvergrauungslack behandelt wurde.
    © Frederik Dulay
    Die vier Gebäude erhielten eine Fassade aus dunklem Lärchenholz, das mit einem Vorvergrauungslack behandelt wurde.
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    Im Restaurant Melchior wurden Möbel aus dem ersten Betrieb der Belsers zweitverwertet.
    © Frederik Dulay
    Im Restaurant Melchior wurden Möbel aus dem ersten Betrieb der Belsers zweitverwertet.
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    Das Melchior bietet regionale Küche, modern interpretiert.
    © Frederik Dulay
    Das Melchior bietet regionale Küche, modern interpretiert.
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    Bei der Gestaltung der beiden Suiten kooperiert das Hotel mit Geberit und dem Künstler Jörg Heikhaus alias Alex Diamond.
    © Jörg Heikhaus
    Bei der Gestaltung der beiden Suiten kooperiert das Hotel mit Geberit und dem Künstler Jörg Heikhaus alias Alex Diamond.

Der Architekt entwarf vier aufgelockerte Baukörper: drei Haupthäuser und einen niedrigeren Wellnessbau. Das neue Konzept war wie geschaffen für ein privat geführtes Hotel mit 60 Zimmern. Um das Neckarufer zu beleben, rückte Single den Gebäudekomplex so weit wie möglich an die Neckarstraße. Dadurch entstand zwischen Hotel und Fluss eine großzügige Freifläche. „Mit dieser Planung haben mich mein Onkel und der neue Oberbürgermeister Johannes Friedrich angefixt“, sagt Belser.

Diesmal standen die Nürtinger hinter dem Projekt. Auch die Stadt und die Volksbank Mittlerer Neckar unterstützten die Pläne. Der Spatenstich erfolgte im März 2024, im Juni rückten die ersten Bagger an. „Wir haben das Grundstück unter strengen Auflagen übernommen“, erzählt Belser. „Für den Bau hatten wir drei Jahre Zeit. Hätten wir einen Baustopp verursacht, hätte die Stadt die Arbeiten selbst vergeben und uns in Rechnung stellen können.“ Hinzu kamen Förderdarlehen für nachhaltiges Bauen. Sie ermöglichten die Finanzierung, ließen aber wenig Spielraum bei Zeitplan und Umsetzung. Insgesamt dauerte die Bauzeit 21 Monate. Die Bauleitung lag in den Händen von Belsers Cousine Carla Single, ebenfalls Architektin.

Aufteilung auf vier Gebäude

Die Pläne von Gunter Single wurden nahezu unverändert umgesetzt. Weil die vier Häuser über Stege miteinander verbunden sind, wirkt die Anlage offen und durchlässig. Die Gebäude entstanden in Holzständerbauweise und erhielten eine dunkle Holzfassade. Pro Etage liegen jeweils sieben Zimmer. Haus 1 beherbergt Rezeption, Restaurant und Tagungsräume sowie in der vierten Etage die Skybar. In Haus 2 und 3 befinden sich die Zimmer sowie ganz oben drei Suiten und acht Boarding-Apartments. Haus 4 nimmt den Wellnessbereich auf.

Die Aufteilung auf vier Gebäude brachte allerdings zusätzliche Herausforderungen mit sich. Drei Aufzüge und mehr als 100 unterschiedliche Türen mussten geplant und miteinander vernetzt werden. „Das ist logistisch enorm aufwendig und stellt hohe Anforderungen an das Schließsystem“, sagt Lydia Belser, die sich während der Bauphase um die Auswahl der technischen Systeme kümmerte. Neben dem elektronischen Schließsystem von Salto entschieden sich die Hoteliers unter anderem für Lösungen von Straiv, Hotelnetsolutions, ChargeX, Happyhotel und Arivo. „Eigentlich hatten wir unseren IT-Dienstleister nur wegen der Büroausstattung kontaktiert. Dann kamen plötzlich Themen wie Gäste-WLAN, Firewall, Netzabdeckung zwischen den Gebäuden und Schnittstellen zwischen den Systemen dazu. Irgendwann sahen wir nur noch Fragezeichen.“

Gestalterisches Ziel: Hochwertig, aber nicht überladen

Während Lydia Belser die Bereiche IT, Buchhaltung, Preisgestaltung und Marketing verantwortete, kümmerte sich ihr Mann nach eigener Aussage um die „schönen Dinge“: Ausschreibungen, Vergaben und Küchenplanung. „Wir hatten praktisch alle Hoteleinrichter am Tisch“, sagt Belser. „Am Ende haben wir uns trotzdem entschieden, mit dem eigenen Einrichtungshaus Behr aus Wendlingen und dem Möbelforum Single zusammenzuarbeiten.“ Ein Generalunternehmer hätte Zeit gespart, die Projektkosten aber nahezu verdoppelt. Deshalb vergaben die Bauherren sämtliche Gewerke einzeln.

Das Interior Design entstand in enger Zusammenarbeit mit Carla Single. Ziel war ein hochwertiges, aber zurückhaltendes Ambiente. Sichtbeton, viel Echtholz und Rohstahl prägen die Gestaltung. Nach Angaben der Architektin sind sämtliche Materialien zertifiziert; auch Kleber und Lasuren erfüllen hohe ökologische Standards. Während der Planung wurden die Zimmer mehrfach überarbeitet. „Es war spannend zu sehen, wie unterschiedlich die Erwartungen sind“, erinnert sich Single. „Die einen wünschen sich einen großen Kleiderschrank mit vielen Schubladen, anderen genügt eine Kofferablage.“

Lydia und Christer Belser leiten das Hotel am Neckar.
Lydia und Christer Belser leiten das Hotel am Neckar. - © Frederik Dulay

Die Bauherren entschieden sich für einen Mittelweg: Schrank, Kaffeenische, Kofferablage und Sitzbank bilden eine durchgehende Einheit aus echter, gebürsteter Weißtanne. Das offene Bad mit dunkelgrün schimmernden Fliesen und massivem Waschtisch in Marmoroptik setzt dazu einen bewussten Kontrast. Eine japanisch anmutende Lamellenwand trennt die Bereiche optisch voneinander. „Wir wollten weg vom klassischen Businesszimmer mit Schreibtisch an der Wand“, so die Architektin. Stattdessen entstand eine wohnliche Café-Atmosphäre mit einer Sitznische und freistehendem Tisch. Von dort fällt der Blick direkt auf den Neckar.

Bei der Gestaltung der drei Suiten, die derzeit noch im Bau sind, gingen die Belsers eine Kooperation mit Geberit und dem Künstler Jörg Heikhaus alias Alex Diamond ein. Herzstück ist ein großformatiges Werk des Künstlers im Wohnraum, dessen Motive sich auch auf ausgewählten Oberflächen im Bad wiederfinden. Die Idee entstand aus dem Austausch zwischen den Hoteliers und Geberit-Hotelexperte Matthias Eschhaus. Ziel war es, die Suiten als eigenständige Kunsträume zu gestalten und ihnen eine individuelle Handschrift zu verleihen.

Recycelte Möbel und eine gebrauchte Küche

Um das Budget zu schonen, nutzten die Belsers einen Teil der Einrichtung aus ihrem bestehenden Restaurant weiter. Stühle und Massivholztische bekannter Hersteller wie e15 und Vitra fanden im Hotel und im Restaurant Melchior eine neue Verwendung. An anderer Stelle gönnten sie sich bewusst etwas Besonderes: Drei Marmortische aus dem Hause Draenert kosteten, wie Belser sagt, „ein kleines Vermögen“, passen aber perfekt in das Konzept des Restaurants. Gleiches gilt für den floralen Wandbelag von Wall and Deco, der nicht nur die Akustik verbessert, sondern auch den Keramikfiguren von Belsers Mutter, einer Töpferin aus Nürtingen, eine passende Bühne bietet.

Großes Glück hatten die Hoteliers bei der Küche. Durch einen Zufall erfuhr Belser, dass die erst drei Jahre alte Restaurantküche des „Rössle“ in Waldenbuch zum Verkauf stand. Nachdem sich kein Nachfolger für den Betrieb gefunden hatte, wurde das Restaurant geschlossen. Belser kaufte die Küche, ließ sie ausbauen und im neuen Hotel wieder installieren – inklusive der Industrie-Spül- und Waschmaschinen.

Während der Innenausbau relativ unkompliziert ablief, sorgte die Haustechnik für Kopfzerbrechen. Ursprünglich wollten die Bauherren das Hotel mit Erdwärme beheizen. Zu Beginn der Bauarbeiten ließen sie deshalb eine Probebohrung durchführen. Um die natürlichen Grundwasserverhältnisse nicht zu beeinträchtigen, durfte nur bis zu einer festgelegten Tiefe von 6 Metern gebohrt werden. Die Suche nach ausreichend nutzbarem Grundwasser blieb jedoch erfolglos. Die bereits errichteten Anlagen – ein Förderbrunnen und zwei Schluckbrunnen zur Rückführung des Wassers – konnten deshalb nicht genutzt werden. Die Bauherren mussten kurzerhand umplanen.

Heute versorgt eine Luft-Wasser-Wärmepumpe das Hotel mit Energie. Sie steht auf dem Dach des niedrigeren Gebäudeteils, in dem auch der Wellnessbereich untergebracht ist. Ergänzt wird das Konzept durch eine Photovoltaikanlage, die einen Teil des benötigten Stroms selbst erzeugt. In den öffentlichen Bereichen sorgt eine Fußbodenheizung für gleichmäßige Temperaturen, während in den Zimmern Heiz-Kühl-Geräte zum Einsatz kommen, die schneller auf Temperaturänderungen reagieren und die Räume im Sommer auch kühlen können.

Steckbrief Naturhotel Belser

  • Eröffnet: Mai 2026
  • Inhaber/Bauherr: Christer und Lydia Belser
  • Betriebstyp: Designhotel mit Gastronomie
  • Zimmerzahl: 60
  • Gastronomie: Restaurant Melchior (75 Plätze), Skybar 1816, Biergarten (400 Plätze) für 2027 geplant
  • BGF: 5320 Quadratmeter
  • Außenflächen: 990 Quadratmeter
  • Planungszeit: 2 Jahre
  • Baubeginn: März 2024
  • Investition: keine Angaben
  • Architekt: Gunter Single
  • Innenarchitektin: Carla Single
  • Schreiner: Single Innenausbau, Behr Einrichtung
  • Zimmerpreise: Standardpreis ab 119 Euro
  • Ausstatter: u.a. Georg Bechter Licht, Foscarini, Geberit, Salto Systems, Jab Anstoetz, Geberit, Straiv, Hotelnetsolutions, Charge X, Happyhotel und Arivo

Die Herausforderung: Retentionsausgleich und Hochwasserschutz

Erwähnenswert ist auch das Lüftungskonzept. Die Zimmer im Naturhotel Belser werden weitgehend natürlich belüftet. Dafür führen Öffnungen durch die Holzfassade und die dahinterliegende Heraklithplatte. Über diese Luftkanäle kann verbrauchte Luft entweichen, während gleichzeitig frische Außenluft nachströmt. Für die Zimmer an der stark befahrenen Neckarstraße entwickelten die Planer eine zusätzliche Schallschutzlösung. Mehrere Schaumstoffelemente in den Lüftungskanälen dämpfen den Verkehrslärm und lenken Schallwellen ab. So soll trotz der zentralen Lage ein ruhiges Raumklima entstehen.

Die größte Herausforderung beim Bau des Hotels waren die Themen Retentionsausgleich und Hochwasserschutz. Sie beschäftigen die Beteiligten bis heute. Da das Hotel im Überschwemmungsgebiet liegt, musste nachgewiesen werden, wie das durch den Neubau verdrängte Wasservolumen ausgeglichen wird. Ursprünglich sah die Planung unterirdische Retentionsbehälter vor. Die Lösung erwies sich jedoch als technisch aufwendig und wirtschaftlich kaum vertretbar. Auch eine zunächst geplante zweigeschossige Tiefgarage ließ sich unter den Vorgaben des Hochwasserschutzes nicht realisieren. Die dafür erforderlichen Sicherungsmaßnahmen hätten die Kosten massiv erhöht.

Hinzu kamen umfangreiche Gutachten, Nachweise und Abstimmungen mit Behörden und Fachplanern. „Jeder will sich heute zu hundert Prozent absichern“, sagt Carla Single. Im Laufe der Planung entwickelten die Beteiligten deshalb ein alternatives Konzept. Statt einer durchgehenden Bodenplatte kommen in weiten Bereichen versickerungsfähige Schottertragschichten zum Einsatz. So kann Wasser kontrolliert in den Untergrund gelangen. Nur einzelne Gebäudeteile, etwa das Treppenhaus, wurden als wasserdichte Konstruktionen ausgeführt.

Hotelanlage als Teil des Hochwasserschutzsystems

Auch der Hochwasserschutz selbst wird grundlegend neu organisiert. Bislang schützt ein rund 1,50 Meter hoher Erdwall das Gelände. Jedoch zerschneidet er die Fläche und versperrt den Blick auf den Neckar. Im Zuge der Außenarbeiten soll der Wall in den nächsten drei Jahren verschwinden. Seine Funktion übernimmt künftig das Hotel selbst als Teil des Hochwasserschutzsystems. Ergänzt wird es durch mobile Schutzelemente, die bei Bedarf rechts und links des Gebäudes aufgebaut werden.

Architektin Carla Single.
Architektin Carla Single. - © Natascha Ziltz

Droht Nürtingen ein Hochwasser, setzt die Feuerwehr die mobilen Elemente ein. Grundlage sind die Pegeldaten der Messstation in Kirchentellinsfurt. Wird dort ein kritischer Wasserstand erreicht, bleiben etwa drei Stunden Zeit, um die Schutzwand zu errichten. Dafür werden Stützen und Dammbalken in vorbereitete Bodenhülsen eingesetzt. Die Anlage erreicht eine Höhe von zwei Metern und ruht auf Fundamenten, die bis zu sechs Meter tief im Boden verankert sind. Mit dem Wegfall des Walls gewinnt das Areal deutlich an Aufenthaltsqualität. Geplant sind großzügige Grünflächen, ein Spielplatz und ein Biergarten mit rund 400 Plätzen. Das Angebot soll nicht nur Hotelgästen offenstehen, sondern auch den Nürtingern. Die Fertigstellung ist für Anfang 2027 vorgesehen.

Fragt man die Bauherren und ihre Architektin nach den wichtigsten Erkenntnissen aus dem Projekt, kommt die Antwort erstaunlich schnell: Beim nächsten Hotel würden sie die Haustechnik doch zentral steuern und die Lichtplanung von Anfang an einem spezialisierten Büro übertragen. Die Beleuchtung entstand im Naturhotel Belser weitgehend in Eigenregie. Im laufenden Betrieb zeigt sich nun, dass an einigen Stellen nachjustiert werden muss – etwa in den Bädern, die noch zu dunkel sind. An anderen Stellen ging die Rechnung dagegen auf: So setzen im Restaurant Betonleuchten des italienischen Herstellers Foscarini die Speisen gekonnt in Szene, ohne die Gäste dabei unangenehm anzustrahlen. Durchdacht ist auch das Lichtkonzept von Georg Bechter Licht aus Österreich, das in den Tagungsräumen, Fluren, Gästezimmern, der Lobby und der Rezeption umgesetzt wurde. Das Besondere dabei: Die kugelförmigen Leuchten werden bündig in Wände und Decken eingelassen und verschmelzen optisch nahezu mit dem Sichtbeton. Gleichzeitig nehmen sie die technische Infrastruktur für weitere Pendelleuchten auf.

Für ein weiteres Learning sorgte auch der eingangs erwähnte Terrazzoboden. Der Einkauf erschien zunächst günstig. Doch Nachbearbeitung, Schleifen und Oberflächenveredelung waren deutlich aufwendiger als erwartet. Hinzu kommt, dass sich kleinere Schäden wesentlich schwieriger beheben lassen als bei einem Fliesenbelag. Deshalb arbeitet derzeit ein Spezialist für Betonkosmetik einzelne Bereiche nach. „Wir hätten uns auch eine Fliese in Terrazzooptik vorstellen können“, sagt Single. „Die wäre zwar teurer gewesen, hätte aber für weniger Probleme gesorgt.“

Gut aufgestellt mit zwei Standbeinen

Seit Mai empfängt das Naturhotel Belser nun seine ersten Gäste. Christer und Lydia Belser setzen vor allem auf Geschäftsreisende; mit Unternehmen wie Heller, Metabo, Bosch, Fohhn Audio und Luisa Cerano gibt es in der Region zahlreiche potenzielle Kunden. Einige Firmen haben laut Belser bereits feste Zimmerkontingente zugesagt. Noch ist jedoch nicht alles fertig. Der Biergarten befindet sich im Bau, und auch der Wellnessbereich nimmt erst jetzt seine endgültige Gestalt an. „Der wird extrem schön“, sagt Belser. „Im Ruhebereich haben wir rund 4,20 Meter hohe Glasscheiben. Von dort blickt man direkt ins Grüne.“

Damit sich der Koch zwischen Hotel und Restaurant nicht verzettelt, hat er für sein erstes Lokal inzwischen einen Partner gefunden. Seit Kurzem leitet der langjährige Mitarbeiter Philipp Bauknecht das Restaurant. „Bei zwei Standbeinen besteht immer die Gefahr, dass einer der Betriebe darunter leidet“, sagt Belser.  

>> Die Hotelreportage ist in der Tophotel Ausgabe 6/2026 erschienen

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