Drei Gründer, ein nüchternes Bürohaus und ein dreimonatiger Umbau: Mit dem Alpami haben Benedikt Walz, Julian Bauer und Maximilian Couch in München ihre erste eigene Hotelmarke geschaffen.
Wäre da nicht das Schild an der Straße, man könnte das Hotel Alpami fast übersehen. Die große Tür mit elektronischem Zugang würde sich auch gut als geheimer Eingang zu einem exklusiven Szeneclub machen. Bis zur dritten Etage ist das Gebäude an der Fraunhoferstraße genau das, was man von einem ehemaligen Bürohaus aus den Sechzigerjahren erwartet. Heller Naturstein, schlichte Geländer, Neonlicht. Die Telekom hat darunter Büros. Nur ein großer Spiegel, auf dem sich die Gäste im Erdgeschoss mit Kritzeleien verewigen dürfen, deutet darauf hin, dass sich außer den Büros noch etwas anderes in dem schmucklosen Gebäude befindet.
Von einer Stufe auf die nächste verändert sich die Atmosphäre. Ein schwarzer Teppich dämpft im dritten Stock die Schritte. Die Wände werden dunkler. Wenige Meter später führt die Tür zum Alpami Boutique Hotel. Dahinter öffnet sich eine andere Welt.
Schwarz gestrichene Flure und Zimmertüren, Sichtbeton, freigelegte Leitungen, Neon-Flex-Leuchten und hohe Decken verleihen den Räumen New Yorker Loft-Atmosphäre. Gleichzeitig nehmen Eichenholz, warme Stoffe und kräftige Farben dem ehemaligen Bürogebäude jede Strenge. „New York meets Munich“, sagt Maximilian Couch. Er ist einer der drei Gründer und Geschäftsführer des Alpami.
Dass hier bis vor Kurzem noch Handwerker ein und aus gingen, lässt sich heute kaum noch erahnen. Nur an der Rooftop-Bar, die im August eröffnen soll, wird derzeit noch unter Hochdruck gearbeitet. Das Haus in Münchens beliebtestem Ausgehviertel beherbergte zuvor zehn Jahre lang das Boutiquehotel Flushing Meadows. Als die drei Gründer die dritte und vierte Etage übernahmen, entschieden sie sich für einen vollständigen Neuanfang. Innerhalb von nur drei Monaten entstand praktisch ein neues Hotel. „Die Lampen haben wir selbst aufgehängt. Die Matratzen zu dritt hoch getragen. Eigentlich haben wir alles eingerichtet, was nicht fest verbaut war“, erinnert sich Max Couch.
Eine Herausforderung war ausgerechnet das, was heute den Charakter des Hotels prägt. Die ehemaligen Büroräume verfügen über Deckenhöhen von mehr als viereinhalb Metern. Großzügig, aber alles andere als einfach zu gestalten. „Wir wollten eine Art Cocoon schaffen“, sagt Couch. „Man soll sich trotz der Höhe geborgen fühlen.“ Die Lösung waren maßgefertigte breite Holzrahmen an und über den Kopfenden der Betten, die die Raumhöhe vom Bett aus weniger imposant erscheinen lassen.
Maßgefertigte Schreinerarbeiten im Kontrast mit Knallfarben
Das Alpami folgt keiner nostalgischen Alpenromantik. Statt Hirschgeweihen und Altholz setzen die Gründer auf einen urbanen Stil mit alpinen Anklängen. Zwischen Beton und Industrial-Elementen kreieren ausgewählte Elemente und Kunstwerke individuelle Akzente. „Wir wollen alpine Gastfreundschaft mit einem modernen digitalen Ansatz verbinden“, so Couch.
Die Gestaltung zieht sich durch alle Zimmer. Die Duschwände wurden bunt foliert. Die bunten Vola-Armaturen bilden starke Kontraste. Hocker, Tische und Garderoben sind individuelle Schreinerarbeiten. Auch der Kleiderdiener aus gebogenem Stahlrohr entstand exklusiv für das Hotel. „Jeder legt seine Sachen irgendwann über einen Stuhl“, sagt Couch. „Also haben wir dafür eine bessere Lösung gebaut.“
Der Name Alpami geht auf die „Alpen Amigos“ zurück, wie sich die drei Gründer augenzwinkernd selbst nennen. Hinter dem Wortspiel steckt ein junges Unternehmen, das in erstaunlich kurzer Zeit gewachsen ist: die Alp Ami Hospitality GmbH, vor rund eineinhalb Jahren von den drei jungen Inhabern gegründet. Benedikt Walz verantwortet den operativen Betrieb, Julian Bauer Bau- und Projektentwicklung, Maximilian Couch das Business Development und die Expansion. Gemeinsam bringen sie Erfahrungen mit, die sie unter anderem bei Limehome, Bob W. und Charly Hospitality gesammelt haben. Mit dem Münchner Boutiquehotel führen sie nun erstmals eine eigene Marke.
Vom Mini-Balkonzimmer bis zur Penthouse Residence mit Terrasse
Der individuelle Ansatz – viel Marke Eigenbau, wenig Ausstattung von der Stange – setzt sich durch alle Zimmerkategorien fort. Die Grundausstattung bleibt nahezu identisch, unabhängig von der Größe. Unterschiede entstehen vor allem durch den Zuschnitt, die Lage und einzelne Besonderheiten. Einige Zimmer blicken auf ruhige Innenhöfe, andere über die Dächer des Glockenbachviertels bis zur Frauenkirche. Besonders gefragt sind die wenigen Zimmer mit Balkon.
Couch öffnet die Balkontür eines der kleinsten Zimmer, das, wie es Paris-Reisende kennen, links und rechts vom Bett gerade mal Platz für einen aufgeklappten Koffer hat. Viel Platz bleibt auch draußen nicht, dafür viel Münchner Charme. Zwei Stühle, ein Tischchen, ein unverbauter Blick über die Dächer. „Das ist Münchens kleinstes Zimmer mit Balkon“, sagt er und lacht.
Ganz oben wartet schließlich die Penthouse Residence. Zwei größere Zimmer lassen sich zu einer Einheit mit zwei Schlafzimmern, zwei Bädern und großer Terrasse verbinden. Ein Angebot, das sich an Familien ebenso richtet wie an Freunde oder Geschäftsreisende, die gemeinsam unterwegs sind. „Wie viele Hotels in München haben eine private Terrasse mit zwei Schlafzimmern?“, fragt Couch. Die Antwort liefert die Nachfrage. Schon kurz nach der Eröffnung gehört die Residence zu den meistgebuchten Kategorien.
Dass das Konzept funktioniert, zeigte sich überraschend schnell. Einen langen Anlauf brauchte das Alpami nicht. Bereits im ersten Monat lag die Auslastung bei rund 75 Prozent. „Normalerweise hast du einen Ramp-up“, so Couch. „Den hatten wir so gut wie gar nicht.“ Für ein Haus, das erst wenige Wochen geöffnet hat, ist das ein bemerkenswerter Start.
Steckbrief Alpami
- Eröffnet: 1. Juni 2026
- Inhaber: privat
- Betriebstyp: Boutiquehotel
- Zimmerzahl: 16
- Gastronomie: Frühstückskooperation mit „Hungriges Herz“; Rooftop-Bar mit kleiner Snackkarte
- BGF: 750 m²
- Außenflächen: Dachterrasse, Balkone, Penthouse-Residence mit privater Terrasse
- Planungszeit: 3 Monate
- Umbaubeginn: März 2026
- Investition: mittlerer sechsstelliger Betrag
- Bauleitung: Julian Bauer
- Innenarchitektur: Lova Design München
- Schreiner: SHL Fritz Schlecht
- Zimmerpreise: 180 bis 220 Euro; Penthouse Residence ca. 500 Euro
- Ausstatter: Daikin, Nespresso, Salto, SHL Fritz Schlecht (Möbel, Betten, Vorhänge, Kleiderdiener), Vola
Schlankes Managementkonzept mit Anschluss an die Nachbarschaft
Die Gäste beschreibt er als „Urban Professionals“ und „Lifestyle Traveller“. Menschen, die mitten im Glockenbachviertel wohnen möchten und bewusst ein kleineres Boutiquehotel wählen, weil sie Individualität suchen. Genau darauf richtet sich das Alpami aus. Das Hotel möchte nicht alles selbst anbieten. Es versteht sich vielmehr als Ausgangspunkt, um das Viertel zu entdecken.
Im Alltag setzt das Alpami auf ein bewusst schlankes Konzept. Der Check-in erfolgt digital über das Schließsystem, gleichzeitig ist mit Host Hannah Frühbeis eine persönliche Ansprechpartnerin vor Ort. „Wir trennen nicht in Front Office und Back Office“, erklärt Couch. „Der Host kümmert sich um die Gäste, alles andere erledigen wir aus unserem Büro.“ Das Housekeeping übernimmt ein externer Dienstleister.
Auch kulinarisch versteht sich das Hotel als Teil des Viertels. Statt ein eigenes Restaurant zu betreiben, kooperiert das Alpami mit dem nur wenige Schritte entfernten Brunchcafé und Restaurant „Hungriges Herz“. Hotelgäste erhalten dort 25 Prozent Rabatt auf die Speisekarte. Wer vor dem Frühstück trainieren möchte, bekommt einen kostenlosen Day Pass für das benachbarte Evo Gym, und nur eine Straße weiter gewährt Freeform Pilates 20 Prozent auf seine Kurse. Das Hotel ergänzt damit das Angebot des Glockenbachviertels, statt mit ihm zu konkurrieren. Im Erdgeschoss eröffnet in Kürze auch noch eine Matcha-Bar, die unabhängig vom Alpami betrieben wird und das Konzept des Hauses sinnvoll erweitert.
Rasante Expansionsstrategie mit Blick auf innerstädtische Toplagen
Diese Offenheit spiegelt auch die Unternehmensstrategie seiner Gründer wider. Das Münchner Boutiquehotel ist zwar ihre erste eigene Marke, längst aber nicht ihr einziges Projekt. Parallel betreut Alp Ami mehrere Hotels im White-Label-Betrieb in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Mit dem Strandhotel Berg am Starnberger See und einem Boutiquehotel in Nürnberg stehen bereits die nächsten Häuser in den Startlöchern.
Und es soll ebenso rasant weitergehen wie das junge Unternehmen gestartet ist. Maximilian Couch über den Expansionskurs: „A-Lage in B-Städten und B-Lage in A-Städten“, fasst er die Strategie zusammen. Gemeint sind innerstädtische Lagen mit Charakter oder Toplagen in Städten der zweiten Reihe. Boutiquehotels sollen dort entstehen, wo Nachbarschaft, Gastronomie und Kultur das Hotelerlebnis mitprägen. Das Team hält permanent Ausschau nach weiteren Objekten. „Wir hoffen natürlich, dass sich auch durch das Alpami neue Möglichkeiten ergeben.“
Auch weitere Kooperationen sind bereits in Planung. Zum kommenden Oktoberfest sollen Hotelgäste Trachten direkt im Haus anprobieren und ausleihen können. Ausgewählte Dirndl oder Janker werden dann schon als Hinweis auf den Service in den Zimmern hängen. Für Couch und seine Partner gehört auch das zur Idee des Alpami: Das Hotel soll seine Gäste nicht nur beherbergen, sondern ihnen den Zugang zur Stadt erleichtern.
Zurück im dritten Stock, führt der schwarze Teppich wieder ins Treppenhaus. Zwei Etagen tiefer beginnt der Büroalltag der Telekom. Oben bleibt ein Hotel, das in nur drei Monaten nahezu neu entstanden ist und dessen Rooftop-Bar noch auf ihre Eröffnung wartet.
>> Der Beitrag ist in der Tophotel Ausgabe 7-8/2026 erschienen.
