In der jĂŒngsten Konferenz von Bund und LĂ€ndern am vergangenen Donnerstag wurde keine ĂŒbergreifende Perspektive zur Wiedereröffnung von Hotellerie und Gastronomie in Aussicht gestellt. Aus der Branche, aber auch aus der Politik, werden die Forderungen immer lauter. Niedersachsen ist zwischenzeitlich vorgeprescht.
Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte mit den Regierungschefs der LĂ€nder vergangene Woche ĂŒber die Herausforderungen der Corona-Pandemie beraten. Dabei verstĂ€ndigten sich Bund und LĂ€nder zwar auf weitere Lockerungen. So sollen Gottesdienste möglich sein und SpielplĂ€tze wieder öffnen. Eine Entscheidung zum Thema Gastronomie und Tourismus wurde jedoch nicht gefĂ€llt.
Eine weitere Schaltkonferenz ist fĂŒr Mittwoch, 6. Mai, geplant. Zudem habe man die zustĂ€ndigen Fachministerkonferenzen beauftragt, bis zu der Konferenz, die auf den 6. Mai folge, sprich kurz vor den Pfingstferien, Perspektiven und Rahmenbedingungen fĂŒr die schrittweise Ăffnung von Gastronomie- und Tourismusangeboten sowie weiterer Kultureinrichtungen vorzubereiten, so die Bundeskanzlerin. "Immer vorausgesetzt natĂŒrlich, dass das Infektionsgeschehen das zulĂ€sst", betonte Merkel. Das Thema Restaurants sei deshalb so problematisch âweil wir, selbst wenn die Tische zwei Meter Abstand voneinander stĂŒnden, natĂŒrlich an einem Tisch nicht kontrollieren könnten: Sitzt dort eine Familie â dann ist das vollkommen unproblematisch â oder aber sitzen dort Menschen, die sich aus ganz unterschiedlichen HausstĂ€nden begegnen?â
Dehoga zum Vorgehen der Regierung
Ăber das Ergebnis der Bund-LĂ€nder-Schalte am 30. April zeigte sich der Dehoga Bundesverband sehr enttĂ€uscht. "WĂ€hrend Museen, Ausstellungen, GedenkstĂ€tten, Zoos und botanische GĂ€rten wieder öffnen dĂŒrfen, wurden fĂŒr das Gastgewerbe wieder keine relevanten BeschlĂŒsse getroffen â weder zum Thema Wiederhochfahren noch zu möglichen Hilfen", heiĂt es in einem Statement. Völlig unverstĂ€ndlich aus Sicht des Verbandes sei das Argument, Restaurants seien deshalb so problematisch, weil an einem Tisch nicht kontrolliert werden könne, ob da eine Familie sitze oder ob da Menschen sitzen, die sich aus verschiedenen HausstĂ€nden begegnen. "Das ist aus unserer Sicht falsch: Genauso gut wie auf SpaziergĂ€ngen oder im Einzelhandel lĂ€sst sich auch im Restaurant die Zusammensetzung kleiner Gruppen kontrollieren. Umso nachdrĂŒcklicher fordert der Dehoga nun von den GesprĂ€chen am 6. Mai einen klaren Fahrplan fĂŒr einen Neuanfang und einen Rettungsfonds fĂŒr das Gastgewerbe.
Im Vorfeld der Beratungen der Bund-LĂ€nder-Konferenz am 6. Mai schlĂ€gt auch Angela Inselkammer, PrĂ€sidentin des Dehoga Bayern, Alarm: âDie schockierenden Arbeitsmarktzahlen belegen die dramatische Situation unserer Branche.â So sei der Zugang in die Arbeitslosigkeit im deutschen Gastgewerbe im April um 208 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen. Das sei die höchste Steigerung aller Branchen der deutschen Wirtschaft. Auch bei der Kurzarbeit seien die Zahlen in Gastronomie und Hotellerie dramatisch hoch. âWaren im Februar deutschlandweit 173 Mitarbeiter in Kurzarbeit, so wurde im MĂ€rz und April fĂŒr ĂŒber eine Million BeschĂ€ftigte Kurzarbeit angezeigtâ, so Inselkammer. Damit seien insgesamt mehr als 95 Prozent aller sozialversicherungspflichtig BeschĂ€ftigten im Gastgewerbe betroffen. Unter BerĂŒcksichtigung der Verantwortung fĂŒr die Gesundheit von GĂ€sten, Mitarbeitern und Unternehmerfamilien sei es geboten, am kommenden Mittwoch ein stufenweises âWiederhochfahrenâ der Branche zu beschlieĂen. Allein in Bayern sicherten Hotellerie und Gastronomie in ĂŒber 40.000 Betrieben 447.000 Menschen ihre ErwerbstĂ€tigkeit. Das ist jeder 17. ErwerbstĂ€tige des Freistaates.
KontaktbeschrÀnkungen bleiben grundsÀtzlich bestehen
Generell, so in der Konferenz beschlossen, sollen die allgemeinen KontaktbeschrĂ€nkungen grundsĂ€tzlich bestehen bleiben. Am Donnerstag habe man noch einmal gemeinsam bekrĂ€ftigt, so Merkel, dass GroĂveranstaltungen bis zum 31. August nicht zugelassen werden können. Details regeln die LĂ€nder.