Die Erhöhung der Mehrwertsteuer oder Hotelverkäufe: Auch 2023 stand die Branche vor vielen Herausforderungen. Unser Rückblick mit den Ereignissen des zweiten Halbjahrs.
Für die deutsche Gastronomie und Hotellerie war 2023 ein Jahr mit besonders vielen Hürden und Herausforderungen: Sei es der andauernde Krieg in der Ukraine, gestiegene Kosten für Strom, Gas und Mitarbeitende, die vorherrschende Inflation oder die Erhöhung der Mehrwertsteuer ab Januar 2024. In unserem Jahresrückblick werfen wir einen Blick auf die Ereignisse, die das Jahr geprägt haben.
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JULI

Aus Neckarvillen wird Lume: Seit 1. Juli gehört das Frankfurter 133-Zimmer-Hotel zur Autograph Collection von Marriott. Anfang des Jahres hatte sich die Ameron Collection, die das Haus drei Jahre managte, aus dem Ensemble historischer Gebäude zurückgezogen. In einer Mitteilung hieß es damals: "Die Pläne der Eigentümer, das wirtschaftlich erfolgreiche Haus künftig neu zu positionieren, passen leider nicht zur Markenarchitektur."
Bundesrat billigt Einwanderungsgesetz: Der Gesetzentwurf zur Reform des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes hat nach dem Bundestag nun auch den Bundesrat passiert. Das Gesetz sieht unter anderem die Einführung einer sogenannten Chancenkarte vor, mit der ausländische Fachkräfte in Deutschland auf Arbeitssuche gehen können und die als Aufenthaltserlaubnis für ein Jahr gilt. Die Regelungen des neuen Gesetzes sollen schrittweise ab November in Kraft treten.


Tophotel-Newcomer des Jahres: Bereits zum zwölften Mal wurden die ambitioniertesten Neueröffnungen in Hotellerie und Hotelgastronomie mit dem „Tophotel Newcomer Award“ ausgezeichnet. Zu den Gewinnern gehörten das Hotel Goldene Rose aus Dinkelsbühl (Hotel-Opening City) sowie die Quellenhof See Lodge (Hotel-Opening Leisure) und das Sensoria Dolomites (Hotel-Re-Opening), beide Südtirol. Darüber hinaus gab es Sonderpreise für „Social Engagement“ (Gym Lodge) und „Erlebnisgastronomie“ (Eatrenalin).
Ausgezeichnete Tagungshotels: Bereits zum 27. Mal hat das Reiseportal Mein Tophotel den Branchen-Award „Grand Prix der Tagungshotellerie“ vergeben. Das Rennen machten in diesem Jahr das Schwarzwald Panorama Hotel aus Bad Herrenalb, das Nestor Hotel Ludwigsburg und das Arcadeon aus Hagen. In der Kategorie „Coolster Tagungsraum“ siegte die Gym Lodge aus Spiesen-Elversberg.

AUGUST

Schuhbeck muss ins Gefängnis: Der Star-Koch Alfons Schuhbeck sitzt seit Ende August wegen Steuerhinterziehung im Gefängnis. Im Oktober 2022 war er wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe zu drei Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt worden. 2,3 Millionen Euro hat er demnach hinterzogen. Das Gericht war überzeugt davon, dass Schuhbeck mehr als 1.000 Mal in die Kasse von zwei seiner Restaurants gegriffen und so Geld hat verschwinden lassen.
Waldhaus Flims vor dem Aus: Das 1877 eröffnete Luxushotel mitten in den Schweizer Alpen soll verkauft werden. Zu diesem Ergebnis kam ein Mitarbeiter-Konsultationsprozesses im Zusammenhang mit möglichen Entlassungen von Mitarbeitenden sowie Maßnahmen zur Verbesserung der Profitabilität. Das Resort startete das Verfahren in Zusammenarbeit mit den Schweizer Behörden als Reaktion auf finanzielle Schwierigkeiten.


Überraschender Verkauf: Schloss Eberstein, in dem sich ein Superior-Hotel mit 19 Zimmern und das Fine Dining Restaurant „Werner’s“ befinden, wurde wieder zum Verkauf ausgeschrieben. Das meldete Sotheby´s International Realty, die Immobilienabteilung des britisch-amerikanischen Auktionshauses Sotheby’s, die das Gebäude in Gernsbach, nahe Baden-Baden, vermarktet. Für den verpachteten Bereich gab es dabei vorerst Entwarnung: Er soll in Form der derzeitigen Nutzung fortbestehen.
SEPTEMBER
Deutschland-Premiere: Das erste deutsche Haus der Luxus-Hotelmarke Rosewood öffnete seine Türen. Das Rosewood Munich befindet sich im Herzen der bayerischen Landeshauptstadt und verfügt über 73 Zimmer, 59 Suiten und fünf Häuser. Es ist in zwei historischen Gebäuden untergebracht, dem ehemaligen Hauptsitz der Bayerischen Staatsbank und dem angrenzenden Palais Neuhaus-Preysing, einer einstigen Adelsresidenz. Geleitet wird das Luxushotel von Managing Director Roland Dürr.


Jubiläum in Seeheim: Das Konferenz- und Tagungshotel Lufthansa Seeheim feierte 50-jähriges Bestehen. 1973 als internationales Schulungszentrum der Lufthansa eröffnet, folgte 1998 die Gründung der „Lufthansa School of Business“ als erstem unternehmenseigenen Campus – „Corporate University“ – in Deutschland. Unter dem Namen „Lufthansa Seeheim – More than a Conference Hotel“ entwickelt sich Seeheim stetig weiter: So ist jüngst die Umgestaltung der Vinothek und des Lounge-Bereichs nahe der Rezeption geplant.
Hessischer Hof wird Taj Hotel: Das indische Hotelunternehmen Indian Hotels Company Limited (IHCL) plant das seit drei Jahren geschlossene Frankfurter Grandhotel unter der Marke „Taj Hotel“ 2025 wiederzueröffnen. Es wird damit das erste Haus der Marke in Kontinentaleuropa. Die Eröffnung sei ein Meilenstein beim Ausbau eines internationalen Fußabdrucks in sogenannten Gateway Cities, hieß es seitens Puneet Chhatwals, Managing Director und CEO von IHCL. Der Pachtvertrag zwischen Immobilien-Eigentümer Peakside Capital Advisors AG (Peakside) und IHCL wurde für 20 Jahre geschlossen.

OKTOBER

40 Jahre Tophotel: Unser Magazin feiert sein 40-jähriges Bestehen. Das zelebrieren wir in unserer Jubiläumsausgabe mit einer bunten Seitenstrecke, die einen Blick in die Vergangenheit, auf das Heute und in die Zukunft wirft. 40 Jahre Tophotel – das sind 40 Redaktionsjahre am Puls der Branche: Ob steigende Energiekosten, Personalmangel oder technische Innovationen – die Themen von damals sind zum Teil auch heute wieder aktuell. Das zeigte sich, als wir zur Recherche durch die ersten Ausgaben von Tophotel geblättert haben. Überrascht hat uns, dass zwei Serien die Zeiten überdauert haben: Der „Auslandschef“ und der „Hoteltest“ gehören seit jeher zu den viel beachteten Formaten.
Höhere Kosten fressen Gewinne: Gastronomen und Hoteliers blicken trotz des warmen Wetters nicht entspannt auf den Herbst. Der Personalmangel und die hohen Lebensmittel- und Energiepreise belasten die Gastgeber. Besonders große Sorgen machen den Betrieben die Pläne der Bundesregierung, die 7 Prozent Mehrwertsteuer auf Speisen in Restaurants zu Beginn des nächsten Jahres wieder zu erhöhen. Zusammen mit der Erhöhung des Mindestlohns müssten die Preise für Speisen nach Dehoga-Berechnungen dann um 15 Prozent angehoben werden.


Motel One weiter an der Spitze: Laut dem Treugast Rating 2023 behält die Budget-Hotel-Gruppe ihre Top-Position unter den deutschen Hotelbetreibern. Motel One führt das Ranking weiterhin mit einem AAA-Rating an. Auch B&B Hotels zeigt sich im Rating mit starken Wachstum und einer hohen Profitabilität weiterhin als einer der Spitzenreiter auf dem deutschen Hotelmarkt. Neu im Ranking vertreten sind die Hotelgruppe Premier Inn und das Familienunternehmen Halbersbacher Hospitality.
NOVEMBER
Gastgeber protestieren für den Erhalt von 7 Prozent: Unter dem Motto "Rettet die Vielfalt" gehen Gastgeber Anfang November am Brandenburger Tor in Berlin auf die Straße. Sie fordern den Erhalt von 7 Prozent Mehrwertsteuer. Verbände und Betriebe im Gastgewerbe blicken gespannt Richtung Bundesfinanzministerium und Bundestag. Die Fraktionen wollen sich nach der Steuerschätzung verständigen, ob der reduzierte Mehrwertsteuersatz auch 2024 weiter gilt. Doch Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) sieht wegen der angespannten Haushaltslage keinen Spielraum für den Erhalt der 7 Prozent.


Koalition verschiebt Haushaltsbeschluss: Hintergrund für die Verschiebung ist das Haushaltsurteil durch das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Das Gericht hatte die Umwidmung von 60 Milliarden Euro aus dem Haushalt 2021 für nichtig erklärt. Das Geld war als Corona-Kredit bewilligt worden, sollte aber nachträglich für den Klimaschutz und die Modernisierung der Wirtschaft eingesetzt werden. Außerdem verständigen sich die Koalitionsspitzen, dass die Mehrwertsteuer in der Gastronomie ab 2024 wieder auf 19 Prozent steigt. In der Branche ist die Empörung groß.
Arcona meldet Insolvenz: Das Hotelunternehmen hat bekannt gegeben, dass es aufgrund einer Vielzahl von Herausforderungen in eine wirtschaftliche Schieflage geraten ist und eine Gruppeninsolvenz in Eigenverwaltung für die deutschen Betriebe beantragt hat. Die Gehälter für die rund 500 betroffenen Mitarbeiter seien durch das Insolvenzausfallgeld bis Ende Januar gesichert, so dass genügend Zeit für die nächsten Sanierungsschritte bleibt.


Prozess im Fall Gil Ofarim: Unter großem öffentlichem Interesse beginnt der Prozess gegen den Sänger am Landgericht in Leipzig. Der jüdische Musiker hat vor gut zwei Jahren in einem Video in den sozialen Netzwerken schwere Antisemitismusvorwürfe gegen einen Mitarbeiter des Westin Hotels in Leipzig erhoben. Die Staatsanwaltschaft glaubte ihm jedoch auf Grundlage ihrer Ermittlungen nicht und klagte den Sänger wegen Verleumdung an. Am sechsten Verhandlungstag legt Ofarim überraschend ein Geständnis ab und entschuldigt sich bei dem Mitarbeiter des Hotels. Das Verfahren wird eingestellt, es kommt zu einem Vergleich.
DEZEMBER
Existenzängste im Gastgewerbe wachsen: Der Dehoga rechnet mit gravierenden Folgen, wenn die Mehrwertsteuer auf Speisen ab 2024 wieder auf 19 Prozent steigt. Das geht aus einer Umfrage des Verbands hervor. Darin geben 62,7 Prozent der befragten Unternehmer an, dass sie die Steueranhebung wirtschaftlich hart treffen wird. Weitere zwölf Prozent treibt die politische Entscheidung in Existenznöte. Der Dehoga appelliert in einem offenen Brief direkt an die Bundesregierung, den reduzierten Steuersatz weiterhin beizubehalten.


Starttermin steht fest: Nach etwa zehn Jahren Planungs- und Bauzeit für die Begrünung und die Aufstockung des Bunkers am Heiligengeistfeld in Hamburg sind die Arbeiten nun weitgehend abgeschlossen. Im Frühjahr 2024 sollen nun das Hotel Reverb by Hard Rock und der Dachgarten eröffnet werden.
brg/sr