In Mühlheim an der Ruhr wurde im Februar das vierte Haus der Marke Tante Alma eröffnet. Der Fokus der Gründer liegt auf der Übernahme betagter Mittelklasse-Hotels mit Potenzial.
Das neue Tanta Alma Hotel in Mühlheim an der Ruhr geht aus dem bisherigen Hotel Noy an der Schlossstraße hervor. Immobilieneigentümer ist die 1980 Real Estate GmbH aus Bremen. Das Hotel bietet ein „Tante Almas Wohnzimmer“, den kreativen Coworking-Space „Tüftlerwerkstatt“ sowie zwei Meetingräume für jeweils bis zu 15 Personen. „Das Haus passt genau in unser Konzept, kleinere Bestandsimmobilien, die den großen Brands vielleicht auch nicht einheitlich genug sind, zu übernehmen und mit ihnen unsere Story fortzuschreiben“, erklärt Tante-Alma-Geschäftsführer Marc Schlieper. „Mühlheim ist zudem eine sehr rührige und gut gelegene Stadt mit einem großen Einzugsgebiet, die viel bewegen will. Das passt zu uns.“
Das erste Tante Alma Hotel ging 2021 an den Start. Bisher werden unter der Marke in Deutschland drei Häuser betrieben, eins in Köln mit 45 Zimmern – das ehemalige Hotel Lasthaus am Ring –, eins in Bonn mit 45 Zimmern – das ehemalige Ameron My Poppelsdorf – und in Mannheim mit 105 Zimmern das ehemalige Hotel Augusta. Der Name Alma spielt auf die Bezeichnung für Universität Alma Mater an, da die Häuser ausschließlich an Orten mit einem Hochschulangebot etabliert werden sollten.
Bestandsimmobilien mit Update-Bedarf
Aktuell entwickelt das Team jedoch unter dem Arbeitstitel „Tante Almas Sommerfrische“ auch ein Konzept für Resort-Standorte. Verhandelt wird aktuell unter anderem ein Hotel in Binz auf Rügen. Die Minimum-Pacht- beziehungsweise Managementdauer für ein Tante Alma Hotel beträgt zehn Jahre mit Verlängerungsoption.
Auf Investorenseite wendet sich die Marke an Eigentümer, deren Bestandsimmobilien zwar in Schuss sind, aber für eine erfolgreiche Weiterführung ein kleines Update benötigen. Genau dies ist mit dem Tante-Alma-Konzept kostengünstiger umsetzbar als bei anderen Hotelkonzepten. Für die Konversion eines Hotels in ein Tante Alma werden je nach Größe und Zustand Investitionen von rund 150.000 Euro fällig. „Das Konzept basiert darauf, Hotels zu übernehmen, die noch in Betrieb sind“, betont Schlieper. Damit brauche man keine neuen behördlichen Genehmigungen zu beantragen. „Wir müssen definitiv keine Wände versetzen.“
Die Renovierungsmaßnahmen konzentrierten sich auf Einrichtung und Dekoration. Zudem prüfen Profis alle Elektrogeräte vor Ort. Bisweilen werden den Eigentümern energetische Maßnahmen wie eine neue Heizung, neue Fenster oder der Bezug von Fernwärme vorgeschlagen. „Das Haus in Mühlheim war die erste Ausnahme mit einem etwas höheren baulichen Aufwand, weil es bereits entkernt war. Hier hatten wir zunächst mit dem Lieferkettenproblem zu kämpfen und haben länger als gedacht auf die Brandschutzprüfung für die Betriebserlaubnis warten müssen. Das hat den Start verzögert“, erinnert sich Schlieper.
Interior-Bezugsquelle: Antik- und Flohmärkte
Jedes Tante Alma Hotel erzählt eine eigene Geschichte aus dem Leben der älteren fiktiven Dame Alma, die Studierende in ihrer Wohnung aufnimmt. Köln steht für die Lebensphase der verliebten Trödlerin, Bonn für ihre Jugend als Hippie. Mannheim orientiert sich an ihrem Beruf als glorreiche Opernsängerin und Mühlheim an ihrem Lebensabschnitt als verrückte Erfinderin.
Bei der Entwicklung und Umsetzung der Alma-Story wird die in Frankfurt am Main ansässige Tante Alma Hangout GmbH von der Agentur Going Places aus Hamburg unterstützt, die unter anderem bereits für das 25hours Hotel Hafencity oder das Hotel Fox in Kopenhagen verantwortlich zeichnete. In der Praxis denkt sich das Tante-Alma-Team um Professor Stephan Gerhard sowie Marc und Thomas Schlieper die Story aus und gibt diese Gedanken an Going Places weiter. Die dekorative und stylische Ausarbeitung erfolgt dann per Moodboard durch die Agentur.
Going Places kümmert sich auch um die Beschaffung der entsprechenden Antiquitäten. Kleinere Deko-Gegenstände werden auf Trödel- und Flohmärkten gekauft, für Sofas und Sessel arbeitet das Team in der Regel mit größeren Antiquitätenhändlern zusammen. „Wir achten darauf, dass die Gegenstände in der Region erstanden werden, in der das Hotel steht. Das verkürzt die Lagerzeiten und die Transportwege“, so Schlieper. Größte Herausforderung bei der Auswahl der Antiquitäten sei deren guter Zustand, vor allem was Belastbarkeit angeht. Zudem müssten die Möbel in einem hygienisch einwandfreien Zustand sein, frisch gereinigt und desinfiziert.
Jedes der Häuser bietet nach Möglichkeit ein „Tanta-Almas-Wohnzimmer“, ein Spielzimmer und ein Musikzimmer als kommunikative und gesellige Gemeinschaftsräume und Frühstücksbereich. Hinzu kommt „Tante-Almas-Gästeküche“ für die Longstay-Gäste. Ein großer Flatscreen, ein bequemes Bett und schnelles WLAN auf den Zimmern sorgen für Komfort.
Die Hotels werden von Hosts geführt, die während der Check-in- und out-Zeiten sowie zum täglichen Kaffeekränzchen (unter anderem ein Bestandteil von Almas Tag) vor Ort sind. Um die Häuser effizient betreiben zu können, wird unter anderem ihre Digitalisierung vorangetrieben. Neben der digitalen Guest Journey inklusive kontaktlosem Ein- und Auschecken sowie Bezahlen werden weitere intelligente Lösungen für Gäste und Mitarbeitende entwickelt und umgesetzt.
Steckbrief
- Kategorie: Dreisternehotel
- Lage: in deutschen Universitätsstädten, Resorts in der Entwicklung
- Konzept: Longstay und Shortstay unter einem Dach
- Vertragsarten: Fix-Pacht- oder Management-Verträge
- Pächter und Rechte-Inhaberin: Tante Alma Hangout GmbH, Frankfurt am Main
- Geschäftsführer: Marc J. Schlieper
- Gesellschafter: Solutions Holding GmbH, GG Family Holding GmbH
- Zimmerpreis: ab 79 Euro, Frühstück: 8,90 Euro
- Monatsmiete für Studierende: je nach Standort ab 800 Euro
- Zielgruppe: Business- und Leisure-Gäste, Langzeit-Gäste
- Standorte: Köln, Bonn, Mannheim und Mühlheim an der Ruhr
- Projekte: Binz, Frankfurt am Main und Freiburg
Digitalisierungs-Entwicklung mit Start-ups
„Aktuell arbeiten wir mit einem Start-up zusammen, welches das Thema Nachhaltigkeit für den Hotelier einfach und zeitsparend gestalten will. Hier geht es darum, dass jeder Mitarbeitende in seinem Bereich Daten und Informationen über eine App schnell und einfach erfassen kann und das System anhand dieser Information und in Kombination mit Marktwerten dem Hotelier datenbasierte Empfehlungen geben kann“, erklärt Schlieper die aktuelle Entwicklung. „Grundsätzlich versuchen wir die Digitalisierung als Chance der Zeitersparnis zu sehen, damit die Mitarbeitenden diese am beziehungsweise für den Gast nutzen können.“
Als Zielgruppe hat Tante Alma sowohl Business- als auch Leisure-Gäste im Auge. Den Stoff für die Markenstory und eine wichtige Beimischung zur Gästestruktur bilden Studierende, die so lange dort einziehen, bis sie etwas Eigenes gefunden haben – oder gleich das ganze Studium über dort bleiben. Die geplante Belegung mit Longstay-Gästen liegt bei rund 20 Prozent. Dies sichert einen Grundumsatz und die Story. Studierende haben auch die Möglichkeit, ihre Mietkosten zu reduzieren, indem sie die Tante-Alma-Story mitverkörpern und bei den Community-Aktivitäten unterstützen. Sie bezahlen je nach Standort ab 800 Euro im Monat für ihr Zimmer, der Zimmerpreis für Kurzzeitgäste startet bei durchschnittlich 79 Euro ohne Frühstück. Die Einrichtung von Kitchenettes in den Zimmern ist nicht vorgesehen, daher wurde „Almas Gemeinschaftsküche“ in den Häusern eingerichtet. Vertrieben werden die Hotels über die eigene Website, aber auch über OTAs und alternative Zimmervermieter wie Airbnb oder WG gesucht. Zur Vermarktung tragen auch die sozialen Medien bei, für Instagram wurde eine eigene Comic-Story rund um Tante Alma erfunden.