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StartHotel+TechnikDigitale AnwendungenVR im Tourismus::Ein Hype oder die Zukunft des Reisens?

VR im TourismusEin Hype oder die Zukunft des Reisens?

Digitale Museumstouren, Hologramme beim Stadtrundgang: Neueste virtuelle Technik ist längst im Reisesektor angekommen – befeuert von Corona. Ist das nur ein Hype oder die Zukunft des Reisens?

Vom Sofa aus auf den Mount Everest steigen, ein Museum in New York besuchen oder durch ein Korallenriff im Ozean tauchen: Virtuelle Erlebnisse haben durch die Coronapandemie enormen Auftrieb bekommen. Das ist auch der Reise- und Freizeitindustrie nicht verborgen geblieben. Sie nutzt die Technologie nicht mehr nur zum Marketing, sondern als Eventprodukt. Wird der Hype bleiben? Und wenn ja, wo geht die Reise hin? Zwei Forscher blicken für uns in die Zukunft.

Eine neue Welt

Für das Erlebnis „Virtuelle Realität“ braucht es eine „computergenerierte, virtuelle, dreidimensionale Umgebung, die man mit einer VR-Brille wahrnimmt“, erklärt Armin Brysch, der an der Hochschule Kempten zu diesem Thema forscht. Das Abschirmen mittels VR-Brille oder auch Cave, ein mit Monitoren voll ausgestatteter Raum, ist notwendig, um von der virtuellen Welt vollständig umgeben zu sein. „Wenn man durch die 360-Grad-Umgebung keinen Referenzpunkt mehr in der realen Welt hat, merkt das Gehirn sehr schnell, dass es sich in der neuen Welt zurechtfinden muss“, erklärt Brysch. Man fühlt sich, als ob man Teil der Reise ist.

„Je tiefer der Reisende in die ihm vorgegebene Welt eintaucht, desto realistischer ist das künstliche Erlebnis“, so der Forscher. Experten wie er nennen das „Immersion“. Dazu braucht es hochauflösende Bilder und eine spannende Erzählung.

Auf virtueller Zeitreise

Auch wenn einige Touristiker Virtual Reality noch als Nische bezeichnen: Es bewegt sich etwas. So kann man mit dem Anbieter Timeride virtuelle Zeitreisen machen und in das Leben von früheren Epochen eintauchen – das Angebot gibt es in Köln, Berlin, Dresden, München und Frankfurt am Main.

Freizeitparks nutzen ebenfalls die Technologie. Sie haben ganze Fantasiewelten erschaffen und ermöglichen Reisen durchs Universum. Ein Vorreiter ist hier etwa der Europa-Park in Rust. Hier kann man Achterbahnfahrten mit VR-Brillen aufpeppen und mit dem Yullbe gibt es ein ganzes „VR-Erlebniszentrum“, wie es der Europa-Park nennt.

„Auch viele große Kunstmuseen nutzen VR-Applikationen“, hat Armin Brysch beobachtet. Er geht davon aus, dass die Angebote bleiben. „Wir haben zwar jetzt den Wunsch nach soziale Erlebnissen, die Technologie wird aber ihren Platz behalten.“

Ein Fünftel erwartet Reisen im Metaversum

Hat das Zukunft? Glaubt man einer aktuellen Umfrage von Bitkom Research, scheint es so. Demnach erwartet ein Fünftel (21 Prozent) der Befragten ab 16 Jahren, dass 2030 fremde Orte im Metaversum oder mit Virtual-Reality-Brillen erkundet werden, statt klassisch dorthin zu reisen – unter den Jüngeren ist der Anteil höher. Doch auch bei den über 64-Jährigen sind noch 15 Prozent dieser Ansicht. Das Metaversum? Das sei ein virtueller Raum, der das heutige Internet erweitert und in dem man sich als Avatar, also durch ein digitales Modell von sich, bewegt und interagiert, erklärt Bitkom.

Nur eine Corona-Hype?

Die Pandemie hat virtuelle Reiseangebote befeuert. Als in Zeiten strenger Beschränkungen keine Reisen möglich waren, wollten viele dem Alltag zumindest digital an exotische Orte entfliehen. Spätestens durch die Corona-Zeit sei das Vertrauen in digitale Produkte gestiegen, meint Armin Brysch. Die Menschen haben gelernt, mit digitalen Lösungen ihren Alltag gut zu bestreiten.

Kritischer sieht das Tristan Horx. Der Trendforscher am Zukunftsinstitut glaubt, dass VR-Angebote, wie es sie während der Corona-Zeit gab, nicht mehr in dem Ausmaß genutzt werden. „Das war Hype-geschuldet und einem Mangel an Alternativen“, sagt er.

Wir lebten in einer digitalen Welt, seien aber analoge Menschen. Daher könne man nicht alles „ins Digitale verfrachten“, so Horx. Vor allem nicht Dinge, die in realer Welt schon vollkommen sind. „Ein Museumsbesuch ist nicht nur das visuelle Konsumieren von Kunstwerken, sondern eine Gesamterfahrung“, erläutert er. Auch digitale Konzerte können aus seiner Sicht nicht das wiedergeben, was das Analoge ausmacht, zum Beispiel den Zufall.

Virtual Reality zur Urlaubsplanung

Dennoch wendet sich Horx nicht ganz von Virtual Reality im Tourismusbereich ab. „Sie wird da bleiben, wo sie Sinn macht“, sagt er. Und das sei die Reiseberatung. „Indem man sich vier Orte mit der VR-Brille anschaut und sich dann für einen entscheidet, kann das funktionieren.“

Armin Brysch sieht eine ganze Bandbreite an Potenzialen. Indem man sich 360-Grad-Erlebnisse im Hotel, in einer Stadt, am Meer oder anderen touristischen Umgebungen anschaut, könne das Sehnsüchte wecken, dorthin zu reisen. „Steht das Reiseziel schon fest, hilft so ein VR-Erlebnis, sich besser auf die Tour vorzubereiten“, sagt er.

Echtes Reisen bleibt – VR als Ersatzerlebnis?

Bleibt die Frage, ob das virtuelle Reisen das echte Reisen ersetzen kann. Brysch ist sicher: „Nur weil wir das Reiseziel in 3D anschauen können, werden wir nicht darauf verzichten, dahinzufahren.“ Für manche Zielgruppen könne es aber Abwägungen geben, sagt der Forscher: Für Menschen, die aufgrund körperlicher Einschränkungen nicht überall hinreisen können. Oder für Menschen, denen eine Reise zu teuer, stressig oder gefährlich ist. Oder auch für Menschen, die zugunsten des Klimaschutzes auf bestimmte Reisen verzichten wollen. „Da kann VR ein Ersatzerlebnis schaffen“, sagt er.

Für erweiterte Erlebnisse am Urlaubsort kann auch die softere Variante eingesetzt werden, die „Augmented Reality“ (AR). „Hier wird zur realen Welt ein computergeneriertes Bild hinzugefügt“, sagt Armin Brysch. Es gibt also eine physische Distanz zwischen Nutzer und App, über die in Echtzeit etwa frühere Bauwerke angezeigt werden, sobald man sich ihrem Ort nähert. Ein Beispiel ist „Pokémon Go“ kennen.

Was kommt als Nächstes?

Die höchste Form der Virtualität ist das Metaversum. Erste Formen ersetzen bereits die Geschäftsreise. „Da gibt es dann nicht mehr nur den Zoom-Call, sondern man trifft sich in virtuellen Räumen als Teil-Avatar“, sagt Brysch.

Vor allem dort, wo Teams gemeinsam Dinge entwickeln und gestalten müssen, kann das von Vorteil sein. Im Metaversum geht es mehr noch um soziale Interaktion. „Sie können nahtlos verschiedene Lebensbereiche durchlaufen und mit anderen Menschen interagieren“, sagt Brysch. In naher Zukunft werde man dort mit Freunden am Strand liegen oder ein Riff besuchen können. dpa


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