Umbau im Hotel König Ludwig in SchwangauVon Öko-Schwimmteich bis Kunst am Dach

Im Zuge des Umbaus erhielt die Juniorsuite „Ludwig“ ein neues Gesicht – Eleganz ohne Protz und Plüsch. (Bild: Hotel König Ludwig)

Das König Ludwig Wellness & Spa Resort beeindruckt nach dem Umbau, der im Dezember 2019 fertiggestellt wurde, mit technischen Raffinesse tief im Boden und hoch droben. Das Allgäuer Viersterne-Superior-Haus hat einen Millionenbetrag in den neuen Eingangsbereich und zwei Öko-Schwimmteiche investiert. Auch Zimmer, Suiten, Wellnessbereich und Bar erhielten ein royales Update.

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Völlig fasziniert bleiben die Gäste bei der Anreise vor dem Eingang des König Ludwig Wellness & Spa Resorts stehen und bestaunen das gigantische Vordach des Hotels. Keine Pfeiler, die die mächtige, neue Konstruktion halten – es scheint einfach zu schweben, dieses 250 Quadratmeter große Wunder der Statik, das sich wie das 16 Meter lange und fünf Meter breite Decken-Kunstwerk von außen nach innen in die Lobby zieht.


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Das Schwangauer Hotel legt einen grandiosen neuen Auftritt hin. Rund fünf Millionen Euro hat Geschäftsführer Florian Lingenfelder investiert – nicht nur für den neuen Empfang samt Einfahrt, frischer Lobby und Rezeption. Der Um- und Ausbau betraf auch zwei Natur-Badeteiche, einen Außen-Whirlpool, Zimmer und Suiten sowie die Bar. Die Wellness-Fläche ist auf insgesamt 6.500 Quadratmeter angewachsen. Der Name des Allgäuer Hotels bleibt Programm, aber nicht durch Prunk, Protz und Plüsch, was Lingenfelder längst verbannt hat, sondern dank eines modernen, royalen Stils, der dem Namenspatron elegant und stylisch gerecht werden will.

Symbiose aus Malerei und Fotografie

Schon das hochmoderne Dach drückt aus, wofür der bayerische „Kini“ stand: Er war technikverliebt, begeisterte sich für zeitgenössische Kunst und Fotografie und war stets bereit, Neues zu wagen – auch wenn andere den Kopf schüttelten. „In der Hotellerie geht es ja auch immer darum, etwas Nicht-Alltägliches zu machen“, betont Florian Lingenfelder. Und so wird der Bau von einem Kunstwerk an der Decke gekrönt, bei dem Malerei und Fotografie miteinander verschmelzen. Die Collage zeigt Stationen und Details aus dem Leben des Königs, die der Kunstmaler Robert Wilhelm und der Fotograf Simon Toplak gestaltet haben. Sie besuchten mehrfach Schloss Neuschwanstein, das in Sichtweite des Hotels liegt.

„Wir wollten seine versteckten Leidenschaften ergründen, vor allem jene Dinge, die man von ihm nicht weiß“, sagt Toplak und deutet auf ein zentrales Element der Collage, das Telefon des Königs, das damals schon mit einer Art Akku ausgerüstet war. Das Künstler-Duo aus Füssen übertrug die im Schloss angefertigten Fotos malerisch auf Leinwand: Wilhelm nutzte Spraydosen, Acrylfarben und Tinte. Danach fotografierte Toplak alles ab. Das ergab 128 Einzelaufnahmen, aus denen eine hochauflösende Reproduktion entstand, die wiederum digital weiterbearbeitet wurde, um Teilbereiche der Fotografie zu entfernen und die darunterliegende Schicht der Malerei stellenweise wieder sichtbar zu machen. Erst nach aufwendiger Suche fand das Künstler-Duo mit Peru Lichtwerbung eine Firma, die in der Lage war, das Kunstwerk an die Decke zu bringen und in Szene zu setzen. Das Unternehmen aus Laufen erstellte den nötigen UV-Digitaldruck auf PVC-Backlit-Plane, die in Aluminium-Hohlkammerprofile gespannt ist und mittels steuerbarer LEDs beleuchtet wird.

Kunst und Technik gehen eine Verbindung ein. Grundlage für das Gesamtkunstwerk ist die frei schwebende Dachkonstruktion. In der Lobby sind Stützen aus Stahl verankert, die nicht sichtbar sind, da sie mit gebürsteten, gebeizten und weiß gekalkten Eichenholzplatten verkleidet wurden, die im Nut-und-Federsystem verbunden sind. Lingenfelder wollte so wenig wie möglich Beton verbauen, um Zeit zu sparen, schließlich musste der komplette Umbau in rund drei Monaten über die Bühne gehen. „Die Stahlträger wurden angeliefert, gesetzt, und bald danach konnten wir weitermachen.“

Mehr Platz zum Relaxen

Schon im Eingangsbereich zeigt sich der Designstil des Hauses. Gedeckte, natürliche Farben verströmen eine noble Note. Selbst Materialien, die strapazierfähig sein müssen, wie die 80 mal 80 Zentimeter große Feinsteinfliese in der Lobby, die aus der italienischen Keramik-Hochburg Fiorano Modenese kommt, ist von edler Natur und dank der gewischten grauen Oberfläche ein Augenschmeichler. Das helle Holz in der Lobby sorgt für einen warmen Empfang und stimmt ein auf eine Wohlfühl-Lounge mit maßgefertigten Sitzmöbeln und Couch-Arrangements in weichen Farbtönen. Als willkommener Kontrast dienen Paneele in patiniertem Kupfer und die gleichermaßen schimmernde Rezeption. Der Flächengewinn gegenüber dem ehemaligen Eingangsbereich ist enorm, da Lingenfelder den einstigen Bankettsaal mit seinen 400 Quadratmetern geopfert und damit Lobby- und Rezeptionsbereich flächenmäßig mehr als verdoppelt hat. Es war sogar noch Platz, um hinter der Rezeption einen neuen Fahrrad- und Skiraum zu bauen.

Das Farbenspiel zieht sich bis in den zusätzlich renovierten Zimmertrakt Haus Alpenrose, der neue Suiten erhielt. Einchecken können Gäste bei „Ludwig“ oder bei „Sissi“, Letztere wärmt mit ihren femininen Pastelltönen das Herz und zieht Gäste dank des charmant-eleganten Saloncharakters mit Holz-Fischgrätboden sofort hinein. Sogleich ist klar, dass hier nochmal ein royales Ausrufezeichen gesetzt wurde nach dem Motto: Seht her, der König kann noch mehr.


Steckbrief

Das König Ludwig Wellness & Spa Resort Allgäu
Kreuzweg 15
87645 Schwangau
Hoteldirektor: Florian Lingenfelder
Zimmeranzahl: 111
Zimmerpreise: ab 167 Euro pro Person pro Nacht im Doppelzimmer
Besonderheiten: zwei Naturbadeseen mit 1.500 Quadratmetern Gesamtfläche, beheizter Sportpool und 35-Grad-Whirlpool unter freiem Himmel


Badeteich mit Öko-Reinigung

Ein technisches Meisterstück ist der 4.500 Quadratmeter große Naturteich des Hotels, der sich rund um den Wellness-Bereich schmiegt. Bis zur Neugestaltung war er zum Schwimmen nicht geeignet. „Gäste haben uns immer wieder gefragt, wann sie ihn nutzen dürfen“, erzählt Lingenfelder. Er setzte sich schon vor langer Zeit mit dem Thema auseinander, hielt aber erst jetzt die Technik für ausgereift, um den Umbau, bei dem das Unternehmen Balena aus Eppingen federführend war, anzugehen. Zielvorgabe war, zwei Badeteiche in das bestehende Areal zu integrieren, die ohne jegliche Chemie auskommen sollten. Das Wasser wurde abgelassen, um Leitungen, die darunter lagen, zu entfernen. „Es sah aus wie ein Burggraben, als alles leer war.“ Während der Bauphase wurden mehrere Tonnen Erdmaterial bewegt. Lingenfelder ließ den Teich anfüllen, um die Wassertiefe um einen Meter auf 1,35 Meter zu verringern. „Das haben wir veranlasst, damit es möglich ist, im Wasser zu stehen. Sonst hätten wir noch über eine dauerhafte Badeaufsicht nachdenken müssen.“

In weiteren Schritten wurde auch die Kiesfläche im Randbereich, die als natürlicher Filter dient, überarbeitet und vergrößert. Badegäste werden Schmutzstoffe mit ins Wasser bringen, die zwischen den Steinen, die unterschiedlich große Körnung haben, hängen bleiben, dann aber Teil eines natürlichen Kreislaufes werden: Für Wasserpflanzen, Schilf, Rohrkolben und bestimmte Gräser, die dort nun wachsen, dienen diese menschlichen Partikel als Nährstoffe und „verschwinden“ somit auf natürliche Weise. Aber damit noch nicht genug: Lingenfelder legte auch unterirdische Becken an, in denen das Wasser einen zusätzlichen, ähnlichen Reinigungsprozess durchläuft. Ein Unterwasser-Roboter gleitet über den Boden und saugt Wasser ein. Über einen Schlauch pumpt er es in die Abschlamm-Becken. Darin befinden sich unterschiedliche Kiesschichten. Das Wasser wird von unten an diese angeschwemmt und nach oben gedrückt. „Es ist wie bei einer Quelle. Das Wasser geht durch den Stein und kommt oben gereinigt raus“, erläutert Lingenfelder.

Energiesparvariante für den Außen-Whirlpool

Die beiden Schwimmareale – das kleinere mit 500 Quadratmetern Fläche dient als Abkühlbecken nach dem Saunagang und wird mittels Umwälzung auch im Winter eisfrei gehalten – sind mithilfe von Edelstahlwänden vom restlichen Teich getrennt. Das große Badebecken misst 1.000 Quadratmeter, ist nicht beheizt und in der kalten Jahreszeit geschlossen. „Der Energieaufwand wäre enorm. Deshalb haben wir uns dagegen entschieden.“ Dafür hat das Hotel, das bereits vorher über ein beheiztes, 20 Meter langes Sportbecken im Außenbereich verfügte, nun auch noch einen Whirlpool unter freiem Himmel erhalten. Wie das Sportbecken ist er in den großen Naturteich hineingebaut, allerdings durch Mauerwerk davon abgetrennt. Gäste entspannen in dem 100 Quadratmeter großen Pool auf Sprudelliegen, während das 35 Grad warme Wasser im Winter kleine Dampfwölkchen gen Allgäuer Himmel schickt.

Lingenfelder hat sich in diesem Zusammenhang für eine neue, energiesparende Variante entschieden. So läuft das Wasser in den Abendstunden nach Schließung des Pools in zwei große, abgedeckte Thermo-Bassins, die im Keller neben der Schwimmbad-Technik installiert sind. „Die Temperatur fällt lange nicht so weit ab, wie wenn das Wasser die ganze Nacht oben im Freien wäre.“ Morgens wird das Wasser noch im Keller auf 36,5 Grad Celsius aufgeheizt. „Auch da brauchen wir weniger Energie als oben.“ Wenn es dann ins Edelstahlbecken zurückfließt, hat der Pool sofort die Wunschtemperatur von 35 Grad Celsius. Der Wärmeverlust von 1,5 Grad Celsius durch den ausgekühlten Edelstahl lässt sich naturgemäß nicht vermeiden.

Christian Schreiber

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