Geschäftszahlen Trotz Iran-Krieg und Konsumflaute: Tui hält an Jahresprognose fest

Tui schließt das dritte Quartal nach eigenen Angaben mit einem resilienten Ergebnis ab.
Tui schließt das dritte Quartal nach eigenen Angaben mit einem resilienten Ergebnis ab. © nmann77 - stock.adobe.com

Der Touristikkonzern verbucht weniger Umsatz und Gewinn – doch Last-Minute-Buchungen legen wieder zu. Vorstandschef Ebel hält am Gewinnziel fest.

Geopolitische Konflikte und wirtschaftliche Schwäche in europäischen Kernmärkten – das Umfeld für den Touristikkonzern Tui war im dritten Geschäftsquartal (April bis Juni 2026) alles andere als günstig. Der Umsatz sank im dritten Quartal um 5,6 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro, nach neun Monaten liegt er bei 14,5 Milliarden Euro – ein Minus von 1,6 Prozent. Das bereinigte EBIT ging um 27 Prozent auf 235 Millionen Euro zurück. „2026 ist kein normales Jahr“, sagt Tui-Chef Sebastian Ebel. Die Nachfrage nach Reisen bestehe grundsätzlich weiter, die Buchungsentscheidungen fielen aber deutlich kurzfristiger. Insbesondere in den vergangenen vier Wochen habe sich die Buchungsentwicklung jedoch belebt.

Allein die direkten Folgen des Iran-Kriegs beziffert der Konzern im Quartal auf 20 Millionen Euro. Über die ersten neun Monate summieren sich die Sonderbelastungen aus dem Krieg und einem Hurrikan auf Jamaika laut Tui auf insgesamt 81 Millionen Euro. Das Neunmonats-EBIT sank auf rund 123 Millionen Euro, verglichen mit 165 Millionen Euro im Vorjahr. Ohne diese Effekte hätte Tui das Vorjahresergebnis nach eigener Darstellung übertroffen. Die Kundenzahl ging im Quartal um drei Prozent auf 9,9 Millionen zurück.

Hotels mit sinkender Auslastung

Im Geschäftsbereich „Urlaubserlebnisse“ – Hotels & Resorts, Kreuzfahrten und TUI Musement – erzielte Tui im dritten Quartal ein bereinigtes EBIT von 278 Millionen Euro nach 294 Millionen Euro im Vorjahr. Ohne die kriegsbedingten Belastungen im Kreuzfahrtsegment wäre das Ergebnis um vier Millionen Euro gestiegen, so der Konzern.

Das Segment „Hotels & Resorts“ kam auf 121 Millionen Euro bereinigtes EBIT. Die verfügbaren Bettennächte stiegen leicht um ein Prozent auf 11,3 Millionen, die Auslastung fiel jedoch um fünf Prozentpunkte auf 77 Prozent. Der Rückgang spiegele die Anlaufphase neuer Hotels sowie gesunkene Nachfrage im östlichen Mittelmeerraum, in Mexiko und der Karibik wider. Die durchschnittliche Tagesrate blieb stabil bei 88 Euro. Nach neun Monaten lag das EBIT bei 356 Millionen Euro gegenüber 384 Millionen Euro, belastet durch 15 Millionen Euro Hurrikan-Folgen auf Jamaika.

Kreuzfahrtschiffe zeitweise stillgelegt

Im Kreuzfahrtsegment lag das bereinigte EBIT bei 133 Millionen Euro nach 143 Millionen Euro im Vorjahr. Den Rückgang führt das Unternehmen vollständig auf den Iran-Krieg zurück: Die Mein Schiff 4 und Mein Schiff 5 mussten von März bis Mitte Mai 2026 aus Sicherheitsgründen in Häfen der Golfregion verbleiben. Ohne diesen Effekt hätte das Segment sein Ergebnis um zehn Millionen Euro verbessert. Die Kreuzfahrtpreise stiegen um vier Prozent auf 252 Euro pro Tag, die Auslastung lag bereinigt bei 99 Prozent. Nach neun Monaten erreichte das Segment 297 Millionen Euro EBIT (Vorjahr: 273 Millionen Euro), trotz 40 Millionen Euro kriegsbedingter Kosten.

„Tui Musement“ steigerte sein EBIT im Quartal um 10,8 Prozent auf 23 Millionen Euro, getrieben durch das B2B-Geschäft und operative Effizienzgewinne. Die Zahl der Transfers sank infolge geopolitischer Entwicklungen um zehn Prozent auf 7,9 Millionen. Nach neun Monaten stieg das EBIT um 171 Prozent auf 17,3 Millionen Euro.

Der Geschäftsbereich „Märkte + Airline“ rutschte im dritten Quartal auf ein bereinigtes EBIT von minus 16 Millionen Euro ab, nach plus 50 Millionen Euro im Vorjahr. Laut Tui wirkten schwächere Nachfrage, höhere Treibstoffkosten und zusätzliche Marktkapazitäten zusammen. Die Flugauslastung sank von 94 auf 91 Prozent. In der Region Zentral (Deutschland, Österreich, Schweiz, Polen) sank das EBIT von plus 25 auf minus zehn Millionen Euro. Die Region Nord (Großbritannien, Irland, nordische Länder) verzeichnete einen Rückgang von 45 auf zehn Millionen Euro. Einzig die Region West (Niederlande, Belgien, Frankreich) verbesserte ihr Minus leicht von 21 auf 16 Millionen Euro. Nach neun Monaten lag das Bereichs-EBIT bei minus 474 Millionen Euro (Vorjahr: minus 440 Millionen Euro), zusätzlich belastet durch 20 Millionen Euro kriegsbedingte Rückholkosten und sechs Millionen Euro Hurrikan-Folgen.

Ausblick für das Gesamtjahr

Für das vierte Quartal und die Sommersaison zeichnet der Touristikkonzern ein gemischtes Bild. Im Hotelbereich liegen die verfügbaren Bettennächte ein Prozent über dem Vorjahresniveau. Die Auslastung liegt drei Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert, hat sich seit dem Halbjahresbericht jedoch verbessert. Der Durchschnittspreis stieg um vier Prozent.

Im Kreuzfahrtsegment steigen die verfügbaren Passagiertage durch die Indienststellung der Mein Schiff Flow, des 19. Schiffs der Tui-Flotte, um zwölf Prozent. Die Auslastung bleibe trotz Kapazitätserweiterung hoch, die Tagesrate steige um zwei Prozent. Tui Musement erwartet einen Buchungsanstieg im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich.

Im Bereich „Märkte + Airline“ liegt der gebuchte Umsatz für den Sommer bei minus sechs Prozent. Die letzten vier Wochen zeigten jedoch ein Plus von sieben Prozent. Besonders gefragt seien Griechenland, Spanien mit Balearen und Kanaren. Auch die Nachfrage nach Zielen im östlichen Mittelmeerraum ziehe wieder an. Ein Update zum Buchungsstand für den Winter 2026/27 will das Unternehmen am 22. September geben.

Die Jahresprognose bestätigt der Konzern: Tui erwartet ein bereinigtes EBIT zwischen 1,1 und 1,4 Milliarden Euro (Vorjahr: 1,4 Milliarden Euro), unter dem Vorbehalt, dass sich die geopolitischen Spannungen nicht wesentlich verschärfen. Die Umsatzprognose hat das Unternehmen hingegen ausgesetzt; im Vorjahr hatte der Konzern 24,2 Milliarden Euro umgesetzt. red/sar