Interior Die Kunst der Bargestaltung

Die Bar „i-Dipferl“ im Wellness- hotel Riedlberg in Drachselsried lebt unter anderem von einer wechselnden Lichtstimmung.
Die Bar „i-Dipferl“ im Wellness- hotel Riedlberg in Drachselsried lebt unter anderem von einer wechselnden Lichtstimmung. © Wellnesshotel Riedlberg

Die Hotelbar soll Menschen zusammenbringen, Geschichten erzählen und wirtschaftlich funktionieren. Hoteliers und Innenarchitekten zeigen, wie das gelingt.

"Eine Bar, die keine Haltung hat, bleibt leer.“ Christoph Hoffmann, Mitgründer der 25hours Hotels, bringt in seinem Editorial für das Callwey-Buch „Die schönsten Restaurants, Hotels & Bars 2026“ auf den Punkt, worauf es bei Hotelbars heute ankommt: Sie sollen mehr sein als schöne Kulissen. Gefragt sind Orte mit Atmosphäre, Charakter und Aufenthaltsqualität – wirtschaftlich durchdacht und vielseitig nutzbar zugleich. Hoffmann bemängelt, dass Bars zunehmend zu Dekorwelten werden, „in denen man den Drink eher postet als wirklich genießt“.

Die Bar nicht nur als Kulisse verstehen

Er erinnert sich gern an Literaten und Künstlerinnen vergangener Jahrzehnte, die sich in verrauchten Bars trafen, um über das Weltgeschehen zu streiten, über Liebe und Revolution zu debattieren oder einfach einen Moment lang nicht allein zu sein. „Diese Orte waren Zufluchtsorte, Denkräume, Gesellschaftswerkstätten.

Orte, die Bedeutung hatten, bevor sie jemand fotografierte, katalogisierte oder als ‚Hotspot‘ beschrieb. Heute ist es unsere Aufgabe, solche Orte neu zu denken, und zwar nicht als Kulisse, sondern als Inhalt“, so Hoffmann.

„Bühne, Wohnzimmer und Treffpunkt"

Die Ruby Group mit Hotels in zentralen Lagen europäischer Metropolen verfolgt einen ähnlichen Ansatz. „Unsere Bars sind eines der Herzstücke unserer Hotels“, unterstreicht Daniel Kroschinsky, Manager Operations Bar & Beverage, und fügt hinzu: „Hier passiert das, was Ruby ausmacht: echtes Leben, echte Begegnungen, echte Geschichten.“ Während die Zimmer Raum für Erholung böten, würden die Bars dazu einladen, „in Bewegung zu kommen – mit einem Drink in der Hand, Live-Musik im Ohr und interessanten Menschen um sich herum“.

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    Die Bar in den Amrai Suites schimmert dank des warmen Kupfers in vielen Facetten.
    © AMRAI SUITES, Alpstein Architekten
    Die Bar in den Amrai Suites schimmert dank des warmen Kupfers in vielen Facetten.
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    Von der Terrasse des Ruby Louise in Frankfurt genießen Gäste bei einem Sundowner den Blick auf die Skyline.
    © Ruby Group
    Von der Terrasse des Ruby Louise in Frankfurt genießen Gäste bei einem Sundowner den Blick auf die Skyline.
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    Das Ruby Molly in Dublin zeigt sich von einem früheren Obst- und Gemüsemarkt inspiriert.
    ©
    Das Ruby Molly in Dublin zeigt sich von einem früheren Obst- und Gemüsemarkt inspiriert.
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    Im Alpenraum heimisches Arvenholz und organische Formen prägen die Bar im Hotel Laudinella, umgesetzt von Zieflekoch.
    © Brechenmacher Baumann, federico sette
    Im Alpenraum heimisches Arvenholz und organische Formen prägen die Bar im Hotel Laudinella, umgesetzt von Zieflekoch.
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    "Hier sitzen, um einen sitzen zu haben“: Die Bar in der Pension Fernblick Höfler setzt auf eine gesunde Portion Humor.
    © Tiberio Sorvillo
    "Hier sitzen, um einen sitzen zu haben“: Die Bar in der Pension Fernblick Höfler setzt auf eine gesunde Portion Humor.

Hotelgäste, Einheimische und Kreative aus der Stadt träfen hier aufeinander. „Unsere Bars sind Bühne, Wohnzimmer und Treffpunkt zugleich.“ Das Design sei dabei immer Teil der jeweiligen Ruby-Story: mal Retro-Glam, mal Zirkusmanege, mal cineastische Eleganz. „Dabei sind wir über die Jahre hinweg immer mutiger geworden. Was sich durchzieht, sind unser Anspruch an Qualität, Detailverliebtheit und zeitlose Lässigkeit“, so Kroschinsky.

Im Trend: Hybride Konzepte

Dem Lean-Luxury-Ansatz folgend, beheimaten die Ruby-Bars zugleich Self-Check-in-Rezeptionen. „Der digitale Check-in ist bei uns schnell erledigt. Unsere Hosts sind dabei nie weit entfernt und jederzeit ansprechbar. Das schafft eine entspannte Atmosphäre: ankommen, einchecken, anstoßen.“

Solche hybriden Konzepte setzen sich zunehmend durch: „Gerade in kleineren Häusern besteht die Herausforderung darin, eine Bar dauerhaft mit Leben zu füllen und wirtschaftlich zu betreiben, sagt Gunnar Ziefle, Geschäftsführer des Schwarzwälder Hoteleinrichters Zieflekoch. Außerhalb der Stoßzeiten fehle oft die nötige Frequenz. „Wenn es die räumlichen Gegebenheiten zulassen, verbinden wir daher gerne Bar und Rezeption miteinander.“ So entstehe ein zentraler Anlaufpunkt im Hotel, der „ganztägig bespielt und gleichzeitig effizient vom Personal betreut werden kann“.

Entscheidend sei eine Gestaltung, die den verschiedenen Funktionen gerecht werde. Generell beobachte Ziefle einen Trend zur Multifunktionalität: „Bars werden zunehmend auch als Co-Working-, Event- oder Frühstücksflächen genutzt.“

Ingo Tschurtschenthaler, einer von drei Geschäftsführern des Innenarchitekturbüros Köck+Bachler, sagt zur idealen Position einer Hotelbar: „Bars funktionieren dann gut, wenn sie an natürlichen Bewegungsströmen liegen, ohne dabei zur reinen Durchgangszone zu werden: präsent und angebunden, aber räumlich so gefasst, dass Aufenthaltsqualität entstehen kann.“

Unterteilung in Bereiche für Kommunikation und Rückzug

Die Pension Fernblick Höfler in Schenna, Südtirol, hat ihrer Bar beim Umbau 2025 deutlich mehr Raum gegeben und auch für Einheimische geöffnet. „Uns liegt die Tourismusgesinnung am Herzen, und das ist unser Beitrag dafür“, sagt Juniorchef Stephan Höfler. Früher war die Bar kaum mehr als eine „Anrichte“. Heute liegt sie nahe am Eingang neben der Rezeption und ist „Dreh- und Angelpunkt unseres Betriebs und gut frequentiert“. Hausgäste bekämen hier Kaffee und Wandertipps, könnten nach der Biketour ihren Durst löschen und den Abend bei einem Absacker ausklingen lassen. „Uns ist es wichtig, ein einzigartiges Urlaubsgefühl zu kreieren“, betont der Gastgeber. Die Bar umfasst fünf unterschiedlich gestaltete Lounges. Sie verbinden modernes Design mit traditionellen modernen Bezügen.

Den Experten zufolge sind unterschiedliche Sitz- und Tischtypen wesentlich: Barhocker, Stühle, Sessel und Sofas. Ebenso wichtig sei eine klare Zonierung mit fließenden Übergängen statt starrer Trennung. Eine gute Bar sollte sowohl kommunikative Bereiche als auch Rückzugsorte bieten. So könnten diverse Nutzungsbedürfnisse gleichzeitig erfüllt werden.

„Hotelbars funktionieren dann gut, wenn sie an natürlichen Bewegungsströmen liegen – ohne
dabei zur Durchgangszone zu werden.“

Ingo Tschurtschenthaler, Geschäftsführer, Köck + Bachler

Strategisches Zentrum jeder Bar ist der Tresen. „Seine Position, etwa mittig im Gastraum als Insel oder rückwärtig, kann die ganze Atmosphäre prägen“, sagt Anne Alpers-Janke aus der Geschäftsführung von Hinsche Gastrodesign. Ihr Unternehmen optimiere nicht nur die Gestaltung, sondern auch Technik und Abläufe. „Wir planen Funktion, Abläufe und optische Gestaltung Hand in Hand.“

Alpers-Janke ist selbst Barista und arbeitet am Wochenende bei Freunden in der Gastronomie mit. Diese Erfahrungen seien „enorm wertvoll“. Ein Beispiel: „Man denkt ja vielfach: Je großzügiger der Rückraum eines Tresens ist, desto besser. Tatsächlich ist ein Abstand von der vorderen Theke zum Rückbuffet zwischen 80 bis 90 Zentimetern ideal. 1,2 Meter würden zwei Schritte statt einem bedeuten – und das macht im Arbeitsalltag einen großen Unterschied.“

Die Expertin spricht von einer „Tüftelaufgabe“: Abläufe müssten in die richtige Reihenfolge gebracht werden, zugleich brauche der Tresen eine klare Aussage. „Was soll der Gast sehen und was besser nicht? Die Siebträger-Kaffeemaschine, in der der Kaffee laut gemahlen wird und duftet? Die Kuchenvitrine? Den Weinkühlschrank? Oder die Bierzapfanlage mit den Zapfhähnen und dem Craft Beer – Stichwort USP?“

Nicht zu vergessen: Licht und Akustik

Eine wichtige Rolle spielt zudem die Beleuchtung. Dabei geht es laut der Fachleute weniger um Helligkeit als um Inszenierung und Differenzierung. Unterschiedliche Lichtzonen strukturierten den Raum, schafften Orientierung und beeinflussten die Stimmung.

Wichtig sei zudem, dass sich das Licht im Tagesverlauf verändern lasse. Oft unterschätzt sei auch die Akustik. Eine angenehme Geräuschkulisse trage dazu bei, dass Gäste sich ungestört unterhalten können. „Wir können den Schall mit absorbierenden Materialien an Wand, Decke und Boden fangen. Filz beispielsweise ist ein tolles Material“, sagt Anne Alpers-Janke von Hinsche. „Zudem bin ich ein großer Fan, mit Teppich zu arbeiten – damit lassen sich Sitzbereiche zugleich zonieren.“ Fazit: Die erfolgreiche Hotelbar von heute ist kein dekorierter Durchgangsort mehr. Sie hat Charakter, erzählt Geschichten und schafft Atmosphäre – vom ersten Kaffee bis zum letzten Drink.

Gestaltungstrends

Anne Alpers-Janke, Geschäftsführerin von Hinsche Gastrodesign, hat kürzlich die Mailänder Möbelmesse besucht und schildert ihre Eindrücke mit Blick auf aktuelle Trends in der Bargestaltung: „Deutlich spürbar ist ein neuer Mut zur Farbe – sicher auch beeinflusst von der aktuellen Weltlage. Gefragt sind Happy Colours: Bordeauxrot in Kombination mit hellem Blau war vielfach als spannende neue Farbwelt zu sehen. Zudem lösen Edelstahl und Chrom zunehmend Messing ab. Der skandinavische Stil bleibt weiterhin prägend.“

Auch Gunnar Ziefle, Geschäftsführer von Zieflekoch, beobachtet klare Entwicklungen: „Der Trend geht stärker in Richtung Residential Design – also zu einer wohnlichen, weniger formellen Gestaltung mit hohem Komfort.“ Gleichzeitig gewinne Nachhaltigkeit weiter an Bedeutung: „Langlebige Materialien, regionale Bezüge und ressourcenschonende Konzepte werden zunehmend relevanter.“

>> Der Beitrag ist in der Tophotel Ausgabe 6/2026 erschienen

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