Das Hotelbad hat sich zum Erlebnisraum gewandelt: offener, sinnlicher, technisch ausgeklügelter. Roberto Martinez von Franz Kaldewei ordnet die relevantesten Entwicklungen ein.
Hotel+Technik: Herr Martinez, welche Trends prägen derzeit die Gestaltung von Bädern?
Roberto Martinez: Wenn wir ehrlich sind: Viele Hotelbäder weltweit sind heute austauschbar. Sie funktionieren, aber sie berühren nicht. Doch das Bad ist längst nicht mehr nur funktionaler Nebenraum, sondern zum emotionalen Kern eines Hotelzimmers geworden. Derzeit beobachten wir drei Entwicklungen: erstens Emotionalisierung statt Funktionalität. Im Premium- und Luxushotel wird das Bad zum Private Spa. Wärme, Licht, Klang und Haptik wirken multisensorisch. Technologie tritt in den Hintergrund – sie ist spürbar, aber unsichtbar.
Zweitens: Architektonische Integration. Die Grenzen zwischen Schlafbereich und Bad verschwimmen. Offenheit, fließende Übergänge und klare Linien schaffen Großzügigkeit selbst auf begrenzter Fläche. Drittens: Materialehrlichkeit und das Einzigartige. Gäste wünschen sich natürliche Oberflächen und sichtbare Qualität. Gerade im Luxussegment erwarten sie ein besonderes Erlebnis – nicht nur optisch, sondern auch haptisch und emotional. Im Economy-Segment gilt: „Smart, not cheap“. Ein sauberes, langlebiges Bad mit klarer Formsprache und sichtbarer Hygiene sorgt bei Gästen für Vertrauen und Zufriedenheit.
Welche Entwicklungen haben das Hotelbad in den vergangenen Jahren am stärksten verändert?
Die bodengleiche Dusche hat das Bad architektonisch geöffnet und Barrieren reduziert. Großformatige Duschflächen vermitteln selbst auf kleiner Fläche Großzügigkeit. Parallel sehen wir eine Reduktion von Fugen und Übergängen – aus Design-, Hygiene- und Pflegegründen. Darüber hinaus wird das Bad heute multisensorisch gedacht: Lichtführung, Akustik, Temperatur und Haptik sind zentrale Bestandteile.
„Mehr als 600 unserer Produkte sind Cradle-to-Cradle-zertifiziert.“
Kaldewei ist bekannt für Stahl-Emaille. Was macht dieses Material technisch so überlegen?
Stahl-Emaille verbindet zwei physikalische Welten: die Stabilität von Stahl mit der edlen Glasoberfläche von Emaille. Im Hotelalltag bedeutet das: Widerstandsfähigkeit, keine Porosität, hygienische Oberflächen und eine optische Qualität, die auch nach Jahren intensiver Nutzung und unzähligen Reinigungszyklen unverändert bleibt.
Viele Investoren optimieren auf den falschen Kostenpunkt – und unterschätzen, was das Bad langfristig für Marke und Betrieb leisten kann. Es geht nicht nur um Design, sondern um den Total Cost of Ownership. Ein langlebiges Produkt reduziert Austauschzyklen, Wartungskosten und den Ressourcenverbrauch.Gleichzeitig besteht Stahl-Emaille aus natürlichen Rohstoffen und ist vollständig recycelbar. Die Materialentscheidung wird damit zu einer strategischen ESG-Entscheidung.
Wenn wir von Kreislaufwirtschaft sprechen: Welchen Stellenwert hat das Thema in Ihrer Produktentwicklung?
Nachhaltigkeit wird oft auf CO₂ und Recycling reduziert. Das greift zu kurz: Cradle-to-Cradle steht neben Kreislaufwirtschaft für Fundamentales wie Material Health, Water Stewardship, Social Fairness. In dieser ganzheitlichen Betrachtung sind wir nicht nur gut, wir sind weltweit führend und können das auch belegen. So veröffentlicht Kaldewei bereits seit 2009 Umwelt-Produktdeklarationen (EPDs) – lange bevor dies branchenweit Standard wurde. Heute sind mehr als
600 unserer Produkte Cradle-to-Cradle-zertifiziert. Unsere Stahl-Emaille-Produkte sind vollständig in den Materialkreislauf rückführbar. Gleichzeitig ermöglichen moderne Badlösungen ein Wellness-Erlebnis mit reduziertem Wasserverbrauch – etwa 95 bis 120 Liter pro Bad statt der üblichen 150 Liter. Ein weiterer wichtiger Ansatz ist „Re-New statt Neukauf“: Projekte wie das 25hours Hotel Bikini Berlin zeigen, dass bestehende Lösungen ressourcenschonend modernisiert werden können.
Wie unterstützt Kaldewei bei diesen Projekten?
Wir begleiten häufig bereits in der Konzeptphase und arbeiten eng mit Investoren, Architekten und Betreibern zusammen – auch bei komplexen Bestandsumbauten. Der Fokus liegt auf Planung, Materialwahl, ESG-Aspekten, Lebenszyklusbetrachtungen und Projektkoordination. Ziel ist es, Hoteliers fundierte Entscheidungen zu ermöglichen, Kosten und Risiken im Betrieb zu reduzieren und die langfristige Qualität der Projekte zu sichern.
Zur Person
Roberto Martinez ist Strategic Sales & Commercial Business bei der Franz Kaldewei GmbH und Mitglied des Executive Boards. In seiner Funktion verantwortet er die strategische Vertriebs- und Geschäftsentwicklung des Unternehmens. Kaldewei ist ein international tätiger Hersteller von Badlösungen aus Stahl-Emaille mit Sitz in Deutschland.
Lassen Sie uns zusammen in die Glaskugel schauen: Wird das Hotelbad der Zukunft eher Spa-Retreat oder funktionaler Hightech-Raum?
Das Bad der Zukunft wird beides sein – aber intelligent kombiniert. Im sichtbaren Bereich wird es ruhiger, natürlicher und reduzierter. Im unsichtbaren Bereich wird es technologisch komplexer. Stammgäste könnten künftig ihre individuellen Präferenzen wie Licht, Temperatur oder Klänge speichern. Das Bad erkennt sie automatisch wieder. Diese Form der Personalisierung schafft emotionale Bindung. Das
Luxusbad 2035 wird nicht lauter, sondern leiser – nicht technischer, sondern regenerativer.
Und welche Rolle könnte das Thema Künstliche Intelligenz dabei spielen?
KI wird weniger das einzelne Produkt verändern als die Prozesse. Digitale Planungstools, BIM-Integration und Lebenszyklusanalysen ermöglichen frühere und datenbasierte Entscheidungen. Predictive Maintenance kann Wartungsbedarfe erkennen, bevor Schäden entstehen. Gleichzeitig gewinnen Wasser- und Energierückgewinnungssysteme an Bedeutung – insbesondere vor dem Hintergrund steigender Betriebskosten und ESG-Vorgaben. Technologie wird das Bad effizienter, nachhaltiger und wirtschaftlicher machen.