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StartHotel+TechnikTiny Houses & Co.::Mehr Raum auf Bestellung

Tiny Houses & Co.Mehr Raum auf Bestellung

Die Reiselust ist zurück, und viele Hoteliers würden gern ihre Kapazitäten erweitern. Doch derzeit scheitert dies vor allem an den explodierenden Baukosten sowie am ­Material- und ­Handwerkermangel. Wer viel Platz hat, könnte übervorge­fertigte Alternativen nachdenken – vom Tiny House über den Schäferwagen bis zum Pop-up-Cube.

Urlaub im eigenen Land und „Workation“ – sprich die Kombination von Arbeit und Urlaub – boomen. Gleichzeitig wünschen sich viele Gäste in den Ferien mehr Platz und eine bessere Ausstattung, als sie herkömmliche Hotelzimmer bieten. Hoteliers, die hier nicht Ferienwohnungsanbietern das Feld überlassen wollen, müssen daher mit passenden Alternativen aufwarten. Eine davon sind Tiny Houses, also Minihäuser, die mal mehr oder minder mobil, aber immer wieder anders daherkommen.

Ein Anbieter auf dem Tiny-House-Markt ist das Unternehmen Nawalo aus dem schleswig-holsteinischen Raa­Besenbek, das mit dem „Unicube“ ein Modell explizit für das B2B-Business mit der Hotellerie entwickelt hat. Das Haus ist wesentlich luxuriöser ausgestattet als die bisherige Nawalo-Linie aus Holzunterkünften wie Naturwagen oder -lodges für Freizeitparks und Campingplätze.

Die Nutzfläche eines Unicube liegt zwischen 20 und 34 Quadratmetern, die Raumhöhe beträgt 2,50 Meter. Jedes dieser Minihäuser besteht aus einem Wohnraum mit offener Küchenzeile, ein bis zwei Schlafräumen und einem Duschbad. Die Wanddämmung beträgt 80, die Decken- 140 und die Bodendämmung 120 Millimeter. Der Innenraum ist mit abwischbarem Parkettholz aus Eiche vertäfelt.

Die Küchenausstattung besteht aus Markengeräten deutscher Hersteller mit Gewährleistung. „Es ist uns wichtig, dass der Hotelier über viele Jahre hinweg keine Instandhaltungskosten hat, aber auch, dass das Housekeeping entlastet wird “, erläutert Geschäftsführer Simon Kilimann. „Deshalb verzichten wir auch bewusst auf eine zweite Ebene.“ Einrichten können Hoteliers die Häuser nach ihrem Geschmack beziehungsweise angepasst an das Design-Konzept ihres Hauses.

Schnelle Lieferzeiten, langlebige Nutzungsdauer

Wer ein Baugrundstück aufweist und sich die entsprechenden Genehmigungen geholt hat – wobei Nawalo auch behilflich ist – kann sich den Unicube einfach per Trailer anliefern und aufstellen lassen. Dafür ist kein Fundament nötig, lediglich Wasser- und Stromanschluss. Nach Eingang der Bestellung werden die Würfel derzeit innerhalb von vier Monaten geliefert – zum garantierten Fixpreis. Der startet für die Minihäuser bei etwa 60.000 Euro.

Nawalo produziert in Europa und ausschließlich mit FSC-zertifiziertem europäischem Holz. Der Außenbereich der Tiny Houses besteht aus Lärchenholz, das langfristig nicht nachbehandelt werden muss. „Nachhaltigkeit bedeutet für uns auch eine langlebige Nutzungsdauer“, so Kilimann. „Wenn der Betreiber ein Haus nicht mehr benötigt, kann er es weiterverkaufen.“

Geheizt wird über raumgesteuerte Infrarotheizungen. Die Warmwasserversorgung für Küche und Bad erfolgt über einen fest installierten Durchlauferhitzer in der Wohnküche. Ebenfalls bereits installiert sind Deckenspots und Steckdosen, USB-A/C-Steckdosen in Schlafzimmer und Wohnküche sind Standard.

Autarke Modelle sind im Kommen

Bereits vor Beginn der Coronapandemie hatte der Verkauf von Tiny Houses und alternativen Unterkünften in Urlaubsregionen Fahrt aufgenommen. 2018 kooperierte der österreichische Hersteller Wohnwagon aus Wien mit dem Flair Hotel Reuner im brandenburgischen Zossen, dem er sein Modell „Frieda“ zu Testzwecken zur Verfügung stellte. Die Gäste waren begeistert, und Weiterentwicklungen von Frieda sind längst andernorts in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu bewundern.

Autark und mobil: Der Wohnwagon mit Photovoltaik-Anlage auf dem Flachdach und Fahrgestell. (Bild: Wohnwagon)

Eine ist das Modell „Mitzi“, ein zehn Meter langer Wohnwagon mit einem fix angestellten Erker und ökologischer Dämmung, auch im Unterboden. Der komplette Aufbau besteht aus 8 Zentimeter starken Massivholzwänden mit einer 16 Zentimeter dicken Schafwolldämmung. Die Fassade aus Lärchenholz wird mit einer Z-Falz-Technik ausgeführt, geheizt wird der Wagon in der Regel mit Holzpellets.

Dank einer Photovoltaikanlage auf dem Dach – mit Überschusssteuerung und Gleichstrom-Direkteinspeisung in den Boiler – wird laut Herstellerangaben bei Mitzi bis zu 75 Prozent solare Deckung beim Warmwasser erreicht. Die Gesamtleistung von 3,75 kWp ist so kalkuliert, dass bei einem sparsamen Stromverbrauch eine weitgehende Au­tarkie erreicht werden kann. Gespeichert wird der Strom in Akkus im doppelten Boden des Wagens.

Mitzi kann sowohl an Wasser angeschlossen als auch autark betrieben werden. Dann kommen beispielsweise eine Regenwasseraufbereitungs-Anlage und eine Bio-Toilette zum Einsatz. Aufgrund der höheren Standardisierung gegenüber den bisherigen Wohnwagon-Modellen beträgt die Lieferzeit inzwischen weniger als ein Jahr. In der Grundversion ohne Fahrgestell kostet das Haus derzeit rund 148.000 Euro.

Je weniger aufwendig die Produktion der mobilen Herbergen ist, desto schneller sind sie lieferbar. Andere Varianten wie Schlaffässer werden von zahlreichen Schreinereien angeboten, zum Beispiel Sauneco auf der Schwäbischen Alb oder von Naturhaus-Holzbau aus Dahlwitz-Hoppegarten. Dort starten die Preise ohne jegliche sanitäre Anlagen bei etwa 6.000 Euro. Die Lieferzeit bei Sauneco für ein Standardfass beträgt derzeit zehn Tage. Schäferwagen werden ebenfalls von verschiedenen Schreinereien in Deutschland angeboten, zum Beispiel von der Schäferwagen Manufaktur aus Oersberg.

Luxuriöse Zukunftsvision in der spanischen Wüste

Ein Kapselhotel als Stand-alone-Konzept hat ein internationales Team von Architekten, Designern und Ingenieuren unter Leitung des spanischen Büros Moho Arquitectos entwickelt und in der Wüste von Gorafe in der Provinz Granada in Andalusien aufgestellt. Der „Districthive“ genannte Container hat kein Fundament, ist leicht vom Boden abgehängt und benötigt keine Rohrleitungen, Sanitäranlagen oder andere Einrichtungen. Er ist in der Lage, eigenes Wasser aus der Luft und eigenen Strom aus Solarenergie zu gewinnen und Abfälle in Asche umzuwandeln – und macht damit autarkes Wohnen möglich.

Ein mobiles Stützsystem macht den Disctricthive für jedes Gelände tauglich. (Bild: Dani Guindo)

Darüber hinaus kann das mobile Modul dank seines Stützsystems mit sechs Beinen auf jedem Gelände eingesetzt werden. „Das Projekt bietet Hotelbetreibern die Chance, innerhalb des Luxustourismus eine nachhaltige Investition zu tätigen“, so Carlos Abadía, CEO von Moho Arquitectos. Die Innenarchitektur des Districthive stammt von Nora von Nordenskjöld vom Atelier Novono in Berlin, die schon mehrfach gastronomische Objekte gestaltet hat.

Auf einer Fläche von 35 Quadratmetern bietet das Kapselhotel Bad, Wohnküche, Schlafzimmer, Kleiderschränke und einen kleinen Raum, in dem die technische Ausrüstung untergebracht ist. Ein Doppelbett im Schlafzimmer lässt sich zusammenklappen, modulare Regale können vielseitig genutzt werden. Verwendete Materialien sind Stein, Holz und viel Glas, um die Landschaft und Sonnenlicht ins Haus zu lassen.

Pop-up-System für Schnellstarter

Nicht minder futuristisch, aber im einfachen Steckbau-Prinzip sind die Würfelschlafstätten des Hamburger Unternehmens Sleeperoo. Sie wurden vom Langefreunde Design Studio aus Schwerin entworfen. Durch ein transparentes Dach und Panoramafenster haben die Gäste freien Blick in die Umgebung. Für einen sichtgeschützten Schlaf lassen sich die Rollos herunterziehen.

Der Sleeperoo-Cube aus wetterfesten Stoffbahnen umfasst zwölf Kubikmeter Raum und bietet eine Liegefläche von 1,60 mal zwei Meter. Stauraum gibt es in einem dreigeteilten Schrank. Laut Herstellerangaben ist der Würfel in etwa einer Stunde aufgebaut. Weder Stromanschluss noch Baugenehmigung sind erforderlich. Bei einer Bestellung ab zehn Stück kostet ein Cube laut Homepage 11.990 Euro, für die Innenausstattung mit Decken, Kissen und einer Sojaölkernmatratze werden 3.000 Euro berechnet.

Susanne Stauß


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