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Strategie"Wir bewerben uns als Arbeitgeber"

Seit Mai agiert Gitta Brückmann für Marriott International als Area Vice President Central Europe, ein weiterer Schritt in ihrer langen Karriere bei der Hotelkette. Mit Tophotel sprach die Managerin über Arbeitgeber-Trümpfe, das fortschrittlichste Marriott-Hotel in der DACH-Region und Development-Pläne.

Tophotel: Frau Brückmann, welche ­Themen liegen Ihnen momentan besonders am Herzen?

Gitta Brückmann: Das Rekrutieren von Mitarbeitern und das Fördern von Talenten sowie das große Thema Nachhaltigkeit, das vor dem Hintergrund der derzeitigen Energiekrise und des Klimawandels enorm an Bedeutung gewonnen hat.

Ist Nachhaltigkeit ein Thema bei der Mitarbeiterakquise?

Ja, aber auch die Work-Life-Balance spielt eine große Rolle, und das über alle Alters­klassen hinweg. Wir müssen uns wirklich anstrengen, uns richtig zu präsentieren. Ich sage immer zu unseren Hoteliers: Nicht die Bewerber werden von uns, sondern wir ­werden von ihnen interviewt. Wir bewerben uns als Arbeitgeber.

„Bei Bewerbern und ­Mitarbeitern gewinnt das Thema Flexibilität an Bedeutung.“
Gitta Brückmann

Was sind die Trümpfe von Marriott als ­Arbeitgeber?

Natürlich ist die Bezahlung wichtig, doch wir haben schon immer fair bezahlt. Bei Bewerbern und Mitarbeitern gewinnt das Thema Flexibilität an Bedeutung. Wir werden, wo immer es geht, Homeoffice-Lösungen bieten. Und wir müssen die Arbeitszeiten anpassen. Marriott ­bietet außerdem eine Vielzahl an Weiterbildungs- und Austauschprogrammen. In Berlin haben wir jetzt im Oktober unsere Azubi-Konferenz neu aufgelegt. Diese ­Talentschmiede zeigt unseren besten Azubis weltweite Karrierewege im Konzern auf. Wir haben dies erstmals intensiv über Social Media begleitet, um weitere junge Menschen auf Marriott aufmerksam zu machen. Und in Hamburg stellen wir jungen Führungskräften und Hochschulabsolventen unser Voyage-Programm vor, das ihnen bei der Weiterentwicklung behilflich ist.


Gitta Brückmann

In ihrer Position als Area Vice President Central Europe verantwortet die 58-Jährige die 42 gemanagten Marriott-Häuser in der DACH-Region – Deutschland, Österreich und der Schweiz –, die für Marriott zudem ein bedeutender Quellmarkt ist. 16 Marken umfasst das Portfolio hier.

Die Karriere von Gitta Brückmann begann mit einer Ausbildung zur Hotelfachfrau im Bristol Hotel Kempinski in Berlin und einem ersten Job im Londoner Hyde Park Hotel. Anfang der 1980er-Jahre wechselte sie zu Marriott und war zunächst in den Marriott-Häusern in Boston, Wien, Warschau und München tätig. Seit 1994 lebt Brückmann in Frankfurt.


 

Zurück zur Nachhaltigkeit: Auf welche Maßnahmen legt Marriott ­hier den Fokus?

Wir haben uns innerhalb dieses komplexen Themas viele Ziele gesetzt. Unsere globale Nachhaltigkeitsinitiative wird entsprechend auf die Regionen übertragen. Sehr am ­Herzen liegt uns derzeit die Plastikreduktion. Sie geriet unter anderem wegen der Einführung von Hygieneverpackungen, aber auch durch die Plastikbehälter für das To-go-Geschäft während der Pandemie ins Stocken. Zwei andere große Themen sind die Abfallreduzierung, insbesondere auch von Food Waste, und die Verringerung des CO²-Abdrucks.

Was setzen Sie konkret um?

Wir stellen zum Beispiel gerade die Speisekarten auf QR-Codes um. Die Gäste haben während der Pandemie gelernt, damit umzugehen; wir wissen aber auch, dass wir damit nicht bei allen auf Begeisterung stoßen werden. Wir befinden uns daher in einer Hybridzeit zwischen Digitalisierung und Haptik. Außerdem ist die Zeit der kleinen Plastikfläschchen abgelaufen: Bis Ende 2022 wird es bei uns nur noch Pflegeprodukte in Spendern geben. Und beim Einkauf rückt die Regionalität weiter in den Vordergrund, insbesondere bei Lebensmitteln. Unsere Küchenchefs wissen genau, woher die Waren stammen. Das gesamte Thema Nachhaltigkeit ist eine Reise, die noch lange nicht ­beendet ist.

Wie stellen Sie sicher, dass die Hotels alle Maßnahmen umsetzen?

Wir haben eine globale Sustainability-Richtlinie und wir versuchen, die Erfolge der Maßnahmen messbar zu machen. Allen ­Hotels steht ein digitales Reporting zur ­Verfügung, in das sie eintragen können, welche Maßnahmen wann umgesetzt wurden. Doch beim Verwaltungsaufwand müssen wir auch darauf achten, die Balance zwischen Administration und Zeitmanagement zu wahren. Die Mitarbeiter dürfen nicht im Backoffice festgenagelt werden.

Beim Thema Nachhaltigkeit holen wir uns auch Hilfe von außen. Der Einkauf wird beispielsweise vom Unternehmen Ecovadis begleitet, das die Nachhaltigkeit unserer Lieferanten checkt. Beim diesjährigen Meeting der Business Council Chairs ­Europe in Wien ist zudem eine Gastrednerin zum Thema Food Waste vorgesehen. Die Mitglieder dieses Gremiums, Hotelmanager verschiedener Marriott-Marken, tragen ­innovative Ideen anschließend in ihre Häuser weiter.


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Immobilien spielen bei der Nachhaltigkeit eine immer wichtigere Rolle. Welchen ­Einfluss hat Marriott als Betreiber darauf?

Wir gehen diesen Schritt gemeinsam mit den Eigentümern und führen ausführliche Gespräche mit ihnen, wie sie das Thema Nachhaltigkeit in der entsprechenden Immobilie umsetzen können – das reicht von baulichen Maßnahmen wie energiesparenden Heizungsanlagen oder dem Einsatz von Solarenergie bis hin zu operativen Maßnahmen. Viele Eigentümer sind bereit, in diesen Bereich entsprechend zu investieren.

Welches ist hierbei das fortschrittlichste Hotel in Ihrer Region?

Das am 18. Juli eröffnete Geneva Marriott Hotel. Der Eigentümer, die Gruppe Chevalley, hat beim Bau viele innovative Technologien eingesetzt, um den ökologischen Fußabdruck zu reduzieren.

Vor Baubeginn wurden Grundwasserbohrungen durchgeführt und eine eigene Quelle geortet, deren Wasser das Gebäude kühlt, bevor es unverschmutzt wieder in die Erde zurückgeführt wird. Zwischen Fassade und Innenwand ist ein Zwischenraum für die Belüftung eingerichtet.

Im Sommer erzeugt der Temperaturanstieg im Inneren dieses Hohlraums einen Kamin­effekt. Die Luft wird nach oben gedrückt, zum Gebäudeinneren hin reduziert sich die Temperatur. Im Winter gleicht die Öffnung in der belüfteten Fassade die Temperatur der Wand zum Gebäudeinneren hin aus.

 

Außerdem hat das Hotel Fenster aus elektronisch tönbarem Glas vom Hersteller Saint-Gobain. Diese intelligente Fensterverglasung kann von Hotelgästen direkt gesteuert werden und reduziert den CO²-Fussabdruck durch die Optimierung der Sonnenenergie und die ­Minimierung von Hitze und Blendung. Beheizt wird das Haus über ein Fernwärmenetz.

Ferner punktet das Haus im operativen ­Bereich. So bestehen die Uniformen der Mitarbeiter aus Recyclingmaterial, es gibt einen E-Auto-Shuttle, und im F&B-Bereich stehen Regionalität und Innovationen im Fokus. Zum Beispiel die Ecofass-Weine des Schweizer Unternehmens Bibarium. In den Fässern bleibt der Wein mindestens vier Monate haltbar, ohne seine Struktur und seine Aromen zu verändern. Die Speisekarten von Restaurant und Bar sowie die Rechnungsumschläge werden auf biologisch abbaubarem Öko-Papier gedruckt, in die Rechnung selbst ist ein Blumensamen integriert, den der Gast zu Hause einpflanzen kann. Trinkflaschen auffüllen können die Gäste zudem an ­Wasserspendern auf den Fluren.


Marriott International

Das 1927 gegründete US-amerikanische Hotelunternehmen Marriott International mit Sitz in Bethesda, Maryland, zählt mit mehr als 8.000 Hotels und 30 Hotelmarken in 139 Ländern zu den weltweit größten Playern der Hotelbranche.

Im Portfolio befinden sich Marken wie The Ritz-Carlton, W Hotels, JW Marriott, Marriott, Sheraton, Le Meridien, Westin, Autograph Collection Hotels, Design ­Hotels, Renaissance Hotels, Courtyard by Marriott, Aloft, Moxy und Residence Inn. Es handelt sich um direkt und als Franchise betriebene Häuser sowie lizenzierte Vacation Ownership Resorts.

Eine wichtige Rolle spielt die DACH-Region. Allein in Deutschland ist Marriott derzeit mit 16 Marken und 97 Hotels und Hotelprojekten (Designhotels sind hier ausgenommen) vertreten. Dabei handelt es sich sowohl um direkt von Marriott International gemanagte als auch unter Franchise-Vereinbarungen geführte Häuser.


 

Wie beurteilen Sie das derzeitige wirtschaftliche Umfeld?

Wir beobachten das momentane Verbraucherverhalten und die makroökonomischen Trends genau. Im Gastgewerbe sehen wir bisher noch keine Anzeichen für eine Abschwächung der Nachfrage – im Gegenteil: Die anhaltende Nachfrage nach den verschiedensten Arten von Reisen, die zunehmende Bereitschaft, Geld für Erlebnisse anstelle materieller Dinge auszugeben, das anhaltend hohe Beschäftigungsniveau und die Aufhebung weltweiter Reisebeschränkungen ­fördern das Reisen sogar.

Welche Development-Pläne gibt es für die DACH-Region?

Die Select-Service-Marken von Marriott International, wie AC by Marriott, Moxy ­Hotels, Courtyard by Marriott, Residence Inn by Marriott, Aloft Hotels, Element ­Hotels und Four Points by Sheraton stehen weiterhin an der Spitze des Wachstums in Europa und machen dort mehr als 50 Prozent unserer derzeit unterzeichneten Hotel-Pipeline aus. Dies trifft auch auf Deutschland zu. Mehr als 50 Prozent der unterzeichneten Pipeline-Verträge sind dabei Moxy Hotels zuzuordnen.

Sehr spannend ist auch die Konversion des jetzigen Hotels Berlin Central District, ehemals ein Maritim-Hotel, in ein JW ­Marriott. 2023 werden wir außerdem gemeinsam mit Arabella Hospitality das frühere Four Points by Sheraton München Central an der Theresienwiese als Residence Inn eröffnen. Der ehemalige, jetzt neu gebaute Königshof in München wird ein JW Marriott, und Anfang 2023 geht das neue München Marriott Hotel City West an der Landsberger Straße an den Start. Das sind alles Projekte, auf die wir uns freuen, weitere werden folgen.

Interview: Susanne Stauß


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