Statements aus Hotellerie, Gastronomie und WirtschaftSo geht die Next Generation mit der Krise um

Louis Steinle bekommt als Management Trainee bei den Geisel Privathotels Einblicke in viele unterschiedliche Themenbereiche. (Bild: Geisel Privathotels)

Was bedeutet die Krise für die junge Generation von Hoteliers, F&B-, und HR-Managern, Spa-Spezialisten und weiteren Fachkräften? Wie reagiert die Next Generation? Welche Ängste und Hoffnungen, kreative Ansätze und Zukunftspläne haben die Nachwuchskräfte? Die Tophotel-Redaktion hat nachgefragt und aktualisiert diesen Beitrag kontinuierlich um neue Statements.

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Dieser Artikel ist Teil unserer umfassenden Berichterstattung über die Coronakrise. >>> zur Übersicht

+++ Louis Steinle (26), Management Trainee Geisel Privathotels +++

Die Geisel Privathotels betreiben in München derzeit acht Hotel- und Gastronomiebetriebe. Das Luxushotel Königshof befindet sich mitten im Neubau. Einen Einblick in die derzeitige Lage aus seiner Sicht gibt Management Trainee Louis Steinle (26):

Louis Steinle (26) ist mit der elterlichen Gastronomie aufgewachsen. Nach seinem dualen Studium an der DHBW Ravensburg in Kooperation mit dem Colombi Hotel in Freiburg war er als Guest Relation Manager im Hotel Es Princep auf Mallorca tätig. Im Februar 2019 begann er ein 18-monatiges Management Trainee Programm bei den Geisel Privathotels. Aktuell sammelt er Management Erfahrung im Fachbereich Sales und Marketing.

Tophotel: Herr Steinle, Sie haben durch Ihr Trainee Programm bei den Geisel Privathotels Einblicke in unterschiedliche Betriebstypen von Budget Lifestyle bis Luxury Boutique. Zudem wird mit dem Königshof aktuell ein historisches Bauvorhaben nicht nur für die Familie Geisel, sondern für die ganze Stadt München realisiert. Kristallisieren sich in der Krisenbewältigung Unterschiede zwischen den verschiedenen Konzepten heraus?

Louis Steinle: Trotz verschiedenster Betriebstypen sind alle Häuser gleichermaßen betroffen. Die Absage großer Leitmessen und Veranstaltungen haben uns nicht nur zu Anfang der Krise beschäftigt, sondern ziehen sich mit der Absage des Oktoberfests bis in den Herbst. Die Gäste haben sich häuserübergreifend mit der Entscheidung anzureisen oder zu stornieren ähnlich verhalten, sodass wir bis zur Schließung aller unserer Betriebe ab dem 17. März eine ausgeglichene Belegung unter den Hotels hatten.

Unser Traditionshaus Excelsior by Geisel ist bereits seit KW 18 wieder für nicht-touristische Zwecke geöffnet. Im Anschluss folgten in KW 19 dann nacheinander die Häuser Schwabinger Wahrheit by Geisel und Anna by Geisel, welche speziell bei Geschäftsreisenden beliebt sind. Die Entscheidung der Landesregierung, dass ab dem 30. Mai wieder ein regulärer Hotelbetrieb in Bayern möglich ist, stimmt uns sehr positiv. Denn in diesen Tagen soll auch die Luxusstadtresidenz Beyond by Geisel wieder öffnen. Aufgrund der Anzahl an Zimmern, der Lage und der Exklusivität hoffen wir, dass speziell hier die Nachfrage steigen wird (Das Beyond by Geisel mit 19 Zimmern befindet sich am Münchner Marienplatz mit Blick auf das neue Rathaus, Anm. d. Red.).

Etwas Besonderes ließen wir uns in puncto Krisenbewältigung für unser Hybridhotel Schwabinger Wahrheit by Geisel einfallen: Dessen Lage, mitten im Wohn- und Szeneviertel von Schwabing, hat sich dafür angeboten, unter Tohru Nakamuras Leitung das Street-Food-Konzept ‘Shibuya Fried Chicken’ mit Take-Away zu realisieren (Tophotel berichtete). Bei unseren ‘üblichen’ F&B-Konzepten sind wir auf alle Eventualitäten vorbereitet und freuen uns sehr über die Entscheidung, dass wir am 25. Mai wieder starten können.

Wie ist der aktuelle Stand bezüglich des Projektes Königshof?

Die Planungen des Neubaus des Königshofs liegen bereits Jahre zurück. Zu diesem Zeitpunkt konnte natürlich niemand davon ausgehen, dass wir in den Jahren des Wiederaufbaus direkt von einer weltweiten Pandemie und der damit verbundenen Wirtschaftskrise betroffen sind. Jedoch sind wir sehr froh, dass der Neubau weiterhin und uneingeschränkt weitergeht und wir wie geplant Ende 2021 mit der Eröffnung des Königshofs nicht nur für München neue Maßstäbe setzen können. Mit der Eröffnung wird sich nicht nur das Stadtbild Münchens prägend ändern, sondern es entstehen natürlich auch viele neue Arbeitsplätze.

Die Geisel Privathotels sind für ihre umfänglichen Maßnahmen im Bereich Corporate Social Responsibility, also dem freiwilligen Beitrag der Wirtschaft zu einer nachhaltigen Entwicklung, der über die gesetzlichen Forderungen hinausgeht, bekannt. Welchen Stellenwert nimmt CSR in Zeiten der Corona-Krise ein?

Ein verpackungsfreies Frühstück wie es in unseren Häusern üblich ist, wird in der nahen Zukunft erstmalig in diesem Umfang nicht möglich sein. Das Frühstück wird sich weg von einem Frühstücksbuffet zu einem individuellen Frühstück oder ein Frühstück zum Mitnehmen, wie es aktuell in den Häusern angeboten wird, verschieben. Dabei kommen für jeden Gast persönliche Kleinstverpackungen zum Einsatz. Allerdings kaufen wir weiterhin bei regionalen Anbietern ein, forcieren im Einklang damit den Verkauf regionaler Produkte und versuchen bei unserem Take-Away-Geschäft nachhaltige Verpackungsmaterialien zu verwenden. Auch das Schulungsangebot in Zusammenarbeit mit unseren Partnern, unter anderem IFH Performance Academy und Deutsche Hotelakademie DHA wurde zusätzlich verstärkt. Krisenbedingt musste aber beispielsweise das Highlight vieler Mitarbeiter, der jährliche gemeinsame Oktoberfestbesuch, aufgrund des Erlasses der Stadt München abgesagt werden.

Was nehmen Sie in Ihrer aktuellen Rolle als Management Trainee persönlich aus diesen bewegten Zeiten mit?

Eine Krise in diesem Ausmaß ist mir in meinem bisherigen Arbeitsleben bislang erspart geblieben und hat mir auf jeden Fall gezeigt, dass es immer anders kommen kann als man denkt. Die Globalisierung ist für die Hotellerie eigentlich ein Segen, da wir Privat- und Geschäftsleute aus der ganzen Welt in unseren Häusern beherbergen dürfen, aber natürlich begünstigt eine globale Vernetzung die Ausbreitungen von übertragbaren Krankheiten wesentlich. Wir rechnen damit, dass wir bis Ende des Jahres hauptsächlich Gäste der DACH-Region beherbergen werden.

Interview: Laura Schmidt

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