Energiekosten So können Hoteliers Strom strategisch einkaufen

Strombeschaffung beginnt mit der Analyse: Lastprofile und Verbrauchsdaten helfen Hotels, Einkauf und Energieeinsatz effizienter zu steuern.
Strombeschaffung beginnt mit der Analyse: Lastprofile und Verbrauchsdaten helfen Hotels, Einkauf und Energieeinsatz effizienter zu steuern. © Aysia – stock.adobe.com

Hoteliers, die beim nächsten Vertragswechsel nicht nur auf den Festpreis schauen, können Kosten senken. Wie das in der Praxis funktioniert, zeigt das Beispiel der Amano Group aus Berlin.

Energiekosten machen im Gastgewerbe nach Branchenschätzungen fünf bis sieben Prozent des Umsatzes aus. Mit jedem neuen Hotel und jedem zusätzlichen Wellnessbereich wächst dieser Kostenblock. Trotzdem steuern viele Betriebe ihre Energiebeschaffung kaum strategisch. Läuft der Stromvertrag aus, wird er häufig einfach zum Festpreis verlängert. Dabei entscheidet der Zeitpunkt des Vertragsabschlusses oft über erhebliche Mehr- oder Minderkosten für die kommenden Jahre.

Wie viel Potenzial in einer anderen Strategie steckt, zeigt die Berliner Amano Group. Die Hotelgruppe steht für urbane Lifestyle-Hotellerie und ist innerhalb von anderthalb Jahrzehnten auf zwölf Hotels in Berlin, München, Düsseldorf, Leipzig und London gewachsen. Nachhaltigkeit gehört dabei zum Markenkern. Als 2023 die Stromlieferverträge ausliefen, entschied sich das Unternehmen gegen eine Verlängerung und stellte die Energiebeschaffung neu auf. Der Schritt kommt zu einer Zeit, in der die Hotellerie gleich von zwei Seiten unter Druck gerät. Einerseits verschärfen sich die regulatorischen Anforderungen.

Die EU-Verpackungsverordnung verbietet ab 2030 zahlreiche Einwegprodukte, die Nachhaltigkeitsberichterstattung gewinnt mit der CSRD weiter an Bedeutung, und immer mehr Gäste sowie Firmenkunden verlangen belastbare ESG-Nachweise. Andererseits setzen steigende Energie- und Personalkosten die Erträge vieler Häuser unter Druck. Genau an dieser Schnittstelle entscheidet die Strombeschaffung zunehmend über Wettbewerbsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit.

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    Urbaner Lifestyle: Das Amano East Side befindet sich mitten in Berlin-Friedrichshain.
    © Amano Group
    Urbaner Lifestyle: Das Amano East Side befindet sich mitten in Berlin-Friedrichshain.
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    Ob in den Gästezimmern oder der Hotelküche: Seitdem die Amano Group ihren Energieeinkauf strategisch angeht, sind die Stromkosten im Schnitt bis zu zehn Prozent gesunken.
    © Amano Group
    Ob in den Gästezimmern oder der Hotelküche: Seitdem die Amano Group ihren Energieeinkauf strategisch angeht, sind die Stromkosten im Schnitt bis zu zehn Prozent gesunken.

Festpreis: bequem, aber nicht immer wirtschaftlich

Festpreisverträge bieten Planungssicherheit. Gleichzeitig wird der Strompreis an einem einzigen Stichtag festgeschrieben. Liegt das Marktpreisniveau gerade hoch, zahlt der Betrieb diesen Preis über die gesamte Vertragslaufzeit. Hinzu kommt eine Risikoprämie des Lieferanten, die dessen eigenes Preisrisiko absichert. Der Strommarkt hat sich jedoch verändert. Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien treten Phasen mit sehr niedrigen Börsenpreisen immer häufiger auf.

Nach Angaben der Deutschen Energie-Agentur wurde 2025 knapp ein Viertel des deutschen Solarstroms in Stunden mit negativen Börsenpreisen erzeugt. Wer ausschließlich auf klassische Festpreisverträge setzt, profitiert von solchen Marktbewegungen nicht.

Deshalb lohnt sich vor einer Vertragsverlängerung eine einfache Bestandsaufnahme. Wie wettbewerbsfähig ist das vorliegende Angebot? Und wäre eine flexiblere Beschaffungsstrategie über mehrere Jahre wirtschaftlicher als ein einzelner Festpreisvertrag?

Ohne Verbrauchsanalyse keine gute Einkaufsstrategie

Bevor Hotels ihre Beschaffung umstellen, sollten sie ihren eigenen Stromverbrauch genau kennen. Entscheidend ist nicht nur die verbrauchte Strommenge, sondern auch der Zeitpunkt des Verbrauchs. Hotels weisen meist typische Lastprofile auf: Hohe Verbräuche entstehen morgens während des Frühstücks sowie am Abend durch Check-in, Gastronomie, Beleuchtung und Wellnessangebote. Dazwischen sinkt der Bedarf häufig deutlich. Wer diese Lastprofile kennt, kann den Einkauf deutlich präziser steuern. Die Analyse liefert oft überraschende Erkenntnisse. Viele Betriebe stellen erstmals fest, dass ihre tatsächlichen Verbrauchsmuster erheblich von den eigenen Annahmen abweichen.

Gleichzeitig werden Lastspitzen sichtbar, die den Einkauf besonders teuer machen. Diese Transparenz bildet die Grundlage für jede weitere Optimierung. Bei der Amano Group übernimmt diese Aufgabe heute ein digitales Energiemanagementsystem. Es bündelt die Verbrauchsdaten aller Standorte, erkennt Lastprofile, prognostiziert den künftigen Bedarf und unterstützt die Beschaffung auf dieser Grundlage.
Im Mittelpunkt der neuen Beschaffungsstrategie steht kein einzelner Vertrag, sondern ein breit aufgestelltes Portfolio verschiedener Stromquellen.

Ein wichtiger Baustein dabei sind sogenannte Power Purchase Agreements (PPAs). Über diese langfristigen Direktlieferverträge beziehen Unternehmen Strom unmittelbar von Wind- oder Solarparks. Solche Vereinbarungen bieten über mehrere Jahre stabile Preise und ermöglichen zugleich einen nachvollziehbaren Bezug erneuerbarer Energien.

Das Wichtigste in Kürze

  • Energie ist kein Randthema. Fünf bis sieben Prozent des Umsatzes entfallen auf Energie, und die Kosten steigen weiter. Wer hier strategisch handelt, schützt seine Marge.
  • Festpreisverträge verschenken Potenzial. Sie bieten Planungssicherheit, nehmen aber Chancen auf günstige Marktphasen und viel Einsparpotenzial weg.
  • PPAs sind heute auch für Hotels strukturierbar. Direktverträge mit Wind- oder Solarparks bieten günstigere Konditionen als Standardtarife.
  • Nachhaltigkeit und Kosteneffizienz sind kein Widerspruch. Grüner Strom aus Direktverträgen ist heute oft günstiger und überzeugt Gäste und Geschäftsreisekunden.
  • Der Einstieg ist einfacher als gedacht. Mit einem professionellen Partner lässt sich ein optimales Energieportfolio aufsetzen.

Entscheidend ist jedoch die Kombination verschiedener Erzeugungsarten. Solarstrom steht vor allem tagsüber und im Sommer zur Verfügung, Windenergie dagegen häufiger nachts sowie in den Herbst- und Wintermonaten. Werden beide Quellen kombiniert, gleichen sich ihre unterschiedlichen Erzeugungsprofile weitgehend aus. Zusätzliche regionale Streuung über mehrere Wind- und Solarparks verringert wetterbedingte Schwankungen weiter.

Der langfristig abgesicherte Strom deckt den planbaren Grundbedarf. Verbrauchsschwankungen werden dagegen flexibel über den Strommarkt ausgeglichen. So entsteht eine Beschaffungsstrategie, die Preisstabilität und Flexibilität miteinander verbindet.

Nachhaltig und wirtschaftlich sind kein Widerspruch

Was in der energieintensiven Industrie seit vielen Jahren zum Standard gehört, wird inzwischen auch für Hotelbetriebe interessant. Digitale Plattformen übernehmen Marktbeobachtung, Preisanalysen und Teile des Einkaufsprozesses. Dadurch benötigen Hotels weder ein eigenes Energieteam noch tiefes Know-how über den Stromhandel.

Nach Angaben der Amano Group sanken die Stromkosten nach der Umstellung – je nach Hotel – im ersten Jahr um fünf bis zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig bezieht die Gruppe heute vollständig Strom aus erneuerbaren Quellen. Die inzwischen erreichte Green-Key-Zertifizierung macht diesen Anspruch auch gegenüber Gästen und Geschäftspartnern nachvollziehbar.

Der Fall zeigt: Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit müssen heute kein Widerspruch mehr sein. Direkt bezogener Strom aus Wind- und Solaranlagen ist aufgrund gesunkener Erzeugungskosten häufig günstiger als konventionelle Standardtarife. Gleichzeitig entfallen mehrere Handelsstufen, die den Strompreis zusätzlich erhöhen können.

Die Anforderungen an Energieeffizienz und CO₂-Emissionen werden in den kommenden Jahren eher weiter steigen als sinken. Wer den nächsten Vertragswechsel nutzt, um seine Strombeschaffung grundsätzlich zu überprüfen, kann deshalb doppelt profitieren: durch niedrigere Energiekosten und eine belastbare Nachhaltigkeitsstrategie. Dafür sind häufig keine Investitionen in neue Technik erforderlich – sondern vor allem die Bereitschaft, den Stromeinkauf als strategische Managementaufgabe zu verstehen.

Der Autor

David Budde ist einer der Gründer und Geschäftsführer des Berliner Energieversorgers und Softwareunternehmens Trawa. Dort verantwortet er primär den Aufbau der Marke und den Vertrieb. Vor der Gründung von Trawa war Budde als Unternehmensberater bei der internationalen Strategieberatung Bain & Company tätig und sammelte Erfahrung in diversen Technologieunternehmen.