Trends Smarte Hilfe fürs Housekeeping

Zimmermädchen bei der Arbeit
Seit der Coronapandemie achten Gäste noch mehr auf Hygiene im Hotel. © hedgehog94 - stock.adobe.com

Mit Apps, KI und Ideen für Nachhaltigkeit können sich Hotels mit ihrem Housekeeping als moderne Arbeitgeber und Gastgeber aufstellen. Auch die Wäscherei im eigenen Haus zu haben, kann sich lohnen.

Sauberkeit im Hotel – für die meisten Reisenden ist das eines der wichtigsten Kriterien, wenn es um die Bewertung eines Hauses geht. Seit der Coronapandemie achten viele Gäste außerdem deutlich mehr auf hygienisch reine Hotelzimmer. Früher sollte das Housekeeping in Hotels oft vor allem unauffällig sein. Heute steht gutes Housekeeping im Mittelpunkt. Es kann mithilfe digitaler Technik, künstlicher Intelligenz und einer bewussten nachhaltigen Herangehensweise sogar zum Alleinstellungsmerkmal eines Hotels werden.

So hat zum Beispiel das Fünfsternehotel The Dolder Grand in Zürich seit Kurzem einen Roboter im Einsatz. Sein Name lautet Sebotics CC1. Zu seinen Aufgaben gehört, die Teppiche und Böden sauber zuhalten. Das Hotel hat 175 Zimmer und ein 4.000 Quadratmeter großes Spa. Mehrere Housekeeping-Teams kümmern sich um die unterschiedlichen Bereiche des Hauses. Der Roboter saugt, wischt und kehrt die Lobby, die historische Steinhalle, die Büros, den Zugang zur Garage und die Veranstaltungsräume.

Investiert in den Putzroboter wurde nicht, um Mitarbeitende zu ersetzen, sondern um sie zu entlasten. Randy Hitti, Director of Rooms Division des Dolder Grand, sagt: „Die Mitarbeitenden sollen mehr Freiraum haben, um ihre Rolle als Gastgeber auszufüllen und sich auf die Gäste zu konzentrieren.“ Der Vorteil des Roboters liege im Zeitgewinn. Er solle nicht nur vorübergehend eingesetzt werden, sondern die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter langfristig verbessern. „Wir haben anfangs eine kleine Taskforce innerhalb des Housekeeping-Teams gegründet, die sich um den Roboter kümmert“, sagt Hitti. Die Ergebnisse und Erfolge werden in großer Runde mit dem restlichen Team geteilt und ausgewertet. „Wir sind überzeugt, dass wir durch den Einsatz moderner Techniken attraktiver werden und Mitarbeitende länger an unser Haus binden können. Uns ist wichtig, als moderner und innovativer Gastgeber und Arbeitgeber wahrgenommen zu werden.“

Roboter sorgt für Kommunikation

Sebotics_Reinigungsroboter
Im Hotel Dolder Grand Zürich gehört ein Putzroboter zum Housekeeping-Team: (von links) Tanja Derungs, Randy Hitti und Naomi Glauser. - © Dolder Grand

Auch die Gäste seien sehr interessiert. „Sie beobachten den ungewöhnlichen Mitarbeiter bei seiner Arbeit. Unser Team beantwortet Fragen und wir kommen ins Gespräch. Viele sind begeistert“, so Hitti. Bedient wird der Putzroboter über eine App. Etwa fünf Stunden lang kann er reinigen. Dann muss er aufgeladen und das Wasser aus seinem Tank ausgetauscht werden.

Digitale Technik nutzt auch das Ermitage Wellness- & Spa-Hotel in Gstaad-Schönried. Über eine App können die Gäste entscheiden, wann ihre Zimmer gereinigt werden sollen und welchen Service sie nutzen möchten. Das Ziel des Hotels ist es, den Zimmer­service so genau wir möglich auf die Bedürfnisse der Gäste abzustimmen. Gleich beim Check-in erhalten sie den Link und den Zugang zur App, die das Start-up Simon & Josef entwickelt hat. In den Hotelzimmern erinnert die Gäste ein Aufsteller daran, jeden Morgen bis 8.30 Uhr ihre Wünsche mitzuteilen. So können sie für jeden Tag entscheiden, ob das Badezimmer gereinigt oder die Handtücher gewechselt werden sollen, ob das Bett gemacht, der Boden gesaugt und Staub gewischt oder die Kosmetikartikel aufgefüllt werden sollen.

Die Gäste können über die App auch den kompletten Zimmerservice für einzelne Tage abbestellen oder mitteilen, dass sie nur den Abendservice in Anspruch nehmen möchten. Die eingegebenen Wünsche gehen per E-Mail an die Rezeption. Dort werden die Daten an das Housekeeping-Team weitergegeben. Die stellvertretende ­Direktorin des Ermitage, Eveline Coretti, sagt: „Anfangs wussten wir nicht, ob die Gäste das Angebot annehmen. Wir haben uns trotzdem dafür entschieden, um an die soziale Verantwortung jedes Einzelnen zu appellieren.“

Digitale Weiterbildung fürs Housekeeping

Angehende oder stellvertretende Housekeeping-Manager können sich in der Housekeeping Akademie inzwischen auch digital weiterbilden. Die Geschäftsführerin der Akademie, Mareike Reis (Foto), hat mit ihrem Team das „Housekeeping Evolution Programm“ entwickelt. In dem Online-Lehrgang können sich künftige Housekeeping-Manager acht Wochen lang ortsunabhängig und praxisnah weiterbilden. Inhalt des Kurses ist zuerst eine Bestandsaufnahme des Housekeepings im eigenen Hotelbetrieb. Danach werden Standards festgelegt, Prozesse reflektiert und Themen rund um das Führen von Teams behandelt.

Außerdem wird laut Mareike Reis aktuelles Fachwissen vermittelt. Alle Teilnehmenden erstellen ihr eigenes Qualitätshandbuch. Das Programm biete Hotelmanagern die Chance, das Housekeeping-Team fit zu machen. Die Teilnehmenden werden von Housekeeping-Experten betreut. Weitere Infos gibt es auf den Internetseiten der Housekeeping Akademie.

Es geht auch ganz ohne Chemikalien

Inzwischen nutze die Mehrheit der Gäste die App. Viele Besucher, sagt Coretti, verzichten darauf, jeden Tag die Handtücher zu wechseln und die Kosmetikartikel nachfüllen zu lassen. Am häufigsten werde der Abendservice abbestellt. Jeder zehnte Gast, schätzt sie, wünscht sich keine tägliche komplette Zimmerreinigung mehr. Dagegen werde am meisten gewünscht, dass das Bett täglich gemacht wird. „Wir haben mit der App einen Weg gefunden, Ressourcen zu schonen, ohne am Service zu sparen – und können unsere Gäste auf den Weg der Nachhaltigkeit mitnehmen.“

Nachhaltigkeit ist auch Teil des Konzepts des Housekeepings im Schlosshotel Blankenburg im Harz. Das Viersternehotel hat sein Reinigungskonzept laut Hotelinhaberin Suzann Heinemann so aufgestellt, dass Zimmer und öffentliche Bereiche umwelt- und gesundheitsschonend gereinigt werden. Möglich wird das laut Hotelleitung durch spezielle Microdampf-Geräte. Diese kommen ohne den Einsatz von Chemikalien aus. Die Geräte von Medeco Cleantec wandeln Leitungswasser bei 190 Grad Celsius und neun bar Druck zu Micro-Trockendampf um. Der Dampf dringe in kleinste Strukturen ein, ohne Feuchtigkeit zu hinterlassen. Der Wasserverbrauch sei gering. Küche, Zimmer und Wellnessbereich könnten mit Micro-Trockendampf saubergemacht werden. Diese Technik eigne sich für  Teppichböden, Polster, Gardinen, TV-Geräte und Heizungen. Die Hotelräume ohne giftige Gase und Flüssigkeiten zu reinigen, füge sich sehr gut in das Nachhaltigkeitskonzept des Hauses ein.

Um das Housekeeping noch nachhaltiger zu machen, regt der Dienstleister Klasse Wäsche Gastgeber an, über eine eigene Inhouse-Wäscherei nachzudenken. Angesichts hoher Energiekosten lohne es sich wieder, die Wäscherei ins eigene Haus zu holen. Walter Ecker, Sprecher von Klasse Wäsche sagt: „Im Gegensatz zu den meisten Großwäschereien können die Maschinen in kleinen Wäschereien komplett mit Strom betrieben werden.“ Der Vorteil: Kleine Wäschereien könnten mit hundert Prozent erneuerbaren Energien laufen. Hoteliers könnten sich so in Krisenzeiten auch unabhängiger machen und langfristig Geld sparen.

Sicherer Umgang mit Reinigungsmitteln

Die Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe BGN rät Hoteliers, ihre Mitarbeitenden in einem Gespräch über den sicheren Umgang mit Reinigungsmitteln zu informieren:

1. Die persönliche Schutzausrüstung vorstellen: Mitarbeitende schützen sich je nach Fall mit Augenschutzbrille, Gesichtsschutz, Maske, Handschuhen und Schürze.

2. Eine Betriebsanweisung für Gefahrenstoffe erstellen: Die Herstellerinformationen und Gefährdungsbeurteilung in die Unterweisung einbeziehen. Die Dosieranleitung beachten, Messbecher verwenden. Nie Wasser in Lauge oder Säure schütten, gut zu merken mit „Erst das Wasser, dann die Lauge – sonst geht sicher was ins Auge“ und „Erst das Wasser, dann die Säure – sonst geschieht das Ungeheure“. Verschiedene Reinigungsmittel nicht mischen.

3. Die Reinigungsmittel sicher aufbewahren: Schränke und Behälter mit Säuren und Laugen sicher verschließen. Die Reinigungsmittel nie in Lebensmittelgefäße füllen. Die Behälter nur geschlossen transportieren. Säuren und Laugen getrennt aufbewahren und Behälter nach Gebrauch sofort verschließen.

4. Bei Körperkontakt: Die vollgesaugte Kleidung ausziehen und sofort unter die Dusche gehen. Bei Augenkontakt: Die Augen mit Wasser ausspülen, dafür Augendusche oder Augenspülflasche verwenden und in jedem Fall den Arzt aufsuchen. Bei Hautkontakt gilt immer: Betroffene Hautflächen sofort mit Wasser nachspülen, auch bei nicht ätzenden Inhaltsstoffen.