Betreiberwechsel Seminaris-Hotels wechseln zu Sunday Hotels

Das Seminaris Campus Hotel ist eines der acht Häuser, die nun zu Sunday Hotels gehören.
Das Seminaris Campus Hotel ist eines der acht Häuser, die nun zu Sunday Hotels gehören. © Seminaris Hotels (Rainer Viertlboeck)

Acht Seminaris-Häuser in Deutschland haben einen neuen Betreiber. Für den bisherigen CEO endet damit ein „Herzensprojekt“. Er zieht eine persönliche Bilanz.

Das Immobilienunternehmen Aroundtown hat acht Seminaris-Hotels an Sunday Hotels verpachtet. Die Häuser in Bad Honnef, Bad Boll, Leipzig, Nürnberg und Lüneburg sowie zwei Hotels in Potsdam und eines in Berlin werden seit dem 1. Oktober 2026 im Rahmen einer neuen Partnerschaft zwischen Seminaris und Sunday Hotels jedoch weiterhin unter der Marke Seminaris betrieben.

„Für uns als Eigentümer ist es wichtig, mit einem Betreiber zusammenzuarbeiten, der die Potenziale der einzelnen Häuser versteht und aufgreift“, sagt Barak Bar-Hen, CEO von Aroundtown. Puneet Yadav, SVP & Head of Hotels Europe bei Sunday & Belvilla Hotels, ergänzt: „Mit den neuen Hotels bauen wir unsere Präsenz in Deutschland weiter aus und stärken zugleich unser Portfolio in unterschiedlichen Marktsegmenten. Die Gäste können sich auf Kontinuität im täglichen Hotelbetrieb verlassen.“

Unter der Dachgesellschaft Prism bündelt der indische Hospitality-Konzern Oyo die Marken Belvilla, Oyo und Sunday.

Jochen Swoboda verabschiedet sich von „Herzensprojekt“

Mit dem Betreiberwechsel endet für den bisherigen Seminaris-CEO Jochen Swoboda eine prägende Phase. In einem persönlichen Abschiedsschreiben zieht er Bilanz über die Transformation der vergangenen Jahre – und macht deutlich, wie schwer ihm der Abschied von dem fällt, was er als „Herzensprojekt“ bezeichnet.

Hat die Transformation bei Seminaris geleitet: Jochen Swoboda.
Hat die Transformation bei Seminaris geleitet: Jochen Swoboda. - © www.debora-mittelstaedt.de

Zwischen 2019 und 2024 habe man Seminaris grundlegend verändert, schreibt er. Strukturen seien vereinfacht, Verantwortlichkeiten neu verteilt und Entscheidungswege verkürzt worden. Vor allem habe man Verantwortung dorthin gegeben, wo das Wissen und die Erfahrung liegen – näher an die Teams und in die Häuser. Das sei zu Beginn alles andere als selbstverständlich gewesen: „Veränderung ist selten bequem – und schon gar nicht, wenn Veränderung nicht nur andere Prozesse bedeutet, sondern auch ein anderes Verständnis davon, wie Führung, Zusammenarbeit und Verantwortung funktionieren.“ Nicht alles sei richtig gelaufen, manches hätte man im Nachhinein anders entschieden. Aber genau das gehöre zu einer echten Transformation dazu.

Aus der Veränderung sei eine eigene Unternehmenskultur entstanden. Hierarchien seien dort abgebaut worden, wo sie im Weg standen. „Für mich war und ist gute Führung weniger eine Frage von Kontrolle als vielmehr von Vertrauen. Wer Menschen Verantwortung gibt, muss ihnen auch zutrauen, dass sie diese Verantwortung übernehmen können. Und wer möchte, dass Menschen sich entwickeln, muss ihnen auch die Möglichkeit geben, Fehler zu machen und daraus zu lernen“, so Swoboda. Die Werte Wertschätzung, Teamstärke, Kommunikationsfreude und Selbstbestimmtheit seien keine Begriffe für eine Unternehmenspräsentation gewesen, sondern hätten das tägliche Miteinander beschrieben.

„Kein Unternehmen in wirtschaftlicher Schieflage“

Die Hotels seien für ihn nie nur Orte gewesen, an denen Menschen ein Zimmer buchen. Gerade im Seminar- und Tagungsbereich sei es immer um mehr gegangen: um Teams, die gemeinsam arbeiten, um Ideen, die entstehen, um Perspektivwechsel. Dieser Anspruch habe auch die interne Arbeit geprägt: „Wenn wir von unseren Gästen erwarten, dass sie bei uns gute Bedingungen für Austausch, Lernen und Entwicklung vorfinden, dann wollten wir diese Bedingungen auch unseren eigenen Mitarbeitenden ermöglichen.“

Der scheidende CEO stellt zudem klar, dass der Betreiberwechsel keine Folge wirtschaftlicher Probleme gewesen sei. Das Unternehmen habe in den vergangenen Jahren konsequent daran gearbeitet, sich wirtschaftlich nachhaltig und effizient aufzustellen. „Seminaris war am Ende kein Unternehmen, das aufgrund einer wirtschaftlichen Schieflage einen neuen Betreiber brauchte. Ganz im Gegenteil: Wir haben in den vergangenen Jahren eine wirtschaftlich erfolgreiche und effiziente Organisation aufgebaut. Und genau das machte unsere Häuser und unsere Organisation für andere Betreiber so attraktiv“, schreibt Swoboda.

„Ich habe bei Seminaris gelernt, dass Transformation nicht funktioniert, wenn sie nur von oben verordnet wird. Sie funktioniert dann, wenn Menschen anfangen, sie zu ihrer eigenen Sache zu machen.“

Jochen Swoboda, ehemaliger Seminaris-CEO

Die Entscheidung zum Betreiberwechsel sei eine rein unternehmerische gewesen und Teil einer Entwicklung, die man bei Seminaris nicht mehr selbst habe bestimmen können. „Nicht alles, was am Ende eines solchen Prozesses passiert, liegt in der Hand der Menschen, die zuvor über Jahre Verantwortung getragen haben – und das akzeptieren wir“, teilt Swoboda weiter mit.

Seinen Mitarbeitenden dankt er abschließend für Vertrauen, Geduld und die Bereitschaft zur Veränderung. Sein größter Wunsch sei, dass die aufgebaute Kultur auch unter neuer Führung weiterlebe. „Kultur kann man nicht übergeben wie einen Schlüssel. Man kann sie nicht in ein Konzept schreiben und an einen neuen Betreiber überreichen. Echte Kultur entsteht aus echten Menschen, aus gemeinsamen Erfahrungen und aus dem täglichen Umgang miteinander.“

Als persönliches Fazit schreibt Swoboda: „Ich habe bei Seminaris gelernt, dass Transformation nicht funktioniert, wenn sie nur von oben verordnet wird. Sie funktioniert dann, wenn Menschen anfangen, sie zu ihrer eigenen Sache zu machen. Und ich habe gelernt, dass wirtschaftlicher Erfolg und eine menschliche Unternehmenskultur kein Gegensatz sein müssen.“ red/sar