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Sebastian und Hans-Jörg Lingg im Tophotel-InterviewNach dem Neustart noch mehr Gastgeber sein

Erst vor zwei Jahren hat Inhaberfamilie Lingg in ihr Viersterne-Resort Bergkristall im Allgäu zwölf Millionen Euro investiert. Unter anderem in den Wellnessbereich. Auch jetzt bauen die Hoteliers weiter um, um sich fit zu machen für ein Re-Opening. Woher sie die Kraft dazu nehmen, weshalb sie die Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen für einen faulen Kompromiss halten und was sie jetzt von der Politik erwarten, verraten Inhaber Hans-Jörg Lingg (57) und sein Sohn Sebastian Lingg (28) im Tophotel-Interview.

Inhaber Hans-Jörg Lingg und sein Sohn Sebastian (Foto) trotzen der Krise mit positiven Gedanken und familiärem Zusammenhalt. Hans-Jörg Lingg führt das Resort Bergkristall zusammen mit seiner Ehefrau Sabine Lingg seit 1993. Die Seniorchefs Hans und Hedi Lingg hatten 1967 das Fundament für das heutige Hotel gelegt. Seit vergangenem Jahr sind auch beide Söhne, Sebastian und Johannes, sowie die Schwiegertochter in spe in das Unternehmen im Allgäu eingebunden. (Foto:Michael Huber) (Bild: Michael Huber)

Tophotel: Herr Lingg, Sie führen Ihr Hotel mit viel Herzblut. Wo schmerzt Ihnen das Herz in der aktuellen Situation am meisten?

Hans-Jörg Lingg: Ganz klar bei unseren 110 Mitarbeitern – von Vollzeitbeschäftigten bis zu 450-Euro-Kräften. Größtenteils sind sie jetzt in Kurzarbeit. Wir wollen zu jedem den Kontakt aufrecht erhalten und kommunizieren, dass alle einen gesicherten Arbeitsplatz haben und wir sie nicht hängen lassen. Nebenan haben wir auch ein Personalhaus, dort wohnen einige Mitarbeiter, die im Ausland leben und nun nicht nach Hause können. Die müssen wir aktuell einfach unterstützen und Danke sagen.

 

Wie bleiben Sie in Kontakt mit den Mitarbeitern?

Sebastian Lingg: Aktuell sehr stark über Whatsapp und per E-Mail. Was uns wichtig ist, ist dass wir alle ein wenig bei Laune halten und beschäftigen. Dafür haben wir jetzt zum Beispiel Online-Seminare organisiert, sodass die Mitarbeiter von zu Hause aus auf dem Stand bleiben. Sich Gedanken machen, was vielleicht in der einen oder anderen Abteilung nach der Krise wichtig ist.

An welchen Stellschrauben wollen Sie bis zur Wiedereröffnung drehen?

Sebastian Lingg: Wir machen uns natürlich Gedanken, welche Auflagen auf uns zukommen. Wenn ich jetzt nur mal an den Check-In an der Rezeption denke: Bei uns war es bisher immer sehr persönlich, Hände schütteln oder auch mal jemanden zu herzen gehört einfach dazu. Das wird aber erst einmal nicht mehr möglich sein. Jetzt denken wir an Maßnahmen wie Spuckschutz und Mund- und Nasenmasken. Im F&B-Bereich stellt man sich die Frage: Wird es noch ein Buffet geben können? Und da möchten wir, dass sich alle über neue Arbeitsabläufe Gedanken machen.

Wie wird sich die Rolle des Gastgebers durch die Auflagen verändern?

Hans-Jörg Lingg: Es wird ganz wichtig sein, dass die persönliche Note nicht verloren geht. Wir machen aber natürlich das, was wirklich notwendig ist, und gefordert wird. Wir werden künftig noch mehr Gastgeber sein. Auch unsere Mitarbeiter, denn jeder einzelne von ihnen hier im Haus ist ebenso Gastgeber. Jeder muss sich künftig noch intensiver bemühen, vielleicht ein bisschen umdenken und trotz des Abstands eben in Form von Gesprächen, von netten Sprüchen einfach dieses positive Lebensgefühl rüberbringen. Aber manche Dinge müssen wir einfach auf uns zukommen lassen. Vorbereiten müssen wir uns aktuell im Bereich Hygiene und Sicherheit.

Wie wird sich der Umgang mit Hygiene-Maßnahmen ändern?

Hans-Jörg Lingg: Ich denke der Hygienestandard in unserer Branche ist von Haus aus sehr hoch. Wir haben zum Beispiel bereits vor zwei Jahren ein ganz spezielles Reinigungssystem im Housekeeping eingeführt, bei dem für jedes Zimmer separates Reinigungs- und Desinfektionsmittel verwendet wird, damit nichts durcheinander kommt. Der Gast muss sicher sein, dass wir mit Freude höchsten Hygiene-Anforderungen genügen, ohne dass wir dies an die große Glocke hängen müssen. Das sollte selbstverständlich sein.

Sie haben 2018/2019 einen Mega-Umbau hinter sich gebracht und zwölf Millionen Euro investiert. Was bedeutet die Krise angesichts dessen für Ihren Betrieb?

Hans-Jörg Lingg: Es erweist sich als Glück für uns, dass wir den Invest schon getätigt haben. Die ganze Geschichte haben wir in gut vier Monaten durchgezogen, das war 2018. Mit dem Ergebnis, dass 2019 das erfolgreichste Jahr in der Geschichte des Bergkristall war. Wir hatten beinahe Vollbelegung, und das ganzjährig. Von den Reserven zehren wir auch jetzt. Zudem kommt uns zugute, dass wir ein sehr gutes Verhältnis zu unseren Bank-Partnern haben, aber das ist jetzt dringend von Nöten und schon ein etwas beruhigendes Gefühl. Wir hatten kurzfristig angesetzte Gespräche, uns wurde sofort zugesagt, dass  beispielsweise Tilgungsaussetzungen möglich sind, KfW-Darlehn schnell und unkompliziert beantrag werden. Aber alles, was wir jetzt stunden, müssen wir natürlich trotzdem irgendwann einmal zahlen. Die Belastung in der Zukunft wird also höher.

Auch aktuell bauen Sie weiter um. Woher nehmen Sie die Kraft?

Hans-Jörg Lingg: Richtig, wir erneuern den Innenpool, der zu einem Relaxbecken wird. Zudem installieren wir einen weiteren Duschbereich, und eine Doppel-Behandlungskabine. Und unser Platzhirsch Hansi bekommt mehr Platz in seinem Wildgehege, das ja ein Aushängeschild des Betriebs ist. Wir waren einfach ein Leben lang immer positiv, das habe ich von meinen Eltern so mitgenommen, und meiner Frau geht es genauso. Und das versuchen wir an die Kinder und die Mitarbeiter zu übertragen. Wir freuen uns jeden Tag darüber, dieses kleine Stückchen Heimat, diese Refugium zu haben und zu leben. Und unsere Motivation ist, unseren Gästen ein Hotel zu bieten, in dem wir selber gerne Urlaub machen würden. Deshalb haben wir die Situation, so negativ sie sein mag, als Chance am Schopf gepackt und den Umbau jetzt realisiert.

Welche Unterstützung erwarten Sie jetzt von der Politik?

Hans-Jörg Lingg: Dass die Hotels und Gastronomie schließen müssen, wurde sehr schnell und konsequent entschieden und umgesetzt. Und das kann man ja befürworten, auch wenn es uns teils vor große Schwierigkeiten stellte. Die Mehrwertsteuer auf Speisen im Gastgewerbe wurde auf sieben Prozent gesenkt. Das ist für mich zwar nur ein Kompromiss aber auch ein guter Ansatz. Die Regelung gilt leider nur für Speisen, nicht für Getränke, und ab 1. Juli nur für ein Jahr. In der Praxis wäre es bedeutend einfacher, die Regelung ab Wiedereröffnung einzuführen. Denn jetzt haben alle Zeit und die Möglichkeit, die Kassensysteme neu zu programmieren und nicht während des laufenden Geschäfts. Da kann noch nachgebessert werden. Zudem sind die Darlehen zwar schnell und unbürokratisch auf den Weg gebracht worden, aber leider keine zielführende Lösung. Uns gibt man das Darlehen aus unseren eigenen bezahlten Steuergeldern, die wir dann verzinst wieder zurückzahlen müssen. Also zwei Mal zahlen. Und das ärgert mich so ein bisschen. Wir müssen außerdem schauen, dass wir insgesamt unsere Preise vernünftig hoch halten können, damit wir unsere Mitarbeiter weiter beschäftigen und auch angemessen entlohnen können.

Fühlt man da als Generationenbetrieb eine besondere Verantwortung?

Hans-Jörg Lingg: So lange wir als Familie zusammenhalten, kann uns nichts unterkriegen. Meine Eltern haben mit einem Bauernhof mit nichts angefangen und haben eine kleine Wirtschaft gebaut, dann ein kleines Ferienhotel und dann das Fundament an meine Frau und mich übergeben. In der Krise muss man sie vielleicht ab und an daran erinnern, wie mutig sie einmal waren. Sicher sind meine Frau und ich aber auch angespannter angesichts der Krise als unsere beiden Söhne.

Sebastian Lingg: Ich selber bin jetzt seit Mitte 2019 im Betrieb mit dabei und voll involviert, auch in die finanzielle Lage. Ich sehe, dass wir ein Unternehmen haben, das auf gesunden Füßen steht. Ich weiß, dass wir diese Krise positiv überleben werden.

Und das kommunizieren Sie aktuell  auch an Ihre Gäste?

Sebastian Lingg: Ja, Instagram und Facebook sind dafür sehr wichtige Instrumente. Die Leute sind daheim und haben mehr Zeit, sind also mehr online. Über die Jahre haben wir uns eine recht große Zahl an Followern (12.200 auf Facebook, 8.300 auf Instagram, Anm. d. Red.) aufgebaut – durch ganz klare Pläne, was wöchentlich gepostet wird. Das verstärken wir jetzt in der Krise natürlich nochmal. Meine Freundin Janina ist hauptsächlich für diesen Bereich verantwortlich und das natürlich in starker Zusammenarbeit mit meiner Mutter und Chefin Sabine. Ich finde, dass diese Arbeit, sich eben jeden Tag etwas Neues, Kreatives einfallen zu lassen, heutzutage auf keinen Fall unterschätzt werden darf. Wir posten vor allem, was in unserer Natur um das Hotel herum passiert, aber auch was im Hotel gerade so gemacht wird. Wir wollen immer positiv bleiben und weiterhin pure Lebensfreude versprühen um so nahbar zu sein.


Update (05.05.2020): Zur Erlaubnis, die Gastronomie und Hotellerie in Bayern wieder zu öffnen, sagt Hans-Jörg Lingg:

“Die Erlaubnis zur Öffnung der Gastronomie und Hotellerie in Bayern ist ein erster, sehr guter Schritt Richtung ‘Normalität’, wobei es bis dorthin noch ein weiter Weg sein wird, wenn diese für uns gewohnte ‘Normalität’ nicht so schnell wieder zurückkehren wird. Diese positive Entscheidung zu unseren Gunsten kam doch sehr überraschend, da sich die Politik im Umgang mit unserer Branche gefühlt relativ unsicher war. Umso erfreulicher ist diese Entwicklung. Wenn jetzt noch eine positive Reaktion zur Öffnung unserer so wichtigen Wellnessbereiche folgt, sind wir sehr zufrieden und können positiv in die Zukunft blicken. Wir bedanken uns bei allen Verantwortlichen, die im Hintergrund eine hervorragende Arbeit geleistet haben. Jetzt können wir wieder dafür sorgen, dass sich die Menschen bei uns erholen und wohlfühlen können.”

 

Interview: Verena Usleber

 

 

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