“Zweiter Schritt vor dem Ersten”: Reaktionen aus der Branche zur Mehrwertsteuersenkung

Die Mehrwertsteuer auf Speisen wird im Gastgewerbe ab dem 1. Juli befristet bis zum 30. Juni 2021 auf sieben Prozent gesenkt. Wie reagiert die Branche auf den Beschluss der Großen Koalition? Tophotel hat Statements gesammelt.

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„Ohne direkte Finanzhilfen werden es die meisten unserer Betriebe nicht schaffen“

Guido Zöllick, Präsident des Dehoga Bundesverband:
“Mit der Mehrwertsteuersenkung ist ein „wichtiger Teilerfolg“ erreicht worden. „Allerdings müssen wir auch sehen, dass Kneipen, Bars, Clubs und Discotheken, die ausschließlich Getränke anbieten, nicht von der Steuerentlastung profitieren werden“, so Zöllick. Zudem sei klar, dass die sieben Prozent Mehrwertsteuer die zu erwarteten nicht unerheblichen Umsatzausfälle aufgrund der dann einzuhaltenden Abstandsregelungen und Schutzmaßnahmen nur ein wenig kompensieren würden. „Insofern werden die bezifferten Steuerausfälle in Höhe von vier bis fünf Milliarden Euro nicht realisiert werden.“ Die Durchsetzung eines Rettungsfonds bleibe deshalb weiter ganz oben auf der Agenda des Verbandes. „Ohne direkte Finanzhilfen werden es die meisten unserer Betriebe nicht schaffen“, warnt Zöllick. „Monatelang keine Umsätze bei weiterhin hohen Kosten, insbesondere hohen Pachten, verkraftet auch das gesündeste Unternehmen nicht“.

“Sofortige Wiedereröffnung aller Betriebe”

Stefan Kunz auf Tophotel – Facebook
“Soforthilfen, Kug, MwSt.-Senkungen – alles schön und gut, aber nur Tropfen auf die berühmten heißen Steine! Das Einzige, was uns hilft und rettet – und damit auch viele andere Branchen wie die Touristik, MICE, Event, Caterer, Künstler etc. – ist die sofortige Wiedereröffnung aller Betriebe, die Erlaubnis zu reisen und Veranstaltungen durchführen zu dürfen. Gerne natürlich auch unter verschärften, aber sinn- und zielführende Auflagen!”

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“2. Schritt vor dem 1. – Rettungspaket für das Gastgewerbe gegen Pleitwelle”

Bernd Niemeier, Präsident des DEHOGA Nordrhein-Westfalen
„Als Erstes müssen unsere Betriebe die Zeit bis zur Lockerung der Maßnahmen überstehen. Dafür brauchen sie jetzt Liquidität. Wenn wir wieder geöffnet haben dürfen und der Betrieb langsam anläuft, brauchen wir immer noch Liquidität. Und dann hilft langsam aber sicher auch der reduzierte Mehrwertsteuersatz. Wer aber großflächig Pleiten in Gastronomie und Hotellerie bis dahin verhindern möchte, der muss jetzt mit einem Rettungspaket gegensteuern. Die Lockerungen werden auf unabsehbare Zeit erhöhte Hygiene-Maßnahmen und Mindestabstände bedeuten. Wenn zwischen den Gästen aber zwei Meter Platz sein müssen, Tische nur mit zwei Personen besetzt werden dürfen, kann das in der Praxis bis zu einer Halbierung der Plätze und mehr führen. Zusammen mit verändertem Gästeverhalten und Konsumzurückhaltung wegen Kurzarbeit und erhöhter Arbeitslosigkeit werden die Umsätze perspektivisch sehr niedrig bleiben. Und das wahrscheinlich bis ins nächste Jahr.”

“Zentraler Punkt, erfolgreich durch die Krise zu kommen”

Thomas Bareiß, Tourismus- und Mittelstandsbeauftragter der Bundesregierung, via Twitter
“Freu mich über den Erfolg zum Wohl unserer kleinen & mittelständischen Gastronomiebetriebe. Das war ein zentraler Punkt, erfolgreich durch die Krise zu kommen. Lange Tradition erhalten, regionle Vielfalt bewahren; Beschäftigung sichern”

„Es bleibt nur der Weg zum Amt. Die Erhöhungen kommen einfach zu spät“

Guido Zeitler, Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG)
„Die Entscheidung, das Kurzarbeitergeld zu erhöhen, ist richtig, allerdings fällt die Steigerung zu gering aus und kommt deutlich zu spät. Im Gastgewerbe können die Beschäftigten realistischerweise erst im Oktober 2020 mit 80 Prozent des normalen Nettolohns rechnen. Für Hundertausende Menschen mit niedrigen Einkommen bleibt jetzt nur der Gang zum Amt, um Hartz IV zu beantragen.“


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Politik Die Gastro-Mehrwertsteuersenkung kommt

 

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