Ruby-Gründer Michael Struck im Gespräch „Schlanker Luxus entwickelt sich weiter“

Mit seinem erfolgreichen Lean-Luxury-Konzept hat Ruby-Gründer Michael Struck in den letzten Jahren für reichlich Gesprächsstoff in der Branche gesorgt. Im Tophotel-Interview ging es viel um Zentralisierung und Automatisierung, aber auch um die Bedeutung gesellschaftlicher Megatrends und die besonderen Qualitäten von Quereinsteigern.

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Michael Struck ist ein schneller, einnehmender Redner. Einer, der strahlend und begeistert aus seiner 2013 gestarteten Ruby-Story erzählen kann – egal, ob es um die umfassende Lean-Luxury-Philosophie geht, oder um das neue Bio-Frühstücksbuffet. Und erst recht bei der Frage, inwiefern er sich heute mit dem Ruby-Anspruch eines schlanken Luxus weiter von der Masse abhebt. „Wir können nicht stehenbleiben. Das ist klar. Schlanker Luxus entwickelt sich weiter, weil sich der Luxusbegriff und das Anspruchsniveau weiterentwickeln“, sagt er.

Im Bereich In-Room-Media zum Beispiel habe er anfänglich auf ein Fernseh-Multimediasystem verzichten wollen, aber mit dem Aufkommen des Phänomens Netflix das Angebot angepasst. Auch beim Messaging würden regelmäßig neue Dienste wie Wechat integriert, gerade die asiatischen Gäste brächten diesbezüglich große Erwartungen mit. Zudem habe Ruby mit Blick auf neue Community- und Concierge-Services viel in exklusive Veranstaltungsangebote für die Gäste investiert. Dafür sei der einstige Blog über die Lieblingsorte der Ruby-Crew zu einem multimedialen Videoblog weiterentwickelt worden. „Ein ganzes Team kümmert sich mittlerweile um die Storys, findet Künstler, filmt sie und kommuniziert über die Social-Media-Kanäle mit unseren Gästen“, so der 46-jährige Gründer und CEO der Ruby-Gruppe. Aus dem eigenen Radioangebot habe man wiederum ein ganzes Künstlerprogramm mit Resident Artists generiert, die nun durch die Bars der Hotels touren. Und um der gestiegenen Nachfrage nach Produkten regionaler Herkunft gerecht zu werden, habe Ruby unter anderem sein komplettes Getränkeangebot auf lokale Produkte umgestellt.

Der Preisdruck verlangt mehr Automatisierung

„Das Thema Automatisierung ziehen wir immer weiter durch, weil auch der Preisdruck wächst“, sagt Michael Struck, der seit dem Launch von Ruby alles über die Münchner Zentrale abwickelt – von der Onlinereservierung über die Zimmerzuweisung, den Check-in und die Zahlung bis hin zu Inhouse-Bauplanung, Einkauf, Verwaltung, Buchhaltung und Marketing. Derzeit werde auch das Gruppengeschäft von der Reservierung bis zur Rechnungsstellung automatisiert. Die digitale Zentralisierung habe in den sieben bestehenden Häusern, zusammen mit der Integration von Bar und Empfang sowie dem Verzicht auf eine Küche, eine Personalkostenreduzierung auf unter 20 Prozent gebracht.

Ruby Leni Düsseldorf
Im Mai eröffnete das Ruby Leni in einem ehemaligen Operettenhaus in Düsseldorf.

Die Aufgaben für die Mitarbeiter in den Häusern, so Michael Struck, seien damit jenseits klassischer Hotelprofile anders und vielfältiger geworden. Auch deshalb bestehe die Hälfte des Teams mittlerweile aus Quereinsteigern, die „so viele Ecken und Kanten wie möglich“ mitbringen, betont Michael Struck und ergänzt: „Die Grenze beim schlanken Luxus verläuft dort, wo der Service völlig unbeeinträchtigt bleibt. Unser Anspruch ist sogar, dass der Service so noch besser wird.“ Und so resümiert der CEO, auch mit Blick auf die zwölf Hotels in der Pipeline: „Wir haben unseren Investmentpartnern zugesagt, dass wir bestimmte Zahlen liefern – und die haben wir in allen Punkten geliefert. Wir haben versprochen, dass wir auch in Zukunft nur beste Lagen haben, und das haben wir gehalten. Jede einzelne dieser Lagen ist noch einmal einen Schritt besser als die vorherige.“

Geometrien und Eleganz

„Ruby ist für mich nichts, um schnell groß zu werden und dann zu verkaufen, sondern eine Herzensangelegenheit“, unterstreicht der in Boston geborene Ruby-Gründer. Als Drilling deutscher Eltern sei er in normalen bürgerlichen Verhältnissen groß geworden. 24 Mal zog er um, bevor er vor 20 Jahren seine „Homebase“ in München fand. Eigene Unternehmen und Geschäftsführerpositionen im Online-Handel, in der Immobilienbranche, im Hotelbetrieb und der -entwicklung prägten den Diplom-Kaufmann. Er war am Aufbau von Kameha und Gold Inn beteiligt, arbeitete bei Arabella und den Arabella Starwood Hotels, führte klassische Luxushotels. Warum nun als Quintessenz Ruby? Warum Lean Luxury? „Ich hatte um 2006 herum als Aufsichtsrat bei den Design Hotels die Chance, die neu aufgekommenen Luxus-Lifestyle-Hotels kennenzulernen, und diese für mich entdeckt.“ Seitdem habe er sich gefragt, wie man diese bezahlbar anbieten könne, fernab eines Design-Budgethotels. Bei den ersten Häusern entwickelte er das Design noch selbst, schob Wände und Grundrisse so zurecht, dass hier und da noch einmal ein Quadratmeter weniger nötig wurde und trotzdem Raum-
erlebnisse entstehen. Bis heute spricht er bei den Zimmern von „Geometrien“, wenn er durch das Münchner Ruby Lilly führt, und erklärt detailgenau, welche Leitung wie hinter welcher Designwand verschwindet. Eleganz sei und bleibe für ihn das entscheidende Thema. Diese würde er, im Vergleich zu den „großartigen“ 25hours, wie er sagt, immer der Originalität vorziehen.

Gerade ist in Düsseldorf das Ruby Leni Hotel & Bar gestartet – erstmals mit dem Konzept „Ruby Places“, also mit „Resident Rooms“, die über etwas mehr Zimmerfläche, einen zusätzlichen Schrank und einen Kühlschrank verfügen. Statt eigener Küchen gibt es einen vollausgestatteten „Co-Cooking“- und „Co-Dining“-Bereich. Auf jeder Etage finden die Gäste zudem die bereits in den anderen Häusern präsente „Galley“, also die Kleinküche mit kostenfreien Heißgetränken, einer Vending-Machine mit Snacks sowie einer Bügelstation inklusive Waschmaschine und Trockner. „Nein, ein Longstay-Angebot sollen die ‚Resident Rooms‘ nicht werden“, sagt Michael Struck, auch wenn es bei Aufenthalten ab einer Woche Preisvergünstigungen geben werde. „Wir haben uns intensiv mit dem Markt befasst und sehen gegenwärtig nicht, wie sich mit Longstay Geld verdienen lässt.“ Deshalb setze er eher auf den Extended Stay und behalte als mögliche Exit-Strategie die „Rückkehr“ zum normalen Hotelangebot im Hinterkopf.

Grundsätzlich biete sich mit den neuen Geschäftsfeldern die Möglichkeit zum spannenden Mixed-Use bei größtmöglicher Flächeneffizienz: „Wir setzen bei allen weiteren Angeboten auf absolute Synergien mit dem gleichen Hotelmanagement vor Ort und der Zentrale, die auch hier den Vertrieb, Sales, Marketing etc. übernimmt.“ Das betreffe vor allem auch „Ruby Works“, also „flexible, hochwertig ausgestattete Arbeitsplätze in kreativem Ambiente, mit Anschluss an eine inspirierende Office-Gemeinschaft“, wie es bei Ruby heißt. Das Münchner Unternehmen hat das Konzept bisher in der Isarmetropole und in Hamburg umgesetzt. An der Elbe ist die Werbeagentur Serviceplan als Partner beteiligt. „Und wir wollen einige der kommenden Works-Standorte ebenfalls gemeinsam finanzieren“, sagt Michael Struck. Er ist vom Potenzial des Trendthemas überzeugt: „‘Co-Working‘ ist ein Hospitality-Geschäft.“ Es müsse individuell gedacht werden, mit einem wohnlichen Ambiente, frischen Pflanzen und „Co-Cooking“. Mehr ein Künstleratelier denn ein Büro. Mit mehr Gastgeber-Attitüde denn Mietbüro-Charme. Für Ruby ein perfektes Feld, um sich mit der eigenen Lean-Luxury-Philosophie weiter zu profilieren und alle Möglichkeiten aufzuzeigen.

Sylvie Konzack

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