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StartHotel+TechnikGastro & KücheRoboter-Einsatz in der Gastronomie: Künstliche Küchen-Kollegen

Roboter-Einsatz in der Gastronomie Künstliche Küchen-Kollegen

Die Robotik findet auch in der Hotelgastronomie zunehmend Anwendung. Nicht als Ersatz, sondern zur Unterstützung der Beschäftigten, wie die Beteiligten betonen. Von einem ergänzenden Miteinander ist die Rede, das Effizienz und Kundenservice steigern soll.

„Wir sehen in der Hotellerie sehr viel Potenzial für Servicerobotik“, sagt Sarah Bretzler, Head of Sales & Marketing bei Robotise. Dass eine solche Aussage von Anbieterseite kommt, verwundert nicht. Doch tatsächlich scheinen Nachfrage und Anwendungsspektrum in der Hotellerie stetig zu wachsen.

Thomas Holenstein, CEO von Pogastro.com beziehungsweise der Precom Group AG, exklusiver Schweizer Importeur der Roboter-Reihe von Pudu Technology aus China, berichtet: „In Europa wurden bisher mehr als 800 Serviceroboter von Pudu ausgeliefert, besonders viele davon in die Niederlande und nach Spanien. Allein im April 2021 gingen aber auch 60 Roboter nach Deutschland. Der größte Teil kommt in der Hotellerie zum Einsatz.“

Gleicher Personalstamm – mehr persönlicher Gästekontakt

Zur voranschreitenden Nutzung dürfte die Pandemie beigetragen haben, und das nicht nur, weil Roboter in den Bereichen Reinigung und Desinfektion eine echte Hilfe sein können. Fachkräftemangel war schon vor Corona ein Thema. In Lockdown-Zeiten verließen zusätzlich zahlreiche Servicekräfte die (Hotel-)Restaurants und orientierten sich anders.

Da kommen akkubetriebene „Kollegen“ gerade recht, die beispielsweise Speisen und Getränke servieren oder auch das Geschirr abräumen und in die Spülküche transportieren. Damit wird nicht nur einer angespannten Personalsituation begegnet, sondern den Mitarbeitern mancher Weg erspart, sodass diese sich – nicht zuletzt auch körperlich weniger belastet – intensiver der Aufnahme von Bestellungen samt Beratung widmen können.

„Wir merken, das fördert den Umsatz“, bestätigt ein Hotelier aus Mittelfranken, der in der Formel „gleicher Personalstamm – mehr persönlicher Gästekontakt“ den besonderen Vorzug der 20.000-Euro-Investition für einen Serviceroboter über Pogastro.com sieht.

Gibt es etwas abzuräumen? Pudu-Roboter „Bella Bot“ hält freundlich Ausschau. (Bild: Pogastro.com)

Thomas Holenstein möchte daher auch mit einem Klischee aufräumen. „Es ist ein Irrglaube, dass die fortschreitende Digitalisierung zwangsläufig zu Jobverlust führt. Lediglich monotone Arbeiten verschwinden, denn die können Maschinen besser, schneller und effizienter verrichten.“ Der bereits erwähnte Hotelier stimmt zu: „Für uns sind Serviceroboter ein Werkzeug, das den Arbeitsalltag unserer Mitarbeiter erleichtert.“ Aktuell profitiert sein Unternehmen zudem von einem anderen Wettbewerbsvorteil: Noch ist der Überraschungseffekt groß, Gäste zücken ihre Smartphones und posten ihre Erlebnisse werbewirksam auf Facebook.

Ebenfalls auf der Seite der Pluspunkte: Die Technologien werden allmählich preisgünstiger, und auch die Intelligenz der Systeme nimmt zu. So finden die zuvor auf die räumlichen Gegebenheiten vor Ort programmierten Roboter ihre Routen selbstständig. Dank Sensoren und Laserdistanzsystemen umkurven sie Hindernisse und sprechen mit den Gästen. Äußerst praktisch, dass sie verschiedene Sprachen beherrschen.

In zahlreichen Hotels sind auch bereits Serviceroboter von Robotise oder Staedler Robots im Einsatz. Sie liefern Getränke, Snacks und andere Artikel bis an die Zimmertür und ersetzen die oftmals wenig profitable Minibar. Gäste können ihre Waren dann kontaktlos via NFC-Technologie bezahlen. Steile Rampen oder Stufen sind noch unüberbrückbar, moderne Fahrstühle hingegen kein Problem und barrierefrei gestaltete Hotels mit aktiver WLAN-Verbindung das ideale Einsatzgebiet.

Lesetipp: Getränke und Snacks bis an die Tür – Serviceroboter beliefert Gäste im Radisson Blu Hotel, Zurich Airport

Auch in der Lobby oder bei Events offerieren die umherfahrenden Roboter kühle Getränke, in letzterem Fall dann zur freien Entnahme. Pogastro.com bietet für seine Produkte wahlweise Kauf, Leasing oder Finanzierung und dazu Full Service an. Reparaturen werden in der eigenen Werkstatt vorgenommen.

Von Barista über Barkeeper bis Koch

Die Zahl der Anbieter und möglichen Anwendungen wächst derweil stetig: Im vollautomatisierten „Henn na Café“ im Kaufhaus Shibuya Modi in Tokyo serviert Roboter „Sawyer“ Kaffeespezialitäten aus einer Kaffeemaschine von Melitta Professional. Das italienische Unternehmen Makr Shakr hat das vollautomatische Bar-System „Toni“ entwickelt, in dem zwei Kuka-Roboter als Barkeeper fungieren. In der Rooftop-Bar des Townhouse-Duomo-Hotels in Mailand mixt der eine Roboter Drinks und Cocktails, die die Gäste zuvor per App bestellt haben, während der andere beim Ausschenken unterstützt. Im brasilianischen Unternehmen Bionicook serviert ein Roboter der Firma Kuka den Gästen aus einem Fast-Food-Automaten heraus Snacks, Getränke und Desserts. Via Touch-Panel übermitteln die Gäste ihre Bestellungen. Sobald sie diese bezahlt haben, macht sich der Roboter an die Zubereitung der gewünschten Order.

Doch auch vor Hotelküchen macht die Technologie keinen Halt: Küchensysteme sind bereits seit langem im Einsatz. In Kürze könnte Kochrobotik eine neue Ära einleiten. Das Unternehmen Moley Robotics aus London, das zuvor entsprechende Technik für Privathaushalte auf den Markt brachte, arbeitet an einem Großküchenmodell seiner „Robotic Kitchen“. Robotik-Arme und leistungsfähige Hände holen Zutaten aus dem intelligenten Kühlschrank, regulieren die Kochtemperatur, brutzeln, braten und reinigen im Anschluss.

Klar ist: Die Technik muss zum eigenen Konzept passen. Michaela Brohm-Badry, Lernforscherin an der Universität Trier, ist überzeugt: „Die Zukunft wird definitiv hybrid sein.“ Worauf sie aber zugleich aufmerksam macht: „Ein Gast wird sich nach einem Kontakt mit einer Maschine niemals so gebunden fühlen wie durch einen freundlichen, serviceorientierten Mitarbeiter.“

Stefanie Hütz


Interview mit Pierre Nierhaus: Weniger Pain Points durch automatisierte Prozesse

Der Gastroexperte und Trendscout Pierre Nierhaus ist seit 25 Jahren Consultant in der Hospitality-Branche. (Bild: privat)

Gastrotechnik: Herr Nierhaus, „Wir machen Ihre Gastfreundschaft profitabel – gerade jetzt …“ heißt es auf Ihrer Website www.nierhaus.com. Spielen Service-Roboter in der Küche, an den Theken, in den Gasträumen dabei künftig aus Ihrer Sicht auch eine Rolle?

Pierre Nierhaus: Gastgeberschaft – gerade bei individuellen Hotels – muss persönlich bleiben. Aber: Bei allem, was nicht in direktem Gastkontakt ist, was dem Gast keinen emotionalen Mehrwert bringt, muss digitalisiert werden, wo immer es möglich und sinnvoll ist. Vor allem bei den Abläufen hinter den Kulissen. Zurzeit wird weltweit viel mit selbstlernenden Systemen (KI) und „mechanischen Automatisierungen“ experimentiert, Vorreiter ist Asien, allen voran China und Japan.

Wo liegen besondere Potenziale?

In der Küche gibt es immer mehr komplexe Abläufe, die durch Einzelgeräte erledigt werden. Diese Roboter sehen aber nicht wie Menschen aus, wie manche erwarten. Eher handelt es sich um programmierbare Arme, wie man sie aus der Industrieproduktion kennt. So werden beispielsweise Burger gebraten und gewendet. In der Bikini Mall in Berlin gibt es einen Barista-Roboter, in San Francisco bereitet ein Roboter Wok-Gerichte im Restaurant „Spice“ zu. Auch das „Spyce Robot Restaurant“ in Boston könnte als Blaupause für ein optimiertes Hotelrestaurant dienen. Darüber hinaus sind Warenlieferungen innerhalb der Hotels – Stichwort Room Service – ein ernstzunehmendes Robotik-Thema. Überall, wo es Pain Points gibt, weil die Gäste sonst lange Wartezeiten in Kauf nehmen müssten oder die Hoteliers zu hohe Kosten hätten, werden Automatisierungen kommen.

Wo sehen Sie Hemmnisse und No-Gos?

Die Schnittstellen der Systeme müssen passen. Wenn jede Anwendung manuell angepasst werden muss, hat alles (noch) keinen Sinn. Hier sollte mit Investitionen noch gewartet werden.

Interview: Stefanie Hütz


 

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