Tophotel-100-Tage-Check René Detzen: "Es hat sich angefühlt, wie nach Hause zu kommen"

René Detzen ist Hotelmanager des Traditionshauses an der Maximilianstraße. © Kempinski Hotels

Im 100-Tage-Check interviewen wir Branchenpersönlichkeiten, die einen neuen Job angetreten haben. Wie erleben sie ihren neuen Arbeitsplatz, welche Aufgaben konnten sie bereits angehen, wo stoßen sie an Grenzen? Diesmal: René Detzen, Hotelmanager im Hotel Vier Jahreszeiten Kempinski München.

Tophotel: Herr Detzen, seit Ende vergangenen Jahres arbeiten Sie als Hotelmanager im Hotel Vierjahreszeiten Kempinski in München. Davor war Sie im Rocco Forte Hotel Astoria in St. Petersburg tätig. Warum sind Sie nach München gewechselt?

René Detzen: Nach 12 Jahren im Ausland wollte ich gemeinsam mit meiner Familie wieder zurück nach Deutschland. Da ich außerdem in meinen zehn Jahren bei Kempinksi nur gute Erfahrungen gemacht habe, wollte ich auch hier gern zurück wechseln. Als dann auch noch die Stelle im Flaggschiff des Unternehmens frei wurde, musste ich über den Wechsel nicht allzu lange nachdenken.

Wie sind Ihre Eindrücke vom neuen Arbeitsplatz?

Das Hotel Vier Jahreszeiten ist für mich ein großartiges Haus. Generell begeistern mich Grandhotels. Diese Häuser haben für mich mit ihrer langen Geschichte einfach eine eigene Seele. Ein bisschen erinnert es mich an meine Zeit im Kempinski Hotel Adlon und im Hotel Baltschug Kempinski Moskau, aber es ist nochmal was ganz anderes jetzt im Flaggschiff von Kempinski tätig zu sein. München kenne ich ja bereits ein bisschen von meiner Zeit im Kempinski Hotel am Airport und gepaart mit dem herzlichen Willkommen hier im Haus, hat es sich ein bisschen angefühlt, wie nach Hause zu kommen. 

Hatten Sie zu Beginn mit Herausforderungen zu kämpfen?

Meine größte Herausforderung war, vier Monate von meiner Frau und meinen beiden Kindern getrennt zu sein. Die Wohnungssuche in München ist ja an sich schon schwierig, das auch noch neben den vielen neuen Eindrücken im neuen Job unterzukriegen, hat das Ganze noch weiter erschwert. Das herzliche Willkommen hier im Haus hat mir aber sehr dabei geholfen, mich dennoch wohlzufühlen.

Werdegang kompakt

René Detzen ist in seinem beruflichen Weg bereits eng mit Kempinski verbunden: Nach seiner Ausbildung zum Hotelfachmann übernahm er 2005 die Position des Commis de Rang im Kempinski Hotel Airport München. Anschließend wechselte er als F&B Management Trainee in das Kempinski Hotel Adlon Berlin, wo er bis in die Position des Assistant F&B Manager aufstieg.

Weitere Tätigkeiten als F&B Manager und Director of F&B folgten in den Kempinski Hotels San Lawrenz Gozo auf Malta und Badamar Baku in Aserbaidschan. In die Kempinski-Familie kehrt René Detzen nun nach neun Jahren in Russland zurück und bringt Management-Erfahrung aus seiner letzten Tätigkeit als Hotelmanager im Rocco Forte Hotel Astoria St. Petersburg mit. Detzen folgt auf Hanno Barkhoff, der in das Schwesterhotel Kempinski Adlon gewechselt ist.

Mit welchen Ideen sind Sie die Stelle angetreten? Und konnten Sie schon welche umsetzen?

Für mich stand in den ersten Wochen erst mal das Kennenlernen der Mitarbeitenden im Vordergrund. Jetzt starten wir die ersten Projekte, die darauf abzielen, die Guest Experience bei uns im Haus zu verfeinern und unseren Gästen einen noch besseren Service bieten zu können. 

Bei den Neuerungen haben wir im Kleinen angefangen: So ist im F&B Bereich beispielsweise unser Angebot nun saisonal ausgerichtet. Außerdem freue ich mich sehr, dass wir das Fine-Dining im Schwarzreiter Restaurant wiedereröffnen konnten. Und in unserer Jahreszeiten Bar gibt es eine neue Eventreihe mit Gast-Bartendern aus den unterschiedlichsten Ländern, die für einen Abend ihre Kreationen bei uns servieren. Das waren die ersten Schritte eines großen, fortlaufenden Prozesses. 

Sie haben es bereits erwähnt: Sie haben bereits in Kempinski Hotels gearbeitet. Hat das beim Jobwechsel geholfen?

Ja definitiv! Ich habe bereits ein Netzwerk innerhalb des Unternehmens und bin mit der Kempinski DNA vertraut. So habe ich schon ein Gefühl für das Unternehmen und muss mir das nicht neu erarbeiten. Ich kannte auch den General Manager des Vier Jahreszeiten, Holger Schroth, schon vorher: Er war bei meiner ersten Kempinski-Station im Hotel am Münchner Airport bereits als GM tätig und damals mein erster Chef.  

Was hat sich im Vergleich zum alten Job geändert?

Ein wesentlicher Unterschied zu meinem vorherigen Job ist die Größe des Hauses: Das Rocco Forte Hotel Astoria St. Petersburg, in dem ich ebenfalls als Hotelmanager tätig war, hat 169 Zimmer und Suiten. Das Vier Jahreszeiten zählt 305 Zimmer. Damit einher geht auch ein größeres Team: Im Astoria waren 120 Mitarbeitende beschäftigt, jetzt rund 300. Zusätzlich ist die Kultur in Russland natürlich eine ganz andere als hier in Deutschland. 

Das Hotel Vier Jahreszeiten Kempinski München

Hotel Vier Jahreszeiten Kempinski Munich Exterior
Das Hotel. - © Hotel Vier Jahreszeiten Kempinski München

Geplant und erbaut wurde das heute 305 Zimmer und Suiten zählende Hotel Vier Jahreszeiten Kempinski München durch den bayerischen König Maximilian II. Nach dem Vorbild seines Vaters Ludwig I. wollte er sich ein städtebauliches Denkmal setzen und gab die Gestaltung und den Bau der Maximilianstrasse als Münchens schönsten Prachtboulevard in Auftrag, der das „nobelste Hotel am Platze" beherbergen sollte. Mit viel Feingefühl wurde das Hotel immer wieder den sich wandelnden Gästewünschen angepasst, ohne die bedeutende Vergangenheit zu vernachlässigen.

Was sind die wichtigsten Erfahrungen, die Sie in Ihrer Zeit im Ausland gesammelt haben?

Der bereits erwähnte Kulturunterschied hat mir die wichtigsten Erfahrungen beschert. In Aserbaidschan und in Russland muss man als Führungskraft ganz anders agieren, da die Mitarbeitenden sich in ihrem Kenntnisstand sehr unterscheiden und auch das Verständnis von Luxus ein ganz anderes ist. Ich habe daher gelernt, sehr individuell auf die Mitarbeitenden einzugehen und sie durch Training on the Job ausgehend von ihren jeweiligen Wissensständen weiterzuentwickeln. 

Wie verstehen Sie Ihre Rolle als Hotelmanager?

Meine Rolle ist die des Gastgebers, der die einzelnen Abteilungen in der Operativen zusammenbringt und aufeinander abstimmt.     

Wie können Sie am besten abschalten?

Am besten kann ich bei meiner Familie abschalten. Als Fußballfan schaue ich mir aber auch gern mal das ein oder andere Spiel an – ich stehe auch hier in München dazu, dass ich Dortmund Fan bin!  

Haben Sie einen Lieblingsort in München – abseits des Hotels?

Ich bin noch dabei, München weiter zu entdecken. In München selbst finde ich aber, dass der Englische Garten die Stadt unglaublich bereichert und ich bin mir sicher, dass ich hier gerade im Sommer viel Zeit mit meinen Kindern verbringen werde. Ich bin aber auch sehr vom Münchner Umland begeistert: Die Nähe zu den Bergen finde ich einfach toll und ich freue mich schon auf Ausflüge mit meiner Familie und auch darauf, meinen Kindern das Skifahren beizubringen.