Premier Inn-COO Inge Van Ooteghem im InterviewSie koordiniert deutsche Openings aus dem Homeoffice in England

Inge Van Ooteghem, hier noch vor Corona bei einem Event in Frankfurt, ist für die Eröffnungen der deutschen Häuser von der britischen Marke Premier Inn zuständig. Aktuell arbeitet sie im Homeoffice in England. (Bild: Premier Inn)

Inge Van Ooteghem ist als Premier Inn-COO für den deutschen Markt für die Eröffnung der Hotels hierzulande verantwortlich. Wegen Corona steuert sie die Openings aktuell aus dem Homeoffice in London. Wie das geht und wie sie sich die Tage ganz persönlich einteilt, verrät sie im Interview.

Anzeige

Tophotel: Frau Van Ooteghem, Sie haben in den vergangenen Wochen die Eröffnung mehrerer Premier Inn-Hotels in Deutschland aus dem Homeoffice in England betreut. Worin lagen bisher die besonderen Herausforderungen und haben sich dadurch vielleicht auch Chancen ergeben?

Inge Van Ooteghem: Die größte Herausforderung liegt für mich definitiv darin, nicht vor Ort sein zu können. Ich bin den ganzen Tag über in Calls, aber die persönliche Ebene ist online schwer herzustellen. Wir haben in den vergangenen Monaten Hotels geschlossen, Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken müssen, 13 neue Hotels trotz Corona dem Pipeline-Planner entsprechend eröffnet und alle Hotels mit neuen Sicherheits- und Hygienestandards ausgestattet sowie wieder an den Markt gebracht. Das ist auf der einen Seite viel Arbeit und auf der anderen Seite mit einer Menge Emotionen verbunden, die ich gerne persönlich mit meinem Team geteilt hätte. Chancen sehe ich mit Blick nach vorne in möglicherweise deutlich erhöhten Reiseaktivitäten innerhalb Deutschlands. Wir sind ab sofort mit einem tollen Preis-Leistungs-Verhältnis in zahlreichen deutschen Städten vertreten und hoffen nun, dass sich unser Produkt in den nächsten Monaten für möglichst viele Gäste zu neuen Lieblingshotels etabliert. Whitbread, unser Mutterkonzern, hat sich einem langfristigen Engagement in Deutschland verschrieben und ich finde, dass die vergangen zwei Monate gezeigt haben, wie ernst es Whitbread damit ist.

Am heutigen Donnerstag, 28. Mai, eröffnete das letzte von 13 Premier Inn Hotels, welche aus dem Ankauf des Foremost Hospitality-Portfolios vor zwei Jahren stammen, in Freiburg. Damit erweitert die Gruppe mit dem lila Logo ihr Portfolio auf insgesamt 19 Hotels deutschlandweit.

Wie schaffen Sie es, mit Ihrem Team so zu kommunizieren, dass die Abläufe gut ineinandergreifen? Wie bleiben Sie nah am Geschehen?

Ich bin genau wie im Büro jeden Tag durchgetaktet. Ich habe Calls mit meinen Hotelmanagern, den Abteilungsleitern, der Geschäftsführung in Deutschland und der in England. Es gibt kaum eine Minute, in der ich nicht am Telefon oder im Videocall bin. Es ist mir sehr wichtig, mit jedem meiner Teammitglieder persönlich zu sprechen, und wenn es nur fünf Minuten sind. Welch große Rolle eine klare und transparente Kommunikation spielt, ist mir einmal mehr klar geworden. Unsere Online-Meetings sind kürzer und effektiver geworden. Andererseits, wenn ich die Einzelgespräche mit meinen Mitarbeitern habe, kann es durchaus mal länger werden, als geplant – und das ist gut so! Ich weiß, dass ich mit Mitarbeitern arbeite, die gern Verantwortung übernehmen und ich war noch nie so dankbar dafür, wie jetzt. Ich habe den Eindruck, dass das Team gerade noch mehr zusammen wächst, was ich wirklich sehr schön finde.

Wie fühlt sich das Homeoffice und die „Abgeschiedenheit“ vom Team für Sie persönlich an?

Ich wäre sehr gern bei meinem Team, vor allem, weil sich in Deutschland gerade enorm viel tut. Die Integration der 13 Foremost Hospitality-Hotels Ende Februar war ein Highlight für uns alle, auf das wir uns bereits monatelang gefreut haben. Es wäre natürlich schön gewesen, die Eröffnungen dieser integrierten Hotels unter Premier Inn gemeinsam zu feiern, doch so versuchen wir – wo immer möglich – auch online ein Teamgefühl herzustellen. Generell bin ich allerdings ein Mensch, der Gesellschaft braucht. Menschen geben mir Energie, deshalb ist mir physische Präsenz äußerst wichtig. Meiner ‘Abgeschiedenheit’ begegne ich mit einer klaren Struktur im Alltag. So habe ich mir beispielsweise angewöhnt, jeden Morgen mit Yoga zu begrüßen, um dann mit klaren Gedanken in den Tag zu starten. Anschließend lese ich die Zeitung, frühstücke und setzte mich dann an den Schreibtisch. Mittags habe ich eingeführt, den Computer eine Stunde abzuschalten und meine Pause bewusst zu genießen. Den Arbeitstag beende ich mit einer kleinen Meditation.

Welche Projekte stehen als nächstes an und wie gehen Sie diese an? Wo liegen die spezifischen Herausforderungen?

Ein Punkt, der uns aktuell besonders wichtig ist, sind natürlich die neuen, hohen Hygiene- und Sicherheitsstandards in den Hotels. Wir haben ein solides Konzept erstellt, das konsequent umgesetzt wird, um das Wohl unserer Gäste und Mitarbeiter sicherzustellen. Dies ist sicher ein Punkt, an dem wir ständig arbeiten. Eine weitere Herausforderung sind die Maßnahmen der einzelnen Bundesländer. Premier Inn ist mittlerweile in sieben Bundesländern präsent und allein daran, was wo gerade erlaubt und nicht erlaubt ist, arbeitet bei uns ein eigenes Team. Und dann geht es natürlich weiter mit Planungen für die Zukunft. Die nächsten großen Projekte sind unsere weiteren fünf Häuser in Stuttgart Feuerbach, Leipzig, Essen, Hamburg St. Pauli und Stuttgart City Nord, die wir noch in diesem Jahr eröffnen möchten. Das sind Hotels, die wir selbst bauen. Und dann gibt es natürlich noch die Brand Awareness, die wir in Deutschland weiter ausbauen wollen. Mit mittlerweile 19 Hotels in den schönsten Städten Deutschlands ist dies eine unserer dringendsten Aufgaben im Moment.

Wie ist die aktuelle Situation bezüglich der Hotellerie und auch des privaten Lebens in England?

Ich liebe London und wollte immer hier leben. Das London, das ich allerdings kennen und lieben gelernt habe, gibt es aktuell gerade nicht. Die Museen, Restaurants, Pubs sind geschlossen, das öffentliche Leben existiert kaum mehr. Hotels mussten auf Anweisung der Regierung am 24. März ihre Pforten schließen. Es gibt zwar einige Ausnahmen, diese schließen aber die Beherbergung von Touristen nicht ein. Nun hat die britische Regierung am 11. Mai leichte Lockerungen für das öffentliche Leben beschlossen. Derzeit ist geplant, aber nicht bestätigt, dass Hotels in Phasen ab 4. Juli öffnen. Es könnte aber auch einige Hotels geben, die bereits ab 22. Juni für relevante Arbeitnehmer geöffnet werden. Für Restaurants gibt es noch gar keine Wiedereröffnungsdaten, alles bleibt vage. Ich bin gespannt, wie der Sommer hier aussehen wird und hoffe sehr, mich bald wieder auf mein Motorrad schwingen und ans Meer fahren zu können.

Interview: Verena Usleber


Die Expansionspläne von Premier Inn im Überblick

Premier Inn blickt laut Aussagen des Managements “Dank einer Eigentumsrate von mehr als 60 Prozent gemessen an den 800 Hotelimmobilien weltweit, einer eigenen Entwicklungsabteilung und einem solide aufgestellten Mutterkonzern, der Whitbread PLC, trotz aktueller Herausforderungen für die Hotel- und Immobilienbranche optimistisch in die Zukunft.” Trotz der aktuellen Lage habe man es geschafft, dreizehn Häuser aus dem Ankauf des Foremost Hospitality-Portfolios vor zwei Jahren nach Zeitplan umzubauen und als Premier Inn Hotels zu öffnen. Zusammen mit den zwei Hotels aus der Acomhotels- Übernahme, die erst 2021 in Premier Inn Hotels umgewandelt werden, kommt Premier Inn bis Ende Mai auf insgesamt 19 betriebene Hotels in Dresden, Düsseldorf, Berlin, Frankfurt, Freiburg, Hamburg, Heidelberg, Köln, München und Nürnberg. Die Eröffnungen markieren  einen Zwischenstopp in der Expansion des britischen Hotelunternehmens in Deutschland. Mehr als 20 Hotels sollen bis Ende des Jahres in Betrieb sein und die Premier Inn-Pipeline über die derzeit 52 gesicherten Standorte hinaus wachsen. „Mit der aktuellen Lage stets im Blick, halten wir an unseren Plänen für den deutschen Hotelmarkt fest“, erklärt Dr. Michael Hartung, Managing Director und Director Development bei Premier Inn Deutschland. Nach wie vor setzt das Hotelunternehmen auf vier Möglichkeiten der Expansion: Eigenentwicklungen, Projekte mit Developern, die Akquisition von bestehenden Hotels und Hotel-Portfolios sowie als Lead oder Junior Partner bei Mixed-Use-Projekten.


 

Anzeige