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StartBusiness & ManagementMRP Hotels: Personalknappheit wird zur Herausforderung für Hotellerie und Gastronomie

MRP HotelsPersonalknappheit wird zur Herausforderung für Hotellerie und Gastronomie

Hotellerie und Gastronomie werfen nach der langen Durststrecke des letzten Winters einen positiven Blick auf die Wintersaison 2021/2022. Allerdings fehlt vielen Betrieben das Personal. MRP Hotels erörtert die akute Problematik der Branche, stellt diese in Zahlen und Fakten vor und zeigt Lösungsansätze auf.

Schon lange vor der Corona-Pandemie litt die Hotel- und Tourismusindustrie, hervorgerufen durch beständiges Wachstum, mit dem die Ausbildungskapazitäten auf allen Ebenen nicht mithalten konnten, unter fehlenden Fachkräften und jungen Nachwuchstalenten, wie MRP Hotels feststellt. Dieses Phänomen sei durch Unsicherheiten in Bezug auf die Rückkehr des Tourismus im Allgemeinen und den Wegfall des Vertrauens auf einen sicheren Arbeitsplatz verstärkt worden.

Die lange Aussichtslosigkeit auf eine Rückkehr des Tourismus habe bei den Beschäftigten eine Branchenflucht ausgelöst: Allein in Deutschland haben 325.000 Fachkräfte der Industrie den „Rücken zugekehrt“. Auch in Österreich fehlen nach Hochrechnungen circa 50.000 bis 55.000 Fachkräfte in der Branche.

Aushilfskräfte, die traditionell einen großen Anteil der Arbeitskräfte in der Hotellerie und Gastronomie ausmachen – circa eine Million Beschäftigte in der Hotellerie und im Tourismus in Deutschland – haben sich ebenfalls umorientiert, da sie keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld hatten, so die Hotelexperten. Außerdem konnten aufgrund der Schließungen der Betriebe weniger Lehrlinge ausgebildet werden – der Branche würden fast zwei vollständige Ausbildungsjahre fehlen. 

Work-Life Balance

Eines ist für die Experten von MRP Hotels gewiss: Der berufliche Ausgleich ist so wichtig wie nie zuvor. Vor allem die Hotel- und Tourismusbranche ist für ihre fordernden Arbeitszeiten und die Ungewissheit bezüglich der Planung des Privatlebens bekannt. Aus diesem Grund sei es für die Branche umso wichtiger, gemeinsam mit den Mitarbeitern proaktiv neue und individuelle Möglichkeiten zu suchen anstatt auf „one fits all“-Bedingungen zu setzen.

So zum Beispiel ermögliche die flexible Arbeitszeitgestaltung Privat- und Berufsleben so zu organisieren, dass die Arbeitskraft des Mitarbeiters für den Betrieb erhalten bleibt. Immer wieder im Gespräch ist in diesem Zusammenhang auch die 4-Tages-Woche, die laut den Experten nachweislich die Produktivität der Mitarbeiter fördert und erfolgreich in Ländern wie Schweden und Island durchgesetzt wurde.

4-Tages-Woche im Test

Dieses Modell wird derzeit auch in Deutschland getestet: Die beiden 25hours-Hotels in Hamburg bieten seit September 2021 den Mitarbeitern drei freie Tage pro Woche. Bei erfolgreichen und zufriedenstellenden Resultaten soll dieses Modell auch in allen anderen Hotels der Gruppe umgesetzt werden. Durch die erwartete höhere Produktivität der Mitarbeiter werden beispielsweise auch Überstunden minimiert – was das Modell nicht nur attraktiv für den Arbeitnehmer, sondern gleichermaßen auch für den Arbeitgeber macht.

Neben Modellen mit einem geringeren Wochenarbeitsvolumen gebe es auch die Möglichkeit, zusätzliche Urlaubstage zu genehmigen, um so den notwendigen Ausgleich sicherzustellen. Betriebliche Gesundheitspräventionsmaßnahmen wie zum Beispiel ein Sport- beziehungsweise Bewegungsprogramm oder zusätzliche Vorsorgemaßnahmen tragen zum Wohl der Mitarbeiter zusätzlich bei.

Mehrwert bieten

„Neben der Sicherstellung eines flexiblen und vor allem planbaren Berufsalltag spielen vor allem das Talent Development, also die Persönlichkeitsentwicklung der Mitarbeiter, ihre Mitgestaltungs- und Einbringungsmöglichkeiten sowie die gebotenen Zukunftsaussichten inklusive der gebotenen Anreize und Benefits eine große Rolle“, schreiben die MRP Hotels-Experten.

Die aktive Einbindung der Mitarbeiter in die betriebliche Gestaltung und die Förderung und Forderung der sozialen Kompetenzen stärke das Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Eine offene Kommunikation in Bezug auf Zukunftsaussichten in Zusammenhang mit individuell gestalteten Zielsetzungen würde die Motivation fördern und Anreize in Bezug auf berufliche Chancen oder Benefits bieten.

Darüber hinaus hätten Unternehmen vielfältige Möglichkeiten, den Arbeitnehmer unabhängig von einer Gehaltserhöhung zu belohnen. Beispiele, die MRP Hotels nennt: die freie Nutzung der Hoteleinrichtungen oder das Geschäftshandy. Zudem gebe es unter anderem auch die Möglichkeit, dem Arbeitnehmer beispielsweise den Sachbezug bis zur Obergrenze steuerfrei über eine Prepaid Kreditkarte zukommen zu lassen.

Recruiting Kanäle – Masse statt Klasse?

Stelleninserate allein in Printmedien zu veröffentlichen ist längst nicht mehr zeitgemäß. Die Experten sind davon überzeugt, wenn es um das Werben von neuen Mitarbeitern geht, müssen die Betriebe in die Breite gehen und unterschiedlichste Medien für ihre Zwecke nutzen. E-Recruiting, also die die Unterstützung der Personalsuche durch den Einsatz elektronischer Medien und Personalsysteme, gewinnt immer mehr an Bedeutung.

Lesetipp: Auszeichnung: Die Hospitality Awards 2021 an 21 Arbeitgeber im Gastgewerbe verliehen

Beliebt, aufgrund der immer weiter steigenden Mitgliederzahlen, sind Social Media Plattformen. Die Hotelexperten schreiben dazu: „Der Vorteil liegt hier in der Kommunikation von Werten und Emotionen, die für die Nutzer Identifikation mit dem Unternehmen schafft und somit nicht nur aktiv Arbeitssuchende, sondern auch passiv Arbeitssuchende anspricht. Dennoch: Im Verhältnis zu anderen Recruiting Kanälen haben die sozialen Medien trotz eines Plus von 50 Prozent derzeit einen noch relativ geringen Anteil und sollten aktiver genutzt werden.“

Das Employer Branding, also den eigenen Mitarbeiter zum Markenbotschafter werden lassen und so potenzielle Mitarbeiter und Talente im Netzwerk des Mitarbeiters zu finden, sei zwischen 2008 bis 2018 immer bedeutender geworden (plus 38 Prozent anteilig aller Recruiting Kanäle).

Keine Mitarbeiter? Was sind die Optionen?

Die Digitalisierung wird zu einem wesentlichen Aspekt für die Hotelbranche. Vor allem während der Krise hätten sich immer mehr „New Kids on the Block“ etabliert, die durch das Einsetzen von Technologie schlankere und effizientere Hotelprodukte schaffen. Vor allem der Kostenfaktor Personalaufwendungen fällt bei diesen Produkten deutlich geringer aus.

Im Bereich Rooms Division gibt es laut den Experten viele Möglichkeiten, Technik in das operative Geschäft einzubinden und die Gasterfahrung zu digitalisieren. Auch die Anmeldung im Hotel kann automatisiert werden – der Gast erhält einen digitalen Zimmerschlüssel. Damit werde das Personal entlastet und könne sich ganz auf die individuellen Wünsche der Gäste konzentrieren.

Politische Mithilfe ist gefragt

„Mittel- und langfristig ist die Hotel- und Tourismusbranche neben der eigenen Verantwortung, sich aus sich selbst heraus zu verändern, auch auf die Unterstützung der Politik angewiesen“, so die MRP Hotels-Experten. „Dabei stehen die Kollektivverträge, die Verbesserung des Branchenimages und die Öffnung des Arbeitsmarktes in Richtung Drittstaaten im Vordergrund.  Die Gehälter in den Kollektivverträgen sind schon lange nicht mehr angemessen und müssen seitens der Politik angepasst werden, ohne dabei die Lohnnebenkosten für die Arbeitgeber zu erhöhen. Die daraus resultierende höheren Lohnzahlungen implizieren langfristig höhere Preise in der Hotellerie und Gastronomie.“

Die Verbesserung des Branchenimage sei ein weiterer und unumgänglicher Aspekt für eine Zukunft der Branche. Die Experten gehen davon aus, dass es zukünftig unumgänglich ist, dass sich die Industrie gemeinschaftlich vermarktet und repräsentiert, um somit mehr Anerkennung von der Bevölkerung und Politik zu gewinnen. Zuletzt gelte es bestehende bürokratische Hürden zu nehmen und so das Einstellen von Facharbeitern aus dem Ausland – und hier vor allem aus Drittstaaten – zu ermöglichen beziehungsweise zu vereinfachen und so zu einer Entlastung der angespannten Situation beizutragen.

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