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StartAufmacherReisen nach Mallorca wieder möglich:: Heimische Hotellerie spricht von "Schlag ins Gesicht"

Reisen nach Mallorca wieder möglich Heimische Hotellerie spricht von "Schlag ins Gesicht"

Die Bundesregierung hat kurz vor Beginn der Osterferien die Reisewarnung für Mallorca und weitere Urlaubsziele in Spanien und Portugal aufgehoben. Urlaub auf der spanischen Insel ist also wieder möglich. Die heimischen Hoteliers dagegen gucken weiter in die Röhre. Das sorgt für mächtig Unmut in der Branche, unter anderem hagelt es massive Kritik von Seiten des Dehoga und des IHA.

(Stand: 15.03.2021, 14 Uhr) Nach der Aufhebung der Reisewarnung für Mallorca ziehen die Buchungen für die Lieblingsinsel der Deutschen deutlich an. Der größte Fluganbieter Eurowings sprach am Sonntag von Buchungen „in einer bisher nicht gekannten Dynamik“ und legte kurzfristig 300 zusätzliche Flüge für die Osterzeit auf. Beim größten Reiseveranstalter Tui wurden am Wochenende doppelt so viele Reisen nach Mallorca gebucht wie im gleichen Zeitraum vor zwei Jahren, als die Pandemie noch nicht das Geschehen bestimmte.

Forderung nach Urlaub auch in Deutschland

Gleichzeitig wurden die Forderungen lauter, Urlaub auch in Deutschland wieder zu ermöglichen. „Für mich wäre es schwer vorstellbar, dass auf Mallorca Urlaub möglich ist, aber im Schwarzwald Hotels noch geschlossen bleiben. Das wäre eine ganz bittere Botschaft“, sagte der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß (CDU). Auch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) dringt auf eine Perspektive für Urlaub im Inland. „Wut und Verzweiflung wachsen ohne Ende“, sagte die Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges der dpa.

Seit Sonntag ist Urlaub auf Mallorca zwei Wochen vor Beginn der Osterferien in den meisten Bundesländern wieder ohne Quarantäne und Testpflicht bei Rückkehr möglich. Da Deutschland aus spanischer Sicht aber weiter als Risikogebiet gilt, müssen Touristen bei Einreise nach Spanien einen negativen Corona-Test vorweisen, der nicht älter als 72 Stunden ist. Außerdem muss man ein digitales Einreiseformular ausfüllen. Das sind allerdings die einzigen verbliebenen Beschränkungen. (Update 15.03.2021, 14.45 Uhr: Erste Bundesländer erwägen bereits eine Testpflicht bei Rückreise nach Deutschland, sh. unten)

Auch die anderen Balearen-Inseln – darunter Menorca, Ibiza und Formentera – sowie Teile des spanischen Festlands, darunter die Küstengebiete Murcia und Valencia mit vielen Urlaubszielen, sind seit Sonntag keine Corona-Risikogebiete mehr. Das gilt auch für den gesamten Norden Portugals, die Region Nordjylland in Dänemark sowie die Bahamas in der Karibik. Bereits am vergangenen Wochenende war die Reisewarnung für die beliebte kroatische Urlaubshalbinsel Istrien aufgehoben worden. Entscheidend für einen solchen Schritt ist, dass die Infektionszahlen die Marke von 50 pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche unterschreiten. Auf den Balearen lag dieser sogenannte Inzidenzwert am Freitag bei 21,3.

Eigentlich sollen die Bürger auf Reisen verzichten

Die Bundesregierung hat damit eine Entwicklung angestoßen, die sie eigentlich gar nicht beabsichtigt. Nach dem sprunghaften Anstieg der Urlaubsbuchungen für die Ferieninsel Mallorca hat die Bundesregierung zum generellen Verzicht auf touristische Reisen wegen der Corona-Pandemie aufgerufen. „Der Appell ist, auf jede nicht unbedingt notwendige Reise zu verzichten“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Ähnlich äußerte sich die Sprecherin des Auswärtigen Amts, Maria Adebahr: „Das Fehlen einer Reisewarnung ist keine Einladung zum Reisen.“ Die Entscheidung müsse aber jeder für sich treffen.

Auch Politiker sind uneins

Die Interessenlage scheint innerhalb der Bundesregierung auch nicht einheitlich zu sein. Der Tourismusbeauftragte Bareiß, Parlamentarischer Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, freute sich am Sonntag über „ein schrittweises Öffnen in Europa„. Sympathien zeigte der CDU-Politiker auch für die Forderung der Reiseveranstalter, die Quarantänepflicht für Rückkehrer aus dem Ausland ganz aufzuheben und stattdessen auf verstärkte Tests zu setzen. „Das zielt in die richtige Richtung“, sagte er. Rückkehrer aus Corona-Risikogebieten müssen derzeit zehn Tage in Quarantäne, von der man sich aber mit einem negativen Test nach fünf Tagen befreien kann. Das gilt derzeit noch für die meisten Regionen Europas, darunter alle Urlaubsziele in Italien, Frankreich, Österreich oder Griechenland.

Gerät der einheimische Tourismus jetzt komplett unter die Räder?

Besonders wichtig ist Bareiß, dass die einheimische Tourismusbranche nicht unter die Räder gerät. Danach sieht es im Moment aber aus. Bis zum 28. März gilt der Lockdown für Beherbergungsbetriebe. Wie es danach weitergeht, wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten erst am 22. März entscheiden. Die Chancen für eine baldige Lockerung sinken Tag für Tag mit den steigenden Infektionszahlen in Deutschland. Die Sieben-Tages-Inzidenz lag am Sonntag bereits bei 79 – fast vier Mal so hoch wie auf den Balearen. Für die Woche nach Ostern prognostizierte das Robert Koch-Institut (RKI) am Wochenende höhere Zahlen als rund um Weihnachten. Die Inzidenz könnte dann bei 350 liegen.

Dehoga: „Nicht erklärbare Vorgehensweise“

Falls die Hotels weiter geschlossen bleiben, wäre das für die einheimische Tourismusbranche dramatisch. Nach Dehoga-Angaben ist der Umsatz im Gastgewerbe in den vergangenen zwölf Monaten um 63 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum eingebrochen. 72,2 Prozent der Unternehmer würden um ihre Existenz bangen. „Es ist nicht erklärbar, der einheimischen Tourismusbranche keine Perspektive zu geben, während das Reisen ins Ausland ermöglicht wird“, betonte Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges. Der Druck für den nächsten Bund-Länder-Gipfel am kommenden Montag wächst.

IHA: „Absurder geht es nicht mehr“

IHA-Vorsitzender Otto Lindner (l.) und IHA-Hauptgeschäftsführer Markus Luthe. (Bild: IHA)

Auch die Vertreter des Hotelverbandes IHA finden in ihrem neuen Blogpost klare Worte. „Absurder geht es nicht mehr: Während den Hotels von Binz bis Berchtesgaden noch nicht einmal eine Öffnungsperspektive gewährt wird, heben ab heute wieder voll besetzte Pauschalreiseflieger aus Deutschland nach Palma de Mallorca ab. Das ist ein Schlag ins Gesicht aller im Deutschlandtourismus Tätigen. Sind denn jetzt alle malle geworden?“, so Otto Lindner und Markus Luthe.

Der deutschen Politik drohe der völlige Verlust ihrer Glaubwürdigkeit und das hänge ganz entscheidend auch damit zusammen, dass ihre Pandemiebekämpfung eben nur vermeintlich evidenzbasiert und wissenschaftlich fundiert ist. Die lange Zeit allein vom bangen Starren auf den Inzidenzwert geprägte Pandemiebekämpfung habe das Land in eben diese Sackgasse manövriert.

„Denn an einem irgendwie gearteten Infektionsgeschehen in deutschen Beherbergungsbetrieben kann diese Diskriminierung einer gesamten Branche nicht liegen. Das haben nicht nur wir immer wieder fachlich, sachlich vorgetragen, das bestätigt auch das Robert Koch-Institut (das die Hotellerie nicht als Infektionstreiber einstuft, wir berichteten). Es existiere keineswegs ein simples Reaktionsschema der Bauart „Hotels zu, Mobilität runter, Infektionen eingedämmt“. Unter anderem sei die Mobilität trotz anhaltender Pandemie in Lockdown-Zeiten fast genauso hoch geblieben ist wie vor Corona.

Update aus Niedersachsen: Regierung erwägt Tests an Flughäfen

(Stand: 15.03.2021, 14.45 Uhr) Die niedersächsische Landesregierung warnt vor den Gefahren eines kurzfristigen Mallorca-Urlaubs und denkt über das Testen von Reiserückkehrern an Flughäfen nach. Der Chef der Staatskanzlei berate dazu mit der Bundesregierung, sagte Regierungssprecherin Anke Pörksen am Montag in Hannover. Die Menschen, die nun nach Mallorca reisen wollten, müssten wissen, dass sie sich einem gewissen Risiko aussetzen.

Vor Ort träfen sich Menschen aus ganz Deutschland und Europa und es bestehe die Gefahr einer Verbreitung von Infektionen. Und selbst wenn am Flughafen ein PCR-Test negativ ausfalle, bedeute dies nicht, dass ein Reiserückkehrer das Virus nicht bereits in sich trage. „Man holt sich da sehenden Auges ein richtiges Problem ins Land“, meinte Pörksen. Mit dpa

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