MICEKreative Meeting-Konzepte in Zeiten von "physical distancing"

In den Tagungs- und Eventräumen der Roomers Hotels sollen bald Meetings mit Talkshow-Charakter stattfinden. (Bild: Gekko Group)

Meetings und Events beginnen allmählich wieder stattzufinden, gestalten sich in Zeiten von Corona allerdings gänzlich anders als vor dem Ausbruch der Pandemie. Immer mehr Hoteliers versuchen, physische Abstandsgebote und begrenzte Teilnehmerzahlen durch kreative Lösungen zu kompensieren. Die Roomers Hotels der Frankfurter Gekko Group haben dazu jetzt das “Agile Livestreaming” gelauncht.

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Um auch weiterhin unkonventionelle Events durchführen zu können, welche Emotionen wecken und ein größtmögliches Gemeinschaftsgefühl vermitteln (sh. Kasten unten), verbinden die Roomers Hotels in Frankfurt, München und Baden-Baden künftig reale und virtuelle Event-Erlebnisse zu agilen und interaktiven Veranstaltungen. Mithilfe innovativer Plattformen und Technologien werden Emotionen und Atmosphäre von der Bühne ins Netz transportiert, sodass sich Teilnehmer weltweit live einbringen und austauschen können. Im Rahmen des “Agile Livestreaming” profitieren Roomers-Kunden von der Möglichkeit, lokal gebundene Veranstaltungen weit über den örtlichen Rahmen hinaus und direkt zu Kunden, Teilnehmern oder Fans zu übertragen. Die Streams können dabei in den sozialen Netzwerken, auf der eigenen Website oder einem geschlossenen Teilnehmerkreis zur Verfügung gestellt werden.

“Agile Livestreamings” sollen vor allem lebendige Unterhaltungsformate sein. Mit bis zu sechs Kameraperspektiven und Einspielungen wie Live-Schalten, Filme und Animationen werden alle Teilnehmer vor Ort und virtuell eingebunden. So entstehen nahtlose und interaktive Event-Erlebnisse. Im Anschluss können aus dem gewonnenen Material Imagefilme, Werbetrailer, Trainingsvideos und vieles mehr geschnitten werden. Die maßgeschneiderten Lösungen sollen sich zudem flexibel planen und agil umsetzen lassen. Für die kreative und technische Realisierung kooperiert Roomers mit Owen Consulting.

„Die aktuelle Situation hat so manch eine Veränderung bei uns in der Gekko Group mit sich gebracht. Geblieben ist aber unsere Leidenschaft, inspirierende Erlebnisse und persönliche Begegnungen zu schaffen. So lassen wir Meetings zu Live-Talkshows werden“, fassen Micky Rosen und Alex Urseanu das neue Veranstaltungsangebot zusammen.


Grenzen zwischen der realen und der virtuellen Welt verschwimmen lassen

Prof. Dr. Vanessa Borkmann (hier im Tophotel-Interview) ist Initiatorin und Forschungsleiterin des Projekts “Future Hotel”. (Foto: Fraunhofer IAO)

„Echte Erfahrung ist mit Emotionen verbunden“, machte auch Vanessa Borkmann, Forschungsleiterin und Initiatorin des Innovationsnetzwerkes Futurehotel des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) bei ihrem Vortrag auf der hybriden BOCOM-Konferenz unlängst klar. Die zentrale und branchenübergreifende Herausforderung, welche es noch auf unbestimmte Zeit zu meistern gilt, heißt „physical distancing“, so die Expertin.

Daher sei jetzt die Zeit jetzt reif für einen Urknall, so Vanessa Borkmann in ihrem Vortrag vor rund 200 physischen Teilnehmern der BOCOM (“Experience Boderless Communication”). Ziel müsse es nun sein, die Grenzen zwischen der realen und der virtuellen Welt verschwimmen zu lassen und so eine neue Realität zu kreieren. Diese bestehe neben der physischen aus der virtuellen und der erweiterten Realität (VR und AR). Mittels humaner und künstlicher Intelligenz kann eine solche Verschmelzung gelingen. Als bereits existierende Beispiele aus der Praxis seien digitale Weinverkostungen oder virtuelle Mittagsverabredungen in der Zeit des Corona Lockdowns zu nennen.

Virtuelle Zimmerbesichtigungen und augmented Shopping

Auch die Wahrnehmung des Zimmer-Designs beginne künftig schon vor dem physischen Besuch, ist sich Vanessa Borkmann, die auch für das Projekt Futurehotel verantwortlich zeichnet, sicher. Unter 1.000 Befragten einer Trendumfrage zu Erlebnisangeboten während des Hotelaufenthalts des Fraunhofer IAO wünschen sich rund Dreiviertel (74 Prozent), dass sie ihr Hotelzimmer vor dem tatsächlichen Aufenthalt virtuell besuchen und dabei sogar individualisieren können.

Auch virtuelle Shoppingerlebnisse seien fester Bestandteil der Zukunft. Dieses Szenario stelle allerdings nicht nur auf Online-Shopping ab, wie es die Gesellschaft nun schon viele Jahre kenne. Es umfasse vielmehr auch virtuelle Erlebnisse an realen Örtlichkeiten, weshalb die Wichtigkeit von 1A-Innenstadtlagen von Shops teilweise außer Kraft gesetzt werden könne. Mithilfe von smarten Technologien soll es künftig sogar gelingen, große Menschenansammlungen und lange Warteschlangen zu vermeiden, beispielsweise im Kultursektor oder bei Großveranstaltungen.

Laura Schmidt


 

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