Markendebüt „Hotels sind heute unnötig komplex geworden“

Reduziertes Design mit klaren Farbakzenten: Die Zimmer im Hiamo Hotel Hamburg-Bergedorf setzen auf funktionalen Komfort statt Überinszenierung.
Reduziertes Design mit klaren Farbakzenten: Die Zimmer im Hiamo Hotel Hamburg-Bergedorf setzen auf funktionalen Komfort statt Überinszenierung. © Hiamo Hotels

Mit dem Hiamo-Hotel Hamburg-Bergedorf führt Marco Nussbaum seine neue Marke auf dem deutschen Markt ein. Warum er dabei auf Reduktion statt Überinszenierung setzt.

Am Bergedorfer Hafen hat das erste Hiamo-Hotel eröffnet. Das Haus mit 129 Zimmern befindet sich am Weidenbaumsweg und positioniert sich im Dreisterne-Segment. Hinter der Marke steht der Hamburger Hotelier und Unternehmer Marco Nussbaum. Für den IHA-Vorstand und Mitgründer von Prizeotel ist es der Start eines Konzepts, das bewusst einen Gegenentwurf zu komplexen Lifestyle- und Full-Service-Modellen darstellen soll. Statt „mehr von allem“ setzt Hiamo auf den Leitsatz „Only what matters“.

„Wir glauben, dass viele Hotels heute unnötig komplex geworden sind, sowohl für Gäste als auch operativ“, erläutert Nussbaum auf Nachfrage von Tophotel. „Deshalb reduzieren wir bewusst dort, wo Dinge keinen echten Mehrwert mehr schaffen.“

Das Konzept setzt auf ein reduziertes Produkt mit Fokus auf Schlafkomfort, Duschen, WLAN und Frühstück. Gleichzeitig will Hiamo digitale Prozesse stärker integrieren. Gäste checken per Self-Check-in ein, perspektivisch soll auch das Smartphone als Zimmerschlüssel dienen. Eine klassische Rezeption entfällt.

Marco Nussbaum, Gründer von Hiamo: „Ein Hotelkonzept beweist sich nicht über Claims, sondern über den Alltag.“
Marco Nussbaum, Gründer von Hiamo: „Ein Hotelkonzept beweist sich nicht über Claims, sondern über den Alltag.“ - © Hiamo/Marco Nussbaum

Dennoch soll die persönliche Begegnung zentral bleiben: „Wir sind und bleiben ein People Business. Technologie kann viel, aber sie ersetzt nicht den echten Kontakt zwischen Menschen“, betont Nussbaum. „Am Ende sind es die Mitarbeitenden, die den Unterschied machen.“ Digitale Lösungen sollen vor allem operative Freiräume schaffen, heißt es.

Vor Ort verantwortet Manuel Dosz als Operations Manager das Haus. Er kennt die Immobilie bereits seit ihrer Fertigstellung. „Das ist wirklich eine großartige Konstellation und macht vieles leichter“, so Nussbaum.

Conversion statt Komplettumbau

Die Marke Hiamo versteht sich primär als „Conversion Brand“. Bestehende Hotelimmobilien sollen mit vergleichsweise überschaubarem Aufwand neu positioniert werden. Das Bergedorfer Hotel wurde zuvor unter mehreren Marken betrieben – zunächst als Ninetynine Hotel, später als Vienna House Easy by Wyndham. Anfang 2026 musste der damalige Betreiber nach einer Räumungsklage den Betrieb einstellen.

Für Nussbaum war die Immobilie zunächst zwar eine Gelegenheit, entscheidend seien jedoch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die Gespräche mit der Eigentümergesellschaft gewesen, berichtet er gegenüber Tophotel. Die Immobilie bleibt im Besitz der Eigentümergesellschaft; Hiamo führt das Haus als Mieter und Betreiber.

Die Entscheidung für den Standort Bergedorf sei dabei bewusst gefallen. „Viele Sekundärstandorte werden heute noch unterschätzt“, sagt Nussbaum. Der Stadtteil im Hamburger Osten verfüge über eine stabile wirtschaftliche Struktur, viele mittelständische Unternehmen sowie eine gute Erreichbarkeit der Hansestadt – bei gleichzeitig deutlich attraktiveren Kosten als in klassischen Innenstadtlagen. Die S-Bahn-Anbindung in Richtung Hamburger Hauptbahnhof sowie die Nähe zur Messe sollen Geschäfts- und Freizeitreisende gleichermaßen ansprechen.

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    Das Hiamo Hotel Hamburg-Bergedorf verfügt über 129 Zimmer in den Kategorien Cozy, Comfort und Superior.
    © Hiamo Hotels
    Das Hiamo Hotel Hamburg-Bergedorf verfügt über 129 Zimmer in den Kategorien Cozy, Comfort und Superior.
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    Manuel Dosz verantwortet als Operations Manager den Hotelbetrieb vor Ort. Er kennt die Immobilie bereits seit ihrer Fertigstellung.
    © Hiamo Hotels
    Manuel Dosz verantwortet als Operations Manager den Hotelbetrieb vor Ort. Er kennt die Immobilie bereits seit ihrer Fertigstellung.
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    Lobby-Lounge und Bar bilden den kommunikativen Mittelpunkt des Hiamo Hotels Hamburg-Bergedorf – bewusst offen gestaltet und ohne klassische Rezeption.
    © Hiamo Hotels
    Lobby-Lounge und Bar bilden den kommunikativen Mittelpunkt des Hiamo Hotels Hamburg-Bergedorf – bewusst offen gestaltet und ohne klassische Rezeption.
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    Reduziertes Design mit klaren Farbakzenten: Die Zimmer im Hiamo Hotel Hamburg-Bergedorf setzen auf funktionalen Komfort statt Überinszenierung.
    © Hiamo Hotels
    Reduziertes Design mit klaren Farbakzenten: Die Zimmer im Hiamo Hotel Hamburg-Bergedorf setzen auf funktionalen Komfort statt Überinszenierung.

Beim Umbau setzte das Unternehmen bewusst nicht auf eine Vollsanierung. „Wir haben das bestehende Inventar übernommen und sehr gezielt investiert“, führt Nussbaum aus. Verändert wurden unter anderem Teile der öffentlichen Bereiche, Prozesse rund um den Empfang sowie die technische Infrastruktur. Gleichzeitig habe man besonderen Wert auf Frühstück, Aufenthaltsqualität und die gesamte Guest Journey gelegt.

Zu den sichtbarsten Veränderungen zählt der Verzicht auf einen klassischen Empfangstresen. „Wir schaffen ihn ab, nicht weil wir weniger Service wollen, sondern weil wir glauben, dass echter Service nicht hinter einem Tresen entsteht“, sagte Nussbaum dem Hamburger Abendblatt. „Unsere Mitarbeitenden sollen frei im Raum agieren, präsent sein und auf Augenhöhe mit den Gästen interagieren.“

Die 129 Zimmer verteilen sich auf die Kategorien Cozy (14 qm), Comfort (16 bis 18 qm) und Superior (22 bis 24 qm). Die Raten starten laut Website ab 74 Euro ohne Frühstück; zur Eröffnung bietet Hiamo einen Opening-Deal ab 79 Euro inklusive Frühstück an.

Das Team des Hiamo Hotel Hamburg-Bergedorf setzt auf persönliche Gastfreundschaft und einen bewusst teamorientierten Ansatz.
Das Team des Hiamo Hotel Hamburg-Bergedorf setzt auf persönliche Gastfreundschaft und einen bewusst teamorientierten Ansatz. - © Hiamo Hotels

Teamkultur als Teil des Konzepts

Zum Start beschäftigt das Hotel rund zehn Mitarbeitende, darunter auch frühere Beschäftigte des vorherigen Betreibers. „Man hat sehr schnell gespürt, dass sich dort Menschen zusammenfinden, die wirklich Lust auf Gastfreundschaft haben und diesen Neustart mitgestalten wollen“, so Nussbaum.

Das Onboarding des Teams begleitete Hiamo gemeinsam mit Trainer Michael Sting, mit dem Nussbaum bereits zu Prizeotel-Zeiten zusammengearbeitet hatte. Im Mittelpunkt stand dabei nach Angaben Nussbaums nicht nur die operative Vorbereitung, sondern auch die Teamdynamik und Kommunikation. Ziel sei gewesen, die unterschiedlichen Persönlichkeiten innerhalb des Teams besser zu verstehen und dadurch die Zusammenarbeit bewusster zu gestalten.

Der starke Kulturfokus bei Hiamo ist dabei kein Zufall. Das Unternehmen verweist in seiner Unternehmensphilosophie unter anderem auf Einflüsse der hawaiianischen Huna-Lehre, deren Prinzipien laut Nussbaum vor allem als Inspiration für Zusammenarbeit, Verantwortung und Gastfreundschaft dienen sollen. „Die Huna-Lehre verstehen wir nicht als operatives Regelwerk, sondern eher als Haltungsthema“, sagt er.

Digitalisierung im Hintergrund

Im Technologiebereich setzt Hiamo unter anderem auf Apaleo, Like Magic, Dirs21, QR Quality Reservations und Assa Abloy. KI und Automatisierung versteht das Unternehmen dabei ausdrücklich als Unterstützung im Hintergrund. KI solle insbesondere administrative Prozesse, Kommunikation und Datenanalyse unterstützen – „aber nicht als Ersatz für menschliche Gastgeber“ dienen.

Parallel arbeitet Hiamo mit verschiedenen Preferred Partnern aus dem Netzwerk des Hotelverbandes (IHA) zusammen, darunter Servitex, Ada Cosmetics, Mice Desk, Online Birds und Vodafone Business.

Kontrolliertes Wachstum geplant

Ursprünglich hatte Nussbaum einen schnelleren Markteintritt der bereits 2022 gegründeten Hotelmarke geplant. „Gleichzeitig haben sich Marktbedingungen, Finanzierungsthemen und wirtschaftliche Rahmenbedingungen in den letzten Jahren massiv verändert“, erläutert er die Verzögerung. Rückblickend sei es vermutlich richtig gewesen, „auf den passenden ersten Standort zu warten“.

Beim Wachstum will Hiamo kontrolliert vorgehen. Das Unternehmen prüft nach eigenen Angaben weitere Conversion-Standorte, setzt dabei aber bewusst auf selektive Expansion. „Entscheidend ist für uns nicht die Geschwindigkeit, sondern dass Standorte wirtschaftlich, kulturell und strategisch wirklich zu uns passen“, so Nussbaum. „Wir wollen insgesamt keine ‚Ankündigungsweltmeister‘ sein, sondern Dinge lieber Schritt für Schritt sauber entwickeln.“