Internationaler Frauentag Männerdomäne Gastgewerbe? 4 Gastro-Expertinnen über Vorurteile, Mut und Chancen

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Der erste internationale Frauentag fand am 19. März 1911 in Dänemark, Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA statt. © StockAdobe/ Blue Planet Studio

Was schätzen Gastronominnen an ihrem Beruf? Und was raten sie anderen Frauen, die in der Branche durchstarten möchten? Darüber sprechen vier Expertinnen in einem gemeinsamen Interview zum Weltfrauentag.

“In die Gastronomie haben mich meine organisatorischen Fähigkeiten gebracht. Ich liebe das Miteinander mit Menschen, die Abwechslung jeden Tag und dass ich Menschen mit meiner Arbeit glücklich machen kann“, sagt Franziska Weidner. Sie gründete 2020 das Start-up Foodtruck United, das Foodtrucks für Events, Hochzeiten und andere Anlässe vermittelt und bei der Vermarktung unterstützt. Die Jung-Unternehmerin rät auch anderen Frauen, aufs Ganze zu gehen: "Wenn man will, dann kann man auch: Mädels, traut euch und macht einfach!“

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Gründerin des Start-ups Foodtruck United: Franziska Weidner. - © privat

Netzwerk Frau

Eva-Maria Seidl ist studierte Kulturwirtin und wuchs, wie sie selbst sagt, als "bayerisches Wirtshauskind“ auf. Seit mehr als zwölf Jahren arbeitet sie in der Gastro- und Hospitality-Brache und ist ehrenamtliche Vorständin beim Frauennetzwerk Foodservice. "Wir sind die größte, weibliche Initiative für Frauen aus Food, Hotellerie und Gastgewerbe im deutschsprachigen Raum mit dem Ziel, Frauen auf ihrem persönlichen und beruflichen Weg zu vernetzen und zu unterstützen.“

Braucht es Netzwerke, um Frauen in der Gastro zum Erfolg zu verhelfen? "Ich glaube, dass es Frauen in unserer Branche vielleicht sogar etwas leichter haben“, meint Seidl: "Weil sie tendenziell Menschen zugewandt und emotional greifbarer sind - Eigenschaften, die zu Kooperation und Netzwerken tendieren und insbesondere in diesen turbulenten Zeiten noch viel wichtiger sind.“

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Eva Maria Seidl ist ehrenamtliche Vorständin beim Frauennetzwerk Foodservice. - © privat

Das Gastro-Handwerk hat Isabella Hren von der Pike auf gelernt: "Bis heute, 30 Jahre später, hat die Gastro für mich nichts von ihrer Faszination verloren. Ich stamme aus einer Stahlgegend – der Einstieg in diese vielseitige Branche war wie ein Eintritt in eine neue Welt, in der sich interessante Türen und Karrierechancen eröffnet haben.“ Isabella Hren ist Geschäftsführerin der Bayern Tourist GmbH, wo sie "mit Dienstleistungen wie Aus- und Weiterbildung, Beratung oder Zertifizierung“ ihren persönlichen Beitrag für den Fortschritt im Gastgewerbe leistet.

Auch sie glaubt nicht, dass Frauen es in diesem Berufsfeld schwerer haben als Männer, trotz wenig familienfreundlicher Arbeitszeiten und mitunter noch altmodischem Schubladendenken: "Ich kenne wenige Branchen, in denen Frauen so große Chancen auf Führungspositionen haben. Ich denke, wenn wir Frauen uns das zutrauen, dann tun es auch alle anderen.“

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Geschäftsführerin der Bayern Tourist GmbH: Isabella Hren - © privat

Nicht immer alles rosig

Dass das in Einzelfällen auch schon mal anders laufen kann, haben zumindest Eva-Maria Seidl und Franziska Weidner erfahren. Letzterer wird nicht selten männliche Unterstützung am Steuer angeboten, wenn sie mit einem der Foodtrucks unterwegs ist. "Brauche ich mit meinem Truck Hilfe beim Einparken? Nein danke! Ich mache das selbst und genieße die Blicke, wenn ich es dann eins A "wie ein Mann“ gemacht habe“, schmunzelt die Jung-Unternehmerin. "Vorurteile nutze ich, um gezielt zu zeigen, dass sie für die Katz sind.“

Seidl erinnert sich an ein skurriles Vorstellungsgespräch: "Auf meine Frage, was das Unternehmen tut, um mehr Frauen in Führung zu bekommen, antwortete die Personal-Chefin als einzige anwesende Frau, sowas bräuchte es nicht bei ihnen, sie selbst hätte es ja auch geschafft. Als ich darauf verwies, dass es außer ihr trotzdem nur Männer in Führungspositionen gäbe, entgegnete der Geschäftsführer, man habe nichts gegen Frauen. Obwohl ich im gebärfähigen Alter sei, wäre ich ja schließlich auch hier zum Bewerbungsgespräch.“ Sie wünscht sich ein besseres Bewusstsein für die Bedürfnisse von Frauen, neue Modelle und Wege zu gehen, und appelliert an die Branche: "Wir können es uns heutzutage in keinem Unternehmen mehr leisten, so "altbacken“ mit diesem wichtigen Thema umzugehen.“

Sybille Steininger ist keine Freundin der Differenzierung nach Geschlecht, obwohl sie bekennt, vermutlich die einzige Frau im Bereich Vertrieb für Kassensysteme zu sein. Die studierte Betriebswirtschaftlerin hat als Beraterin in einer deutschen Großbank jahrelang Groß-Gastronomen betreut, bevor sie bei Gewinnblick, einem der größten Anbieter von Kassen- und Bezahlsystemen für die Gastronomie und Hotellerie in der DACH-Region, den Bereich Beratung und Vertrieb übernahm. An ihrer Arbeit mag sie die "unterschiedlichen Charaktere von Menschen“ und die Herausforderung, für immer wieder neue Anforderungen die passenden Lösungen und Konzepte zu finden.

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Sybille Steiniger ist als Betriebswirtschaftlerin für Kassen- und Bezahlsysteme der Branche für die Firma Gewinnblick tätig. - © Gewinnblick

Tipps für Newcomerinnen

Und welchen Rat würden die Gastro-Profis Newcomerinnen mitgeben wollen? Die Digitalisierungsberaterin Sybille Steininger rät besonders Gründerinnen: "Behaltet die Idee und die Ziele im Fokus, aber auch den Finanzplan und den Blick auf den Gewinn!“ Franziska Weidner appelliert ans Selbstbewusstsein: "Traut euch und steht zu euch und eurem Konzept“. Und Eva-Maria Seidl glaubt an die Stärke gemeinsamer Ideen. Sie fordert deshalb: "Vernetzt Euch, helft Euch gegenseitig, fördert einander und öffnet Türen - ihr werdet sehen, das kommt immer zu einem zurück!“