Logis Hotels Bollwerk gegen die französische "Ketten-Macht"

Bei der Tour de France unterwegs: der Logis-Konvoi (Bild: Logis Hotels)

In Frankreich gibt es alle 20 Kilometer ein Haus, das sich der Kooperation Logis Hotel & ­Restaurant angeschlossen hat. Europas größtes Netzwerk unabhängiger Hotels ist seit diesem Jahr Haupt­sponsor und Gastgeber der Tour de France. Aktuell auf gewaltigem Wachstumskurs, will Logis jetzt lauter auftreten und auch in Deutschland stark Terrain gewinnen.

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„Bonjour Logis“, ertönt es immer wieder auf den Straßen rund um Nîmes in Südfrankreich. Menschen jubeln den bunten Wagen zu und feiern ihre Tour de France 2019. Seit diesem Jahr sind die Logis Hotels & Restaurants im Begleitkonvoi dabei. Auf ihren vier Auto- und Busdächern thronen riesige Kissen- und Kochfiguren. Bei den anderen Sponsoren sind es gigantische Fahrräder, Wasserflaschen oder schäumende Waschmittelpackungen, begleitet von gutgelaunten Hostessen und lauter Musik.

Es ist die letzte Woche der Tour de France, die Nîmes-Etappe gilt nicht als schwierig, aber wichtig. Die Zuschauer feiern bereits am Morgen den Einzug des Begleitkonvois, die Fahrer steigen gegen Mittag auf die Räder, und an der Strecke postieren sich Familien mit Campingstühlen und reichlich Picknick. „Für viele sind die Wagen und abgeworfenen Goodies bereits ein Highlight“, sagt Konvoi-Fahrer Dominic, der schon viele Tour-Ausgaben erlebt hat. Für die Logis Hotels & Restaurants ist es die erste.

“Wir begleiten Profil und Ziele der Hoteliers – stets nach dem Motto: Bleibt unabhängig, aber nicht ­allein.“
Karim Soleilhavoup, Logis Hotel & ­Restaurant

Erst im Frühjahr 2019 hat die Kooperation den Hauptsponsor-Zuschlag erhalten, als einzige Vertreterin des Themensegments Hotel. Ein Coup, weil den Platz lange die Accor Hotels innehatten, und ein Geschenk, das sich Logis zum 70. Geburtstag gemacht hat. Für die nächsten drei Jahre tritt die Kooperation mit ihren ca. 2.400 Hotels und Restaurants als „Offizieller Ausrüster“ und „Offizieller Gastgeber“ des Radrennens auf. Damit fördern Landgasthöfe, Wellness- und Stadthotels, die manchmal nur zehn Zimmer haben, das drittgrößte medienrelevante Sportevent der Welt.

„Wir stellen den Tour-Beteiligten Zimmer nahe der Etappenorte zur Verfügung, laden Mitglieder, Partner und Medien auf die Tour-Wagen ein, starten Social-Media-Aktionen, und viele Häuser veranstalten Sommerfeste“, erläutert Logis-Generaldirektor Karim Soleilhavoup. Auch das Hôtel le Clos des Capitelles in Uchaud, zehn Kilometer von Nîmes entfernt, macht mit: Erst zwei Monate zuvor hatte das Ehepaar Baudin-Charpin den kleinen französischen Gasthof mit zwölf Zimmern übernommen und sich damit einen Traum erfüllt. Jetzt beherbergen sie sogar das Logis-Team aus der Pariser Zentrale, darunter die regionale Beraterin Laetitia Breton, Operations Director Nicolas Mirouze, der lange selbst ein Logis Hotel geführt hat, und Karim Soleilhavoup. Jedes Wochenende ist der Generaldirektor bei der Tour dabei, gibt im Logis-Poloshirt und Strohhut Interviews und unterstützt das 20-köpfige Logis-Tour-Team bei der Organisation der geplanten Aktionen. „Für uns alle ein ganz besonderes Erlebnis“, sagt der 45-Jährige, der seit zwei Jahren bei Logis ist.

Neue „Tante-Emma-Zentren“

Alle 20 Kilometer befindet sich in Frankreich ein Logis-Mitgliedshotel oder -restaurant – eine enorme Präsenz und Bekanntheit mit einem Wettbewerbsanteil im Land von zehn Prozent. Der Markt ist hart umkämpft: In Frankreich gibt es rund 3.900 Kettenhotels mit über 320.000 Zimmern, so die Zahlen von 2018. „Das bedeutet den in Europa größten Anteil der Kettenhotellerie – deshalb hatte sich Logis einst gegründet“, betont Karim Soleilhavoup, der selbst bei Accor tätig war. Mittlerweile zählt Europas größter Zusammenschluss unabhängiger Hotels mehr als 47.000 Zimmer in acht Ländern. 45 Prozent der Gäste-Reservierungen erfolgen außerhalb Frankreichs – auch durch den mit einer Auflage von 400.000 Exemplaren breit vertriebenen Logis-Guide in sechs Sprachen. 2018 generierten die Häuser des Netzwerks zusammen einen Umsatz von 59,3 Millionen Euro (plus 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr) – mit rund 18.000 Mitarbeitern, davon 60 in der Pariser Logis-Zentrale und 23 Logis-Mitarbeiter in den Regionen.

“Wir können bei Logis mit den regionalen und nationalen Unterschieden innovativ wachsen und so international wahrgenommen werden.“
Tina Wessollek, Logis Hotel & ­Restaurant

Die Tour de France ist ein wesentlicher Baustein der neuen Strategie „Logis Local“ und reiht sich in etliche Wachstums- und Erneuerungsmaßnahmen ein, die die Kooperation seit 2017 umsetzt. Bereits ein paar Jahre zuvor war die Mitgliederzahl aufgrund eines geschärften Qualitätssystems aktiv halbiert worden. Derzeit werden die Häuser für 2020 neu klassifiziert – weg von der leistungsbezogenen Einordnung über Kamine und Töpfe hin zu individuellen Themenbereichen und Erlebnissen, die die Hotels anbieten. „Die Hoteliers sollen sich selbst einschätzen und wählen können, ein viel zeitgemäßeres Modell. Wir begleiten ihr Profil und ihre Ziele – stets nach dem Motto ‚Bleibt unabhängig, aber nicht allein‘“, sagt Generaldirektor Karim Soleilhavoup.

Ein Novum in der gesamten Branche dürfte die derzeit lancierte Eigenmarke „Auberge de Pays by Logis“ sein: ein Handels- und Beherbergungskonzept in ländlichen Regionen, bei dem Hoteliers und Händler quasi neue, kleine „Tante-Emma-Zentren“ vor Ort werden. Ein Auberge de Pays by Logis umfasst dafür mindestens drei lokale Dienstleistungen: ein Verpflegungs- und Unterkunftsangebot mit bis zu neun Zimmern, ein Lebensmittelgeschäft / Backwarenverkauf und eine Paketannahme oder einen Zeitungsverkauf. „Das bedeutet die echte Integration in die Nachbarschaft und eine Wiederbelebung des ländlichen Raums, der heute vielerorts gewünscht wird. Wir wollen damit Lust aufs Gründen machen, auch bei Quereinsteigern“, so der Generaldirektor.

Darüber hinaus erhält derzeit das eigene PMS- und Channelmanager-System „Reservit“ neue internationale Schnittstellen. „Ein elementarer Schritt. Damit haben wir auch in Deutschland künftig alle Möglichkeiten“, betont Tina Wessollek, Mitglied des Verwaltungsrats der Fédération des Logis und Präsidentin der bisher 18 deutschen Logis-Hotels. Hinzu kommen umfassende Beratungen und Nachfolge-Coachings, die schon Jahre vor der jeweiligen Übergabe erfolgen sollen, sowie neue Angebote in der Logis-Académie. „Die Hotels vor Ort sind begeistert von den vielen neuen Themen. Sie saugen sie wie ein Schwamm auf“, sagt Laetitia Breton. Karim Soleilhavoup ergänzt: „Aber auch das Team ist besonders – 2018 haben wir die neuen Strategien entwickelt und 2019 bereits vieles umgesetzt, sodass wir 2020 wieder neue Strategien entwickeln werden. Das Team ist so schnell, das habe ich noch nie erlebt.“

100 in Deutschland

Die Zeichen stehen bei Logis allerorts auf Wachstum. Dazu gehört auch Logis`erstmaliger Kauf einer Marke: Seit 2019 gehört Citotel dazu, eine Stadthotelmarke mit rund 160 Häusern. Zudem wurde gerade eine strategische Kooperation mit Ôrigine Hotels in der kanadischen Provinz Quebec mit 24 Betrieben geschlossen. Und auch eine Expansion in die USA mit Restaurants sowie nach Marokko oder Tunesien kann sich Karim Soleilhavoup vorstellen. Aktuell möchte er jedoch vor allem nach Deutschland blicken, wo mittelfristig die Zahl der Mitglieder auf 100 ansteigen soll: „Privathotels gehören hier zur DNA der Branche. Mit unseren zeitgemäßen regionalen Konzepten und der internationalen Schlagkraft wollen wir ihnen allumfassende Möglichkeiten bieten, um sich für die Zukunft aufzustellen.“


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Die Logis-Aufnahmekriterien und das neue Klassement seien dabei Maßstab und Qualitätsgarant für die internationale Klientel. Zudem gehöre der Mitgliedsbeitrag zu den niedrigsten im Markt. „Wir können bei Logis mit den regionalen und nationalen Unterschieden innovativ wachsen und so international wahrgenommen werden“, betont auch Tina Wessollek, die ein Logis-Hotel in Sachsen betreibt. Einen eigenen inneren Wachstumsschub dürfte das Logis-Team 2019 dabei selbst erlebt haben – spätestens als die Kooperation im Konvoi bei der Tour de France auf den Champs-Élysées einfuhr und die ganze Welt dabei live zusah.

Sylvie Konzack

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