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Start Business & Management Kooperationsstrategien: So bringen Me and All die ganze Stadt in ihre Hotels

KooperationsstrategienSo bringen Me and All die ganze Stadt in ihre Hotels

Think globally, act locally”. Für zahlreiche Unternehmen ist dieser Leitsatz mittlerweile fester Bestandteil ihrer Unternehmensphilosophie und -strategie. Warum lokale Partner auch bei den Me and All Hotels eine maßgebliche Rolle spielen und inwiefern die Kooperation mit solchen eine Investition in die Gästeerfahrung darstellt, beleuchtet Holger Hanselmann, Hotelmanager des Me and All Hotel Mainz, im Interview mit Tophotel.

Holger Hanselmann ist seit 2018 bei Lindner Hotels und zeichnete in Mainz für die Eröffnung des zweiten Hauses der Marke Me and All Hotels verantwortlich, das er heute als Hotelmanager leitet. Zuvor war der gelernte Hotelfachmann zehn Jahre in führenden Positionen in den Bereichen F&B und Operations Management für Hilton Hotels tätig, unter anderem auf den Malediven und in München (Bild: Me and All Hotels)

Tophotel: Herr Hanselmann, welche Bedeutung kommt in Ihrem Hotel der Zusammenarbeit mit lokalen Partnern zu und in welchen Bereichen kooperieren Sie konkret mit Unternehmen aus der Mainzer Region?

Holger Hanselmann: Die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern, welche wir „Local Heroes“ nennen, ist bei Me and All Teil der Marken-DNA. Wir gehen sogar soweit, zu sagen, dass sie Teil unserer Daseinsberechtigung sind. Da Me and All ein Konzept ist, welches die Nachbarschaft ebenso ins Haus ziehen möchte wie internationale Gäste, sind insbesondere in unserer Bar und bei beim Austragen von (Kultur-) Events Partner aus Mainz und der Region sehr präsent. So beziehen wir zum Beispiel unseren Kaffee vom ortsansässigen Kaffeeröster, der auch persönlich ins Hotel kommt und die Kaffeemaschine einstellt. Bei unseren Wohnzimmerkonzerten, Stand-up Comedy Shows, Lesungen und vielen weiteren Formaten arbeiten wir mit Künstlern aus der Stadt zusammen und geben ihnen eine Bühne in unserem Hotel. Unsere Gastronomie ist unter dem Motto “Tischlein wechsle dich” von variierenden Pop-Up-Konzepten geprägt, für welche Gastronomen aus der Stadt unsere Hotelküche auf Zeit pachten. So standen bereits besondere Frittenvariationen und verschiedene Spezialitäten aus der Levanteküche auf der Speisekarte des Me and All Hotel Mainz.

Wie sind diese Kooperationen entstanden?

Die ersten Kooperationen resultierten aus der Beantwortung zahlreicher simpler Fragen, die wir unserem Team stellten: Welchen Kaffee trinkt ihr am liebsten? Welches ist dein Lieblingsbier? Auf welche Restaurantbesuche freust du dich am meisten? Basierend auf dieser Konsumerfahrung haben wir zu Beginn passende Produzenten angesprochen und ihnen unsere Idee vorgestellt. Mittlerweile hat sich unser Local Hero Konzept in Mainz herumgesprochen und potentielle Partner kommen auch gezielt auf uns zu.

Wie schnell konnten Sie Ihr lokales Netzwerk aufbauen?

Der Aufbau eines lokalen Netzwerks kann sicherlich sehr schnell gelingen, wenn man alles daransetzt. Allerdings bin ich der Überzeugung, dass ein tragfähiges Netz eher langsam, dafür aber kontinuierlich gesponnen werden sollte. Nur so können wir sicherstellen, dass die Partner, mit denen wir zusammenarbeiten, auch zu 100 Prozent zu uns passen. Dass die Geschichte, die ihr Unternehmen erzählt, dazu beiträgt, dass wir unsere eigene Story, die mit unserem Markennamen beginnt, sich im Design widerspiegelt und so weiter, fertig erzählen können – so nenne ich es immer. Dabei legen wir einerseits sehr großen Wert auf Qualität und andererseits liegt uns ein nachhaltiges Wirtschaften am Herzen. Daher gilt es, mögliche neue Partner sehr gut kennenzulernen und eine Vertrauensbasis zu schaffen.

Welchen Mehrwert schöpfen Sie aus der Zusammenarbeit mit lokalen Partnern?

Der größte Mehrwert liegt in meinen Augen in dem Mehrwert, den wir unseren Gästen durch das Erleben unserer Local Heroes bieten können. Der Geschäftsreisende, der jeden Abend in einer anderen Stadt verbringt, hat nach einem anstrengenden Tag in unserer Bar die Möglichkeit, die Persönlichkeit der Stadt zu schmecken, ohne das Hotel verlassen zu müssen. Leisure Gäste können im Hotel Konzerte besuchen oder an Yoga Sessions teilnehmen und so echtes Lokalkolorit erleben. Wir fassen das mit dem Slogan „die ganze Stadt in deinem Hotel“ zusammen.

Einen persönlichen Mehrwert ziehe ich aus den einzigartigen Effekten, die sich aus unseren Kooperationen ergeben. Unsere Brauerei hat uns zum Beispiel vorgeschlagen, ein eigenes Etikett für das Pils, das wir bei uns ausschenken, zu gestalten. Dieses hat nun ein Mainzer Illustrator für uns erstellt. Das macht einfach Spaß.

Wie kompensieren Sie etwaige höhere Preise für lokale Produkte und Dienstleistungen?

Die teils durchaus höheren Einkaufspreise geben wir nicht an unsere Gäste weiter. Denn wir möchten ihnen die Möglichkeit geben, Produkte aus kleinen Manufakturen zu Preisen kennenzulernen, die mit den Preisen von auf Masse produzierten Gütern mithalten können. Die dadurch für uns geringere Marge wollen wir nicht kompensieren, sondern sehen diese als Investition in unsere Qualität und in das Gästeerlebnis.

Wie können auch schlank aufgestellte Hotels den Mehraufwand meistern, der durch die Zusammenarbeit mit vielen kleinen Akteuren entsteht, anstatt die Mehrheit der Produkte gebündelt von einem Lieferanten zu beziehen?

Der Aufwand, der durch eine eingehende Recherche und das anschließende Kennenlernen von potentiellen lokalen Partnern inklusive Produkttests entsteht, ist aus meiner Sicht ein zwingend notwendiger, wenn man es ehrlich meint und gut machen möchte. Um aber einen riesigen Pool kleiner Zulieferer, die dann einzeln ihre Rechnung schicken und so weiter, zu vermeiden, haben wir beispielsweise alle Produzenten, mit denen wir gerne zusammenarbeiten möchten, bei unserem Getränkegroßhändler listen lassen. Dafür haben wir alle Beteiligten an einen Tisch gebracht und sind dabei erfreulicherweise auf große Resonanz gestoßen. In den wenigen Fällen, in denen eine Listung beim Großhändler nicht möglich ist, weil der lokale Produzent vielleicht noch zu klein ist, beißen wir aber in den figurativen sauren Apfel, bestellen direkt und nehmen diesen Mehraufwand gern in Kauf. Unser digitalisiertes Dokumenten- und Rechnungsmanagement hält die daraus entstehenden Effizienzeinbußen zudem auf einem sehr geringen Niveau.

International bekannte Marken geben ein Gefühl von Vertrautheit. Wie begegnen Sie der Nachfrage nach solchen?

Grundsätzlich soll unser Local Hero Konzept keinesfalls die Botschaft vermitteln, dass globale Player, wie etwa im Limonadenbereich, schlecht sind. Ganz im Gegenteil, wir führen auch große Marken in unserem Haus. Allerdings wollen wir unseren Gästen vermitteln, dass es eine Vielzahl lokaler Produkte gibt, die viel kürzere Lieferwege haben. Unsere Brauerei etwa ist ganze 700 Meter vom Hotel entfernt. Alle 15 Weine, die wir ausschenken, sind von Mainzer Winzern. Unsere Eiscreme stammt aus einer Mainzer Eismanufaktur, die täglich frisch und viele vegane Sorten wie beispielsweise Riesling produziert. Diese Dinge müssen wir natürlich erklären und das bereitet uns große Freude.

Wo setzen Sie nach wie vor auf globale Akteure und aus welchem Grund?

Immer dann, wenn wir keine qualitativ hochwertige lokale Alternative zu einer großen, globalen Marke auftun können, setzen wir auf etablierte Produkte. Das betrifft beispielsweise Reinigungs- und Hygienemittel im Housekeeping oder ausgewählte Artikel auf unserer Bar- und Getränkekarte, etwa Limonaden.

Während des Corona Lockdowns gewann die Devise „Support Your Local“ eine nie dagewesene Bedeutung. Konnten Sie Ihre Local Heroes in dieser Zeit, die auch für Sie selbst schwierig war, noch in Szene setzen?

Die Zeit des Corona Lockdowns haben wir dazu genutzt, einen Local Hero Shop in unserer Lobby aufzubauen. Dort gibt es nun die besten Mainzer Produkte, die der Hotelgast genauso wie der Passant aus der Nachbarschaft als Mainzer Mitbringsel erwerben kann. Die Auswahl reicht dabei von Gläsern über Streetwear bis hin zu Viktualien und Spirituosen. So haben unsere Local Heroes einerseits einen zusätzlichen Vertriebskanal gewonnen und profitieren andererseits von einer nationalen und teilweise internationalen Steigerung ihrer Bekanntheit, wenn Hotelgäste aus ganz Deutschland und Europa die Produkte als Geschenk mit nach Hause nehmen.

Die Mainzer haben nun eine zentrale Anlaufstelle, um all ihre lokalen Lieblingsprodukte zu kaufen. Sie müssen also nicht mehr extra zum Kaffeeröster, zum Getränkefachmarkt, zur Eismanufaktur und so weiter. Und nicht zuletzt profitieren auch wir von diesem Shop-Konzept, da wir einerseits den Platz in unserer Lobby dekorativ bespielen, andererseits eine kleine Marge erzielen.

Der während des Lockdowns konzipierte und fertiggestellte Local Hero Shop kommt auch bei den Mainzern gut an (Bild: Me and All Hotels)

Die Me and All Hotels sind mittlerweile in vier deutschen Städten vertreten und wachsen in den kommenden Jahren weiter. Kommt in jeder Stadt ein individuelles Netzwerk lokaler Partner zum Tragen?

Ja, tatsächlich verfügt jedes Me and All Hotel zu Teilen über andere Produkte. So trinkt der Gast in jedem Hotel der Kette einen anderen Kaffee, ein anderes Feierabendbier und so weiter. Ich habe die Reaktion der Gäste selbst mit Spannung verfolgt. Es wünschen sich womöglich doch viele eine gewisse Verlässlichkeit. Doch seit wir unsere Local Hero Konzepte implementiert haben, stoßen wir auf durchweg positives Feedback. Das spricht in meinen Augen für eine hohe Kongruenz von beabsichtigter und realer Klientel.

Wird es künftig einen kettenweiten „Local Hero Manager“ geben?

Verantwortlich für den Auf- und Ausbau sowie für die Pflege des individuellen Local Hero Netzwerks ist immer der Hotelmanager. Dies unterstreicht einerseits die Bedeutung, die diesem Thema in unseren Hotels zukommt. Andererseits vermag der Hotelmanager auch branchenübergreifend Netzwerke zusammenzuführen. Eingeladen, das Netzwerk anzureichern, ist aber natürlich das gesamte Team. Und hier erfahren wir großes Engagement.

Interview: Laura Schmidt

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