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StartHotel+TechnikKlimaschutzinitiativen::So engagieren sich Hoteliers

KlimaschutzinitiativenSo engagieren sich Hoteliers

Nachhaltigkeit hat sich vom „Trendthema“ zum Muss für verantwortungsvolles Unternehmertum entwickelt. Auch immer mehr Hoteliers engagieren sich, werden Mitglied beziehungsweise Unterstützer von Nachhaltigkeitsinitiativen. Vier von ihnen haben uns ihre Beweggründe, Auswahlkriterien und Erfahrungen geschildert.

„Meinen Vater nannten sie immer den ‚grünen Spinner‘ und ich habe nichts dagegen, genauso ein ‚Spinner‘ zu sein“, zeigt Ben Förtsch Flagge. In dritter Generation führt er das Creativhotel Luise im fränkischen Erlangen, ein klimapositives Business- und Stadthotel, das Umwelt- und Klimaschutz frühzeitig auf die Agenda gehoben hat. Sogar ein „nachwachsendes Hotelzimmer“ nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip wurde inzwischen eingerichtet. Das ist ein Ansatz für eine durchgängige, konsequente Kreislaufwirtschaft.

Das Unternehmen ist Mitglied im Umweltpakt Bayern und der regionalen Fairtrade Lenkungsgruppe. Außerdem geht Förtsch mit seinem Team bei „Fridays for Future“ auf die Straße und hat die Stellungnahme „Entrepreneurs For Future“ (E4F) unterschrieben, um nur einige Engagements zu nennen.

„Wir legen aber mehr Wert aufs Handeln als aufs Unterzeichnen“, betont Förtsch. Als Entscheidungskriterien für seine Aktivitäten nennt er: „Was nach Greenwashing aussieht, kommt erst gar nicht in Frage. Entscheidend ist, dass wir einen Beitrag zur jeweiligen Initiative leisten, also Erfahrungen weitergeben und anderen helfen können, einen nachhaltigeren Weg zu gehen. Beziehungsweise umgekehrt: Dass wir etwas für uns mitnehmen und lernen können, ohne tief dafür in die Tasche greifen zu müssen.“

Sich stetig weiterentwickeln

„Wir möchten ein Leuchtfeuer sein“, heißt es aus dem Hotel Soulmade in München-Garching, das zu den Derag Livinghotels gehört und sich ebenfalls bei Entrepreneurs For Future engagiert. „Im Rahmen von E4F können wir gemeinsam mit anderen Unternehmen aktiv werden“, so Ole Kloth, Director of Development. „Es ist an der Zeit, sich zu bekennen und nicht nur Marketing-Parolen auszurufen.“

>> Hotel Soulmade: Mini-Park mit Überraschungen

Das Soulmade ist nahezu komplett aus Holz gebaut, und für jeden verwendeten Baum wurden in Kooperation mit Plant for the Planet zwei neue Bäume gepflanzt. Auch für jeden direktbuchenden Gast wurde bisher ein Baum gespendet. Nach fünf gemeinsamen Jahren wird die Partnerschaft mit der Organisation jetzt jedoch beendet. Journalistische Recherchen hatten Zweifel an der korrekten Stiftungsarbeit aufkommen lassen, die Soulmade gegenüber nicht transparent genug ausgeräumt wurden. Der Hotelbetrieb zog die Konsequenz und orientiert sich neu: „Wir sind mit den Organisationen Puro.earth und Sea Shepherd im Gespräch“, so Ole Kloth, dem bewusst ist: „Wer ehrlich nachhaltig sein will, muss sich stetig weiterentwickeln.“

Bewusstsein wird steigen

Das Fünfsternehotel Franks in Oberstdorf im Allgäu engagiert sich bereits seit den 1970er-Jahren in Sachen Umweltschutz. Schon damals wurde ein Hallenbad mit Wärmerückgewinnung installiert. „Seitdem haben wir eine Menge unternommen und suchten nach einem ‚Hut‘ für die Vermarktung all unserer Aktivitäten“, erläutert Gastgeber Robert Frank. Fündig wurde er bei der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ).

„Das ist eine Organisation, die gebündelt und glaubwürdig – beides war uns wichtig – verschiedenste ökologische und soziale Aspekte abdeckt.“ 2018 wurde erstmals eine Gemeinwohlbilanz erstellt, eine weitere soll folgen, „denn wir möchten uns weiter verbessern“, so Frank. Noch stehe der Zugewinn in der Gästegewinnung in keinem Verhältnis zum enormen Aufwand, der damit verbunden sei, „aber wir möchten als nachhaltig wahrgenommen werden und sind überzeugt, dass das Bewusstsein dafür steigen wird“.

>> Christiane Hütte im #Monotalk: Über Gemeinwohl-Bilanz in der Hotellerie

Wirtschaftlich interessant

Michael Stober, Geschäftsführer des Landguts Stober im brandenburgischen Nauen, kann genau das bereits belegen, denn er hat die Universität Potsdam mit einigen Erhebungen betraut und führt selbst Kundenbefragungen durch. „2012 lag der Anteil derer, die uns bewusst als klimapositives Hotel buchten, noch bei 25 Prozent, heute beträgt er weit über 50 Prozent.“ Aus dem Landgut Deutschlands nachhaltigstes Tagungshotel zu machen – „was wir, durch mehrfache Auszeichnungen bestätigt, nunmehr seit Jahren sind“ –, sei nicht sein primäres Ziel gewesen, so Stober. „Meine Hauptmotivation war es, ein Haus zu bauen, das in der Betriebsphase möglichst wenig Geld kostet.“

Das Ergebnis: Mit Photovoltaik wird eigener Strom erzeugt, mehr als 50 Prozent der Biomasse für die Hackschnitzelheizung stammt aus dem eigenen Wald. „Die Anlage hat 180.000 Euro mehr gekostet als eine Gasheizung, doch wir haben 60.000 Euro Fördermittel erhalten und bereits nach zwei Jahren den Break-even-Point, die Gewinnschwelle, erreicht“, so Stober. Allein die Regenwassernutzung für die Toilettenanlagen spart 50 Prozent der Frischwasserkosten. Wie das Hotel im Vergleich zu konventionellen Hotels finanziell performt, hat er auch analysieren lassen. Das Resultat: „Wir könnten aufgrund der Summe unserer Maßnahmen im Nachhaltigkeitsbereich um 4,6 Prozent preiswerter als diese anbieten.“

Der Hotelchef ist in sage und schreibe 40 Netzwerken aktiv – vom Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft bis zum Bioverband Demeter. 2017 hat sich das Landgut auch der GWÖ angeschlossen, Stober ist inzwischen sogar Vorstandsvorsitzender der GWÖ Berlin-Brandenburg. „Ich erhalte sehr viele Impulse und Anregungen. Die Erstellung der Gemeinwohlbilanz bringt zudem in hohem Maß Struktur in die eigene Vorgehensweise“, resümiert er. Im Zuge seines GWÖ-Beitritts hat er sich entschieden, die Mitarbeitenden mit 20 Prozent an den jährlichen Gewinnen zu beteiligen. Weitere 20 Prozent werden gespendet beziehungsweise gestiftet, wobei das Team und neuerdings auch die Gäste mitentscheiden können, wohin das Geld fließt.

Stefanie Hütz

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