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StartHotel+TechnikGebäudetechnikKlimafreundliche Energieversorgung im Hotel Ross Schweinfurt::"Auf jeden Fall ein gutes Gefühl"

Klimafreundliche Energieversorgung im Hotel Ross Schweinfurt"Auf jeden Fall ein gutes Gefühl"

Das traditionsreiche Hotel Ross in Schweinfurt setzt bei der Energieversorgung auf Blockheizkraftwerke (BHKW), die gleichzeitig Strom und Wärme produzieren. Das ermöglicht es, die Betriebskosten moderat zu halten und die entstandene Wärme nicht nur zum Heizen, sondern auch zum Kühlen zu nutzen.

Mitsteter Modernisierung behauptet sich das familiengeführte Hotel Ross auch in vierter Generation als Business-Stadthotel der gehobenen Kategorie am Schweinfurter Hotelmarkt. Mit rund 50 Zimmern, einem Restaurant mit 120 Sitzplätzen sowie einer Vinothek mit 60 Sitzplätzen verfügt es über einen Größe, die einen großen Energiebedarf verursacht, etwa durch Beleuchtung, Klimaanlage oder die Unterhaltungselektronik. „Ein Hotel ist immer ein Energie-Großverbraucher“, sagt Inhaber Julius Süß. Die größten Posten fallen dabei für die Heizung und die Warmwasserbereitung an. Hinzu kommt, das die Familie die Küche im Jahr 2020 vollständig von Gas auf Strom umgestellt hat. In Zeiten steigender Energiepreise sind das alles Faktoren, die bei der Kalkulation der Energiekosten berücksichtigt werden müssen.

Erste BHKW-Anlagen in den 1990er-Jahren

Bis zum Jahr 1997 setzte die Hoteliersfamilie zur Deckung des immensen Energiebedarfs im Bereich der Wärme auf Öl. Der Verbrauch lag pro Jahr bei 55.000 Litern. Den Strom bezog das Hotel separat aus dem öffentlichen Stromnetz. „Bereits in den 1990er-Jahren haben wir über einen Freund von den damals neu entwickelten Blockheizkraftwerken des Unternehmens Senertec mit Sitz in Schweinfurt erfahren“, so ­Julius Süß. Daraufhin zogen noch vor der Jahrtausendwende zwei Senertec-Anlagen des Typs „Dachs 5.5“ im Hotelkeller ein.

Die Blockheizkraftwerke arbeiten nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung. Ein Gasmotor treibt einen Generator an, der Strom erzeugt. Die dabei entstehende Abwärme des Motors dient als Heizenergie. Damit nutzen die Dachs-Blockheizkraftwerke den eingesetzten Energieträger besonders effizient. Der Strom kann gegen eine Einspeisevergütung sowie einen lukrativen Zuschlag gemäß Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz in die öffentliche Stromversorgung eingespeist oder selbst genutzt werden.

Außenansicht des Hotels. (Bild: Hotel Ross)

Bereits die ersten beiden Anlagen brachten eine deutliche Reduzierung der Energiekosten und halfen, den CO₂-Ausstoß im Vergleich zur reinen Ölheizung zu reduzieren. Dennoch wollte Familie Süß den Hotelbetrieb noch nachhaltiger und klimafreundlicher gestalten. Daher entschloss sie sich, die beiden alten Anlagen ab dem Jahr 2010 gegen drei neue des Typs „Dachs 5.5“ und eine große Anlage des Typs „Dachs 20.0“ zu ersetzen. Gemeinsam hat diese Kaskade eine elektrische Leistung von 36,5 Kilowatt und eine thermische Leistung von 73,6 Kilowatt.

Der Strombezug hat sich durch die Eigenproduktion um 60 Prozent reduziert. Dabei speist die Familie in den Nachtstunden, wenn nur ein geringer Strombedarf besteht, die Anlagen zum Heizen aber weiterlaufen, sogar noch Überschüsse gegen Vergütung in das Stromnetz ein. Ein weiterer Vorteil: Mit den Blockheizkraftwerken kann das Hotel auch eine Stromtankstelle mit eigenem Strom versorgen. So können Gäste, die mit Elektroauto anreisen, bequem vor dem Haus mit dem selbst erzeugten Strom tanken.

Kühlen mit selbst erzeugter Wärme

Der Betrieb von Blockheizkraftwerken zielt darauf ab, möglichst lange Betriebszeiten zu erreichen. Denn nur während die Anlage läuft, kann sie Strom erzeugen. Grundvoraussetzung dafür ist ein durchgehend hoher ­Wärmebedarf. Was im Winter aufgrund der Heizung kein Problem ist, reduziert sich im Sommer drastisch, wenn nur noch die Warmwasserbereitung Wärme benötigt.

„Die Klimatisierung der Räume war die Lösung“, so Julius Süß. „Hierfür setzen wir eine Absorptions-Kältemaschine ein.“ Anders als eine klassische strombetriebene Klimaanlage nutzt diese Wärme als Antriebsenergie. Das bedeutet: Die von den Blockheizkraftwerken erzeugte Wärme wird durch die physikalische Umwandlung zu Kälte. Das vermeidet einerseits den hohen Stromverbrauch, durch den Klimaanlagen eigentlich als „Energiefresser“ gelten, andererseits besteht nun über das gesamte Jahr hinweg ein durchgehend hoher Wärmebedarf im Hotel. So erzielen die Anlagen Laufzeiten von jeweils rund 6.500 bis 7.000 Stunden im Jahr.

Seit der Inbetriebnahme von drei BHKW-Dachsen 5.5 und eines Dachs 20.0 hat das Hotel Ross seit 1.436 Tonnen CO2 vermieden. Die Energieversorgung gestaltet sich somit wirtschaftlich wie umweltfreundlich. (Bild: Senertec)

Mit den ersten beiden Dachs-Anlagen produzierte das Hotel seit der Inbetriebnahme bis 2013 mehr als 1,6 Millionen Kilowattstunden klimafreundlichen Stroms und vermied damit rund 431 Tonnen CO₂-Emissionen. Das entspricht der Aufnahmefähigkeit von rund 700.000 Quadratmetern Waldfläche. Die drei neuen Dachs-Geräte haben seit ihrer Inbetriebnahme diese Menge mit 1.436 Tonnen bereits übertroffen. Darüber hinaus tragen zur Klimafreundlichkeit des Hotels noch weitere Maßnahmen wie die Wärmerückgewinnung der Lüftungsanlage bei. Julius Süß resümiert: „Es ist auf jeden Fall ein gutes Gefühl, kein Umweltsünder zu sein.“


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