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StartBusiness & ManagementMonotalkKatharina Sandtner im #Monotalk::Über die Bedeutung von Medical Wellness

Katharina Sandtner im #MonotalkÜber die Bedeutung von Medical Wellness

2022 eröffnet mit dem Lanserhof Sylt das vielleicht ambitionierteste Gesundheitshotel Deutschlands. Dr. Katharina Sandtner, ärztliche Direktorin der Lanserhof-Keimzelle bei Innsbruck, ist dem Unternehmen seit ihrer Kindheit verbunden. Im Gespräch erläutert sie, warum ein Aufenthalt dort kein Wellnessurlaub ist, was für sie die Basis der Gesundheit darstellt, und weshalb weniger aus ärztlicher Sicht zuweilen mehr ist.

Tophotel: Frau Dr. Sandtner, in Beschreibungen Ihres Hauses fallen die Begriffe Healing Hotel, Medical Spa, Gesundheitsresort – was ist der Lanserhof?

Dr. Katharina Sandtner: Alle diese Begriffe passen, denn wir haben eine sehr heterogene Klientel: diejenigen, die präventiv etwas an ihrem Befinden verbessern möchten, aber auch diejenigen, die bei uns einen Ort suchen, an dem sie Erkrankungen schulmedizinisch und ganzheitlich angehen können. Wir haben eine bunte Gästemischung von 18- bis 98-Jährigen.

Gäste oder Patientinnen und Patienten?

Beides – wir sind eine Symbiose aus Hotel und Klinik. Die Kombination aus Hotel und Gesundheit ist aus dem Spa-Bereich bekannt. Bei uns ist der Unterschied, dass alles nach ärztlicher Verordnung und unter Aufsicht abläuft. Die Idee ist nicht ein Urlaub, bei dem man eine Heilmassage oder ein Kosmetikprogramm bucht, sondern das Besprechen der individuellen Bedürfnisse – abgesegnet durch den behandelnden Arzt. Jeder ist in dem Moment Patient, auch wenn er nicht krank ist; in der Präventivmedizin findet man immer etwas, an dem man arbeiten kann. Mit jedem Gast-Patienten wird ein eigenes Programm kreiert.

Sie arbeiten mit dem sogenannten Lanserhof Concept. Was verbirgt sich dahinter?

Naturheilkunde trifft modernste Medizin. Basis ist die Darmgesundheit. Alte Sprichwörter sagen: Der Tod sitzt im Darm. Der Darm ist die Wurzel des Organismus. Unser Ansatz ist eine individuell abgestimmte Diätstufe, von Fasten bis Schonkost, um das Darmsystem zu beruhigen. Andererseits geht es auch um die Entgiftung des Körpers. Im Lanserhof Concept passiert sehr viel: schulmedizinisch-diagnostische Abklärung, ganzheitliche Medizin, Fasten – dabei arbeiten wir mit Spezialisten aus dem universitären Bereich. Parallel arbeiten wir im Bewegungs- und ästhetischen Bereich und in der Energiemedizin, also von Biorhythmen bis zum Schamanismus. Jeder Patient findet das, was individuell das Richtige ist.

Von wem wurde das Konzept entwickelt?

Es war ein Prozess über die letzten 30 Jahre. Nicht ein Kopf hat es entwickelt – Ursprung ist der Kraftort Lans in Tirol mit Mitarbeitern, die durch ihre Ausbildungen und Erfahrungen immer wieder Know-how in das Haus getragen haben. Wir kommen aus der klassisch-österreichischen Kurmedizin nach Dr. F. X. Mayr, die haben wir stark weiterentwickelt, an die Bedürfnisse unserer Klientel angepasst. Psychologie und Körpertherapie sind dabei wichtig. Angefangen hat es mit einfachen Kuranwendungen – irgendwann wurde klar, dass es ein eigenes Konzept geworden ist, mit den Schwerpunkten Ernährung und Bewegung. Mit der Lanserhof-Kur haben wir uns über das Haus hinaus erweitert: Tegernsee, Hamburg, London, und als nächstes eröffnet der Lanserhof Sylt.

Auf Ihrer Website steht: „Europas erste Adresse für modernste Medizin“. Was bedeutet das für Sie?

Wir können den neuesten Stand an Geräte- und Labormedizin zur Diagnostik bieten. Für mich bedeutet modernste Medizin auch, über den Tellerrand zu schauen und den Organismus als Ganzes zu sehen. Wenn die Schulter schmerzt, schaue ich mir vielleicht auch einmal die Leber an. Bei uns läuft es nicht wie in einer klassischen Klinik ab, bei der man jede Fachrichtung durchläuft, sondern der behandelnde Arzt dirigiert: Er führt den Patienten durch den Weg der Entgiftung, auf dem körperlich und seelisch sehr viel passiert.

Wie sind Sie zum Lanserhof gekommen, und was reizt Sie an Ihrer Arbeit?

Mein Bezug zum Lanserhof ist sehr eng, weil das Haus in meinem Heimatort liegt. Im Studium war ich in einer hausärztlichen Praxis, in der viel mit Alternativmedizin behandelt wurde. Mich hat immer auch das „Andere“ gereizt, der Gedanke: Da gibt es noch mehr zwischen Himmel und Hölle, als wir uns vorstellen können. Ich hatte früh den Wunsch, individueller zu arbeiten – nach meiner Zeit am Uniklinikum Innsbruck wusste ich, dass ich an einen Ort gehöre, an dem ich mehr darf als in der Akutmedizin. Diese Möglichkeit habe ich am Lanserhof bekommen. Als Studentin hatte ich hier schon als „Mädchen für alles“ gearbeitet – von Rezeption bis Koffertragen – und vor zehn Jahren habe ich dann als Ärztin angefangen. Jetzt bin ich ärztliche Direktorin und halb Arzt und halb für die Organisation und Mitarbeiter verantwortlich.

Prävention und Prophylaxe sind Schwerpunkte Ihrer medizinischen Arbeit – gibt es für Sie allgemeingültige Empfehlungen?

Gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und bestimmte Nahrungsergänzungsmittel. Elegant ist natürlich, wenn man nachschaut: Was brauche ich für ein funktionierendes Immunsystem? Da komme ich wieder auf den Darm zurück, von unserer Darmflora und -schleimhaut geht viel aus. Wenn dieses Regelwerk nicht richtig funktioniert, dann brodelt im Körper schon etwas, ohne dass es jemand merkt. Solche Entzündungsprozesse im Körper laufen über Jahre ab. Es geht darum, diese festzustellen.

Wie lange bleiben die Gäste, um ihrem gesundheitlichen Befinden auf den Grund zu gehen?

Minimum für den Aufenthalt ist eine Woche. Für eine erste Kur sollte man sich ein bisschen mehr Zeit nehmen – die Wiederholungstäter wissen dann schon, wie viel Zeit sie jeweils brauchen.

Inwiefern erzeugt die Vermischung von Hotel und Klinik ein Spannungsfeld an widersprüchlichen Gefühlen?

Das Ambiente bei uns ist so, dass niemand das Gefühl hat, er ist in einer Klinik. Wir profitieren stark von unserer Atmosphäre, die sehr fein, sensibel und familiär ist. Es ist alles unaufgeregt mit organischen Linien und feinem Farbbild. Große Fensterfronten mit freiem Blick in eine imposante Natur. Es ist friedlich bei uns – ein Ort zum Runterkommen, an dem so viel passiert, das man nicht messen oder beschreiben kann. Deshalb kommen viele immer wieder.

Die Preise für einen Aufenthalt starten bei 4.000 Euro pro Woche. Wer sind Ihre Gäste?

Der Großteil kommt aus Deutschland, dann Schweizer und viele Engländer – wir haben Stammgäste von überall – aus New York, Afrika, Russland, Skandinavien oder Italien.
Darmgesundheit und Fastenkur klingen allerdings erstmal nicht nach einem entspannten Wellnessaufenthalt …

Es passiert so viel im Körper, wenn man entgiftet. Da kann es einem auch mal sehr schlecht gehen. Deshalb mag ich hier auch den Begriff Wellness nicht so gern. Da wird man „nur“ verwöhnt. Zu fasten, das ist ein Entschluss, den man selbst mental formt – der Gast will bei uns etwas erreichen. Ich muss abschätzen, wie viel ich ihm in der aktuellen Lebensphase zumuten kann. Mein Anspruch ist, dass jeder Patient genau versteht, was ich machen will, nur dann setzt er es auch um. Bei einem Aufenthalt im Lanserhof wird man „geimpft“, da spürt man, was ist, wohin man will und geht motiviert heim und ändert etwas. Früher kam erst mit der Midlife-Crisis die Frage nach der Gesundheit. Heute überlegt ein 20-Jähriger, ob es richtig ist, was er isst. Und durch beruflichen Druck sind Manager, die zu uns kommen, mit 30 Jahren schon vorgealtert.

Das klingt auch nach Selbstoptimierung. Was ist mit dem Vertrauen in die eigenen Instinkte?

Es ist unser Ehrgeiz, dass jeder wieder anfängt, sich zu spüren. Aber manche Menschen funktionieren besser, wenn sie sich „tracken“. Toll ist, wenn ich jemanden zum Atemtherapeuten schicke, und er spürt, was mit den Ruhenerven passiert, wenn er tief in den Bauch atmet. Ich habe gelernt, offen zu sein. Wir hören zu und schauen, wie wir unser Gegenüber abholen. Beim Fasten öffnen sich Menschen, es kommen Baustellen zum Vorschein, dafür müssen wir gewappnet sein. Wir sind dann da und gehen diese Themen an.

2022 eröffnet der Lanserhof Sylt – Wattenmeer statt Berge – es wird im Vorfeld vom teuersten Hotel Deutschlands gesprochen …

Sylt ist natürlich ein riesiges Projekt. Um das auf dieser Insel umzusetzen, muss man noch mal ganz andere Summen in die Hand nehmen, es wird automatisch teurer. Auch dort steht alles unter unserem Lanserhof Concept mit der Kur. Wir bieten im Lanserhof Sylt die gleichen Pakete mit den gleichen Leistungen an. Alle unsere Ärzte leben das Konzept – Prävention und Darmsanierung – jeder hat zudem einen Schwerpunkt: Dr. Jan Stritzke, der ärztliche Direktor auf Sylt, ist Kardiologe. Mein Fokus ist die orthomolekulare Medizin, bei der Mikronährstoffe und Hormone im Mittelpunkt stehen.

Rechnen Sie damit, dass in Zukunft weitere „Health Resorts“ durch andere Betreiber entstehen?

Ja. Viele sehen, dass wir erfolgreich sind – nicht nur der Lanserhof, sondern alle, die in dieser Liga mitmischen. Aber jedes Haus muss sein Konzept finden. Es ist komplexer als: nichts Essen, eine Massage und eine Wellnessbehandlung. Ich bin froh, wenn dieser Markt belebt wird. Denn ich bin überzeugt, dass es gut wäre, wenn die Menschen mehr in Richtung Prävention gingen. Wir leben zwar länger, aber das System ist geschwächt.

Verraten Sie Ihre persönlichen Gesundheitstipps?

Da haben wir auch nicht das Rad neu erfunden. Es geht um das, was wir täglich tun: Ernährung, Bewegung, Schlaf und der seelische Austausch – die private Situation im Zuhause. Wir müssen schauen, dass wir diese grundlegenden Sachen festigen. Das klingt banal, ist es aber nicht. Wir leben in einer Zeit der Überforderung. Es gibt Leute, die gar nichts für sich tun, und die, die sich in ihrem eigenen System aufhängen und vor lauter gesundem Essen nicht mehr merken, dass es eine Freude sein sollte. Das Leben ist nicht immer gleich. Man muss sich spüren und rechtzeitig merken, wenn die Grenzen überschritten werden.

Welcher Gedanke leitet Sie dabei?

Ich nehme oft einen Stift in die Hand und zeichne den Patienten eine Zelle und das umliegende Gewebe auf. Wenn alles fließt, dann funktioniert ein Organismus. Das Hauptproblem einer Erkrankung, die entstehen kann, ist, wenn es zu einer Blockade kommt. Die Aufgabe des Lanserhof ist, diese Blockade zu lösen und das System wieder in Fluss zu bringen. Manche Menschen kommen aus einem stressigen Alltag und planen in einem Wellnesshotel zehn Behandlungen – das ist zwar nett für den Umsatz dort, aber es bringt meiner Meinung nach nicht viel. Unser Konzept bedeutet, richtig zu dirigieren und nicht zu viel zu machen.

Die Suche nach dem richtigen Maß …

Ja, es gibt Menschen, die sind so sehr im Überfluss – die brauchen kein Mehr, sondern ein Weniger. Sich einzugestehen, auch mal loszulassen, ist herrlich. Wir sind ein bunter Platz hier und offen für alle. Wir haben unsere Grenzen und sind keine Klinik, die alles hat – aber eben auch kein klinisches Ambiente. Jeder hat ein Bedürfnis, wir denken im Konzept, mit ganz viel Spiel- und Freiraum für das Individuelle, und ich glaube, diese Mischung macht esaus.


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