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Hotelreview im Barefoot Hotel am Timmendorfer StrandDas Hotel darf nicht der Star sein

„So authentisch und herzlich wie Til Schweiger selbst“ – das ist laut Webseite das zentrale Versprechen des Barefoot Hotels am Timmendorfer Strand. Das Hotel ist der erste Vorstoß des Schauspielers in die Hotellerie und eine Weiterführung seiner Barefoot-Marke. Ob das Haus sein Versprechen einhält? Tophotel hat einen anynonymen Tester entsandt.

Wenige deutsche Prominente werden so oft kritisiert wie der Schauspieler Til Schweiger. Egal, ob es sein eigenes Regieprojekt ist, ein neuer „Tatort“, oder ein Post auf seiner Instagramseite. Es scheint fast schon zum guten Ton zu gehören, alles, was er anpackt, mit einem Verriss zu quittieren. Unser Autor hätte das gern widerlegt, doch sein Besuch im Barefoot Hotel enttäuschte ihn auf ganzer Linie – zumindest, was die „Soft Skills“ des Hauses angeht. Hier sein Erfahrungsbericht:

(Unlängst musste Til Schweiger auch seine Restaurants aufgeben, zum Bericht geht’s hier)

Ich kenne Herrn Schweiger persönlich nicht näher. Würde ich jedoch aufgrund des Willkommens und Check-ins in seinem Hotel Rückschlüsse auf seine eigenen Gastgeberqualitäten ziehen, es wäre mit diesen nicht weit her. Denn schlechter kann ein Empfang wirklich nicht sein, sowohl was die Prozesse als auch was die Haltung angeht. Das fängt schon an, bevor ich das Hotel überhaupt betrete. Wer wie ich mit dem Pkw vorfährt, kommt nicht ohne Weiteres auf den Parkplatz. Ich muss also erst mit dem Auto die Straße blockieren, mir im Hotel ein Park­ticket holen, um dann passieren und parken zu dürfen. Über einen lapidaren Spruch wie „Hatten Sie eine gute Anreise“ hätte ich mich zu diesem Zeitpunkt fast schon gefreut.


Vom Budgethaus über das Lifestyle­konzept bis hin zum Grandhotel: Sie alle wollen ihre Gäste nachhaltig beein­drucken. Wie unterschiedlich die Konzepte auch sein mögen – was den Reisenden schließlich bleibt, ist die Erinnerung an ihre Experience und vor allem ein Gefühl. Wie dieses im Barefoot Hotel ­Timmendorfer Strand ausfällt? Tophotel hat einen anonymen Reporter entsendet.


Es gibt aber noch nicht mal ein „Herzlich willkommen“, kein „Schön, dass Sie da sind“. Stattdessen einen ruppigen Hinweis, dass ich keinen Parkplatz gebucht hätte und mir dieser extra in Rechnung gestellt werde. Nun gut. Es kommt aber direkt noch schlimmer. Auf die Frage, ob mir jemand mit dem Gepäck helfen könne, gibt es ein klares Nein. Ich lasse mich noch nicht entmutigen und frage interessiert nach, was der Sinn dieser Regelung sei, Gastfreundschaft würde man ja so nicht gerade vermitteln. Antwort: Das sei seit Corona so. Was denn ein Virus mit dem Gepäck zu tun habe? Das sei eben so. Und dann wird auch gleich die zweite Corona-Aussage hinterhergeschoben: Aufgrund der Pandemie werden ­Zimmer jetzt nur noch alle drei Tage gereinigt. Und das auch erst ab fünf Tagen Aufenthalt. Aha. Global werden in der Hotellerie ­Hygienestandards massiv nach oben gefahren, hier aber findet man seine ganz eigene Herangehensweise. Reinigungsintervalle werden reduziert, um den Kontakt zwischen Gast und Mitarbeitenden zu minimieren. Willkommen geheißen hat mich übrigens immer noch niemand. Weder herzlich noch anderweitig. Ich breche das Gespräch an dieser Stelle lieber ab und schleppe mein Gepäck selbst aufs Zimmer. Den Aufzug darf ich dafür leider auch nicht benutzen. Weil, man ahnt es schon: Corona.

Historische Villa in neuem ­Gewand

An dieser Stelle zunächst ein paar neutrale Eckdaten zum Hotel. 2017 hat es eröffnet und bietet mit 56 Zimmern und Suiten auf vier Etagen eigentlich genau die richtige Größe, um nicht nur Boutique-Design, sondern auch Boutique-Service zu liefern. Denn der gehört ganz unmissverständlich zur Positionierung des Hauses. Raum zum Wohlfühlen möchte man dem Gast bieten und ihn als leidenschaftlicher Gastgeber rundum verwöhnen. Mit stimmigen Prozessen und gut geschulten Mitarbeitenden wäre diese Aufgabe in einem Hotel dieser Größe gut zu bewältigen. Dass es aber im Getriebe hakt, habe ich schon beim Check-in zu spüren bekommen.

Das Barefoot ist ein Gemeinschaftsprojekt von Schauspieler, ­Regisseur und (Neu-)Gastronom Til Schweiger sowie von Mirko Stemmler, ­geschäftsführender Gesellschafter des Hotels und Geschäftsführer der Jasika Holding, die das Hotel betreibt. Wer von beiden das ­mediale Zugpferd ist, muss nicht weiter erwähnt werden. Allein die Wiedereröffnung des Hotels nach abgeschlossener Renovierung sorgte für riesigen Medienrummel, die Marketingmaschine lief erfolgreich an.

Die Fassade des Barefoot Hotels vermittelt Ostsee- und Hamptonsflair zugleich. (Bild: Barefoot Hotel/Nikolaj Georgiew)

Das Hotel an sich ist also nicht neu, ganz im Gegenteil. Das Bestandsgebäude, eine Villa von 1900, ist eines der ältesten Bauwerke an der Lübecker Bucht und wurde vor Umbau und Neuausrichtung als Meridian-Hotel betrieben, auch damals schon von der Jasika Holding. Dann holte Stemmler Schweiger an Bord, und nach 18-monatiger Planungs- und Bauphase wurde das neue Barefoot Hotel inklusive Restaurant, Spa und Gym eröffnet. Die Aufgabenteilung war klar. Hardware und Hotellerie-Expertise kommen von der Holding, das Interior-Konzept von Schweiger.

So weit ist die Kollaboration augenscheinlich ein Erfolg. Denn architektonisch ist das Barefoot eine Punktlandung. Die Optik der neuen Fassade liegt irgendwo zwischen historischer Ostsee-Bäderarchitektur und Hamptons-Flair. Hier wurde authentisch und hochwertig gearbeitet. Dazu passt der verwinkelte Charme der alten Villa gut und wurde optimal in das Konzept integriert. Das Hotel liegt nicht in erster Reihe, sondern etwa 200 Meter vom Strand und der Kur­brücke entfernt. Dafür ist der Kurpark in unmittelbarer Nähe und lädt zum Spaziergang ein. Auch der Ortskern ist in wenigen Gehminuten erreicht. In der näheren Umgebung gibt es Golf- und Tennismöglichkeiten.

Beach-Lifestyle zum ­Mitnehmen

Das Interior vermittelt Wohnlichkeit: Im Erdgeschoss mit Lobby, Restaurant, Lounge-­Ecke mit Kamin und Wintergarten wird der lässig-edle Landhausstil bis ins Detail perfekt umgesetzt. Schweiger hat sich nach eigenen Aussagen von seinen Lieblingsorten inspirieren lassen, bebildert hat er es mit sich, Freunden und Familie auch reichlich: vom unkomplizierten ­Beach-Lifestyle Malibus, der amerikanischen Ostküste, aber auch von Summer-Living auf Mallorca, wo er eine Finca besitzt. Dem Strandhaus-Flair wird mit weißen Veranden, bodentiefen Fenstern, warmen Naturtönen, viel Holz, weißem Leinen und Korbgeflecht im ganzen Haus Rechnung getragen.

Wohnlich und authentisch muten die Zimmer des Barefoot Hotels an. Die Möbel gibt es vor Ort und online zu kaufen. (Bild: Barefoot Hotel/Nikolaj Georgiew)

Auch der Name ist damit gut gewählt. Schließlich fühlt sich nichts mehr nach Urlaub an als nackte Füße im Sand. Und praktischerweise heißt ja Schweigers Deli in Hamburg auch schon so, genauso wie seine eigene Interior-­Design-Linie, die online vertrieben wird. Dass hier Synergien entstehen, ist klar. Vieles, was ich im Hotel sehen, bewohnen und erleben kann, ist entweder direkt vor Ort oder über den Online-Shop käuflich zu erwerben. Von der gebrandeten Wasserflasche bis hin zur geflochtenen Lampe für rund 600 Euro oder gleich das ganze Bett für über 5.000 Euro. An Unternehmergeist mangelt es also nicht. Das Hotel zum Showroom für die eigenen Produkte zu machen ist schlau. Wer sich wohlfühlt, kann sich das ganze Ambiente direkt nach Hause liefern lassen.

Warum eine ganze Zielgruppe barfuß unterwegs ist

Das Konzept von Barefoot Luxury, wie es hier angewandt wird, hat sich in der internationalen Tourismusbranche etabliert. Es richtet sich an eine jüngere Zielgruppe. Kosmopoliten, die aufgeschlossen und designaffin sind. Man möchte im Urlaub nicht auf Annehmlichkeiten verzichten, wünscht sich aber Optik und Atmosphäre jenseits vom konventionellen Luxusverständnis der Grand-Hotellerie. Keine gediegene Stille im holzvertäfelten Salon mit gesetztem Fünf-Gänge-Dinner, dafür legere Hideaways, viel Privatsphäre und Platz, moderne Räumlichkeiten und puristisch gestaltete Anlagen mit direktem Kontakt zur Natur. Eine Art Gegenentwurf für Menschen, die aus beruflichen Gründen viel Zeit in Business-­Hotels verbringen und sich im Urlaub bewusst gegen jede Art von Steifheit und formeller Etikette entscheiden. Rückbesinnung auf die wesentlichen Dinge. Barfuß eben. Aber bitte trotzdem auf edlem Echtholzboden.

Für den Timmendorfer Strand, der als Urlaubsort zwar bekannt, aber nicht gerade für seine Designhotels berühmt ist, ist das Barefoot sicherlich eine gute Ergänzung und bringt eine neue Zielgruppe in den Ort. Restaurant und Spa stehen auch Außer-Haus-Gästen offen. Wirtschaftlich ist auch das ein sinnvoller Schachzug. Mit Übernachtungspreisen zwischen 100 und 300 Euro liegt das Hotel nicht im absoluten Spitzensegment. Wer das nicht investieren möchte oder kann, aber dennoch ein bisschen „Schweiger-Luft“ schnuppern möchte, kann das so tun.

Auch auf meinem Zimmer wird der Strandhaus-Look fortgeführt. Die Materialien sind natürlich und hochwertig, alle Design-­Details stimmen. Erdverbundene, warme Farbtöne und die wirklich beste Bettwäsche, in der ich je in einem Hotel geschlafen habe. Nach eigener Aussage hat Til Schweiger versucht, hier seine Filmsets und die dort verwendeten Produkte außerhalb des Kinos erlebbar zu machen. Das gelingt gut, sodass sich in den Zimmern nicht nur Cineasten, sondern auch Gäste, die die Schweiger-­Filme gar nicht kennen, wohlfühlen. Leichte Abstriche gibt es hier für die Praktikabilität. Ein Detail, das mich wirklich stört, sind die im Schrank befestigten Kleiderbügel. Zum einen lassen diese sich nie bequem handeln, zum anderen wird mir als Gast damit direkt eine böse Absicht unterstellt.

Küche und Service enttäuschen

Zurück zum Gasterlebnis. Wenigstens bleibt man in der Ansprache konsequent. Auch beim Besuch im hoteleigenen Restaurant werde ich weder willkommen geheißen, noch wird sonst Freude über mein Auftauchen ­signalisiert. Die erste Frage auch hier: Haben Sie reserviert? Das Essen ist mittelmäßig. Die Ceviche sind eine Art Mus. Lediglich die Zitronensäure erinnert mich daran, was ich bestellt habe. Ähnlich traurig kommt die Bolognese auf den Teller. In der Speisekarte mit „jeder Menge frischen Kräutern“ ausgelobt, finde ich (ja, ich habe gezählt) fünf Blätter Basilikum. Zum Abschluss setzt der Service dann noch mal eins obendrauf. Wir möchten das Dinner aufs Zimmer schreiben lassen. Das funktioniert in allen Hotels der Welt, nur in diesem nicht. Nur Zahlung in bar oder per Karte sind technisch machbar. Warum? Wie anscheinend hier üblich, ist mit dem Coronavirus, oder in diesem Fall mit der damit verbundenen Mehrwertsteuersenkung, der „Grund“ schnell identifiziert.

Was den Service im gesamten Haus angeht, scheinen die Mitarbeiter nicht die nackten Füße, sondern eher den Kopf in den Sand gesteckt zu haben. Es gibt schlichtweg keine Interaktion. Niemand hier nimmt sich auch nur fünf Minuten Zeit, um ein Gespräch mit dem Gast zu führen. Das erzeugt natürlich ein gewisses Level an Frustration, vor allem bei Gästen, die mit einer hohen Erwartungshaltung an das Versprechen des Hotels von herzlicher Gastfreundschaft anreisen. Davon ist man hier wirklich Lichtjahre entfernt.
Die Hardware mag exzellent sein, aber gerade ein Urlaubshotel lebt in erster Linie von der Atmosphäre. Von den Soft-Skills, der Freundlichkeit des gesamten Teams. Kurz, nicht nur von dem, was ich sehe, sondern von dem Gefühl, das mir vermittelt wird. Und das ist hier kein gutes.

Den Mitarbeitenden fehlt es an Schulung, das offenbart sich schon in den nicht ganz 24 Stunden, die ich mich hier aufhalte, mehrfach. Um überhaupt jemanden ans Telefon zu bekommen, muss ich nach mehreren Versuchen über das Haustelefon vom Handy aus anrufen. Die Mitarbeiterin entschuldigt sich nicht, sie sei in einem Gespräch mit der Hoteldirektion und könne nicht gleichzeitig ans Telefon gehen. Dass ich störe, versucht sie nicht einmal zu verbergen. Ein schönes Gleichnis für das, was hier falsch läuft: Das Zimmertelefon ist unanfechtbar stylisch. Ein angesagter Vintage-­Look mit Wählscheibe, hinter dem sich aber moderne Technik verbirgt. Doch was nützt mir das trendigste Design, wenn am anderen Ende niemand abnimmt?

Ähnliches Szenario beim Versuch am Sonntagmorgen, einen Cappuccino aufs Zimmer zu bestellen. Das müsse man prüfen, es sei gerade viel zu tun. Hier sprechen wir von den fundamentalen Basics des Hotelfachs. Die – wie auch immer formulierte – Antwort auf den Wunsch des Gastes darf in ihrer Kernaussage niemals „ungern“ lauten. Auch nicht, wenn legere Umgangsformen zur Philosophie des Hauses gehören. Das ist völlig falsch verstandenes Selbstverständnis. Eine spezielle Positionierung ist heute wichtiger denn je. Der Markt ist hart umkämpft. Urlaubshotels mit Boutique-­Flair gibt es inzwischen viele, auch in Deutschland.

Ein klares Marken­image und eine gut durchdachte Corporate Identity sind da ausschlaggebende Wettbewerbsfaktoren, aber hier verfestigt sich immer mehr mein Gefühl, dass nicht der Gast, sondern das Hotel an sich der Star sein will. Auf der Webseite lese ich: „Sich ganz ungezwungen zu fühlen ist hier oberstes Gebot!“ Mir stellt sich langsam die Frage, ob das für die Gäste oder für die Mitarbeitenden gilt. Solche Allüren kann man sich als Filmstar eventuell noch leisten, als Hotel aber definitiv nicht. Egal, wer die Möbel ausgesucht hat.


Das Letzte Wort: Hier muss noch viel getan werden

Das sagt der Tophotel-Autor: „Bei der positiven Ausgangsposition aus hervorragender Optik und guter, wenn auch nicht exklusiver Lage, ist es wirklich bedauerlich, dass die Aspekte Service, Gastorientierung und Herzlichkeit derart vernachlässigt werden. Das Hotel reduziert sich damit nämlich lediglich auf eine – zugegebenermaßen schöne – Kulisse. Mir fehlt es hier an echter Freundlichkeit, an Zugewandtheit. Damit vergibt man sich die Chance, eine Urlaubs-Location auf wirklich hohem Niveau zu schaffen. Und natürlich auch einen Ort, an den die Gäste gern zurückkehren. Ich bemühe mich bei meiner Arbeit als Travel-Experte natürlich stets um Subjektivität. Doch hier entspricht es einfach der Faktenlage, wenn ich sage: Ich werde als Gast schlecht behandelt. Und das kann dann auch das schönste Interior-Konzept nicht ausgleichen. Ich ziehe meine Konsequenzen und entscheide mich, vorzeitig abzureisen. Beim Check-out schließt sich dann auch der Kreis. Kein Nachfragen, ob oder wie es mir gefallen hat. Ein stumpfer Prozess wird abgearbeitet. Das Erlebnis ist ungefähr so herzlich, als würde ich im Discounter eine Tüte Milch kaufen. Mit den Lifestyle-­Versprechen des Barefoot hat das leider so gar nichts zu tun.“


 

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