Ganzheitliches Tagungshotel Includio in Burgweinting„Signifikante Lücke“

Helga Butendeich wird das Includio Hotel als Managerin führen. (Bild: Johanniter-Unfall-Hilfe)

Bei Regensburg entsteht bis 2020 das Hotel Includio der Johanniter-Unfall-Hilfe.
Dessen zukünftige Leiterin Helga Butendeich über den großen Bedarf sowie die
Vorteile des barrierefreien Hauses für Gäste und Mitarbeiter mit Behinderung.

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Hotel+Technik: Frau Butendeich, woher kam die Idee eines Inklusionshotels?

Helga Butendeich: Die Konzeptidee kam von Johanniter-Regionalvorstand Martin Steinkirchner. Auf verschiedenen Geschäftsreisen und in vielen Gesprächen mit Menschen mit Behinderung hat er erfahren, dass die demografische Entwicklung dahin geht, dass es immer mehr ältere Menschen geben wird, die zwar körperlich beeinträchtigt, aber durchaus noch mobil sind und reisen möchten. Aber gerade auch junge oder jüngere Menschen mit Behinderung reisen gern in der Gruppe. Bislang gab es in Regensburg keine adäquaten Übernachtungsmöglichkeiten für diese Zielgruppe. In ersten Gesprächen mit der Lebenshilfe Regensburg, mit der die dortigen Johanniter eine sehr gute Kooperation zur betrieblichen Einbindung von Menschen mit Behinderung pflegen, wurde dieses Vorhaben schnell bekräftigt. Vor allem verstärkte sich bald der Eindruck, dass die Johanniter mit ihrem Projekt in Regensburg einen sehr guten Impuls für die bestehende Arbeitsmarktsituation im Hinblick auf Menschen mit Behinderung liefern könnten. Deshalb entschied der Regionalverband Ostbayern, das Hotel als geförderten Integrationsbetrieb zu installieren und zu führen.

Wie verläuft die Mitarbeiterrekrutierung von Menschen mit Behinderung?

Wir planen im Normalbetrieb mit etwa 30 vollzeitbeschäftigen Mitarbeitern – rund die Hälfte sollen Menschen mit Behinderungen sein. Sie sind in allen Bereichen des Hotels einsetzbar. Zu berücksichtigen ist immer die Art der Behinderung, und wer für welche Tätigkeit geeignet ist. An der Rezeption werden wir zum Beispiel einen Rollstuhl-Arbeitsplatz einrichten. Weitere Einsatzbereiche sind in der Zimmerreinigung, der Küche oder im Service. Auch die Haustechnik könnten Menschen mit Behinderung unterstützen. Wir haben bereits mit den verschiedensten Ämtern, die für die Vermittlung von Mitarbeitern aus der Zielgruppe zuständig sind, Kontakt aufgenommen und unser Projekt vorgestellt. Hier im Speziellen mit der Agentur für Arbeit, dem Integrationsfachdienst oder dem beruflichen Fortbildungszentrum BFZ. In der Regel werden Mitarbeiter zunächst über Praktika an die zukünftigen Aufgaben herangeführt. Ebenso gibt es Einrichtungen, die bereits eine Ausbildung im Bereich der Gastronomie – zum Beispiel in der Küche oder Hauswirtschaft – anbieten.

Es soll auch einen Wellnessbereich geben. Welche Herausforderungen bringt die Barrierefreiheit dort mit sich?

Entsprechend der Qualitätskriterien nach „Reisen für Alle“ müssen die Bewegungsflächen vor der unteren Sitzbank in der Sauna und dem Dampfbad mindestens 150 mal 150 Zentimeter groß sein. Außerdem muss ein extra Saunarollstuhl bereitgehalten werden. Die Türen müssen mindestens 90 Zentimeter breit sein und dürfen nicht nach innen aufgehen. Insgesamt ist der ganze Bereich etwas großzügiger geplant, damit sich Rollstuhlfahrer auch im Ruhebereich gut bewegen können. Selbstverständlich gibt es auch eine behindertengerechte Umkleide mit Liege. Im Fitnessraum planen wir, extra barrierefreie Fitnessgeräte für mobilitätseingeschränkte Gäste anzubieten.

Was erhoffen Sie sich nach Fertigstellung des Hotels?

Das Angebot von Includio richtet sich generell an Menschen mit und ohne Behinderung. Dazu zählen natürlich Individualreisende, die Regensburg im Rahmen einer Städtereise besuchen, aber gerade auch Menschen mit Behinderung, die als Reisegruppe unterwegs sind. Hier erschließt sich in Regensburg eine besonders eklatante Lücke. Derzeit meiden Reisegruppen die Stadt, trotz der hohen touristischen Attraktivität mit ihrer Altstadt als Weltkulturerbe. Außerdem zielt das Projekt auf die Zielgruppe der Geschäftsbesucher – sowohl der zahlreichen großen, aber auch sehr vielen kleinen Betriebe aus der Umgebung des Hotels in Regensburg/ Burgweinting. So sind dort neben vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen auch international agierende Konzerne wie die Krones AG, BMW, Osram Opto Semiconductors und Continental beheimatet. Das Haus soll auch als attraktive Tagungsstätte etabliert werden. Die Johanniter verfügen über eine eigene Bildungseinrichtung, die sowohl internen als auch externen Besuchern offensteht. So können die externen Teilnehmer direkt im Hotel untergebracht werden, in dem dann auch die Fortbildungen und Tagungen stattfinden. Auch allen anderen Unternehmen bieten wir durch die Kombination von Übernachtung und Tagung die Möglichkeit zur Übernahme von sozialer Verantwortung.

Spatenstich des Includio war am 7. Juni.

Interview: Mareike Knewitz

 

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