Four Seasons startet mit erstem Haus in Spanien GM Adrian Messerli über ein Luxus-Opening im Corona-Risikogebiet

GM Adrian Messerli berichtet im Tophotel-Interview über das Opening des Four Seasons Hotels in Madrid nach acht Jahren Umbauphase. (Bild: Four Seasons Hotels)

Während auch in Deutschland immer mehr Stadthotels, darunter Luxushäuser wie das Grandhotel Hessischer Hof schließen (Tophotel berichtete), geht Four Seasons in der spanischen Hauptstadt mit einem Megaprojekt an den Start. Nach acht Jahren Luxus-Umbau hat dort das erste Four Seasons Hotel eröffnet. Im Exklusiv-Interview erklärt Regional Vice President und General Manager Adrian Messerli, wo die Herausforderung bei der Eröffnung in einem erklärten Risikogebiet lagen, warum das Haus Hoffnungsträger für ein ganzes Viertel ist und wie man mit den Pandemieauflagen speziell in Gastronomie und Wellnessbereich umgeht.

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Verantwortlich für das Mega-Projekt in Madrid ist der Schweizer Adrian Messerli, der vor seiner Berufung zum Regional Vice President und General Manager schon 15 Jahre bei Four Seasons tätig war. Besonders viel Erfahrung bringt er mit in den Bereichen F&B und Spa – zwei wesentlichen USPs des Four Seasons Hotel Madrid. (Foto: Four Seasons)

Tophotel: Herr Messerli, ein städtisches Luxushotel in Madrid zu eröffnen, während das Land erklärtes Risikogebiet ist, klingt nach einem riskanten Plan. Wie schätzen Sie die Situation vor Ort ein?
Adrian Messerli:
Wir haben das Hotel am 25. September mit sehr strengen Gesundheits- und Sicherheitsrichtlinien gemäß unseren ‘Lead With Care’-Protokollen eröffnet. Wir wissen, dass dies unsichere Zeiten sind und die allgemeine Stimmung vor allem in Spanien negativ ist, daher glauben wir, dass unsere Eröffnung der Stadt und den Madrileños vor Ort etwas Licht und Positivität bringen wird. Unsere ‘Lead With Care’-Initiative bietet klare Richtlinien, sodass wir in der Lage sind, unsere Gäste und Kollegen auf sichere Art und Weise zu beherbergen. Es ist auch wichtig zu erwähnen, dass unsere Eröffnung in diesen schweren Zeiten nur dank der starken Unterstützung unserer Eigentümer OHL und Mohari Hospitality möglich ist und dass wir so auch neue Arbeitsplätze schaffen.

Mit welchen Herausforderungen haben Sie vor Ort zu kämpfen?
Wir sind außerordentlich vorsichtig mit allen Vorhaben im Hotel und mussten beispielsweise einige Meetings und Veranstaltungen, die normalerweise vor Ort stattfinden würden, durch Konferenzschaltungen ersetzen. Hospitality ist ein Geschäft mit Menschen – was wir tun, ist uns um Menschen zu kümmern. Bei einer regulären Hoteleröffnung würden wir Team-Buildings, Ausflüge und andere Veranstaltungen organisieren, bei denen wir als Team Zeit miteinander verbringen. Diese Aktivitäten sind fantastisch, um die richtige Stimmung in den Teams entstehen zu lassen, aber zum jetzigen Zeitpunkt ist das nicht möglich.

Wie nehmen Sie persönlich die (touristische) Situation in Spanien wahr?
Der Tourismus trägt einen großen Teil zum spanischen BIP bei und wird hauptsächlich von ausländischen Märkten angetrieben – damit werden wir konfrontiert sein. Unser F&B-Angebot konzentriert sich auf den lokalen Markt, doch unser Zimmergeschäft ist stark auf die internationalen Märkte ausgerichtet, die wir kurzfristig nicht wiederaufleben sehen, daher ist es eine Herausforderung. Wir müssen die Situation meistern, indem wir geschäftlich versiert sind und die richtigen Entscheidungen für unsere Gäste und Mitarbeiter treffen.

F&B und Spa sind zwei wesentliche USPs des neuen Hotels. Wie gehen Sie mit den Pandemieauflagen in diesen Bereichen um?
Wir arbeiten daran, unser Spa in ein urbanes Wellness-Center zu verwandeln, in dem nicht nur Hotel-Gäste, sondern vor allem auch Einheimische unsere Einrichtungen und Treatments nutzen können. Natürlich spielt unsere ‘Lead With Care’-Initiative auch hier in allen Bereichen eine Rolle und einige unserer Behandlungen werden wir erst zu einem späteren Zeitpunkt anbieten können, um sicherzustellen, dass alle Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften eingehalten werden.

Im Bereich F&B freuen wir uns unglaublich über die Zusammenarbeit mit Starkoch Dani Garcia, dem früheren Drei-Sterne-Koch, und sein neues Konzept für das Hotel. Es wird ein legeres Restaurant, das einige seiner berühmtesten Kreationen in Kombination mit beliebten Klassikern auf den Tisch bringt – alles gepaart mit einem beeindruckenden Blick über die Dächer Madrids. Selbstverständlich werden wir uns in Bezug auf Kapazitäten, Zeitplanung etcetera an die Vorschriften der lokalen Regierung halten.

Können Sie mehr zum “Lead With Care”-Programm sagen?
Wir nehmen die aktuelle Situation sowohl auf lokaler als auch auf Unternehmensebene sehr ernst, und Four Seasons hat deshalb die Initiative ‘Lead With Care’ entwickelt, um sich sowohl um Mitarbeiter als auch um Gäste zu kümmern. Four Seasons hat dafür einen speziellen Covid-19-Beratungsausschuss eingerichtet, in dem Four Seasons-Führungskräfte und Top-Experten zusammenkommen, um Entscheidungen im Bereich Gesundheit und Sicherheit auf Grundlage der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zu treffen. Das ‘Lead With Care’-Programm fußt auf Fachwissen aus dem Gesundheitswesen und neuester Technologie. Es sorgt dafür, dass allen Four Seasons-Gästen, Angestellten und Mitarbeitern innerhalb der neuen Covid-19-Rahmenbedingungen die richtige Versorgung sowie Vertrauen und Komfort zuteilwird. Das neue Programm definiert klare Richtlinien, die Four Seasons-Mitarbeiter aufklären und befähigen, sich angemessen um die Gäste und einander zu kümmern.

Das in einer Reihe historischer Gebäude mitten in Madrid gelegene Hotel mit 254 Mitarbeitern unter der Leitung von Adrian Messerli fasst 200 Zimmer und Suiten sowie 22 Private Residences, außerdem mehrere Restaurants und Bars inklusive des jüngsten Restaurantkonzepts „Dani“ mit frischen Speisen des spanischen Kochs Dani Garcia. Darüber hinaus wird das Hotel Gäste künftig im größten Spa der Stadt mit 1.400 Quadratmetern, mehreren Saunen, Hallenbad, Treatment-Rooms und Finnesscenter begrüßen. Egal, ob in den öffentlichen Bereichen, Restaurants, im Spa oder den Veranstaltungsräumen: Gäste werden an verschiedenen Stellen auf mehr als 3.700 sorgfältig restaurierte historische Artefakte stoßen, die mit zeitgenössischen spanischen Kunstwerken und komfortablen Möbeln kombiniert wurden. Viele der 200 Zimmer und Suiten des Hotels zeichnen sich durch ihre besondere Ausstattung und individuellen architektonischen Details aus, wie etwa die Royal Suite (Foto oben). „Das Four Seasons Hotel Madrid begann mit der visionären Idee unseres Partners OHL, eine Reihe von historischen Gebäuden mitten in Madrid zu verbinden und ihnen neues Leben einzuhauchen. Gemeinsam mit unseren Partnern von Mohari Hospitality ist das Ergebnis ein modernes Luxuserlebnis in einem wunderbar restaurierten Anwesen und für Four Seasons der perfekte Einstieg in Spanien“, erklärt Christian Clerc, President, Global Operations, Four Seasons Hotels and Resorts.

Was hat das Unternehmen vor allem in der Krise richtig gemacht?
Während dieser schwierigen Zeiten war Four Seasons in seiner Kommunikation jederzeit transparent und wir haben unsere ‘Lead with Care’-Initiative in unserem gesamten Netzwerk konsequent umgesetzt.

Nochmal zurück zum Four Seasons Hotel Madrid: Durch das Opening soll das gesamte Viertel aufgewertet werden. Können Sie das erklären?
Die Eröffnung des Gesamtkomplexes Complejo Canalajeas Madrid, der das Hotel Four Seasons, 22 Privatresidenzen der Marke Four Seasons, das Luxuskaufhaus Galeria Canalejas und ein Parkhaus mit 400 Stellplätzen umfasst, trägt zur Neugestaltung des Madrider Stadtzentrums bei. Die sieben Gebäude, die das Projekt heute umfasst, waren rund zehn Jahre lang verlassen, und es hat beinahe zehn weitere Jahre gedauert, sie wieder aufleben zu lassen. Der Komplex verleiht dem Zentrum der Stadt eine ganz neue Atmosphäre. Das Stadtzentrum ist zu 90 Prozent autofrei, das sorgt für mehr Menschen, die zu Fuß vorbeischlendern, mehr Geschäfte und hoffentlich mehr Touristen, wenn sich die Situation stabilisiert.

Warum ist dies das erste Four Seasons in Spanien und warum wird es gerade jetzt eröffnet?
Wenn Four Seasons sein Debüt in einem neuen Land oder einer neuen Stadt gibt, sind wir immer darauf bedacht, am richtigen Ort, mit dem richtigen Partner, das richtige Produkt zu eröffnen. Manchmal dauert es also eine Weile, bis wir alles richtig kombinieren können. Hier haben wir einen Partner gefunden, der genauso qualitätsorientiert ist wie wir, der die Kultur von Four Seasons lebt und sich dafür einsetzt, die physischen Rahmenbedingungen zu schaffen, die wir brauchen, um auf diesem Markt konkurrenzfähig zu sein. Wir glauben, dass dies ein fantastischer Einstieg in einen neuen Markt sein wird, und dass in Zukunft noch mehr Hotels in Spanien hinzukommen werden.

Sie sind bereits seit 15 Jahren bei Four Seasons angestellt. In welchen Häusern waren Sie bisher tätig?
Ich wurde 2005 von Four Seasons rekrutiert und bin anschließend um die Welt gereist – von den Vereinigten Staaten in die Karibik und Südamerika, nach Europa und in den Nahen Osten bis in den Indischen Ozean, wobei ich immer mehr Verantwortung übernahm. Meine erste Position als General Manager erhielt ich im Four Seasons Resort Seychellen, bevor es mich nach Shanghai in China, zog. Jetzt kehre ich nach Europa zurück, um das erste Haus des Unternehmens in Spanien zu eröffnen.

Interview: Verena Usleber

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