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StartBusiness & ManagementFlemings Hotels::Nachhaltigkeit für Genießer

Flemings HotelsNachhaltigkeit für Genießer

Während der Pandemie hat sich die familiengeführte Hotelgruppe Flemings Hotels aus Frankfurt um vier Hotels verkleinert. Ihr neuer CEO Rob Hornman sieht dies als Chance, die Gruppe neu zu positionieren und an die Werte der Gründungsjahre anzuknüpfen.

Rob Hornman (55) kennt die Flemings Hotels seit langem. Während seiner Tätigkeit als Geschäftsführer der Kooperation Worldhotels zählte die Gruppe zu seinen wichtigsten europäischen Kunden. Seit März 2022 ist der Manager nun CEO bei den Flemings Hotels und berichtet dabei an Unternehmensinhaber Filip Blodinger. „Schon bevor ich dazukam, hatte Filip Blodinger damit begonnen, das Unternehmen wieder zu den Wurzeln ­zurückzuführen“, sagt Hornman. Die Marke Flemings galt nach ihrer Gründung im Jahr 2005 als sehr innovativ. „Es gab wirklich dieses Cutting Edge. Ich selbst war damals bei Accor und habe den Brand-Kollegen aus Paris empfohlen, sich diese Häuser einmal anzusehen,“ so Hornman. Im Zuge der Expansion hätten sich die Alleinstellungsmerkmale teilweise etwas verwässert.

Kennt die Flemings Hotels seit langem: CEO Rob Hornman. (Bild: Flemings Hotels)

Während der Coronapandemie optimierte Filip Blodinger Strukturen im Unternehmen, zentralisierte Vertrieb und Verwaltung und stellte Führungskräfte für Marketing und Finanzen ein. Im Mittelpunkt der Strategie steht nun die klarere Positionierung als familiengeführte Privathotels. Gegen das Wort Lifestyle hat Hornman jedoch eine Aversion. „Ursprünglich cooles Design ist inzwischen zur Mainstream-Optik geworden, viele sogenannte Lifestyle-Hotels ähneln sich zu sehr. Wir sind das nicht, wir sind Boutique at Heart“, beschreibt er seine ­Vision für die Gruppe. Als erstes habe er sich – neben einem gesunden Wachstum – die weitere Professionalisierung vorgenommen und dazu vier Schwerpunkte definiert: klare Strategie, Marketing & Sales, People & Culture sowie auf aktuellen Zahlen, Daten und Fakten basierende Entscheidungen.

Kreative Ideen von Kaffee bis ESG

Für den Wiedererkennungs- und Mehrwert bei den ­Gästen haben Hornman und sein Team sieben Touchpoints definiert, mit denen sie sich profilieren möchten. Einer davon ist das Thema „Best Coffee“, eine Leidenschaft, die Rob Hornman und Filip Blodinger mit­einander teilen. Für jeden Betrieb wurden wert­volle La Marzocco Siebträgerkaffeemaschinen angeschafft. ­

Jeder Mitarbeiter im Haus erhält eine Barista-Schulung. „Wir geben gern mehr Geld für das Kilo Kaffee aus, ­unser Kaffee ist fair trade gehandelt und bio,“ so der CEO. ­Außerdem werden die Kapselmaschinen auf den Zimmern mit biologisch abbaubaren Kapseln bestückt, die mit dem Hauskaffee gefüllt werden. Beim Kaffee ist ­Flemings eine Kooperation mit der Frankfurter Rösterei Hoppenworth & Ploch eingegangen. Sie umfasst auch den Kaffee für die Konferenzpausen. Ein zweiter wichtiger Touchpoint ist das Flemings Frühstück, das ­„Heavenly Breakfast“. Dort gibt es viele Bioprodukte und regionale Produkte, selbst gemixte Cerealien – und aus Gründen der Nachhaltigkeit zum Beispiel keine Avocado.

„Wir setzen all das um, woran wir glauben.“

Das Thema ESG (Environmental Social Governance – Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) fällt bei Flemings unter den Touchpoint „hedonistic Sustainability“, sprich hedonistische Nachhaltigkeit. „Wir ­setzen all das um, woran wir glauben“, erläutert Hornman. Zum Thema Energieeinsparung sagt er: „Wir können den Preis nicht beeinflussen, aber den Verbrauch.“

So reinigt die Hotelgruppe die Zimmer standardmäßig nicht mehr ­jeden Tag. Wünscht der Gast eine tägliche Reinigung, so kann er diesen Wunsch auf einer Karte im Zimmer ankreuzen. Zu den weiteren Energiesparmaßnahmen zählen wassersparende Duschköpfe, aber auch das Messen von Energieverbrauch und Wasser, um gegebenenfalls weitere Hebel anlegen zu können. Unter den Hoteldirektoren hat die Gruppe das Projekt „Eisbär“ gestartet. „Jeder Direktor, der eine neue effiziente Maßnahme ergriffen hat, teilt seine Idee mit seinen Kollegen. Über ein Dashboard kommunizieren wir die Best-Practice-Tipps“, so Hornman.

Da sich die Flemings Hotels im Eigentum der Flemings Asset Management GmbH befinden, lassen sich Veränderungen an der Hardware, wie beispielsweise das Implementieren von Fotovoltaik, auf kurzem Weg umsetzen. „Geplant ist dies für unser Haus in Bremen, weitere sollen folgen“, so Hornman. Kosteneinsparungen will die Gruppe künftig auch über neue F&B-Konzepte erzielen, die sich teilweise noch in der Testphase befinden. So ­werden in den Midscale-Hotels Minibars abgeschafft und durch Shopkonzepte in der Lobby ersetzt. Und beim neuen F&B-Konzept „Cucina da Nina“, eine Art mediterrane Systemgastronomie, kann ein einziger Mitarbeiter bis zu 30 Gäste allein bedienen. Auf der anderen Seite eröffnete im Flagship-Haus in Frankfurt 2022 mit großem Erfolg das „Occio d’Oro“, ein Konzept mit gehobener italienischer Küche.

„Über ein Dashboard kommunizieren wir Best-Practice-Tipps“

Wie schnell gute Ideen umgesetzt werden können, unterstreicht auch die Renovierung des Flemings Hotels ­München-Schwabing. 60 seiner Zimmer wurden mit recyceltem Mobiliar eines anderen Münchner Hotels renoviert, das die Gruppe aufgab. „Ich hatte mich gefragt, was mit dessen hochwertigen, soliden Holzmöbeln ­geschehen sollte. Zwar stimmten die Grundrisse der Zimmer nicht überein, dennoch konnten wir große Teile des Mobiliars upcyceln“, freut sich Hornman.

„Flemingos“ werben neue Kollegen

Dem Fachkräftemangel begegnet das Unternehmen ­einerseits mit der weiteren Digitalisierung von Prozessen wie beispielsweise dem Check-out. „Unser Touchpoint hier lautet High Tech, High Touch“, so Hornman. Das „Killen“ des Check-outs falle auch zugunsten des Check-ins aus, für den neben Terminals weiterhin Mitarbeitende rund um die Uhr zur Verfügung stehen und den persönlichen Stil der Gruppe repräsentieren sollen.

Andererseits will der CEO den Teamgeist im Unternehmen weiter stärken. Um möglichst viele Mitarbeitende kennenzulernen und ihnen die Flemings-Strategie ­näher zu bringen, tourte Hornman mit einem „Boutique-at-Heart-Bus“ zu allen Häusern der Gruppe. Dort waren Neuheiten aus dem Markenversprechen aufgebaut, beispielsweise das neue Flemings-Bett sowie der neue Check-in-Kiosk. „Wir möchten unsere Mitarbeiter ­begeistern und sie zu unseren Botschaftern machen“, ­unterstreicht er. Die meisten neuen Mitarbeitenden ­kämen heute durch Mundpropaganda ins Unternehmen. Aus den Reihen des eigenen Teams sei auch die Idee entstanden, sich selbst „Flemingos“ zu nennen.


Flemings Hotels

Die Hotelmarke mit Sitz in Frankfurt am Main zählt derzeit elf Mid- und Upscale-Hotels: neun City-­Hotels der Marke Flemings Hotels & Restaurants in Frankfurt, München, Wien und Wuppertal sowie ein Franchisebetrieb der Intercityhotel GmbH in Bremen und ein Boardinghaus der Marke Livin Residences by Flemings in Wien.

CEO Rob Hornman verfügt über langjährige Branchen­erfahrung. Der gebürtige Niederländer gilt insbesondere als Spezialist im Bereich Operations, E-Commerce und Sales & Marketing. Er war unter anderem für Accor, Worldhotels sowie für HRS tätig.


 

Aus ihrer Stärke als Hoteleigentümerin und -betreiberin heraus will die Hotelgruppe künftig – wie bereits in den Anfangsjahren – auch als White-Label-Betreiberin für andere Marken agieren. Insgesamt soll Flemings Hotels in den kommenden fünf Jahren um 15 Hotels wachsen, dabei natürlich auch mit den eigenen Marken, deren ­Profil derzeit überarbeitet wird.

Susanne Stauß


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