Verband Fair Job Hotels schnüren Agenda 2024

Marcus Fränkle, Jochen Oehler, Helene Jeske, Katharina Darisse, Daniela Danz, Alex Obertop, Alexander Aisenbrey, Fair Job Hotels
Die Fair Job Hotels luden zum Partnertreffen nach Stuttgart. Im Bild ein Teil des Vorstands: (von links) Marcus Fränkle, Jochen Oehler, Helene Jeske, Katharina Darisse, Daniela Danz, Alex Obertop und Alexander Aisenbrey. © Patrick vom Berg

Beim Partnertreffen der Fair Job Hotels in Stuttgart ging es um Wandel, Austausch und Netzwerken. Dazu gaben Geschäftsführerin Katharina Darisse und Vorstand Alexander Aisenbrey einen Ausblick auf die weitere Entwicklung der Initiative.

Wie können Unternehmen Veränderung leben? Warum braucht es Emotion, um Mitarbeiter zu halten? Und wie gelingt positives, wertbasiertes Führen? Um diese und andere Fragen ging es beim siebten Partnertreffen der Fair Job Hotels (FJH). Beim jährlich größten Event der Arbeitgeber-Initiative trafen sich am 26. und 27. November 120 HR-Manager, Direktoren und Förderpartner im Parkhotel Stuttgart Messe-Airport. Zum Netzwerk gehören derzeit 105 Mitglieder und 17 Branchenpartner.

„Austausch und Lernen stehen bei unseren Jahrestreffen im Vordergrund“, sagte Katharina Darisse, die seit Oktober die FJH-Geschäftsführung innehat, im Gespräch mit Tophotel. „Gemeinschaftlich wollen wir das Thema HR anpacken.“ Das spiegelte sich im Programm wieder – mit Themen wie HR-Trends, Next Work, Mental Health, Generation Z, Arbeitsrecht, Inklusion und dem Geheimnis des psychologischen Vertrags.

„Wir müssen mit alten Führungsmythen aufräumen, neue Wege gehen, auch wenn es schmerzt, sonst gehen wir unter“, appellierte Alexander Aisenbrey, 1. Vorstandsvorsitzender, gleich zu Beginn des Treffens. „Wir brauchen Emotion, um die Menschen zu berühren, damit sie bei uns bleiben. Wir verlieren Mitarbeiter, wenn wir ihre Emotionen nicht wahrnehmen.“

Bei den Fair Job Hotels selbst standen in diesem Jahr die Zeichen auf Veränderung – von der Neuorganisation beziehungsweise Erweiterung des Vorstands im April bis zum Geschäftsführungswechsel im Oktober. 

Fair Job Hotels

Operativer Vorstand (Executive Board): Alexander Aisenbrey/1. Vorstandsvorsitzender/Vorreiter Consulting, Marcus Fränkle/Hotel Der Blaue Reiter, Jochen Oehler/Dehag Hospitality Group, Alex Obertop/Side Design Hotel, Marc Ciunis/Tortue Hamburg, David Depenau/Weissenhäuser Strand, Daniela Danz/Hotel Kö59 Düsseldorf, Katharina Darisse/Fair Job Hotels. Helene Jeske/Fair Job Hotels

Beratender Vorstand (Advisory Board): Ingo C. Peters/Fairmont Hotel Vier Jahreszeiten Hamburg, Peter Messner/Steigenberger Hotel – Der Sonnenhof, Anna-Maria und Michael Fässler/Sonnenalp Resort, Caroline von Kretschmann/Der Europäische Hof Heidelberg, Cyrus Heydarian/Breidenbacher Hof, Henning Matthiesen/Brenners Park-Hotel & Spa, Jan Kappler/Hotel Traube Tonbach

Die Nachricht, dass die bisherige Geschäftsführerin Maria Mittendorfer nach fünf Jahren als Frontfrau der Initiative beruflich neue Wege einschlägt, machte bereits im Juni die Runde. Bei ihrer nun offiziellen Verabschiedung anlässlich des Partnertreffens gab es noch einmal Standing Ovations. Persönlich habe sie die Zeit bei FJH als sinnstiftend, abwechslungsreich und erfüllend empfunden, so Mittendorfer. In ihren Dankesworten betonte sie außerdem: „Die Entwicklung und auch der jüngste Marken-Relaunch von Fair Job Hotels wäre alleine nicht möglich gewesen, sondern er war es nur im Kollektiv mit unseren Partnern und Förderern.“

Das steht auf der Agenda 2024

Mittendorfers Nachfolgerin Katharina Darisse ist seit September aktiv und hat in vielen persönlichen Gesprächen mit den Mitgliedern bereits den „Fair Job Pulse“ gemessen. Die Agenda 2024, die sie daraus abgeleitet hat, stellte sie nun in Stuttgart vor. Ihr Hauptaugenmerk gilt dabei einem „noch intensiveren, regelmäßigeren Wissensaustausch aller Mitglieder untereinander“.

  • Bild 1 von 10
    Katharina Darisse, Fair Job Hotels
    © Patrick vom Berg
    Katharina Darisse, neue Geschäftsführerin der Fair Job Hotels, führte durchs Tagungsprogramm des Partnertreffens.
  • Bild 2 von 10
    Maria Mittendorfer, Alexander Aisenbrey, Katharina Darisse, Helene Jeske, Fair Job Hotels
    © Patrick vom Berg
    Verabschiedung der bisherigen FJH-Frontfrau Maria Mittendorfer (Zweite von links) durch Alexander Aisenbrey, Katharina Darisse (rechts) und Helene Jeske.
  • Bild 3 von 10
    Fair Job Hotels
    © Patrick vom Berg
    Standing Ovations für Maria Mittendorfer bei ihrer offiziellen Verabschiedung aus dem Kreis der Fair Job Hotels.
  • Bild 4 von 10
    Alexander Aisenbrey, Fair Job Hotels
    © Patrick vom Berg
    Alexander Aisenbrey, 1. Vorstandsvorsitzender Fair Job Hotels: „Wir müssen uns ändern, alte Mythen loslassen.“
  • Bild 5 von 10
    Fair Job Hotels
    © Patrick vom Berg
    120 Teilnehmer waren beim siebten Partnertreffen der Fair Job Hotels in Stuttgart dabei.
  • Bild 6 von 10
    Marcel Klinge, Denkfabrik
    © Patrick vom Berg
    Marcel Klinge von der Denkfabrik stellte die neue Studie „Gamechanger Next Work“ vor.
  • Bild 7 von 10
    Alexander Aisenbrey, Helene Jeske, Fair Job Hotels
    © Patrick vom Berg
    Alexander Aisenbrey und Helene Jeske geben Einblick in neue Social-Media-Projekte von Fair Job Hotels.
  • Bild 8 von 10
    © Patrick vom Berg
    Als "FairMittler" in seelsorgerischer Mission unterwegs ist künftig Rainer Schwarz von der Agentur RSPS.
  • Bild 9 von 10
    Fair Job Hotels, Vorstand, Katharina Darisse, Jochen Oehler, Marcus Fränkle, Caroline von Kretschmann, Daniela Danz, Alex Obertop, Alexander Aisenbrey
    © Patrick vom Berg
    Fair-Job-Vorstandsmitglieder auf der Bühne. Daniela Danz (Dritte von rechts) vom Hotel Kö59 aus Düsseldorf ist neu an Bord.
  • Bild 10 von 10
    Meduri & Spanu, Loredana Meduri, Alessandro Spanu
    © Patrick vom Berg
    Die Keynote-Speaker Loredana Meduri und Alessandro Spanu machten das Publikum mit der "Dolce-Vita-Strategie" vertraut.

So soll es im nächsten Jahr zweimonatliche „FairStärkungs-Calls“ für die HR-Ebene geben, ebenso wie monatliche „VerbindungsCalls“ für die Auszubildenden der Mitgliedshäuser in Kooperation mit dem Blog AZUBeasy. Außerdem werde ein Best-Practice-Leitfaden als Umsetzungshilfe für die Vereinsagenda aufgelegt und ein Online-Learning-Angebot mit dem Wissen aus den Betrieben (Protokolle, Lernvideos) aufgebaut, das allen Mitgliedern via Hotelkit zugänglich gemacht wird. Geplant sind außerdem Onboarding-Videos für Mitarbeiter, damit sie die Initiative besser kennenlernen.

Events für alle Mitarbeiterebenen sollen noch stärker forciert werden – vom Azubi über das mittlere Management, den HR-Bereich bis hin zur Führungsebene. 2023 standen beispielsweise das Innovation Camp im Göttingen und verschiedene sogenannte HR-Lunches für HR-Mitarbeiter unter dem Claim „Gemeinsam wachsen“. „Es ist wichtig, Benchmarks zu nutzen und voneinander zu lernen“, appellierte Alex Obertop aus dem FJH-Vorstand an die Teilnehmer des Treffens. „Die aktuellen Schmerzen und Probleme sind in allen Betrieben ähnlich, aber doch anders – nutzt die Zeit, um euch auszutauschen.“

Mehr Sichtbarkeit bei gesundem Wachstum

Präsentiert wurde auch die Social-Media-Entwicklung, die der Verein noch stärker vorantreiben will. Denn: „2.800 Follower bei LinkedIn sind gar nichts“, räumte Alexander Aisenbrey ein. „Für 2024 muss es das Ziel sein, diese Zahl mindestens zu verdoppeln. Wir brauchen mehr Sichtbarkeit.“ Um das zu erreichen, sei etwa ein Podcast-Talk-Format geplant, an dem sich alle Mitglieder beteiligen können. Darin soll es um Wissensvermittlung und Geschichten aus den Betrieben gehen, aufgenommen wird im Podcast-Studio des Hamburger Hotels Tortue. Darüber hinaus würden ein Social-Media-Guide aufgelegt sowie regelmäßige Marketing-Calls abgehalten.

Im Juni 2016 von 15 Hoteliers und Industriepartnern mit 18 Mitgliedern gegründet, steht der Verein 2023 bei 105 Mitgliedern. Bereits im Juli war die 100er-Marke geknackt worden. „Unser Ziel ist es weiterhin qualitativ und gesund zu wachsen“, so Aisenbrey.

Neue FJH-Mitglieder 2023

  • Maximilian Hotel München
  • Hommage Hotel Kö59, Düsseldorf
  • Schlosshotel Blankenburg (Harz)
  • Diedrich Wellnesshotel & Spa, Hallenberg
  • Hotel Jungbrunn, Tannheimer Tal
  • Hotel-Restaurant Anne-Sophie, Künzelsau
  • Hotel Rungholt, Sylt
  • Hotel Zum Koch, Ortenburg
  • Hommage Hotel Grand Tirolia, Kitzbühel
  • Platzl Hotels, München
  • Hotel Apart, Rotkreuz
  • Romantik Hotel Achterdiek, Juist
  • Alpenrose – Familux Resort, Lermoos
  • Hotel Waldsägemühle, Pfalzgrafenweiler

„FairMittler“-Position wird ausgebaut

Neu an Bord sind vier Förder-Partner: die Tourismus- und Hotel-PR-Agentur RSPS, der Software-Anbieter Persentis, das Gesundheitsnetzwerk „Wir für Gesundheit“ und die Arbeitgeber-Marketing-Beratung FairFamily.

Mit Rainer Schwarz von RSPS bekommt Bernhard Patter von Diavendo in seiner Funktion als „FairMittler“ beziehungsweise Mediator weitere Verstärkung. Schwarz, der auch als Seelsorger in verschiedenen Hotels aktiv ist, wird die Initiative dahingehend begleiten. Das Ziel beider FairMittler sei es, Menschen zu unterstützen und dabei zu helfen, diese in den Betrieben zu halten. Die Agentur RSPS wird ab 2024 zudem Mental-Health-Ersthelfer ausbilden.

In einem eigenen Programm-Slot informierten Rainer Schwarz, Silvio Rahr, Geschäftsführer von Wir für Gesundheit, und Felix Anrich, Geschäftsführer FairFamiliy, außerdem über HR-Trends mit Gesundheitsbezug.

HR-Trends

  • Wellbeing und Gesundheit sind zunehmend wichtige Themen für Arbeitgeber
  • Psychologische Sicherheit, Fürsorge und Wertschätzung sind wichtiger als Geld
  • Mental Health ist Wettbewerbsvorteil
  • Betriebliche Gesundheits-Upgrades boomen
  • Emotionale Lohnbestandteile integrieren
  • Top-Arbeitgeber investieren 5-10 Prozent der Lohnsumme in Benefits
  • Ganzheitliche Systeme: Gesundheit sollte im Unternehmen heute ein Wert sein, der gelebt wird

Ein Schwerpunkt von Fair Job Hotels wird im kommenden Jahr wieder auf der internationalen Mitarbeitergewinnung liegen. In Sachen Auslandsrecruiting berichtete Alexander Aisenbrey von zahlreichen Bemühungen, die allerdings nicht immer so aufgegangen seien, wie gewünscht. In Asien wolle man künftig verstärkt mit Kai-Arne Fiedler von BSK International als Partner vor Ort zusammenarbeiten. „Es gibt viele Modelle, Menschen nach Deutschland zu bringen – wir sind im Austausch mit den Kolpingwerken, wir wollen die asiatische Idee weiterentwickeln ...“, teaserte Aisenbrey an. Dafür brauche es zugleich finanziellen Support. „15 Partner a 2000 Euro wären ein Anfang, um das Asien-Programm hochzufahren“, so Aisenbrey. Eine Umfrage unter den Mitgliedern soll nun herausfinden, wie groß das Interesse dafür ist und wie es mit dem Auslandsrecruiting weitergeht.  

Neue Denkfabrik-Studie zur Zukunft des Arbeitens

Einen Blick auf den „Gamechanger Next Work“ warf Marcel Klinge von der Denkfabrik. Er stellte erste Ergebnisse einer neuen Studie in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut vor, die Anfang Dezember offiziell veröffentlicht wird. Darin heißt es: „Next Work ist die Zukunft, flexibles Arbeiten der Jobmotor für die 360-Grad-Gastwelt“, so Klinge. „Mitarbeiter sind das Gravitationssystem des Ökosystems Gastwelt.“ Es gelte umzudenken: von „Total Cost“ zu „Total Value of Employee“.

Laut der Studie sind flexible Arbeitsmodelle ein starker Hebel, um Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten. „Die 4-Tage-Woche kommt in der Studie ganz gut weg, doch für die Hospitality ist sie kein Zukunftsmodell, da sie die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Gastwelt übersteigt“, schränkte Klinge zugleich ein. Vielmehr werde die X-Tage-Woche zum zentralen Element von Next Work. Und dafür brauche es zugleich „ein neues Verständnis von Vollzeitarbeit“, appellierte der Vorstand der Denkfabrik.

Gamechanger Next Work

Flexible Arbeitsorte
Trends:
Homeoffice, Workation, Hotels als Orte für Arbeit haben Potenzial
Status quo: Der Homeoffice-Anteil in der Hospitality liegt bei gerade einmal 2,4 Prozent.

Flexible Tätigkeiten/Prozesse
Trends: Digitalisierung und Automatisierung sind Erfolgsfaktoren im Kampf gegen Mitarbeitermangel. Monotätigkeiten werden unbeliebter – Trend zu Zweitjobs, Generalisten sind gesucht.
Status quo: Das Automatisierungspotenzial in der Hotellerie liegt derzeit bei 69 Prozent.

Eine Prise "Dolce Vita" für die Führung

Zu mehr Fokus im Führungsalltag motivierte nicht zuletzt die sogenannte „Dolce-Vita-Strategie“ der Leadership-Experten Loredana Meduri und Alessandro Spanu aus Stuttgart. Das Duo mit italienischen Wurzeln gab in seiner Keynote Tipps im Umgang mit Mitarbeiter- und Performer-Typen im eigenen Betrieb, und wie man deren Verbundenheit zum Unternehmen stärken kann.

Um Teams erfolgreich zu machen, rieten sie dazu, den Blick verstärkt auf die Top- und Medium-Performer in der Belegschaft zu richten. Denn noch würden Führungskräfte im Alltag nur allzu oft eher vergebliche Energie in die Low Performer im Jammermodus stecken. „Machen sie die Medium-Performer in ihrem Team zu Top-Performern“, betonte Loredana Meduri. „Und vergessen sie nicht, sich auch Zeit für ihre Top-Performer zu nehmen, ihnen Komplimente zu machen und ein gutes Gefühl zu geben.“ Denn Top-Mitarbeiter bräuchten ebenso Wertschätzung, sonst verließen sie irgendwann das Unternehmen.

Denkanstöße von Meduri & Spanu

  • Warum ist dein Unternehmen einzigartig?
  • Warum sollte ein Mitarbeiter bei dir arbeiten wollen?
  • Kennst du den Nutzen deines Unternehmens?
  • Was tust du als Unternehmer, als Mensch, als Führungskraft, um andere Menschen hochzuziehen?
  • Schenkst du deinen Mitarbeitern ein gutes Gefühl, wenn du ihnen begegnest?
  • Zeigst du deinen Top Performern deine Wertschätzung?

Emotionen und Empathie, werden laut den beiden Coaches, immer wichtiger, wenn es um Mitarbeiterbindung geht. Zugleich rieten sie Führungskräften mehr Mut aufzubringen, sich auf Veränderungen einzulassen und sich öfter mal „Why not?“ zu fragen, so Alessandro Spanu. Und auch wenn Deutschland momentan im Jammer-Modus feststecke: „Üben Sie sich darin, als Unternehmen, als Mensch, als Führungskraft flexibler und genießbarer zu sein!“

Nächstes Fair Job Hotels Partnertreffen: 14. und 15. Oktober 2024, Hotel Vier Jahreszeiten, Hamburg