"Drive-in" am Restaurant Krone in Weil am Rhein Initiatorin Sonja Hechler über Idee und Umsetzung

Gäste des Restaurants Krone in Weil am Rhein können ab sofort vom Auto aus an einem extra Schalter Speisen bestellen und mitnehmen. (Bild: Hotel und Restaurant Krone Weil am Rhein)

Das Hotel und Restaurant Krone in Weil am Rhein (Baden-Württemberg) bietet Mittags ab sofort auch einen Drive-in-Schalter zur Abholung von Speisen an. Gastgeberin Sonja Hechler erklärt im Interview mit Tophotel, wie sie auf die Idee kam und was es bei der Umsetzung zu beachten gilt.

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Frau Hechler, wie hat Ihnen Ihre Karriere in der internationalen Gastronomie bei der Umsetzung des neuen Konzepts geholfen und wie hilft die Erfahrung generell in der Krise?

Die Erfahrung im In-und Ausland hilft natürlich immer. Besonders in Großstädten wie London habe ich viele Konzepte gesehen, von denen man jetzt ableiten kann. Auch meine Station in der Schweiz, wo ich für das Messe Catering tätig war, ist nun hilfreich. Die größte Hilfe ist allerdings mein Küchenchef Peter Prüfer, der sofort auf die Situation reagiert hat und innerhalb von wenigen Stunden ein Angebot mit passender Verpackung geliefert hat.

Woher nahmen Sie die Inspiration zu dem Restaurant-Abhol-Konzept?

Wir haben uns überlegt, was den Gästen nun wichtig ist. Klar war: wir müssen etwas anbieten, was funktioniert ohne einen körperlichen Kontakt zu den Gästen zu haben. So kam die Idee mit dem Drive-in. Die Gäste müssen das Auto nicht verlassen und können bargeldlos bezahlen. Es schien uns einfach nahliegend.

Wie entstand das Konzept und wie setzen Sie es um?

Wir haben die Zeit nach Bekanntgabe der Schließung für ein kreatives Meeting genutzt. Unser Küchenchef ist bei uns im Hotel eingezogen und so kamen wir schnell auf das gewünschte Ergebnis.

Die Gäste des Restaurants Krone in Weil am Rhein müssen beim Abholen der Speisen das Auto nicht verlassen und können bargeldlos bezahlen.

Worauf müssen Hoteliers/Gastronomen achten, wenn sie ein solches Angebot installieren wollen?

Erst einmal ist es wichtig, dass man die Infrastruktur hat. Nicht in jedem Betrieb ist ein Drive-in möglich. Die Personalplanung ist sehr wichtig und entscheidet auch, ob das Konzept wirtschaftlich ist. Da Auszubildende nicht Kurzarbeit beantragen können, haben wir ein Azubi-Projekt daraus gemacht.

Die Mitarbeiter müssen gut informiert sein und die Hygienevorschriften unbedingt einhalten. Die Öffnungszeiten müssen konzentriert sein, so dass man nicht zu viele Schichten braucht und die Personalkosten gering halten kann. Das Angebot muss frisch gekocht werden, aber sollte schnell zubereitet werden können (maximal in zehn Minuten). Gesunde Speisen kommen sehr gut an. Man sollte unbedingt die Bauern in der Region als Lieferanten berücksichtigen.

Das Geschirr sollte nachhaltig sein und einfach zu verpacken sein, um nicht zu viel Zeit damit zu verlieren. Die Speisekarte sollte abwechslungsreich gestaltet sein, da man sehr schnell Stammgäste gewinnt. Das Menü muss auf der Website einfach zu finden sein. Die sozialen Medien sind sehr wichtig. Wir posten täglich unser Angebot und Inspirationen. Das Drive-in muss schon von der Straße aus zu sehen sein.

Wie ist der Ablauf bei Take-Away/bei Drive-in?

Man kann auf eine bestimmte Zeit vorbestellen und direkt abholen. Bezahlt wird vor Ort. Unser Mitarbeiter kann vom Schalter zum Auto direkt kommunizieren. Das Auto kann dann kurz geparkt werden. Während der Wartezeit bekommt der Gast einen hausgemachten Vitaminsaft und ein Desinfektionstuch. Bargeldlose Bezahlung ist wichtig.

Wie ist das Feedback der Gäste? Gehen mehr Gerichte als Take-away raus oder im Drive-in? Welche Klientel besucht Sie?

Wir haben etwa 60 Prozent Vorbestellungen und 40 Prozent für den Drive-in. Wobei alle Bestellungen über den Drive-in-Schalter laufen. Wir bekommen viele Anrufe und E-Mails, in denen sich die Gäste für den Service und das tolle, schön angerichtete Essen bedanken.  Wir haben alle Altersgruppen. Vor allem ältere Gäste, die Angst haben, in den Supermarkt zu gehen, freuen sich über dieses Angebot.

Wie ist die generelle Lage in Ihrem Hotel?

Unser Hotel ist leider fast leer. Alle  Veranstaltungen sind bis in den Juni abgesagt. Die Situation ist sehr schwierig. Wir werden allerdings ab nächster Woche Working Spaces im Hotel anbieten und hoffen, mit den jetzigen Einnahmen und der Unterstützung vom Staat und unserer Bank über die Runden zu kommen. Das Projekt macht uns viel Spaß und hält uns bei Laune.

Interview: Verena Usleber

Mehr Ideen, um die Krise zu meistern, finden Sie unter anderem in dem Beitrag:
Kreative Lösungsansätze in der Coronakrise.

www.kroneweil.de

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