Trends Deutscher Reisemarkt zeigt sich zur Sommersaison robust

Ab in den Süden: Die Reisemarkt-Analyse der ITB Berlin zeigt, dass Mittelmeer-Ziele bei deutschen Urlaubern weiterhin sehr beliebt sind.
Ab in den Süden: Die Reisemarkt-Analyse der ITB Berlin zeigt, dass Mittelmeer-Ziele bei deutschen Urlaubern weiterhin sehr beliebt sind. © adrianad - stock.adobe.com

Der Reisewunsch der Deutschen bleibt stark – trotz Wirtschaftsflaute und globaler Unsicherheiten. Die ITB Berlin beleuchtet aktuelle Entwicklungen und richtet den Blick auf neue Herausforderungen.

Während die Weltwirtschaft 2025 von Unsicherheit und Stagnation geprägt ist, erweist sich die Reiselust der Deutschen als robust. So die Einschätzung der Reisemesse ITB Berlin, die aktuelle Marktentwicklungen sowie Chancen und Herausforderungen analysiert hat. „Reisen steht auch in diesem Jahr ganz oben auf der Konsumwunschliste – trotz aller ökonomischen und geopolitischen Herausforderungen. Reisen und Urlaub scheint das Letzte, worauf die Deutschen verzichten wollen“, so Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV)

Die ITB bezieht sich in ihrer Analyse unter anderem auf Schätzungen des DRV. Dieser prognostiziert, dass die Deutschen in diesem Jahr für Reiseleistungen rund 85 Milliarden Euro ausgeben werden – sechs Prozent mehr als im Jahr zuvor. Besonders stark wachse der organisierte Reisemarkt mit Pauschal- und Bausteinreisen. Der Verband geht davon aus, dass Urlauber fast 40 Milliarden und damit rund sieben Prozent mehr als im Vorjahr für Angebote von Reiseveranstaltern ausgeben werden. Wachstumstreiber sei ebenfalls das Segment „Kreuzfahrten“, das bereits 2024 mit 3,8 Millionen Urlaubern einen neuen Rekord erreichte und in diesem Jahr weiter wachsen dürfte.

Reiseziele, Preisbewusstsein und neue Dynamiken

Laut ITB dominieren wie gewohnt die Warmwasserziele am Mittelmeer das Buchungsgeschehen, wobei die Zahl der Frühbucher weiter zunehme. Die Türkei behaupte ihre Position als umsatzstärkstes Flugpauschalreiseziel, gefolgt von Spanien und Griechenland. Gleichzeitig würden preisgünstigere Destinationen wie Bulgarien, Tunesien oder Ägypten an Bedeutung gewinnen. Bislang weniger etablierte und vergleichsweise günstige Ziele auf dem Balkan wie Montenegro und Albanien verzeichnen laut ITB ebenfalls einen moderaten Anstieg der Buchungszahlen.

"Sollten sich die negativen wirtschaftlichen Trends verfestigen, wird dies auch Auswirkungen auf das Reiseverhalten haben."

Norbert Fiebig, Präsident Deutscher Reiseverband

Trotz der Reiselust der Deutschen zeigen aktuelle Studien eine wachsende ökonomische Belastung: Laut einer Untersuchung von ADAC-Reisemonitor ist mittlerweile jeder dritte Bundesbürger bei der Planung seines Sommerurlaubs von Sparzwängen betroffen. Gleichzeitig wachse der Anteil jener Verbraucher, die gerne verreisen würden, den Urlaub aber kaum noch finanzieren können. Rund 32 Prozent der Deutschen werden 2025 komplett auf eine größere Urlaubsreise verzichten. 2022 waren dies nur 17 Prozent. „Kostensteigerungen drücken die generelle Konsumlaune und belasten das frei verfügbare Einkommen in den privaten Haushaltskassen. Dennoch sehen wir: Die Zahlen in der Reisebranche zeigen nach oben. Sollten sich die negativen wirtschaftlichen Trends allerdings verfestigen, wird dies auch Auswirkungen auf das Reiseverhalten haben“, befürchtet DRV-Präsident Fiebig.

Die grundsätzlich robuste Stimmung auf dem deutschen Reisemarkt stehe im Widerspruch zu internationalen Trends, die sich gegenüber dem Vorjahr auf vielen Ebenen der touristischen Wertschöpfungskette verschlechtert haben. „Die weltweit deutlich gestiegenen Kosten für Flug und Unterkunft sowie eine schwache Konjunktur in vielen Ländern machen sich im Markt zunehmend bemerkbar“, beobachtet Zoritsa Urosevic, Tourism Executive Director bei den Vereinten Nationen.

Zwischen Nachhaltigkeitswunsch und Realität

Nachhaltigkeitsaspekte, wie etwa eine umweltfreundliche Anreise oder das Mobilitätsangebot am Urlaubsort, rangieren bei den Kriterien für die Buchung nach wie vor auf den hinteren Plätzen. Laut ADAC-Reisemonitor ist nur etwa ein Fünftel der Menschen grundsätzlich bereit, einen Aufpreis für nachhaltige Zusatzleistungen wie etwa regionale Produkte zu bezahlen. Gleichzeitig jedoch sei der Wunsch nach intakten Umweltbedingungen vor Ort größer denn je: 18 Prozent aller Befragten gaben an, dass sie bei ihrer Urlaubsplanung die Gefahr möglicher Naturkatastrophen wie Waldbrände, Fluten oder andere Wetterextreme in Betracht ziehen. 2022 waren dies 14 Prozent gewesen.

Dass Reisende Mittelmeerziele aufgrund wachsender Klimarisiken meiden und etwa Richtung Nordeuropa ausweichen, sei bislang jedoch kaum zu beobachten. Die ITB führt das auf die erheblichen Preisunterschieden zwischen skandinavischen und südeuropäischen Urlaubszielen zurück.

Branche in der Verantwortung

Das aktuelle Buchungsverhalten bestätige einen Trend, der unter dem Eindruck ökonomischer Krisen und stagnierender Kaufkraft noch zunehmen dürfte. Eine wachsende Zahl der Urlauber lebe im Konflikt zwischen Anspruch und realem Verhalten, bilanziert die ITB. Obwohl das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Nachhaltigkeitsmaßnahmen bei vielen Reisenden zu wachsen scheint, spiegle sich dies in der Realität kaum wider. Viel bedeutender als Maßnahmen zum Klimaschutz seien für die Reisenden die Attraktivität des Reiseziels und der Preis – ein Phänomen, das in der Wissenschaft als „attitude behaviour gap“ bezeichnet wird.

Dass Urlauber allein durch Preissignale zu nachhaltigerem Reiseverhalten motiviert werden können, stehe vor diesem Hintergrund nicht zu erwarten. Wissenschaftler wie Heinz-Dieter Quack, Professor für Tourismusmanagement an der Ostfalia Hochschule, sieht bei dieser Aufgabe eher die touristischen Leistungsträger in der Verantwortung: „Nachhaltigkeit ist nicht nachfragegetrieben. Nicht die Urlauber, sondern die Reiseunternehmen müssen voran gehen“, verlangt Quack. Dabei gehe es nicht nur darum, nachhaltige Konzepte zu erstellen und in das touristische Produkt zu integrieren, sondern auch darum, diese Angebote im Rahmen der unternehmenseigenen Marketingstrategie sichtbar zu machen.

Auch bei einem Problem wie Overtourism verweist der Wissenschaftler auf die Verantwortung der Anbieter. Digitale Lösungen zur Regulierung von Besucherströmen sowie im Extremfall auch Verbote unerwünschter touristischer Aktivitäten könnten helfen, Umwelt und Aufenthaltsqualität von Destinationen zu schützen. red/sar