Sanierung Der Erbprinz ist wieder komplett

ERBPRINZ Sanierung
In neuem Glanz: Insgesamt wurden sechs Millionen Euro in dem Umbau des Hotels investiert. © TMBW

Auf die Pandemie folgte für das Hotel Erbprinz der nächste Schock: Ein in der Sauna ausgelöster Brand zerstörte nicht nur sie, sondern auch 43 Zimmer. Inzwischen sind die Renovierungsarbeiten abgeschlossen.

"Eigentlich hatte ich damals gedacht, Corona sei vorüber und ich könnte allmählich in eine Art Vorruhestand übergehen“, blickt Hoteleigentümer und -betreiber Bernhard Zepf (61) bei der feierlichen Wiedereröffnung der renovierten Zimmer und des Saunabereichs zurück. "Doch dann standen eines Nachts plötzlich 15 Feuerwehrfahrzeuge und acht Krankenwagen vor dem Hotel und es dauerte drei Stunden, bis die Flammen gelöscht waren."

Schaden in Höhe von sechs Millionen Euro

Nach dem Brand trieb Zepf vor allem eine Frage um: "Sind wir versichert? Bei wem und in welcher Höhe?" Unterstützt wurde der Hotelier von seiner Versicherung, der Assekuranz Hermann, und dem Gebäude-Sachverständigen Konrad Renz, die die Wiederaufbau-Maßnahmen in Höhe von rund sechs Millionen Euro begleiteten. Zu Beginn wurde die Statik des betroffenen Gebäudetrakts untersucht und festgelegt, wie viele Zimmer saniert werden mussten. Bei der Neugestaltung arbeitete Zepf mit ortsansässigen Handwerksbetrieben zusammen, für das Interior-Design zeichnete das Unternehmen Designer’s House aus Frankfurt am Main verantwortlich.

Den Kontakt zwischen ihr und Bernhard Zepf habe Dorint-CEO Jörg Böckeler hergestellt, sagt Designer’s House Geschäftsführerin Madeleine Moes, die hauptsächlich Großprojekte in der Hotellerie umsetzt. Umso reizvoller war die Teilsanierung des Erbprinz, dessen Historie sich in den neu gestalteten Zimmern widerspiegeln sollte. Als Moes das Hotel Ende 2021 erstmals betrat, waren die zu renovierenden Zimmer und der Saunabereich in einem Zustand, der einem Rohbau ähnelte. Lediglich in einigen Zimmern ließen sich Holzvertäfelungen wiederverwenden. Heute verschmilzt die von den Designern entworfene neue Zimmereinrichtung mit Details aus der Vergangenheit, wie etwa original Türbeschlägen, die – wo immer möglich – erhalten blieben. Passend dazu wurden Lichtschalter und Steckdosen als nostalgische Aufputz-Varianten montiert.

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    sauna_schneeraum_ Hotel Erbprinz
    © Archifoto Bence Boldogh
    Ein Highlight im neuen Spa: Die Schneegrotte sorgt für Abkühlung nach dem Saunagang.
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    Doppelzimmer Hotel Erbprinz
    © Archifoto_Bence_Boldogh/Hotel Erbprinz
    Klassisch: In den renovierten Zimmern sorgen zart grüne Wände in Kombination mit Textilien in Grautönen für Behaglichkeit.
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    sauna_kamine Hotel Erbprinz
    © Archifoto Bence Boldogh
    Gemütlich: Vor dem Panorama-Kamin lässt es sich nach der Sauna gut entspannen.
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    ERBPRINZ Sanierung
    © TMBW
    In neuem Glanz: Insgesamt wurden sechs Millionen Euro in dem Umbau des Hotels investiert.

Moderne Stilelemente treffen auf zeitgenössische Kunst

Gemusterte Tapeten mit Vogel- und Blütenmotiven harmonieren mit modernen Kunstwerken und den in einem hellen Resedagrün gehaltenen Wänden. Auf den Teppichen finden sich entweder Blütenmuster oder einem Fleckerlteppich nachempfundene Streifen. Je nach Zimmergröße laden gemütliche Sofaecken oder große, geblümte Sessel mit Fußhocker zum Relaxen ein. Ein Schreibtisch sowie eine antik anmutende Minibar mit Marmorplatte und angegliedertem Spiegel fehlen ebenso wenig wie bequeme, in der Regel zwei Meter breite Betten. "Die Wandfarbe ist an das Haus meiner Großmutter angelehnt", erläutert Moes. "Ein warmer Grünton, aber auch Blau harmonieren immer gut mit Holztönen, von denen es im Erbprinz viele verschiedene gibt."

Die Böden der renovierten Zimmer sehen aus, als wären sie aus echtem Holz, sind sie aber nicht: "Der Hausherr hatte den Wunsch geäußert, Vinyl-Böden in Holzoptik einzusetzen", so Moes. Im Gegensatz zu den ersten Versionen dieser Bodenbeläge wirke die heutige Generation nicht mehr so speckig-glänzend und auch die Masserungen glichen dank der Synchronprägung einer echten Holzstruktur. Da Bernhard Zepf auch schon vor dem Brand moderne Stilelemente und zeitgenössische Kunst mit der historischen Einrichtung seines Hauses kombiniert hatte, fiel den Designern die Gestaltung nicht allzu schwer. „Wir zogen das, was historisch ist, weiter, konnten aber an den bereits aufgelockerten Stil anknüpfen“, so die Designerin. Schlimm findet Moes dagegen sterile Hotels und solche, bei denen die Übergänge von einem Teil des Hauses ins andere zu krass ausfielen. „Man kombiniert in den eigenen Wohnhäusern ja auch Alt mit Neu und Vorhängt ein cooles Bild, das man sich selbst gekauft hat, neben den Schrank von der Oma.“ Für Gemütlichkeit sorgen in den Zimmern außerdem diverse unterschiedliche Lampen, die ein warmes, anheimelndes Licht spenden.

"Die Gebäudetechnik ist jetzt auf einem Stand, der mit einem Neubau vergleichbar ist."

Bernhard Zepf, Eigentümer

Neuer Glanz für Bäder und Wellnesslandschaft

Auch bei der Badgestaltung orientierte sich Designer’s House am ursprünglichen Stil des Erbprinz, dessen Bäder grundsätzlich mit Marmor ausgestattet sind. So kommt in den neuen Duschen großflächig Marmor zum Einsatz, die übrigen Wände des Bades sind weiß gestrichen. Regenduschen fehlen hier ebenso wenig wie genügend Ablageflächen sowie Seifenspender mit Produkten von Naturals.

Die Wellnesslandschaft erstrahlt nun ebenfalls aus einem Guss. Der große Pool mit Massagedüsen war nicht vom Brand betroffen, doch verbindende Elemente sorgen auch hier für einen reibungslosen Übergang in die komplett neugestaltete Spa-Welt mit Biosauna, finnischer Sauna und Dampfbad. Ein Eyecatcher ist die Schneegrotte, in der sich die Gäste abkühlen können. Die Sauna hat einen eigenen kleinen Ruhebereich mit Liegen und eine gemütliche Ruhekoje, die sich mit einem Vor hang auch von den Blicken der Außenwelt abtrennen lässt. Zudem sorgt ein Kamin für Wohlfühlatmosphäre, vor dem Gäste in komfortablen Schaukelsesseln relaxen können. Weitere Ruheliegen befinden sich zudem im Poolbereich. Von der Sauna führt ein Flur mit Blumenwiesen-Tapete zum Infrarot-Raum, in dem vier Infrarotliegen und eine Salzwand auf die Gäste warten.

Folgt man dem Flur, gelangt man in das Reich von Jacqueline Frank-Zepf: den Beauty- und Massage-Bereich mit insgesamt fünf Behandlungskabinen. Ganz ohne Komplikationen verlief der Umbau nicht: Ein Sanierungsprozess eines bestehenden Gebäudes birgt in der Regel mehr Herausforderungen als ein Neubau. „Die Gebäudetechnik ist jetzt auf einem Stand, der mit einem Neubau vergleichbar ist“, unterstreicht Zepf. Allein für das Verlegen neuer Leitungen habe man einen alten Asbest-Schacht über sechs Stockwerke hinaus abtragen und durch einen neuen Schacht ersetzen müssen. Und für Madeleine Moes war die Gestaltung der Sauna die schwierigste Aufgabe des ganzen Renovierungsprozesses: "Vor allem der Unterzug hat die Gestaltung hier sehr erschwert.“ Doch am Ende gab es für alles eine stimmige Lösung, die sich sehen lassen kann.