Dehoga BaWü-Vorsitzender Fritz Engelhardt im InterviewDas muss die Politik jetzt liefern

Fritz Engelhardt vom Dehoga Baden-Württemberg hat klare Forderungen an die Politik. (Bild: Dehoga Baden-Württemberg)

Vergangene Woche hat Fritz Engelhardt, Vorsitzender des Dehoga Baden-Württemberg, ergänzend zur Corona-Soforthilfe des Landes einen bundesweiten Entschädigungsfonds gefordert. Was die Politik seiner Meinung nach jetzt leisten muss, welche Rolle der Dehoga dabei spielt und was er seinen Hotelierskollegen nun rät, lesen Sie im Tophotel-Interview. 

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Tophotel: Herr Engelhardt, wie ist die Lage in Ihrem Hotel in Pfullingen?
Fritz Engelhardt: Aktuell hat unser Haus mit 90 Betten noch geöffnet. Einige Gestrandete sind bei uns einquartiert, beispielsweise von großen Firmen oder solche, die im Job dringend gebraucht werden, weil sie etwa bei einem Energieversorger arbeiten. Was die Zahlen angeht: Manchmal sind es sieben, manchmal auch nur zwei Gäste. Unsere Mitarbeiter haben wir nach Hause geschickt. Wir als Familie kümmern uns um den Betrieb. Das Frühstück bringen wir beispielsweise auf Basis eines Bestellformulars vor die Zimmer.

In Ihrem Video-Statement sprechen Sie davon, dass die Betriebe sich alleingelassen fühlen. Könnten Sie diese Aussage konkretisieren?
Eine solche Situation wie jetzt gab es noch nie. Kleinstbetriebe und Sternehäuser sind gleichermaßen betroffen. Alle sind unter Strom, viele wissen nicht, was als nächstes kommt, welche Hilfsinstrumente zur Verfügung stehen und wie sie die Möglichkeiten des Krisenmanagements – von der Kurzarbeit bis zur Liquiditätshilfe – schnell und erfolgreich nutzen können. Unser Verband, der Dehoga, kämpft mit all seinen Ressourcen an der Seite seiner Mitglieder: Wir haben in Baden-Württemberg in den letzten Wochen viele Tausend telefonische Beratungen zu Rechtsfragen und betriebswirtschaftlichen Themen geführt. Wir unterstützen die Betriebe konkret mit praxisnahen Umsetzungshilfen, Checklisten und Merkblättern. Der Zuspruch, den wir dafür bekommen, ist enorm. Die Kollegen spüren:  Wir sind da. Wir sprechen mit denen, die sich alleingelassen fühlen. Und wir können sehr vielen, die jetzt auf uns zukommen, helfen.

Welche Maßnahmen der Politik sind aktuell schon zielführend?
Dass in Baden-Württemberg eine schnelle Entscheidung und konsequente Umsetzung beim Thema Soforthilfe getroffen wurde, begrüße ich sehr. Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut hat zwischenzeitlich klargestellt, dass die Corona-Soforthilfe ohne Prüfung des privaten Vermögens ausbezahlt wird. Das ist richtig und wichtig. Es wurden bereits 180.000 Anträge auf die direkten Hilfszahlungen gestellt; hier bieten wir auch eine Ausfüllhilfe an. Allerdings ist jetzt schon klar: Die Soforthilfe wird vom Umfang her nicht ausreichen – und für Betriebe über 50 Beschäftigte greift sie in unserem Bundesland nicht. Auch das ist ein Problem, mit dem wir uns nicht abfinden.

Wo sehen Sie noch Nachbesserungsbedarf?
Unser Verband drängt mit Nachdruck auf einen staatlichen Entschädigungsfonds. Ein solcher Fonds sollte Betriebe wirkungsvoll unterstützen, die aufgrund der notwendig gewordenen Schließungen aktuell praktisch keine Umsätze mehr erzielen können. Die Unterstützung muss sich am entstandenen Schaden orientieren und sie muss direkt erfolgen, ohne Begrenzung der Mitarbeiterzahl. Wer jetzt zusperren muss, der sperrt danach nicht so einfach wieder auf. Dafür sind die Soforthilfen zu gering. Die Betriebe brauchen jetzt schnell eine Perspektive, damit sie diese extreme Durststrecke überleben können.

Wie will der Dehoga seine Forderungen erfolgreich bei der Politik platzieren?
Wir sind politisch auf allen Ebenen aktiv. Unsere Botschaft ist klar: Wir tragen die notwendigen, sehr harten, Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie verantwortungsvoll mit – aber wir brauchen zum Ausgleich für die brutalen Verluste jetzt schnelle Hilfe vom Staat. Aktuell läuft eine bundesweite Umfrage des Dehoga. Wir zeigen mit belastbaren Daten und Fakten auf, wie dramatisch die Situation ist und an welchen Stellen es bei den Hilfestellungen hapert. Damit liefern wir der Politik auch konkrete Ansatzpunkte für Verbesserungen und Unterstützungsmaßnahmen.

Was raten Sie Ihren Hoteliers-Kollegen für die Zeit nach der Krise?
Es ist wichtig, dass wir erkennen, wie verwundbar unsere Branche war. Gute Leistung muss auch ordentlich entlohnt werden. Wir müssen uns öffnen in Angeboten und Struktur und die Konditionen, die vorher galten, überdenken.

Interview: Verena Usleber

Fritz Engelhardt hat seine Forderungen per Video an die Politik gerichtet

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