Gebäudetechnik Wie der Europa-Park mobile Zutrittslösungen integriert

Blick auf die Piazza des Erlebnishotels Colosseo im Europa-Park Hotel-Resort. Ingesamt verfügt der Freizeitpark über sechs Hotels, ein weiteres ist in Planung.
Blick auf die Piazza des Erlebnishotels Colosseo im Europa-Park Hotel-Resort. Ingesamt verfügt der Freizeitpark über sechs Hotels, ein weiteres ist in Planung. © Salto

In dem Freizeitpark in Rust öffnen Gäste ihre Zimmer per Smartphone. Eine Zutrittslösung verbindet Check-in, App und Hotelbetrieb – und zeigt, wie sich tausende Türen im laufenden Betrieb umrüsten lassen.

Saisonstart im Europa-Park in Rust. Familien reisen an, Koffer rollen, Vorfreude liegt in der Luft. Statt in der Lobby an der Rezeption zu warten, öffnet die „Hotels App“ das Zimmer – mit einer animierten Schließbewegung direkt auf dem Smartphone. Der digitale Schlüssel funktioniert zuverlässig, die Hardware fügt sich harmonisch in das Design des Hauses ein. Im Hintergrund arbeitet das System stabil und unauffällig. Grundlage ist eine durchgängig digitale Gastreise – vom Buchen bis zum Auschecken. Check-in, Zutritt, Tickets, Parkbesuch, Tischreservierung, Wellness: Alles läuft über eine zentrale Anwendung. Wichtiger Bestandteil dieses Konzepts ist eine Zutrittslösung von Salto Systems. Sie verbindet Gästeprozesse mit den Abläufen im Hintergrund.

„Wir wollten die digitale Reise lückenlos gestalten“, sagt David Gehlert, Personal Assistant Hotelmanagement und Senior Projektmanager bei der Europa-Park GmbH & Co – Hotelbetriebe KG. „Der Hotelgast soll alle Schritte einfach und intuitiv über die App auf seinem Smartphone steuern können.“  Für das Resort war entscheidend, dass sich die Zutrittslösung nahtlos in die bestehende Systemlandschaft einfügt. Schnittstellen sollten stabil laufen, Daten sicher übertragen werden. Gleichzeitig sollte das System administrative Aufgaben übernehmen. Das erklärte Ziel: Manuelle Prozesse zu reduzieren, das Personal zu entlasten und gleichzeitig den Wartungsaufwand zu senken.

Doch neben den technischen Anforderungen zählten auch analoge Faktoren. Vor allem das Design. Beschläge und Wandleser sollten sich harmonisch in die Gestaltung des jeweiligen Hotels einfügen. „Die Hardware sollte zum Stil der Häuser passen“, sagt Dominik Seywald, Projektleiter beim Salto-Fachpartner Koch aus Freiburg, der Planung und Installation in den Hotels des Freizeitparks verantwortete.

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    Antiker Look: Das Design der Türbeschläge sollte sich harmonisch in die detailreiche Gestaltung der Hotels einfügen.
    © Salto
    Antiker Look: Das Design der Türbeschläge sollte sich harmonisch in die detailreiche Gestaltung der Hotels einfügen.
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    Das Europa-Park Hotel-Resort bildet die digitale Reise lückenlos ab.
    © Salto
    Das Europa-Park Hotel-Resort bildet die digitale Reise lückenlos ab.
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    Der Zutritt an den Flurtüren zu den Suiten wird über verkabelte Wandleser gesteuert.
    © Salto
    Der Zutritt an den Flurtüren zu den Suiten wird über verkabelte Wandleser gesteuert.
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    Die zugehörigen Türsteuerungen sind für Gäste unsichtbar in angrenzenden Serviceräumen installiert.
    © Salto
    Die zugehörigen Türsteuerungen sind für Gäste unsichtbar in angrenzenden Serviceräumen installiert.

Arbeitsteilung bei Installation spart Zeit und Geld

Hinzu kamen anspruchsvolle Brandschutzvorgaben, die normgerecht umgesetzt werden mussten. „Die Herausforderung lag nicht nur in der Vielzahl der Türtypen“, so Seywald. „Wir hatten es auch mit acht unterschiedlichen Herstellern von Brandschutztüren zu tun. Jede Tür erforderte eine eigene, exakt abgestimmte Lösung.“ Auch der Zeitplan war äußerst straff. Die ersten Projektgespräche begannen im Herbst 2024, der Auftrag folgte im November. Die Deadline war für den Saisonstart Mitte März 2025 terminiert.

Gleichzeitig liefen mehrere Hotels mit hoher Auslastung weiter. Die Umrüstung musste daher weitgehend im laufenden Betrieb erfolgen und es durfte keine spürbaren Einschränkungen für die Gäste geben. Dass das Projekt reibungslos ablief, lag nicht nur an der Technik, sondern auch an der vorab genau definierten Zusammenarbeit: „Partnerschaftlich, mit festen Abläufen und klarer Zuständigkeit – so konnten wir trotz engem Zeitplan nahezu geräuschlos im laufenden Betrieb umrüsten“, sagt Projektmanager David Gehlert.

Das Technikteam des Europa-Parks übernahm Vorarbeiten und demontierte die alten Schließsysteme direkt vor der Installation der neuen Salto-Beschläge. Diese Arbeitsteilung sparte nach Angaben der Beteiligten Zeit und reduzierte Einschränkungen im Hotelbetrieb.

Die Entscheidung für Salto fiel laut Gehlert aus mehreren Gründen: Produktqualität, umfangreiche Schnittstellen und eine On-Premises-Architektur mit virtueller Vernetzung. Bedeutet: Die Software wird auf eigenen Servern im Unternehmen betrieben, nicht in einer externen Cloud. Daten werden lokal verarbeitet, Betrieb und Kontrolle liegen beim Betreiber. Bei mehreren tausend Türen hält dieses Modell nach Angaben des Europa-Parks die laufenden Kosten kalkulierbar. „Eine rein cloudbasierte Lösung wäre bei dieser Größenordnung deutlich teurer gewesen“, sagt Dominik Seywald. Basis war eine detaillierte Systemplanung durch den Fachpartner Koch.

Digitale Schlüssel kein Zusatzmodul, sondern fester Bestandteil

Zentrale Schnittstelle für den Gast ist die Hotels App. Sie bündelt Buchung, digitalen Schlüssel, Ticketing, Tischreservierungen, Treueprogramm und Wellness-Angebote. Ziel ist es, Prozesse zu digitalisieren und Abläufe zu vereinfachen. Die App ist seit Jahren im Einsatz und wird kontinuierlich erweitert. Ein wesentlicher Baustein ist die Ticket-Integration. Eintrittskarten für den Europa-Park und die Wasserwelt „Rulantica“ werden über eine Schnittstelle direkt in die App geladen. Gäste können sie bereits vor dem Check-in nutzen und am Einlass scannen.

Die digitalen Schlüssel sind per Software Development Kit (SDK) direkt in die App eingebunden, inklusive visueller Rückmeldung beim Öffnen. Ein SDK ist ein Entwicklungspaket für Programmierer. Es enthält Bausteine, mit denen sich Funktionen eines Systems in eine eigene Software einbinden lassen. „Die Schlüssel sollten kein Zusatzmodul sein, sondern integraler Bestandteil der Nutzerführung“, sagt Thomas Petmecky, Geschäftsführer von Open New Media, deren Plattform die digitalen Services bereitstellt. „Über die SDKs konnten wir eine klare, intuitive Bedienlogik umsetzen.“

Seit dem Start laufe das System stabil. Plastikkarten spielen weiterhin eine Rolle, fallen aber jetzt nicht mehr aus. Warteschlangen beim Check-out seien nun deutlich seltener. Mehr als 50 Prozent der Gäste nutzen nach Angaben des Freizeitparks bereits mobile Schlüssel – mit steigender Tendenz. „Das zahlt sich operativ aus – in Prozessen, Verfügbarkeit und Kosten“, so Gehlert.

Auch im Betrieb zeige sich der Effekt: Die Beschläge melden ihren Batteriestatus automatisch. Batterien lassen sich gezielt tauschen, Ausfälle vermeiden. Das reduziert Wartungsaufwand und Materialeinsatz. Gleichzeitig gewinnt das Rezeptionsteam Zeit für persönliche Betreuung.

Daten & Fakten

  • Sechs Themenhotels + Tipi Town mit Blockhauszimmern, Planwagen und Western Houses; siebtes Hotel in Planung
  • Knapp 1.600 „XS4 One“-Beschläge, 40 Wandleser und 850 Einsteckschlösser an Gästezimmertüren und im Back of House
  • Integration in „Hotels App“ von Hotelsuite mittels SDK sowie in „PMS Suite 8“ mittels nativer Schnittstelle
  • On-Premises-System-Layout mit virtueller Vernetzung (Salto Virtual Network, SVN) und Mobile Access („Justin Mobile“) ermöglicht transparente Kosten, flexiblen Betrieb und zukunftsfähige Skalierbarkeit

Projektbeteiligte

  • Auftraggeber & Anwender der digitalen Gästelösungen: Europa-Park GmbH & Co – Hotelbetriebe KG
  • Entwickler der hoteleigenen App-Lösung auf Basis der Hotelsuite-Plattform: Open New Media
  • Planung, Installation & Wartung der elektronischen Zutrittskontrolle: Koch Freiburg
  • Entwickler & Hersteller der elektronischen Zutrittskontrolle: Salto (auf Basis der „Salto Space“-Systemplattform)

Skalierbar: Planungsverfahren für siebtes Hotel angestoßen

Das Projekt basiert auf langfristiger Zusammenarbeit. „Wir kennen die Strukturen und Anforderungen seit Jahren“, so Thomas ­Petmecky. „Entscheidend sind Nutzerfokus, stabile Architektur und Technik, die im Hintergrund bleibt.“

„Ein System wirkt für den Gast nur dann nahtlos, wenn es auch zwischen allen Partnern nahtlos funktioniert“, ergänzt Seywald. Die Entwicklung geht weiter. Geplant seien Funktionen wie das Teilen digitaler Schlüssel zwischen Gästen, die Integration von Wellness-Schließfächern und die Einbindung weiterer Hotels. „Das System ist skalierbar und wächst mit den Anforderungen“, sagt Gehlert. Das gewinnt mit Blick auf die Ausbaupläne zusätzliche Relevanz: Gerade hat der Europa-Park bekannt gegeben, ein siebtes Hotel mit weiteren 350 Zimmern zu bauen.

Der Europa-Park in Rust nahe Freiburg ist Deutschlands größter Freizeitpark. Im vergangenen Jahr knackte er nach eigenen Angaben erstmals die Marke von sieben Millionen Gästen. red/nz