CEO der Oetker Collection Timo Grünert im InterviewNachfolger mit Kompass

Seit 1. Mai ist Timo Grünert CEO der Oetker Collection und damit Nachfolger von Frank Marrenbach. Zuvor fungierte er als Co-Geschäftsführer und Chief Financial Officer. (Bild: Patrick vom Berg (Ausschnitt))

Inmitten der Coronakrise die Führung einer der weltweit luxuriösesten Hotelkollektionen zu übernehmen, ist keine Selbstverständlichkeit. Erst recht nicht, wenn der Vorgänger Frank ­Marrenbach heißt. Für Timo Grünert ist die Oetker Collection aber alles andere als Neuland, und auch die strategische Weiterentwicklung hat er längst im Kopf. Wohin führt der Kurs des neuen CEO?

Anzeige

Tophotel: Herr Grünert, Sie treten den CEO-Posten der Oetker Collection in einer ebenso herausfordernden wie außergewöhnlichen Zeit an. Wie stellt sich die Lage für Ihre Gruppe aktuell dar?

Timo Grünert: Das akute Krisenmanagement mit Schließungen aller unserer neun Hotels liegt erst einmal hinter uns. Nun richten wir unseren Blick nach vorne und sehen langsam Licht am Ende des Tunnels. Unser Flagship-Hotel, das Hôtel du Cap-Eden-Roc in Südfrankreich, wird am 1. Juli wieder eröffnet. Das ist eine gute Nachricht. In Baden-Baden sieht es ebenfalls gut aus. Hier konnten wir mit dem Brenners  schon am 10. Juni wieder an den Start gehen. Ich würde jetzt gerne diesen positiven Ausblick auf alle Häuser übertragen, aber das funktioniert nur begrenzt. Die Situationen in Paris und London sind bekanntermaßen um einiges schwieriger. Und unsere Hotels in der Karibik stellen sich darauf ein, erst zur neuen Saison im Oktober wieder an den Start zu gehen.

“Die Lage ist anspruchsvoll, aber nicht existenzbedrohend.”
Timo Grünert

Eines Ihrer Häuser durchlebte in den vergangenen Jahren besonders stürmische Zeiten: Das Eden Rock St. Barths wurde 2017 durch Hurrikan Irma stark beschädigt. Nach der großangelegten Renovierung wurde statt 2018 erst Ende 2019 das Re-Opening gefeiert. Und jetzt die Schließung aufgrund der Corona-Pandemie. Wie gehen Sie und das Team mental damit um?

Gefühlt ist es noch nicht lange her, als nach dem Hurrikan alles in Schutt und Asche lag und das gesamte Hotel wiederaufgebaut werden musste. Und jetzt kommt Corona. Unser GM Fabrice Moizan hat in den vergangenen 36 Monaten eigentlich nur drei Monate als Hotelier fungiert – der Rest war Krisenmanagement. Überaus wichtig ist in einer solchen Phase, dass man vor Ort ein unternehmerisch denkendes Team hat, das trotz aller Widrigkeiten jeden Tag mit Optimismus ans Werk geht. Hinzu kommt: Das Haus war und ist sehr solide finanziert und versichert. Zudem hat es einen sehr starken Cash-flow, sprich: Wenn wir wieder in einer normalen Operation sind, bleibt unter dem Strich auch einiges übrig.

Verspüren Sie in dieser schwierigen Zeit – mit Blick auf die gesamte Gruppe –
Rückendeckung von Inhaberseite?

In der Tat. Die Oetker Collection befindet sich in einer sehr privilegierten Situation, weil wir sehr langfristig orientierte und auch gut kapitalisierte Eigentümer haben. Dies gilt für die Oetker-Gruppe selbst, der ja vier Hotels gehören, aber auch für die Eigentümer unserer fünf gemanagten Häuser. Insofern ist die Lage zwar momentan sehr anspruchsvoll, aber nicht existenzbedrohend.

Blenden wir die Coronakrise für einen Moment aus und wenden wir uns Ihrer neuen Position zu: Welche Entwicklung soll die Oetker Collection mit den Masterpiece Hotels unter Ihrer Führung in den nächsten Jahren nehmen?

Frank Marrenbach hat mich vor elf Jahren zu den Oetker Hotels geholt. Seither haben wir die Gruppe gemeinsam aufgebaut und geführt. Insofern entspricht die Collection sehr stark meinen bisherigen strategischen Gedanken und Prioritäten. Für die Zukunft steht somit eher eine evolutionäre Weiterentwicklung an. Hierbei möchte ich mich vorerst der Performance unserer bestehenden Häuser zuwenden. Mein Ehrgeiz ist, dem Portfolio noch einmal den letzten Schliff zu geben, sodass wir wirklich sagen können: “Wir machen den besten Job, den man sich vorstellen kann.” Darüber hinaus sehe ich noch Potenzial, die Marke beim Gast bekannter zu machen. Es kommt immer noch vor, dass ein Gast im Le Bristol Paris übernachtet und kurze Zeit später im Lanesborough oder im Brenners. Und er merkt nicht, dass alles zu einer Collection gehört. So sehr wir in den vergangenen Jahren darauf bedacht waren, die Individualität der Häuser in den Vordergrund zu stellen, müssen wir auch die Markenbekanntheit der Oetker Collection im Auge behalten.

“Wir müssen die Marken-bekanntheit der Oetker Collection im Auge behalten.” Timo Grünert

Die langjährige Zusammenarbeit mit Frank Marrenbach haben Sie bereits angesprochen. Was verbindet Sie, was unterscheidet Sie?

Uns verbindet sehr viel mehr, als uns unterscheidet. Beispielsweise ist unser Wertekompass deckungsgleich, ebenso das Verständnis von Qualität. Wir beide sind große Anhänger der Philosophie ‘Behandle jeden Menschen so, wie du selbst behandelt werden möchtest’. Das hat uns bei allem, was wir tun, immer sehr stark verbunden. Wo unterscheiden wir uns? Herr Marrenbach ist Vollblut-Hotelier und besitzt ein sehr starkes Gefühl für die Situation. Ich komme mehr von der Zahlenseite beziehungsweise der Struktur. Ich konnte in den vergangenen zehn Jahren aber viel von diesem Vollblut-Hotelier lernen – dafür bin ich sehr dankbar.

Interview: Mathias Hansen


Das könnte Sie auch interessieren: Frank Marrenbach wird Geschäftsführender Gesellschafter der Althoff Hotels.


 

Hinweis auf Ausgabe 5/6-20 von Tophotel: Das Interview mit Timo Grünert ist eines von zahlreichen Gesprächen, die wir für die brandneue Print-Ausgabe der Tophotel geführt haben.

  • Corona: Faire Lösungen bei den Themen Pricing, Vertrieb und Human Resources
  • Wie sich das Tagungssegment durch die Coronakrise verändern könnte
  • Welche F&B-Konzepte in den Augen von Experten jetzt eine Zukunft haben
  • Die Ergebnisse des Tophotel-Fotocontests “Keep Smiling” sowie
  • Die frisch gekürten Gewinner des Tophotel Newcomer Award

 

Anzeige