Das Viersterne-Superior-Hotel im Bayerwald hat kräftig umgebaut. Hotelchefin Sandra Geiger-Pauli zeigt, wie Familienurlaub, Entschleunigung und Wellness unter einem Dach funktionieren können.
Vier Monate und elf Tage war der Bodenmaiser Hof geschlossen. Zuletzt hat Sandra Geiger-Pauli, die Chefin des Betriebes, die Tage gezählt, auch weil sich die Wiedereröffnung verschoben hatte, nachdem aufgrund eines Unwetters im Bayerwald Wasser in den teilweise noch offenen Bau gelangt war. Dann aber gingen die Türen auf, die ersten Gäste kamen und es geschah das, was sie sich erhofft hatte: Der „Wow“-Effekt gelang.
Da wusste sie, dass ihr „Projekt Herzstück“ richtig war, auch wenn die Baumaßnahme nicht nur Geld, sondern auch Nerven gekostet hat. Denn Geiger-Pauli hat nicht „einfach“ nur erweitert oder umgebaut, sondern zugunsten des Gesamtkonzeptes heftig in den Bestand eingegriffen. „Wir mussten schmerzhafte Eingriffe in Kauf nehmen, um eine einheitliche Handschrift für den Bodenmaiser Hof zu kriegen“, erläutert ihr Mann Anton, der für die Technik verantwortlich zeichnet. „Aber diese Chance hat man nur einmal. Wir hätten es einfacher haben können. Dann hätten wir aber verschiedene gestückelte Anbauten, das wollten wir nicht.“
Der Bodenmaiser Hof blickt auf eine mehr als 100-jährige Geschichte zurück. Ursprünglich aus einer kleinen Limo- und Malzbierfabrik entstanden, wurde 1948 eine Bahnhofsgaststätte angebaut, die von den Einheimischen aufgrund ihrer Lage „Rundai“ genannt wurde – was niederbayerisch „rund“ bedeutet – und seitdem immer mal bei besonderen Dingen im Haus auftaucht. Zum Beispiel als Markenname für die Kosmetik, die von der heutigen Hausherrin selbst entwickelt wurde.
Traditionsbewusst mit viel Sinn für die Moderne
1963 kam der erste Hoteltrakt hinzu, geleitet von der Großmutter Rosa Geiger, die den Betrieb nach dem Tod ihres Mannes mit viel Engagement durch oft schwierige Zeiten brachte. Anschließend übernahmen Anita und Wolfgang Geiger die Leitung des Bodenmaiser Hofs. Sie erweiterten auf 60 Zimmer, wobei der Seniorchef lange Zeit die Regie über die Küche hatte und später sein Hobby, das Schnapsbrennen, zur Passion machte.
Tochter Sandra absolvierte als Erstes eine Kochlehre, war danach im Hotel Bayerischer Hof in München und bei Heinz Winkler in Aschau. Darüber hinaus machte sie an der Hofa Bad Wörishofen die Ausbildung zur Hotelfachfrau und schloss mit dem Hotelbetriebswirt ab. Als 2007 eine erste große Baumaßnahme im Bodenmaiser Hof anstand, stieg sie in das Familienunternehmen ein. 2015/16 begleitete sie den nächsten Erweiterungsbau; seit 2020 ist Sandra Geiger-Pauli als Geschäftsführerin alleinverantwortlich für den Betrieb.
Die 47-Jährige, die, wie sie sagt, ein „typisches Wirtshauskind“ ist und schon immer den Kontakt zu den Gästen gesucht hat, ist sehr traditionsbewusst. Allerdings nicht rückwärtsgewandt. So war die aktuelle Baumaßnahme für sie nahezu unausweichlich. Nicht nur, weil sie ihren drei Kindern eines Tages einen gesunden Betrieb übergeben will, sondern weil es speziell bei der Vielzahl an herausragenden niederbayerischen Hotels mit vier Sternen, vier Sternen plus und fünf Sternen ein Muss sei, sich abzuheben.
Gelungene Verbindung zwischen Bestand und Neubau
„Man muss ein Statement setzen und zur Marke werden“, sagt sie. Dabei war und ist sie in gewisser Weise Vorreiterin für eine Herzensangelegenheit: Familienurlaub mit Wellness verknüpfen. Das wurde in der Branche lange Zeit als unmöglich angesehen, weil das Ruhebedürfnis Erwachsener mit der Unruhe durch quicklebendige Kinder nicht miteinander vereinbar schien. Für Sandra Geiger-Pauli, die das Problem aus eigener Erfahrung bei Familienurlauben kannte, gab es eine Lösung dafür – und das belegt sie jetzt mit ihrem Millionenprojekt. „Wir brauchten mehr Platz für alle – für Ruhesuchende, Sportler, Wellnessgäste, Oma und Opa mit ihren Enkeln, Frischverliebte und Singles.“ Dieses Mehr an Platz – generell und für jeden Einzelnen – war für das Ehepaar eines der Hauptkriterien für ihr Vorhaben.
„Unser Ziel war es, trotz Erweiterung weniger Energie zu verbrauchen als vorher.“
Anton Pauli, verantwortlich für die Technik
Der Bau, den Geiger-Pauli seit vier Jahren geplant hatte, wurde unter der Regie des Architekturbüros Brunner in Viechtach immer wieder verfeinert und startete 2024 mit einer Tiefgarage. Im Mai 2024 musste dann die einstige Brennerei des Seniors Wolfgang Geiger abgerissen werden, ehe man an derselben Stelle den Rohbau für ein neues Gebäude hochziehen konnte. Um dann die Verbindung zwischen dem Bestandsgebäude und dem Neubau zu realisieren, musste man ein Stockwerk nach unten gehen und ein fünftes hinzu errichten. Das alles war ohne eine viermonatige Betriebsschließung nicht möglich.
Zur Wiedereröffnung am 12. Juli sind zu den bisher 60 Gästezimmern zwanzig weitere im Neubau hinzugekommen, die Lobby ist auf das Vierfache erweitert worden. Mittendrin und von der Lobby aus gut einzusehen, funkelt jetzt in einem bodentief verglasten, abgetrennten Raum der kupferfarbene Brennkessel, mit dem Wolfgang Geiger künftig Live-Vorführungen veranstaltet, wenn er Gin und andere Spezialitäten brennt. Die ebenfalls ebenerdige „Oma Rosa“-Bar wurde um acht Meter versetzt, geblieben sind die Loungesessel am Kamin und die überdachte Terrasse mit Blick auf den idyllischen Aquagarten auf drei Ebenen mit Outdoorpool und Natursee.
Der Bau des stählernen Innenpools wurde zur Herausforderung
Die Wasserwelten des Bodenmaiser Hofs wurden in drei Bereiche unterteilt: der Bereich Adults-only mit Innenpool und so viel Ruhe wie möglich, der reine FKK-Bereich mit acht verschiedenen Saunen und Dampfbädern, Ruheräumen und dem spektakulären „Naked Rock Whirlpool“ sowie als drittes der neue Familienbereich mit Planschbecken, Rutsche und großen Kuschelbetten. Die neue Rundai-Sauna im „Heimat Spa“ zeigt, wie sich Tradition und modernes Design verbinden lassen. Kleine Holzherzen erinnern an die Verzierungen früherer Wirtshausstühle.
Eine Herausforderung war die Installation eines neuen Innenpools mit abgegrenztem Ruhebereich: Familie Geiger-Pauli entschied sich hier für ein Edelstahlmodell mit neuer Länge und abgerundeter Form, was zu einem wahren Kraftakt wurde. „Dafür musste der gesamte Beton entfernt werden, anschließend wurde das Becken vor Ort zusammengeschweißt – Rundungen im Stahl sind extrem aufwendig“, erläutert Anton Pauli, „letztlich aber kommt das Material der Hygiene und Langlebigkeit zugute.“ Durch die Herstellung von Chlor mithilfe einer eigenen Elektrolyse sind auch die Wasserwerte optimal.
Nachhaltigkeit und ein effizienter Energieverbrauch waren beim Umbau ein großes Thema. „Unser Ziel war es, trotz Erweiterung weniger Energie zu verbrauchen als vorher“, sagt Anton Pauli. „Das haben wir tatsächlich geschafft – durch eine komplette Modernisierung der Lüftungsanlagen, der Heizungstechnik und mithilfe eines zentralisierten Heizungs- und Kältenetzes.“ Die Hoteliers setzen auf Blockheizkraftwerke, eine große PV-Anlage, Wärmepumpen – sprich: einen Energiemix, sodass das Haus sowohl mit regenerativer Energie als auch mit konventioneller fossiler Energie flexibel aufgestellt ist.
„Man muss ein Statement setzen und zur Marke werden.“
Sandra Geiger-Pauli, Inhaberin
Gestützt auch durch spezifische Baumaterialien wie Ziegelsteine, wärmedämmende Verbundsysteme für die Fassade und Sonnenschutzverglasung, die nurmehr 40 Prozent der Wärmestrahlung ins Zimmer lässt. „Wir kühlen die Zimmer nicht mehr mit einer Klimaanlage, sondern aktivieren das Gebäude über eine Kühlung, wodurch sich etwa vier Grad Raumtemperatur reduzieren lassen“, so Pauli. Gesteuert werde dies über eine Gebäude-Light-Technik, die es ermöglicht, die Energie punktuell wegzuschalten – etwa am Saunaofen, was die Spitzenlast enorm reduziert. Wichtig für ein Wellnesshotel ist außerdem die Wärmerückgewinnung, vor allem unter der Vorgabe, dass die Wärme nicht durch Lüftungsanlagen nach draußen dringt.
Streckmetallfassade umhüllt das Hotelgebäude
Großen Wert bei der umfangreichen Baumaßnahme legte Sandra Geiger-Pauli auf die Zusammenarbeit mit Handwerksbetrieben aus der Region. Einzig bei der Außenfassade, die erst im Herbst angebracht werden kann, setzte sie auf eine Metallfirma in Südtirol, die eine sogenannte Streckmetallfassade für das abgerundete Rundai-Gebäude maßanfertigt und bis Herbst Stück für Stück mit unterschiedlichen Längen anbringen wird. Die Fassadenverkleidung in warmen erdigen Farbtönen wirkt wie ein Vorhang um das Gebäude. Zusätzlicher Nutzen ist, dass die Gäste dahinter auf ihrem Balkon vor Blicken geschützt sind, selbst aber herausschauen können.
„Herzlich, chic, wertvoll“, so lautet das zentrale Motto des Hauses. Das zeigt sich auch in den Zimmern, die mit speziell gefertigtem Mobiliar, heimischen Hölzern, Naturstein und vielen samtigen Stoffen ausgestattet wurden. Die neuen Gästezimmer im Anbau bekamen dabei einen „Nesterl“-Fensterliegeplatz, auf dem man weich ruhen, lesen und aus dem Fenster schauen kann. Die Waschtische bestehen aus grünlichem „Goldenlightning-Naturstein“, die ein Steinmetz im Nachbardorf gefertigt hat.
Die drei Suiten im dritten Obergeschoss sind zwischen 95 und 140 Quadratmeter groß. Zur Ausstattung gehören geräumige Bäder, ein Effektkamin, eine private Sauna sowie ein Jacuzzi auf dem großzügigen Balkon. Viel Platz finden Familien in den 54 bis 78 Quadratmeter großen Suiten mit separatem Kinderschlafzimmer und teilweise Jacuzzi auf dem Balkon. Im Rahmen des Umbaus kamen für die Kids außerdem zur bestehenden Räuberhöhle im Freien neue Kinderspielräume mit Kinderbetreuung sowie Familienbereiche im Restaurant hinzu.
Das verbindende Element: „Die besondere Herzlichkeit der Gäste“
Zu durchschnittlich etwa 80 Prozent ausgelastet, rechnet die Chefin damit, dass aufgrund des Umbaus sicher auch neue Gäste kommen werden – eventuell mehr Familien. Schon jetzt sind in den Ferienzeiten oft bis zu 40 Kinder im Haus, das sei nun deutlich entzerrt und für alle Gäste besser gelöst. „Ich finde, ein Hotel und seine Gäste müssen zusammenpassen“, sagt Geiger-Pauli. „Die Gäste, die in den Bodenmaiser Hof kommen, passen zu 100 Prozent ins Haus. Sie sind einfach alle besonders herzlich.“ Und das wiederum passt optimal zu den Gastgebern.
Steckbrief Bodenmaiser Hof
- Eröffnet: 1963 als Hotel, 2026 Re-Opening nach Umbau
- Inhaber/Bauherr: Hotel Bodenmaiser Hof
- General Manager: Sandra Geiger-Pauli
- Betriebstyp: Viersterne-Superior
- Bauzeit: vier Monate
- Investition: keine Angabe
- Architekt: Architekturbüro Brunner, Viechtach
- Innenarchitekt: Geplan Design, Stuttgart
- Interior/Firmen: Fritz Schlecht SHL (Möbel, Einbaumobiliar), Marina-Armaturen, Metall Tec (Fassadenverkleidung) sowie regionale Handwerksbetriebe
- Zimmerzahl: 80 (darunter 14 Suiten, 45 bis 140 m²)
- Zimmerpreise: pro Nacht EZ ab 190 Euro; DZ ab 370 Euro, Suite ab 460 Euro (jew. inklusive Dreiviertel-„Verwöhnpension“)